Die Sonntagsfrage

Wie stecken Sie Reisende mit Lesefieber an, Herr Then?

Bei Piper hatte man eine abgefahrene Idee: In Fernreisebussen legt der Verlag Flyer aus; QR-Codes führen die Reisenden zu kostenlosen Leseproben - anschließend lässt sich leicht das E-Book erwerben. Marketingleiter Michael Then, der das Konzept auch auf den Buchtagen Berlin vorstellt, lüftet in unserer Sonntagsfrage den Schleier.

Laut einer Studie der Deutschen Bahn unternehmen die Deutschen jedes Jahr 331 Reisen. Das heißt: Wir sind fast täglich mit Verkehrsmitteln unterwegs. Mit Reisen sind nicht im klassischen Sinne Urlaubsreisen gemeint, sondern generell Verbindungen von A nach B. Lediglich acht Reisen sind klassische Urlaubsreisen. Allein 110 Reisen stehen in direkter Verbindung mit Arbeit / Schule.

Durch den Wegfall des Bahn-Monopols auf Fernreisen traten vor knapp zwei Jahren Busunternehmer auf den Plan, um an den 331 Reisen teilzuhaben. Fernbus-Reisen waren das Medien-Thema, vor allem weil die Bahn dadurch unter Druck geriet, inzwischen ein eigenes Bus-Unternehmen aufzieht und auch Anbieter wie ADAC, Post und ALDI auf den Plan rief.

Unsere Idee war, die Reisezeit zu verkürzen. Erste Erfahrungen hatte Piper bereits mit Bahn-Reisenden gemacht: Dort haben wir seit gut vier Jahren die Fahrpläne mit Anzeigen versehen, die einen QR-Code enthalten. Da allerdings die Bahn im Gegensatz zu Busunternehmen kein kostenfreies WLAN anbietet, und die Internetverbindung nicht auf allen Strecken fehlerfrei funktioniert, konnten wir nur eingeschränkt eine echte Interaktion zwischen Verlag und Leser aufbauen.

Bei city2city, unserem Bus-Partner, ist das anders. Kostenfreies WLAN, attraktive Preise und ein Verbindungsnetz von Nord nach Süd waren ideale Voraussetzungen für einen Flyer, der Leseproben via QR-Code anbietet und im Anschluss eine direkte Bestellmöglichkeit bereitstellt. Unterschiedlich lange Leseproben zu unterschiedlichen Genres und Autoren erlauben dem Reisenden ungetrübten Lesespaß für die jeweilige Reisezeit.

Wie kommt auf so eine Idee? Indem man die Frage beantwortet: Kann man als Leser unterwegs sein und doch auf dem Laufenden bleiben?

Reisen und Anregungen für Lektüre zu bekommen ist angesichts der Verbreitung von Smartphones heute kein Hexenwerk mehr. Über 58 Prozent der E-Book-Leser lesen laut einer aktuellen Studie von Bitkom auf Smartphones - erst danach kommen Tablet und E-Reader. Dieser wachsenden Zahl von Lesern bieten wir mit dem Flyer Lesefutter. 10.000 Flyer waren bei der ersten Staffel gleich nach Weihnachten weg, so dass wir Anfang diesen Jahres nochmals 5.000 nachgedruckt haben. Der aktuelle zweite Flyer geht in einer vergleichbaren Auflage in die Busse. Das Feedback: Es funktioniert. Klasse gemacht und über 900 Aufrufe zu den einzelnen Titeln.

Werden bestimmte Genres bevorzugt? Nicht andere als in der Warenwelt der Bücher. Und wenn es anders wäre, würde ich es nicht verraten. Insgesamt 17 Leseproben bietet der aktuelle Fyler time4books [Anm. d. Redaktion: siehe als Anhang unter diesem Beitrag]: Von Sachbüchern, über Krimis, Unterhaltung und Reisebericht ist alles drin, was Piper zu bieten hat. Bücher für jeden Geschmack, leicht erkennbar an einfachen Symbolen, die bei der Auswahl helfen.

Garniert mit einem Gewinnspiel, dass beim letzten mal über 800 mal aufgerufen wurde, ist unsere Reisebibliothek mit city2city ein Schritt auf unsere Leser zu, um mehr zu erfahren über Lesegewohnheiten und Nutzungsverhalten: So ist es interessant festzustellen, dass aktuell die Nutzung von Android gegenüber IOS erstmals die Gewichte verschiebt: IOS verliert Anteile, während Android inzwischen über 50 Prozent der Abrufe für sich verbuchen kann.

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2 Kommentar/e

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  • buch-zur-heide

    buch-zur-heide

    Scheinbar eine schöne Idee, aber wer räumt den Papiermüll aus den Bussen und den Straßen, wenn die Flyer nach dem Überfliegen (und sogar vielleicht nach dem Herunterladen der Leseprobe) achtlos zu Boden geworfen werden? Ach ja, das Drucken in hohen Auflagen bei Flyeralarm und Konsorten kostet anteilig immer weniger, da braucht man sich nicht auch noch um die eigenen Hinterlassenschaften zu kümmern. Und wo bestellt der geneigte Interessierte? Doch beim Verlag und nicht in der Buchhandlung - nehme ich an. Alles in allem eine nicht wirklich abgefahrene und wegweisende Idee!

  • Rainer Zenz

    Rainer Zenz

    10.000 Flyer fallen beim Gesamtverbrauch von Papier nun wirklich nicht ins Gewicht.

    Dass der geneigte Interessierte im Bus nicht bei einer Buchhandlung bestellt, sondern bei einem Online-Händler oder direkt beim Verlag, liegt auf der Hand. Es geht um E-Books, die werden sowie so praktisch nicht bei Buchhändlern gekauft, und es ist die Werbeaktion eines Verlags.

    Die Idee finde ich jedenfalls ausgesprochen pfiffig. Und es hindert niemand einen Buchhändler, der E-Books anbietet, etwas vergleichbares zu starten. Vielleicht im kleineren, örtlichen Maßstab, z. B. in Arztpraxen.

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