Buchtage 2014: AKEP-Jahrestagung

Self-Publishing ist längst ein Geschäftsmodell, auch für Verlage

Self-Publishing hat sich emanzipiert und motiviert immer mehr Verlage, sich selbst auf diesem Feld zu engagieren. Die Subkonferenz "Selfpublishing: Bedrohung oder Chance für Verlage" bot dazu interessante Einblicke. Sie war nur eine von fast 20 Subkonferenzen, die gestern Nachmittag bei den Buchtagen im Berliner BCC stattfanden. VON ROE

Der Arbeitskreis E-Book des AKEP (Arbeitskreis Elektronisches Publizieren) hatte zur Subkonferenz „Selfpublishing“ eingeladen. Matthias Matting, selbst erfolgreicher Selfpublisher und derzeit für digitale Aktivitäten bei der Münchner Verlagsgruppe zuständig, stellte erste Ergebnisse seiner neuen Self-Publishing-Umfrage unter rund 700 Autoren vor, die Anfang Juli auf der Plattform selfpublisherbibel.de in vollem Umfang veröffentlicht werden soll. 


Die Verkaufserfolge einiger deutscher Selfpublisher
, die meist über das Amazon-Programm Kindle Direct Publishing einsteigen, können sich durchaus sehen lassen. So hat die Autorin Poppy J. Anderson bis jetzt 400.000 E-Books verkauft, Hanni Münzer 295.000 und Nika Lubitsch 280.000. Matting selbst kommt auf inzwischen 150.000 E-Books. Im Ranking der Amazon-E-Book-Bestseller nehmen die Selfpublishing-Titel rund 60 Prozent ein, der Anteil der Verlags-E-Books sinkt unter ein Drittel.

Von den über 700 befragten Autoren haben die meisten zwischen ein und zehn Bücher veröffentlicht. Mehr als zehn Bücher publiziert haben 45 Autoren, mehr als 20 immerhin noch 34. Die meisten Autoren erzielen mit ihren E-Books nur geringfügige Umsätze (unter 50 Euro im Monat); nur 21 Autoren verdienen pro Monat mehr als 5.000 Euro mit ihren selbstpublizierten Büchern – und dürften daher auch im Bestseller-Ranking vertreten sein. Mattings Befragung zeigt in einem weiteren Punkt, dass Selfpublishing nicht kostenlos zu haben ist. 48 Autoren gaben an, vorab mehr als 1.000 Euro pro Titel investiert zu haben.

Das Selfpublishing hat die anfangs typischen Genrebeschränkungen hinter sich gelassen, wie die Ergebnisse zeigen. Neben den traditionellen Genres Erotik, Frauenliteratur, Krimi, Thriller und Fantasy haben sich inzwischen auch allgemeine Gegenwartsliteratur, Kinder- und Jugendbücher, Gedichte sowie Sachbücher und Ratgeber etabliert.

Ein weiterer interessanter Befund betrifft das Pricing der Selfpublishing-Titel. Die 99-Cent-Regel befolgt kaum jemand mehr, stattdessen verlangen viele Autoren inzwischen vier oder fünf Euro für ein E-Book. Der Durchschnittspreis in den Top Ten bei Amazon liegt derzeit bei 2,87 Euro.

Das Übergewicht, dass vor allem Amazon mit seinem Selfpublishing-Programm hatte, existiert so nicht mehr. Inzwischen gibt eine deutliche Mehrheit der befragten Autoren (450) an, ihre E-Books über Distributoren (bookrix, epubli, neobooks, xinxii und andere) zu vertreiben.

Matthias Mattings Studie enthält noch viele weitere interessante Details über den Selfpublishing-Markt, die etwa Anfang Juli auf selfpublisherbibel.de nachzulesen sind.

Inzwischen sind einige Verlage selbst als Selfpublishing-Dienstleister aktiv: Droemer Knaur mit neobooks, Bastei Lübbe mit der jüngst übernommenen Plattform bookrix, Oetinger mit Oetinger 34 und seit April auch Lyx Storyboard vom Egmont-Imprint Egmont Lyx.

Dennis Schmolk, Portalmanager von Lyx Storyboard, stellte das Konzept in der Selfpublisher-Subkonferenz vor. Die eingereichten Titel nehmen an einem Wettbewerb teil, dessen Sieger in das Digitalprogramm von Egmont Lyx aufgenommen wird. Die Besonderheit: Der beste Autor wird von der Community selbst ausgewählt, ohne die Kontrolle durch ein Lektorat. Dennis Schmolk und sein Team sind davon überzeugt, dass die Community selbst kritisch genug ist und über das notwendige Qualitätsbewusstsein verfügt.

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5 Kommentar/e

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  • Nadja

    Nadja

    Mit 6-stelligen Verkaufszahlen kann ich noch nicht glänzen. Amazon ist für mich eine wichtige Verkaufsplattform, allerdings ist für mich eine professionelle Konvertierung meines E-Books und die Auslieferung auch an andere Shops essenziell. Ich nutze dazu XinXii, die das kostenfrei, unkompliziert und einwandfrei übernehmen.

  • Hilke Bußmann

    Hilke Bußmann

    Ich frage mich, wann endlich verstanden wird, WAS Self-Publishing eigentlich ist. Self-Publishing umfasst das verlagsunabhängige Publizieren eines Autors auf eigene Kosten, auf eigenes Risiko, in voller Verantwortung. Weder Oetinger34 noch LYX-Storyboard (auch wenn ich beide Plattformen an sich interessant und gut finde) sind Self-Publishing-Anbieter. Am Ende steht eine Publikation mit einem Verlag. Es handelt sich dabei lediglich um eine Plattform für Autoren, Texte online zu stellen. Nicht mehr.

    Solche Trittbrettfahrerei tut dem Self-Publishing nicht gut.

  • Guido Latz

    Guido Latz

    Im Gegenteil, Frau Bußmann. Man hat sehr gut verstanden, was SP ist - man hat verstanden, dass es auch andere Kunden gibt, außer dem Buchhandel, der einen bezahlen kann. Eine Gruppe, der man früher Geld gegeben hat.

  • M. Fink

    M. Fink

    Frau Bußmann hat völlig recht - mit Selfpublishing hat so was gar nichts zu tun, Trittbrettfahrerei dagegen trifft es sehr genau.
    Ich kann über diese Versuche, möglichst ohne Mühe ein Stück vom Kuchen haben zu wollen, nur den Kopf schütteln.
    Die Modelle dieser Verlage haben alle ein ähnliches Muster:
    Stets gibt es Wettbewerbe und der Gewinner wird digital veröffentlicht.

    Jeden Autor, der sich darauf einlässt, sollte man noch mal auf die Schulbank schicken, um Rechnen zu lernen.

    Und stets ist es die "Community", die ohne Lektorat entscheidet.

    Heißt, der Verlag investiert nichts und spart Personal. Oder beschäftigt Studenten, die sich Lektoren nennen dürfen.

    Und was das "Qualitätsbewusstsein" besagter Community angeht - realiter sieht es so aus, dass derjenige, der es versteht, Familie, Verwandtschaft, Schulklasse und Fußballverein oder was auch immer zu mobilisieren, vorne liegt. Bezeichnenderweise schießen bei solchen Wettbewerben stets die Neuanmeldungen wie Pilze aus dem Boden.
    Von Qualitätsbewusstsein zu reden klingt da fast wie Hohn.

    Ein flüchtiger Blick in Internetforen könnte den Verlagen rasch zeigen, was Selfpublisher von solchen "Chancen" halten.

  • Dennis Schmolk

    Dennis Schmolk

    Leider entdecke ich diesen Artikel erst jetzt, sonst hätte ich mich früher geäußert. Ich habe während des Vortrags klar gesagt, dass wir kein SP-Dienstleister sind wie neobooks und bookrix - wir sind auch keine "Matchmaking"-Plattform wie Oetinger34. Wir sind genau das, was wir kommunizieren: Eine Schreib- und Leseplattform. Unsere Zielgruppe deckt sich zu maximal 10% mit derjenigen von "SP-Dienstleistern".

    Die Klammer drumherum: Egal, welches dieser Angebote wir betrachten, es sind alles REAKTIONEN auf das Phänomen Selfpublishing. Was aber nicht heißt, dass alle Angebote "Selfpublishing" sind.

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