Amsterdamer Gericht gewährt Gläubigerschutz

Swets-Gruppe ist insolvent

Der Informationsdienstleister Swets (Swets & Zeitlinger Group B.V.) mit Sitz im niederländischen Leiden hat Insolvenz angemeldet. Eine entsprechende Meldung hat die deutsche Tochter Swets Information Services bestätigt.

Die niederländische Website faillissementsdossier.nl (vergleichbar der deutschen Seite insolvenzbekanntmachungen.de) hatte gemeldet, dass Swets & Zeitlinger durch ein Amsterdamer Gericht vorläufiger Gläubigerschutz gewährt worden sei – ein Schritt, der notwendig ist, um den laufenden Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Das Unternehmen ist für die Dauer der Anordnung seiner Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern (also vor allem Verlagen) enthoben.

Der auf Insolvenzrecht spezialisierte Anwalt J. L. M. Groenewegen (Kanzlei CMS) ist zum Insolvenzverwalter bestellt worden.

Swets & Zeitlinger bietet unter dem Markennamen Swets Informations- und Aboverwaltungsdienste für Fach- und Wissenschaftsbibliotheken in 160 Ländern an. Weltweit unterhält die Gruppe 20 Büros, darunter auch in Deutschland (Frankfurt). Welche konkreten Auswirkungen die Insolvenz auf Swets Information Services in Deutschland hat, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen.

 

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17 Kommentar/e

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  • G.Holzbauer

    G.Holzbauer

    Da dürfte es jetzt aber wirklich ernst werden...es gab ja bereits im Jahre 2004 ebenfalls eine Meldung, dass Swets finanzielle Engpässe hat...doch diesmal handelt sich um ein angemeldetes Insolvenzverfahren...was mich stutzig macht, ist der Zeitpunkt...als Bibliothekar stehe ich nun wieder unter Zeitdruck eine Entscheidung treffen zu müssen.

  • Thomas Emig, Wasmuth Buchhandlung & Antiquariat

    Thomas Emig, Wasmuth Buchhandlung & Antiquariat

    Bei allem Mitgefühl für die betroffenen Kollegen/Innen, die Kunden und die Verlage, die vielleicht wieder mit Ausfällen rechnen müssen - bleibt zu hoffen, daß sich die Kunden (Bibliotheken und andere institutionelle Kunden) wieder auf ihre lokalen, durchaus leistungsfähigen Bibliotekslieferanten besinnen und diesen die Chance geben, wieder in den Lieferantenkreis aufgenommen zu werden; gleich ob es um E-Books, E-Journals oder Print-Abonnements geht. Die Anbieter sind da, die Gelegenheit zum Wechsel ebenso - also: gemeinsam das Beste aus der unangenehmen Situation machen !

  • G. Holzbauer

    G. Holzbauer

    @Thomas Emig:
    Ja, da gebe ich Ihnen recht. Bei uns in Österreich kämen eine Handvoll kleinerer, aber durchaus kompetene und verlässliche Buchhandlungen in Betracht. Im Allgemeinen hat man die letzten Jahrzehnte vermehrt auf die sog. "Großen" gesetzt... mit dem Ergebnis, dass es eigentlich nur mehr zwei "wirklich große Anbieter" gibt, wobei nun einer "wankt"...und auch im Glauben, dass "groß" auch Sicherheit bedeutet...nun, dem ist wahrlich nicht so.

  • Thomas Emig, Wasmuth Buchhandlung & Antiquariat

    Thomas Emig, Wasmuth Buchhandlung & Antiquariat

    @Gebauer
    Es wäre zu wünschen, daß viele Ihrere Kollegen Ihre Ansicht teilen - wir sind seit 1872 im internationalen Bibliotheksgeschäft tätig und sind stolz auf unseren persönlichen Kontakt und die direkte, serviceorientierte Betreuung unserer Kunden. Vielleicht siegt zukünftig doch Tradition im Sinne von langjähriger Zusammenarbeit und Service über die reine Größe und das immer billigste (?) Angebot - Ihr Kommentar gibt allen Anlass zur Hoffnung !

  • Denise R.

    Denise R.

    Mir wurde noch vor fünf Tagen (!!!) von unserem Betreuer bestätigt, dass alle journals und serials bei Swets in besten Händen seien. Es ist der Vertrauensverlust der mich nun handeln lässt. Ein splitting auf verschiedene, kleinere Agenturen scheint nun unumgänglich. Nichtsdestotrotz wünsche ich den KollegInnen von Swets alles Gute.

  • Alfred K.

    Alfred K.

    Alle Konkurse von Bibliothekslieferanten, die ich 'miterlebt' habe, als Betroffener oder 'Zuschauer' - RoweCom, Login Brothers - hatten eines gemeinsam: bis zur ploetzlichen Insolvenzerklaerung wurde ein erstaunlicher Anschein der Normalitaet aufrechterhalten. Der 'wake-up call' fuer mich war der Konkurs von Login Brother, bei dem unsere Universitaetsbibliothek einen Teil der Vorauszahlung verlor. Der Verlust war relativ gering, aber die Anreize zur Vorausbezahlung der Zeitschriftenabonnements hatte ihren Glanz verloren. Ich wehrte mich gegen die Versprechen von RoweCom und gluecklicherweise waren meine Kollegen und Vorgesetzte der gleichen Ansicht.
    In diesem Geschaeftszweig ist es notwendig einen besseren Schutz der Ueberweisungen an Angenturen bereitzustellen. Wenn ich mich recht erinnere, hatte Swets 2004 angeboten, die Vorauszahlung in den Haenden einer niederlaendischen Bank zu lassen - als Sicherheit. Das war mir stets suspekt, obwohl das auf dem Papier gut aussah.
    Die Verteilung der Abonnements auf kleinere Agenturen, oder die direkten Abonnements mit den Verlagen sind aus meiner Sicht auch keine gute Alternative.



  • Denise R.

    Denise R.

    @Alfred K.
    Der "bessere Schutz der Überweisungen", wie soll der funktionieren? Jedesmal eine Bankgarantie der Agentur? Ich denke, das wird nicht zuletzt aus Kostengründen nicht umsetzbar sein. Es gilt, das Risiko zu minimieren und da denke ich, dass ein splitting auf mehrere Lieferanten ein guter Weg ist. Vor allem aber ist es ein Weg, der im Falle einer Insolvenz einer Agentur, nicht den Nachgeschmack eines fahrlässigen Handelns nach sich zieht.

  • Dr.Christian Preuss-Neudorf

    Dr.Christian Preuss-Neudorf

    Mit großem Eifer haben sich in den vergangenen Jahren Agenturen zusammenschließen lassen, um ihre Angebote für Bibliotheken (vor allem preislich) weiter vorteilhaft gestalten zu können. Damit waren sie in öffentlichen Ausschreibungen stets erfolgreich, schließlich (so heisst es immer) liest der Rechnungshof mit.

    Der Grundmechanismus der Ausschreibung (Bester-Preis = Gewinner) stellt sich nun aus einem anderen Blickwinkel dar. Während der öffentliche Auftraggeber beim Gewinner über die Jahre einige Prozentpunkte Ersparnis realisieren konnte, wird nun die Abschlussrechnung präsentiert: Ein möglicherweise vorausbezahlter Betrag ist nun verloren und damit die Kalkulation von Jahren über den Haufen geworfen. Der billige Anbieter ist nun sehr, sehr teuer!

    Künftig wird es darauf ankommen, bei der Beauftragung hin und wieder auch damit zu rechnen, dass ein besonders preisgünstiger Anbieter sein letztes Aufgebot bestellt hat, nicht ohne zuvor mit seinen Dumpingpreisen den einen oder anderen Anbieter ins Aus gestoßen zu haben, bevor er selbst untergeht und die Existenz seiner Mitarbeiter gefährdet.

    Auftraggeber/Kunden/Nachfrager spielen offensichtlich eine ganz aktive Rolle bei der Gestaltung des Marktes, auf dem sie anschließend selber einkaufen. Das gilt nicht nur für Innenstädte. Als Bibliothek komme ich nicht umhin, die personalintensive Arbeit gebündelt auf einen Profi zu übertragen. Diese Aufgabe selbst zu erledigen verbietet sich wegen des Personalaufwands und der damit verbundenen technischen Ausstattung von selbst. Ich habe allerdings die Wahl, mit wem ich zusammenarbeite und worauf ich bei der Beauftragung Wert lege. Dazu sollte im Zweifel auch das erforderliche Maß an seriöser Transparenz gehören, das man einem Partner in jahrelanger, vertrauensvoller Zusammenarbeit schuldet.

  • Bob-Rooney

    Bob-Rooney

    @ G.Holzbauer

    "..es gab ja bereits im Jahre 2004 ebenfalls eine Meldung, dass Swets finanzielle Engpässe hat...als Bibliothekar stehe ich nun wieder unter Zeitdruck eine Entscheidung treffen zu müssen...."

    Ich vermag mir nicht vorzustellen, wie Sie das als Bibliothekar überhaupt aushalten. Alle 10 Jahre dieser (Zeit)Druck.... ich könnte das nicht...!

  • G. Holzbauer

    G. Holzbauer

    @Bob-Ronney
    ...Ja, es ist schrecklich :-)...unglaublich schrecklich...
    aber Spaß beseite: wir haben nun einige Tage ( max. 2 Wochen) Zeit, den neuen Lieferanten zu wählen, 1450 Abonnements umzubestellen, die Laufzeiten der journals zu überprüfen, ausstehende Urgenzen durchforsten, etcetc....und das bei unbefriedigendem Personalstand, Wer das schon mal gemacht hat, weiß was sich meine...
    selbstverständlich schaffen wir es, die Zeit ist trotzdem knapp!

  • Hessebub

    Hessebub

    Im Jahre 2004 gab es bei Swets eine Umstrukturierung. Auch das Büro in Frankfurt war damals nicht wenig betroffen. Ich selbst habe zu dieser Zeit bei Swets gearbeitet und diesen "Umbau" miterlebt. Damals wurde bei Swets vieles neu aufgesetzt. Allerdings ist es nach dieser Umstrukturierung in den täglichen Abläufen meiner persönlichen Erfahrung nach (ich habe Swets 2006 verlassen) nicht einfacher geworden.

  • C.Russ

    C.Russ

    @Bob-Ronney:Wir sind als Buchhandlung seit vielen Jahren im internationalen Besorgungsgeschäft für Bibliotheken etc. tätig.Wie werden Sie den neuen Lieferanten suchen?Läuft das über eine öffentliche Ausschreibung?

  • Alfred K

    Alfred K

    @Denise R.
    Splitting kann das Risiko mindern, hat aber auch seine Nachteile: groessere Anzahl der Agenturen, hoehere Kosten in Bibliothek und bei Agenturen, etc.
    Die Frage nach einem angemessenen Schutz der Ueberweisungen ist unumgaenglich. Man muss davon ausgehen, das Agenturenkonkurse zum schlimmsten Zeitpunkt stattfinden.
    Es wird auch im Interesse der uebrigen Agenturen sein, ihren Kunden verbesserten finanziellen Schutz anzubieten.
    Das Geschaeftsmodel der Agenturen - besonders der Grossagenturen fuer akademische Bibliotheken - hat sich in mancher Hinsicht geaendert: weniger Abonnementsverwaltung und mehr Angebote fuer Lizenzverwaltung, e-Journal Infrastruktur, etc.
    Manche dieser neuen Angebote machen ein Splitting sehr kompliziert.
    Ich bin mir sicher das die verbleibenden Agenturen an Mitteilungen ueber ihre finanzielle Staerke arbeiten.
    Wie kann man die Zahlungen besser schuetzen? Ich bin kein Finanzexperte, aber die gegenwaertige Lage birgt zu viele Risiken.
    Anfangspunkt bieten die vergangenen Konkurse: RoweCom, Login, ... Es gab in einigen Faellen Warnzeichen aber oft nur kurz vor dem Konkurs, zu spaet um Ueberweisungen zu 'retten'. Im Falle eines Konkurses hat man in den USA als Kunde in solchen Faellen so gut wie keine Chancen, auch nur einen Teil der Ueberweisung zurueckzubekommen. In der Glaeubigerliste steht man weit unten.

    Alfred

  • franz.wanner

    franz.wanner

    Ich erinnere mich gut. Vor etlichen Jahren lauschte ich als Vertreter von der LSL GmbH einem Fachvortrag von Swets zur fachkundigen Kundenbelieferung. Die Marktmacht von Swets schien für uns illusionär.
    Jetzt gilt mein Herz den dort tätigen Mitarbeitern.
    Wie konnte es nur dazu kommen?
    Sehr viel gibt die Bekanntgabe an Gründen nicht her.
    Hat die schiere Größe die Flexibilität an neue und moderne Marktanforderungen untergraben?
    Ging an der Größensucht das Bewußstein von existenzsichernder Marge flöten?
    Oder wurden scheinbar (noch) nicht wesensbestimmende Kundenanforderungen an technischem Service hinangestellt?
    Oder sollte einfach alles auf einmal erfolgen?
    Ich kann es noch nicht wissen.

    Zweifelsfrei sind Händler heute unter verstärktem Druck. Verlage vermeinen auch technisch und im Service, die Kundendirektbeziehungen selber meistern zu können und Kunden fordern (davon korrumpiert) das kostenlose zusätzliche Extra. Und Extra meint mehr als nur Service... Manchmal verlagern ja Kunden sogar ihre eigene Weiterentwicklung auf die Dienstleister.

    Ich habe um die Kunden keine Bange. Der Anbieterkreis ist breit und leistungsstark. Und mit dem Wechsel wird vielleicht sogar ein eigner Entwicklungsschritt sogar noch vorgezogen. Die anbieter dazu sind da.

    Zumindest sollte aber die Potenz für eine langfristige Partnerschaft geprüft werden. Partnerschaft schliesst ja eine gemeinsame, entwickeltere und sichere Zukunft ein, nicht nur den billigsten Deal im Tagesgeschäft an der näcsten Ecke.

  • W. Lochbühler

    W. Lochbühler

    @ G.Holzbauer, Nr. 10
    Sie schreiben, Sie hätten nur 14 Tage Zeit für die Umplatzierungen. Warum? Eigentlich sollten Abos bis Ende 2014 durch Swets noch an die Verlage gezahlt sein. Haben Sie regalfertige Lieferung?

  • Laura | Rechtsanwälte in den Niederlanden: AMS Advocaten

    Laura | Rechtsanwälte in den Niederlanden: AMS Advocaten

    Es ist immer schade, wenn solche Unternehmen Insolvenz
    anmelden. Ich bin gespannt, ob sie noch einmal
    durchstarten können.

  • J.Paulsen

    J.Paulsen

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