Lesetipp, Heinrich Riethmüller zur Zukunft des Buchhandels

"Ein Umdenken ist möglich"

Über die Zukunft des Buchhandels ist noch lange nicht entschieden – wenn die Kunden ihr Einkaufsverhalten überdenken: "Wer ausschließlich online kauft, steht bald vor verrammelten Läden in der Innenstadt", schreibt Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller (Osiander) heute in einem Beitrag für den NDR.

"Es ist lange her, dass der Buchhandel Amazon unterschätzt hat", so beginnt der Kommentar zur Zukunft des Buchhandels, der heute auf der Website des NDR online ging (zum Themenschwerpunkt: Die Zukunft des Buchhandels). Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller lässt darin keinen Zweifel daran, dass ein Umdenken möglich ist. So ist auch sein Beitrag überschrieben.

Riethmüller analysiert darin die Bewegungen innerhalb der Branche, die Veränderungen, die zahlreichen Investitionen in Kundennähe – und das Alleinstellungsmerkmal des Buchhandels: "Der 'USP' des Buchhandels ist die Beratung − die umfängliche, fachspezifische und begeisternde Beratung. Und die Beziehung zum Kunden, also die Kenntnis über den Kunden oder das Einfühlungsvermögen, wie dieser Kunde tickt", so Riethmüller. Das Markenzeichen der Branche laute Vielfalt. Wenn man diese Vielfalt erhalten wolle, so Riethmüller weiter, müssten alle zusammenstehen. Sowohl Verlage, Buchhandlungen, Seiteneinsteiger und Unternehmen wie Spiegel Online (siehe: "Der Buchhandel in seiner Gesamtheit") – als auch Kunden und Leser. Riethmüller: "Wer ausschließlich online kauft, steht bald vor verrammelten Läden in der Innenstadt. Und wer ausschließlich Monopolisten dafür nutzt, wird mittelfristig nur noch aus Mainstream auswählen können."
 
Mehr direkt auf der Website des NDR: Ein Umdenken ist möglich  

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39 Kommentar/e

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  • MarkS

    MarkS

    Angesichts der Überschrift "Ein Umdenken ist möglich" hatte ich jetzt neue, frische Ideen von Herrn Riethmüller erwartet. Aber nein, er seinerseits erwartet, dass "die Kunden ihr Einkaufsverhalten überdenken".
    Der Buchhandel macht alles richtig, aber die Kunden merken das einfach nicht - ob das die richtige Sichtweise sein kann...

  • Merfelle

    Merfelle

    @ MarkS

    Stimme Ihnen zu!
    Ich habe mir gespart, die "Analyse zum Buchhandel" von Herrn Riethmüller auf NDR zu lesen. Aber allein schon der kurze Auszug auf BB zeigt mir, das Herr Riethmüller offenbar erneut gebetsmühlenartig die ewig gleichen "Argumente" wiederkäut. Es zeigt m.E. auch, das dem Buchhandel nichts weiter einfällt, als bereits tausendmal zuvor angebrachte "Weisheiten" zu rezitieren ohne tatsächlich etwas konkretes zu verändern. Ob das aufsagen von Allgemeinplätzen allerdings reicht, den Buchhandel in Deutschland zurück auf Spur zu brigngen, wage ich zu bezweifeln.

  • DieLeserin

    DieLeserin

    Guten Morgen ;-), Herr Riethmüller! Wir schreiben übrigens das Jahr 2014.
    Onlinehandel ist heute. Onlinehandel ist morgen. Alles andere war gestern.
    Eine Möglichkeit den Onlinehandel mit stationären Handel zu verbinden, ist wohl die 100 Mio. Frage und die Herausforderung für unsere Buchhändler. Auch wie man Kunden ins Geschäft lockt, wie Buchhandlungen interessanter als das Internet gemacht werden können - all das sind Fragen, deren Antworten eventuell zu einer Lösung beitragen können. Und ja, die Buchhändler tun mir auch leid. Genauso wie jeder andere Unternehmer, dem ein Großkonzern vor die Tür gesetzt wird und mit dem er sich messen muss.
    Das, was Sie hier zusammenfassen, ist oberflächlich, alt, schon tausend Mal gesagter Natur.
    Ich als Kunde bin es inzwischen leid, mir die Schuld in die Schuhe schieben zu lassen. Für eine Pleite ist jeder Unternehmer für sich selbst verantwortlich, nicht dessen Kundschaft, die sich vielleicht zur Konkurrenz abgewandt hat. Denn dafür gibt es immer Gründe! Wenn man aber nur jammert anstatt zu handeln, anstatt besser als die Konkurrenz zu werden, ja dann lieber Herr Riethmeyer steht man vor dem Aus. Das war übrigens schon vor Zeiten des Onlinehandels so und ist wenig überraschend. Nur dass durch das Internet die Konkurrenz halt größer geworden ist.
    Aber von Kunden zu erwarten, dass sie nicht mehr online einkaufen sollen? Mal ehrlich: Warum sollten sie das tun? Warum sollten sie sich in ein Auto setzen, durch den Stau fahren, einen Parkplatz suchen, durch den Regen latschen, um ein Buch zu kaufen, wenn die Alternative ist, das Buch oft innerhalb weniger Stunden bzw. 24 Stunden vor die Tür geliefert zu bekommen? Was hat sich in den letzten Jahren in Buchhandlungen so verändert, dass es für den Kunden interessant wäre, lieber dort zu einzukaufen?
    Ich kann natürlich nur für von mir besuchte Buchhandlungen sprechen und Ihnen sagen: nichts. Sie sind sogar noch schlechter geworden, weil teurere Buchhändler gegen billiges Verkaufspersonal ausgetauscht wurden. Wie gesagt, ich spreche für wenige Buchhandlungen in meiner Nähe und würde wirklich gerne wieder Freude am Stöbern in richtigen Buchhandlungen haben. Aber mir macht das Onlinekaufen mehr Spaß! Und die bessere Beratung habe ich dort auch, sei es von SocialMediaKanälen oder Blogrezensionen.
    Und ich spreche hier noch nicht einmal das eBook-Desaster rund um eReader und DRM an, denn das liegt leider nicht in Buchhändlerhänden.
    Sehen Sie, worauf ich hinaus will? Nur auf der Stelle zu treten bringt keinen voran. Man sollte lieber überlegen, wie man den Buchkauf vor Ort für den Kunden interessanter oder/ und lohnender als der Kauf übers Internet machen kann. Oder wie auch kleine Buchhändler etwas vom Kuchen des Onlinegeschäfts abbekommen können.

    Ihr Kommentar dazu ist wirklich weder interessant noch hilfreich, sondern ganz im Gegenteil: Eine Aufforderung weiter auf der Stelle zu treten und dem Kunden die Misere in die Schuhe zu schieben. Das hatten wir doch schon die letzten Jahre.
    Wer nicht handelt, verliert. Und nicht der Kunde ist dann schuld, sondern Leute die dabei zusehen und nichts tun.

    Eine Kundin, die gerne online einkauft und sich trotzdem nicht die Schuld am Buchhandlungssterben in die Schuhe schieben lässt. Denn diese Kundin würde gerne auch beim Bücher kaufen, Bücher erleben, aber warum sollte ihr das stationär besser gelingen als online?

  • Hansel

    Hansel

    ... und wenn er es ganz fest wünscht und ganz dolle die Augen zusammenkneift, dann geht es auch wieder weg, das böse Internet ...

  • Merfelle

    Merfelle

    @ DieLeserin

    Komme nicht umhin, Ihnen zuzustimmen.....
    Aber Sie vergessen eines... wenn es im Buchhandel nicht läuft, hat grundsätzlich(!) jemand anderes Schuld. Ob Kunde, Amazon oder was/wer auch immer. Denn merke: Der Buchhändler macht immer(!) alles richtig.

    Das hatten Sie im Kommentar vergessen ;-)

    Gruß nach Österreich

  • franz.wanner

    franz.wanner

    Die Kommentare sind alle richtig, helfen aber nicht.
    Wem womit geholfen werden soll?
    Allen.
    Der Online-Handel ist Realität. Punkt. Ist auch Buchhandel.
    Es geht um die nichtvirtuellen Läden.
    Werden die (noch) gebraucht?
    Ja. Bleibt: wofür?...
    Wenn das beantwortet wäre, könnte man darüber nachdenken, wie der handelsbefreite, aber notwendige Handlungsort gerettet werden könnte.
    Verschwinden diese Orte, wären die Verluste von allen zu tragen...
    Was geben Verlage auf?
    Worauf wird der verbliebene Online-Handel verzichten?
    Auf welche Größe schrumpft der Kunde?
    Die Antworten kann man auch in Geld ausdrücken, sind aber zuvorderst sachlicher Natur.

  • Ein Kunde

    Ein Kunde

    Ich wiederhole mich äußerst ungern, aber bei diesem Artikel wird der Verbraucher wieder dazu gezwungen, Stellung zu nehmen, da er am "Buchhandlungssterben" die alleinige Schuld trägt. Sehr bedauerlich. Ich weise nicht mehr darauf hin, dass in vielen Buchhandlungen Kundennähe immer noch ein Fremdwort ist. Ich weise schon lange nicht mehr darauf hin, dass es Kunden gibt, die individuelle Buchvor- und -bestellungen haben und sich nicht nötigen lassen, vom Stapel zu kaufen. Daher möchte ich es nicht versäumen, lieber Herr Riethmüller, Sie an meine jüngsten Buchhandlungsbesuche teilhaben zu lassen:

    In der ersten Buchhandlung wurde mir zu meiner Buch-Bestellung mitgeteilt: "Das Buch ist nicht lieferbar". Punkt. Keine Diskussion. In der zweiten Buchhandlung ging es ehrlicher zu: "Das Buch kann nicht über den Großhändler bestellt werden, es wäre eine Verlagsbestellung und würde bei uns ca. drei Wochen (!) dauern. Bestellen sie es sich doch übers Internet, da geht es schneller". Eine weise Dame, diese Buchhändlerin. Denn ich habe gemacht wie mir empfohlen und siehe da, das nicht lieferbare Buch war nicht nach drei Wochen sondern am nächsten Tag in meinem Briefkasten.

    Sicherlich kann keiner umhin mir zuzustimmen, dass ich mich an diese stressfreie Einkaufsweise zukünftig gewöhnen könnte.

  • franz.wanner

    franz.wanner

    7. Kunde
    da fehlt aber was:
    Woher kam die Buchempfehlung?
    Und welche Überraschungen bargen ansonsten diese "Stapel"
    Und wäre solches Sichten nicht viel lustvoller (und zeitsparender) als die vollumfängliche?, besser rudimentäre, meist überraschungsfreie Online-Informiertheit?
    Nachfrage:
    Warum wohl durfte die "weise Dame" nicht jene Online-Order gleich vor Ort gestatten? Wäre der Briefkasten auch gefüllt gewesen.

  • Ehemaliger Buchhändler

    Ehemaliger Buchhändler

    @ Ein Kunde

    Ihre Erfahrungen als (Buchhandels)Kunde zeigen, wie sehr sich Lebenswirklichkeit und salbungsvolles schönreden auf NDR Webseiten im Leben unterscheiden.....
    Zudem mutet es seltsam an, wenn Herr Riethmüller fordert, der Kunde solle sein "Einkaufsverhalten" überdenken. Schließlich entscheidet der Kunde, wo und wann er was kauft. So mündig ist der Kunde, auch wenn dies dem Buchhandel suspekt erscheinen mag. Und der Händler sollte/muß sich schlußendlich um den Kunden bemühen. Allerdings bestehen im Buchhandel dbzgl. dieser alten Weisheit anscheinend diverse Verständnisschwierigkeiten.

  • Robin

    Robin

    Abgesehen davon, versucht Herr Riethmüller (Buchhandlung Osiander), an jedem Standort die absolute Marktführerschaft für sich zu beanspruchen (Stichwort Monopolist) und dafür alteingesessene Buchhandlungen zu verdrängen...das ist schon seit Jahren so und wird mit aller erforderlichen Härte auch durchgesetzt.

    Ich zitiere aus diesem Beitrag vom NDR " Und wer ausschließlich Monopolisten dafür nutzt, wird mittelfristig nur noch aus Mainstream auswählen können." Dies ist heute an vielen Osiander-Standorten schon so und deshalb sind es doch nur scheinheilige Aussagen eines Mannes, der seinen Vorsitz zum Wohle des Familienunternehmens nutzt und in Wirklichkeit überhaupt kein Interesse daran hat, dass es noch familiengeführte Buchhandlungen (außer natürlich Osiander) gibt.

    Deshalb reicht es Herrn Riethmüller völlig aus, ab und an mal ein paar Binsenweisheiten in der Presse veröffentlichen zu lassen um seinen Posten zu sichern.

  • Gerald Grüneklee

    Gerald Grüneklee

    Sehr richtig, es gibt noch einiges zu gewinnen. Zum Thema passt mein letzter Newsletter, er erschien zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Ich zitiere hier in Auszügen, da einiger der darin angeschnittenen Aspekte mit in den Debatten nach wie vor zu kurz zu kommen scheinen:

    Freilich, das Buch hat es schwer im multimedialen Zeitalter. In Bezug auf Bücher scheint oft gar eine regelrechte Bibliophobie (krankhafte Angst vor Büchern!) zu herrschen. „Ich habe noch ein Buch dass ich noch nicht gelesen habe“ heißt es da etwa – kaufen denn diese Menschen auch nur die Lebensmittel, die sie unmittelbar zubereiten wollen und die Kleidung, die sie an den nächsten Tagen anziehen werden? Die gut sortierte Bibliothek ist die Speisekammer für den Geist! Doch Tatsache ist: das Buch muß gegen viele Medien konkurrieren, hinsichtlich der Aufmerksamkeitsökonomie und der zur Verfügung stehenden Zeit.

    Als Medium ist das gedruckte Buch genial, es kann schlicht nicht verbessert werden: es braucht keine technischen Hilfsmittel (allenfalls eine Brille), keine Stromquelle in der Nähe, es riecht gut (meistens), die Handhabung ist selbsterklärend, man kann in das Buch Eselsohren hinein machen, kann es verleihen oder auch liegen lassen und so durch weitere LeserInnen finden lassen. Und es animiert schon durch seine Form dadurch, ein Medium der Muße in einer hektischen Zeit zu sein, genossen mit einer Tasse Tee oder einem anderen guten Getränk. Lesen macht glücklich, es ist Lust und Begehren. Das Buch ist ein Medium, das geschaffen ist zum Innehalten. Es ruft förmlich: Halt! Stopp! Nimm´ Dir Zeit! Lesen & Denken statt Hetzen & Zappen. „Das Recht auf Glück muss Gesetz in allen zukünftigen Büchern werden“, meinte ironisch einmal Peter-Paul Zahl.

    „Eine Gesellschaft ohne Bücher hat keine Zukunft“, warnt der Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Sicher, er schoss hier übers Ziel hinaus, der weitaus größte Teil der Menschheitsgeschichte fand schließlich ohne Bücher statt – aber ob eine Zukunft ohne Bücher wünschenswert wäre ist natürlich eine andere Frage. „Lesen ist wunderbar und gefährlich, und beides zusammen macht es unverzichtbar“ (Marianne Gronemeyer). Doch nicht nur das Medium gerät in Bedrängnis, auch die Branche in der es gehandelt wird steht unter Druck, und das gleich doppelt, aufgrund der technischen wie der ökonomischen Entwicklung.

    Noch gibt es Bücher wie wir sie kennen, doch: „In einem immer stärkeren Maße wir die internationale Buchbranche von einem Unternehmen als Geisel gehalten, das weit mehr Interesse am Verkauf von Flachbild-Fernsehern, Windeln und Lebensmitteln hat“, so Oren Teicher von der American Booksellers Association“. Weit mehr Interesse? Der Vergleich ist dem Interesse an der eigenen Branche geschuldet, Amazon dürfte es völlig egal sein was da gehandelt wird, Hauptsache die Gewinnspanne stimmt. Was letzteres angeht, weist dieses Zitat allerdings letztlich in die richtige Richtung, denn aufgrund des Drucks, den der Internetriese nicht zuletzt auf die Rabattierung ausübt, werden Verlage und damit letztlich auch AutorInnen tatsächlich in eine Art Geiselhaft genommen – im durchsichtigen Interesse des Konzerns, die AutorInnen letztlich direkt ins Haus Amazon zu bekommen und das Verlagsgeschäft zu dominieren. Der derzeit global größte Kunde der Verlage will selber Verlag werden – und zwar der einzige relevante Verlag weltweit. Die keineswegs nur theoretische Gefahr ist, dass hier eine ganze Branche zerschlagen wird. Und damit (und das ist das Drama in diesem Fall) eben auch deren beachtliches, kreatives Potential, die große literarische, inhaltlich-thematische Bandbreite. Dabei ist die Buchbranche für Amazon nicht einmal mehr wirklich wichtig: der gesamte Umsatz der Branche beträgt in der BRD gerade einmal zehn Milliarden Euro im Jahr (zum Vergleich: die Autokonzerne VW und Mercedes machen je rund 100 Milliarden Euro Jahresumsatz).

    Doch der patentierungswütige Konzern hat eine Vision: vom Manuskript bis zur Vermarktung der fertigen Bücher will Amazon monopolistisch den gesamten Produktionsbereich und Handel bestimmen - und keinen anderen Medienkonzern von Bedeutung mehr neben sich dulden (in einigen Staaten wie den USA, Großbritannien und der BRD soll Amazon schon mehr als 80% des Online-Buchhandels in seiner Hand haben). Auch die KäuferInnen gewinnen nichts: angesichts der Marktmacht von Amazon ist nicht zu erwarten, dass Literatur aufgrund der Bündelung der Verwertungskette in einer Hand langfristig günstiger wird. Die Amazon-Zukunft würde nicht billiger, sondern öder. Mehr denn je wird dann nur noch produziert und vertrieben, was sich „rechnet“. Auch wenn ich mich als Rufer in der Wüste wiederhole und gegen Windmühlen anrenne: Wer bei Amazon kauft, ist Totengräber kultureller Vielfalt.

    Amazon braucht uns, doch wir brauchen nicht Amazon. Der Buchhandel um die Ecke – noch gibt es ihn! - kann die meisten Bücher innerhalb von 24 Stunden beschaffen, dieses gekoppelt mit oft sehr sachkundiger, persönlicher Beratung (und nicht nur einer blödsinnigen „Käufer die dieses Buch gekauft haben, interessieren sich auch für diese Titel“-Funktion)(1). Und dabei erfährt außer der Buchhändlerin (oder dem Buchhändler) niemand, welches Buch wir lesen oder welches uns auch nur interessiert. Think global, buy local! (

    Schließen möchte ich mit einem Zitat des Schriftstellers B. Traven, das als Motto auch hervorragend zum Lesen passt: „Es ist doch nicht des Habens wegen, dass man lebt, sondern des Wünschens, des Wagens, des Spielens wegen, dass man lebt“.

  • Th. Kleinschmidt

    Th. Kleinschmidt

    Im deutschen Buchhandel scheint die Attitüde zu herrschen, der Kunde/Käufer habe sich dem Angebot (des stationären Buchhandels) anzupassen, nicht umgekehrt.

    Zum Thema: Lebenswirklichkeit im deutschen Buchhandel:

    Bei mir in der näheren Umgebung (Wohnort +15 km Radius) gibt es fünf inhabergeführte Buchhandlungen. Zwei sind offenbar im Jahre 1990 stehen geblieben (die Internetseiten sehen auch so aus, inklusive @t-online.de-Emailadressen) und zelebrieren offen ihre Rückständigkeit. Habe in einer der beiden Läden mal spaßeshalber nach einem E-book gefragt. Den entsetzten Gesichtsausdruck werde ich nicht so schnell vergessen ;)

    Die andere wird von einer verbiesterten Alt-68erin geführt, die "doppelplusungute" Kundenbestellungen wie den neuen Sarazzin nur mit mit angewidertem Gesichtsausdruck und unter heftigen inneren moralischen Kämpfen ausführt.

    Die vierte wird dominiert von Esoterikzeugs, Papeterieartikeln und fachlich ahnungslosen Verkäuferinnen. Wer hier nach Michel Houellebecq fragt kann die herrlichsten Verstümmelungen in der Eingabemaske des Warenwirtschaftssystems beobachten.

    Und dann gibt es noch die eine Buchhandlung, in die ich gerne gehe: Freundliches, kundenorientiertes und informiertes Personal, gute Atmosphäre und ansprechendes Sortiment.

    Diese Buchhandlung kann und wird überleben. Die anderen werden zwangsläufig untergehen und ich bin der letzte, der ihnen eine Träne nachweinen wird. Leider ist letztgenannte Buchhandlung inzwischen eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Buchhandelswelt.

  • franz.wanner

    franz.wanner

    Ideenlosigkeit und Scharade!
    Am allerleichtesten ist es, für etwas nicht zu sein.
    Und dagegen allemal.
    Völlig egal, ob Erlebnisberichte Kentnisse ersetzen oder weder noch vorrätig sind - dagegen sein, kann jeder.
    Eine Wertung spar ich mir.

    Für etwas sein, ist schwierig, es sei denn, es bedarf nur der Zustimmung.
    Also bitte, nicht nur Qualitätsmerkmal sondern nachgerade Zulassungsqualifizierung ist, vermag jemand zu erläutern und zu begründen, wofür er denn steht.

    Stehen hier die Kommentatoren auch für das Hinscheiden der nichtvirtuellen Buchläden?
    Und wenn nicht, was sollten die leisten?
    Und wie sollte diese Leistung finanziert werden?

  • Th. Kleinschmidt

    Th. Kleinschmidt

    Sehr geehrter Herr Wanner,

    "stehen hier die Kommentatoren auch für das Hinscheiden der nichtvirtuellen Buchläden?"

    Nein, dafür stehe ich bestimmt nicht ein. Wie ich oben ausgeführt habe, kaufe ich gerne und oft in der von mir wegen ihrer Kundenorientierung und Beratungsleistung geschätzten inhabergeführten Buchhandlung ein. Auch mir ist die Datenkrake Amazon zutiefst zuwider.

    Dennoch stellen sich mir bei Äußerungen wie denen von Herrn Riethmüller alle Nackenhaare hoch. Hier wird der Kunde in Geiselhaft genommen. Es wird nur davon geredet, was der Kunde ändern muss, nicht aber der Buchhandel.

    Die Leistung der überlebenden nicht-virtuellen Buchhandlungen wird vom Kunden finanziert! Für mich als Kunden bedeutet das: Erfüllt der Buchhändler vor Ort (bzw. einer von denen) meine Kundenwünsche, kaufe ich dort ein. Erfüllt er sie nicht, sieht er auch nichts von meinem Geld und kann weiter nach staatlicher Unterstützung krähen und damit untergehen.

    Verflixt nochmal, auch der Buchhandel ist eine Dienstleistung, die dem Kunden schmecken muss. Tut sie's nicht, kauft er online und der stationäre geht unter. Aber das ist dann bitteschön nicht die Schuld des Kunden!

  • H. Kraft

    H. Kraft

    15.) zu Robin
    Besten Dank für Ihren Beitrag (10) und auch den ersten Abschnitt davon.
    Diese ,Marktführerschaft` geht schon seit Jahren so und ist auch bezeichnend für den Untergang der kleineren Buchhandlungen in den größeren Städten.
    Das Ganze ist ein großer Verdrängungswettbewerb und Arbeitsplätze fallen weiter weg.
    Kleinere Buchhandlungen, welche Nischen führen und sich aufgebaut haben, sollten aber auch überleben können.
    Der Kuchen im Buchhandel war einmal groß, doch jetzt wurde schon lange verteilt und auch sozusagen aus diesem Kuchen abgeschnitten und umgebaut.
    Aber es ist einmal gut, dass ein Kommentar sich einmal zum Thema ,Marktführerschaft` und auch Verdrängung geäußert hat.
    Wichtiger wäre aber, dass sich der Börsenverein verstärkt für die Presbindung (also den festen Verkaufspreis für Bücher) einsetzen würde.
    Daran ist zu arbeiten und andere große Reden nützen nicht viel.
    Ein großer Skandal ist auch die Lage im Weltbild Verlag in Augsburg.
    Auch da sollte sich der Börsenverein einmal in ganz anderer Weise zeigen und sich für die Mitarbeiter/innen dort stark machen.
    Dies wäre sozusagen ein zusätzlicher Einsatz für die Sparte Verlage.
    Der Umbau in der Buchbranche geht schnell voran.
    Doch die Parole sollte mal Vernunft heißen und nicht immer nur ständig verdrängen und wieder verdrängt werden.
    Ob ein Umdenken noch möglich wird, ist fraglich.
    Der Markt ist im Wandel, doch der Kunde und somit die Leser/innen werden weiterhin entscheiden.
    Das Buch gehört zur Vielfalt der Medien dazu.
    Nur sollte dies auch wieder mehr sichtbar gemacht werden.
    Und deshalb muss der Börsenverein auch mehr für das Buch in seiner haptischen Form (ein Buch in Händen halten) werben.
    H. Kraft

  • Gerald Grüneklee

    Gerald Grüneklee

    Zu 12): verstehe auch nicht warum Buchläden e-books handeln müssten (es sei denn, diese würden das prinzipiell in ihnen steckende technische Potential ausnutzen und hätten insofern in einigen Fällen gegenüber dem gedruckten Buch denn auch einen echten Zusatznutzen/ Zusatzfunktionen) - ich verlange ja auch nicht z.B. von einer Kunstgalerie, dass sie mit den neuesten Digitalkameras handelt.

    Nur wenn "wir" (Verlage, Buchhandel, die Leserinnen und Leser sowieso) wieder mit Leidenschaft für das gedruckte Buch und seine Stärken eintreten wird es eine Zukunft haben - und ebenso der dazugehörige "Markr". Die Buchbranche sollte man nicht den Betriebswirten überlassen, ebensowenig wie den Trendscouts, die jedem Hype hinterherrennen. Altbacken müssen/ sollten die Buchläden natürlich dennoch nicht aussehen. Mir jedenfalls geht es nicht primär um Arbeitsplätze (auch nicht den eigenen), sondern um eine vielfältige Buch- und Lesekultur. Die Faszination dafür möchte ich vermitteln (derzeit leider ohne eigenen Laden). Wenn Menschen das nicht nachvollziehen können, kann ich ihnen freilich auch nicht helfen. Doch hier und da scheint sich eine gewisse Sensibilität dafür zu entwickeln, was verloren zu gehen droht. Auf der Buchmesse konnte man sich davon überzeugen, dass der durch das e-book ausgelöste Innovationsdruck immerhin auch dazu führt, dass es wieder zunehmend wunderschöne Bücher gibt. Das ist doch schon einmal fabelhaft. Mag sein, dass sich die Branche dafür umstellen muss (z.B. in Teilbereichen, wie schon im englischsprachigen Raum, auf eine Non-Profit-Struktur). Das Medium Buch jedenfalls verdient es, dass sich alle dafür einsetzen - und sei es, dass sie dafür vor die Haustür treten und sich auf den hierzulande meist wahrlich nicht allzuweiten Weg in den örtlichen Buchhandel zu machen, der vielfach besser ist als sein Ruf. Bequemlichkeit mag oft ein Grund sein, doch sie ist nicht immer das beste Argument.

  • Verständnisvoller Buchhändler

    Verständnisvoller Buchhändler

    Liebe Buchhändlerinnen und Buchhändler,

    ich finde, Sie sollten Herrn Riethmüller nicht allzu sehr in die Kritik nehmen. Herr Riethmüller bemüht sich redlich, positive und nach vorn gewandte Stimmung in den krisengebeutelten Buchhandel zu bringen, was als Börsenvereinsvorsteher u.a. ein Teil seiner Aufgabe ist.
    Natürlich weiß jeder, der in der Branche tätig ist, das die Analyse Herrn Riehtmüllers nur das wiederholen altbekannter Plattitüden und Vorschläge ist, die schon tausendmal gesagt und gehört wurden.
    Aber bedenken Sie: Auch der Versuch ist lobenswert, mag er auch nicht von Erfolg gekrönt sein....
    Letztlich macht der Buchhandel im Moment schwere Zeiten durch und wird am Ende der Krise nicht mehr so sein, wie er einmal war. Das werden alle im Buchhandel Beschäftigten mehr oder weniger heftig zu sprüen bekommen.
    Da können ein paar "Streicheleinheiten" nicht schaden...

  • Verwirrte

    Verwirrte

    Also, ich weiß echt nicht mehr was man als Buchhändler noch denken soll: Der eine will unbedingt eine Buchhandlung haben, die am besten JEDES Buch vorrätig hat und wenn nicht muss es am besten in den nächsten zwei Stunden bei dem Kunden aufn Tisch sein.
    Aber da heißt es dann: "Gibt ja nur Mainstream hier"

    Aber nein, die andere Seite will was kleines haben, wo es ausgewählte Titel gibt, wo der Buchhändler noch Tipp geben kann - aber da heißt es dann auch wieder, das man ja vorgeschrieben kriegt was man lesen soll.

    daher frage ich : Was wollt ihr eigentlich?

  • Thomas Brasch

    Thomas Brasch

    Bevor ich hier ausführlich antworte, habe ich das Appell zum Anlass genommen, einen Blogartikel dazu zu verfassen:
    http://thomasbrasch.wordpress.com/2014/11/08/umden ken-muss-der-stationare-handel-nicht-der-kunde-von -amazon/

  • Gerald Grüneklee

    Gerald Grüneklee

    Zu 18): Der Buchhandel wird seine Chance nur in der Nische haben, mit ausgewähltem Sortiment und gute Beratung, die Zeit der großen Buchkaufhäuser ist - bis auf wenige Ausnahmen an funktionierenden Standorten vorbei, denn als "Alleshändler" (vulgo Gemischtwarenladen) sind die Internethändler nicht zu übertreffen (was nicht heisst, dass nicht auch weiterhin ein schneller, kompetenter Besorgungsservice unerlässlich ist).

  • hessler

    hessler

    @18,19,20,...so langsam bekommt die Diskussion Substanz....etwas verwirrt allerdings bin ich, weil der hochverehrte Lyriker und Dichter Thomas Brasch leider nicht mehr unter die Lebenden zu zählen ist? MfG

  • Thomas Brasch

    Thomas Brasch

    Herr Hessler, jetzt bin auch ich verwirrt. Arbeiten Sie auch für die Strabag: http://videos.strabag.com/andreas-hessler/

  • Anton G.

    Anton G.

    Entsetzen weicht Wut, auf Wut folgt Erheiterung - jetzt endlich, nach zwei Tagen, sehe ich mich in der Lage, einen einigermaßen nüchternen Kommentar zu schreiben. Denn soviel geballter Blödsinn darf nicht unkommentiert bleiben. (OK, da scheidet sie dahin, die Nüchternheit ;-)

    Ich spreche nicht von Herrn Riethmüllers Beitrag beim NDR, sondern von dem unsäglichen Diskurs, der sich hier in den Kommentaren entfaltet hat. Da dachte ich doch, man kann bei den Lesern des BB wirklich LESER erwarten. Wie naiv von mir.

    Das Gegenteil ist der Fall: Hier tummeln sich dem Anschein nach Leute, die sich (in einem Fall sogar erklärtermaßen) nicht einmal die Mühe gemacht haben, den recht kurzen NDR-Text zu lesen, und schon gar nicht bemüht sind, auf das Gelesene einzugehen. Stattdessen nehmen die meisten Kommentare die Veröffentlichung nur als Gelegenheit, sich an Riethmüller (oder Osiander) zu reiben, die eigene, festgefasste Meinung herauszuposaunen, Vorurteile zu bestätigen, das eigene Verhalten (oder Scheitern) zu rechtfertigen, oder nicht zuletzt die eigene Website oder den eigenen Newsletter zu promoten. Herzlich willkommen, Mob 3.0.

    Dabei sind Herrn Riethmüllers Äußerungen in meinen Augen gar nicht so unklar, als dass man sie unterschiedlich interpretieren könnte. Um dies zu tun, muss man schon eine extrem vorgefasste Meinung bezüglich seiner Person (der eigenen, oder der Riethmüllers ;-), des Börsenvereins, des Buchhandels, Amazon oder Osiander haben.


    Ich versuche mal eine Zusammenfassung des Quelltextes. Riethmüller sagt folgendes:

    1. Online-Einkauf ist ein Teil des Lebens, und fest verankert, daran wird sich nichts mehr ändern
    2. Ein USP des Buchhandels ist die persönliche Ansprache: "Der Buchhändler oder die Buchhändlerin als guter Freund oder Freundin [...]"
    3. Wer im *stationären* Buchhandel überleben will, muss Mehrwert liefern, z.B. ein *persönliches* Einkaufserlebnis.
    4. Wer als Buchhändler *generell* überleben will, muss diese Persönlichkeit in die Online-Welt bringen, also stationär mit online verbinden
    5. Wenn dann der Kunde (trotz guter, persönlicher Buchläden mit Mehrwert) nicht mehr stationär einkauft, dann ist das sein gutes Recht.
    6. Aber darf er nicht jammern, dass stationäre (Buch-)läden sterben und Innenstädte aussterben
    7. Wenn die Entscheidung des Kunden für den Online-Handel ausfällt, sollte die Macht im Online-Handel nicht konzentriert sein (siehe 4.)

    Fortsetzung folgt ...

  • Anton G.

    Anton G.

    ... Fortsetzung

    Und nun ...

    ... meine persönliche Hitliste der (mutwilligen, achtlosen, arglosen ...) Missinterpretationen des Riethmüllerschen Textes:


    PLATZ 1:

    "Der Buchhandel macht alles richtig, aber die Kunden merken das einfach nicht"
    "Denn merke: Der Buchhändler macht immer(!) alles richtig."

    >> Nichts dergleichen behauptet Riethmüller. Sondern genau das Gegenteil: Die Buchhändler MÜSSEN sich sogar dringend ändern, serviceorientierter werden, Mehrwert bieten, auch online anbieten, umdenken, ein persönliches Einkaufserlebnis erzeugen. Ein Teil der Händler macht das bereits, und ist erfolgreich, wie die Zahlen belegen.


    PLATZ 2:

    "Der Kunde ist am Sterben des stationären Buchhandels schuld"
    "Eine Kundin, die gerne online einkauft und sich trotzdem nicht die Schuld am Buchhandlungssterben in die Schuhe schieben lässt"
    "Hier wird der Kunde in Geiselhaft genommen. Es wird nur davon geredet, was der Kunde ändern muss, nicht aber der Buchhandel"
    ... und weitere 10 nachgeplapperte Paraphrasen von denjenigen, die die Mühe scheuen, den Originaltext zu lesen

    >> Auch kein Treffer, sorry. Aus Pos. 1 folgt: Wenn ein Buchhändler eingeht, ist der Buchhändler schuld, weil er sich nicht an die Bedürfnisse des Marktes angepasst hat (eben das "Umdenken" aus dem Titel). Riethmüller sagt ja NICHT "Die Leute MÜSSEN aus Mitleid / aus sozialer Verantwortung im stationären Buchhandel einkaufen, SELBST WENN es dort kacke ist". Sondern er sagt "Damit die Leute wieder gerne dort einkaufen, muss der Buchhandel attraktiver werden".


    PLATTZ 3:
    "wenn Herr Riethmüller fordert, der Kunde solle sein "Einkaufsverhalten" überdenken"
    ... und sinngemäße Paraphrasen

    Auch hier kann ich keinen Beleg bei Riethmüllers Aussagen finden, geschweige denn das Wort "Einkaufsverhalten". ABER: Asche auf das Haupt des/derjenigen, der/die hier im BB den Originaltext ebenso wenig gründlich gelesen und deshalb sinnentstellt zusammengefasst hat. Journalismus sieht anders aus. Das Original lese ich so: Wenn der Kunde sich trotz attraktiver stationärer Angebote (und identischen Preisen dank Preisbindung) trotzdem für den Online-Vertrieb entscheidet, ist das eben Marktwirtschaft. Riethmüller weist lediglich darauf hin, dass niemand sich dann nachher über Online-Monopolismus und leergefegte Innenstädte wundern muss. Aber nochmal deutlich: Die Entscheidung zwischen Offline / Online fällt eben nicht aus politischem Bewusstsein, sondern aus Bequemlichkeit, das ist ihm klar, und das muss auch dem Buchhandel klar sein. Wer nicht reagiert, ist weg vom Fenster, da helfen auch Appelle nichts.


    PLATZ 4:
    "und wenn er es ganz fest wünscht und ganz dolle die Augen zusammenkneift, dann geht es auch wieder weg, das böse Internet"
    "Aber von Kunden zu erwarten, dass sie nicht mehr online einkaufen sollen?"

    Wo sagt er das? Vielleicht in einem Satz wie (Achtung, Ironie) "Das heißt, etliche dieser Buchhandlungen bieten alles: die Bestellung von klassischen gedruckten Büchern vor Ort oder auf der Online-Plattform und das Herunterladen von E-Books im Online-Shop, die Lieferung nach Hause oder die Abholung im Laden."? ;-) Überhaupt: Wenn man etwas aus dem Text NICHT rauslesen kann, dann folgendes: "Buchhandel" bedeutet "Stationäre Läden, die mit gedruckten Büchern handeln". Genau das Gegenteil beschreibt der Text als Zukunft des Buchhandels.


    PLATZ 5:
    "verstehe auch nicht warum Buchläden e-books handeln müssten"
    "Der Buchhandel wird seine Chance nur in der Nische haben"
    ... und alles weitere von Herrn Grünklee

    "Der Buchhandel" ist laut Riethmüller eben NICHT gleichzusetzen mit stationären Läden, die schützenswerte Güter, namentlich gut riechende, gedruckte Bücher auf feinem Papier anbieten. Sondern kommerzielle Vermittler des geschriebenen Gedankens in jeglicher Form und in jeglichen Vertriebkanälen, welche der Leser wünscht. Herr Grünklee, meine Gratulation: Sie sind hier der einzige, der einfach nur diametral entgegengesetzte Vorstellungen zu denen von Herr Riethmüller hat. Allerdings darf ich anmerken, dass Sie damit 95% des Buchhandels kampflos Amazon überlassen, und sich es sich in der Nische - gleich neben den Vinylplatten - bequem machen. Mutig ist etwas anderes, und Ihre Ansichten sichern auch garantiert keine Arbeitsplätze.



    Warum ich mich hier ausbreite, dazu noch als Branchenfremder und Wenigleser? Weil es mich ärgert, wenn sich eine Branche zugrunde richtet, indem Sie nicht einmal Lösungsansätze konstruktiv diskutiert. Denn zum Diskutieren gehört nun einmal, dass man dem anderen zuhört. Oder in diesem Fall, dass man Riethmüllers Text selbst einmal aufmerksam liest, statt einfach nur Plattitüden und vorgefertigte Meinungen abzulassen.

    Ich könnte dazu noch einige Beispiele finden. Als Abschluss geht der Sonderpreis für feine Ironie geht an alle, die Riethmüller vorwerfen, er tue genau das - Plattitüden zu äußern. Sehen Sie, was ich meine?

  • Graf Zahl

    Graf Zahl

    @ Anton G.

    Alles was Sie oder Herr Riethmüller geschrieben haben, wurde respektive wird im Buchhandel schon seit Jahren bis zur bitteren Neige disktutiert.... und was ist passiert? Wenig bis gar nichts. An der Passivität des Buchhandels wird sich jedoch auch in Zukunft signifikant nichts ändern. Ausser eines: Immer mehr Buchhandlungen werden schließen, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnt.

  • Anton G.

    Anton G.

    Kleine sarkastische Anmerkung von jemandem, der das nicht mitverfolgt hat (weil branchenfremd): Wenn die Diskussion so gelaufen ist wie oben, dann wundert mich nichts mehr. Denn die Art des Diskurses war ja mein Anliegen. In sofern sehe ich mich durch Sie bestätigt.

    Ich nehme nicht in Anspruch, beurteilen zu können, welcher Weg der richtige ist.

  • Gerald Grüneklee

    Gerald Grüneklee


    Zu 24): es fällt auf Anton G. zurück, wenn er schreibt, die Kommentatoren hätten Herrn Riethmüller nur nicht richtig gelesen - in meinem Fall (ich zitiere hier um es nicht allzu lang zu machen nur aus dieser Zusammenfassung): "Riethmüller analysiert darin die Bewegungen innerhalb der Branche, die Veränderungen, die zahlreichen Investitionen in Kundennähe – und das Alleinstellungsmerkmal des Buchhandels" - eben, auch ich betonte dass Besondere und Wichtige des (stationären) Buchhandels (wie auch, und das wird offenbar regelmässig überlesen, des Mediums Buch an sich.
    "Der 'USP' des Buchhandels ist die Beratung − die umfängliche, fachspezifische und begeisternde Beratung" - auch von Kenntnis, Begeisterung und, nicht zu vergessen, LEIDENSCHAFT, schreibe ich.
    "Das Markenzeichen der Branche laute Vielfalt. Wenn man diese Vielfalt erhalten wolle, so Riethmüller weiter, müssten alle zusammenstehen. Sowohl Verlage, Buchhandlungen, Seiteneinsteiger...als auch Kunden und Leser" - auch bei mir ist nicht von einseitiger Schuldzuweisung zu lesen, sondern davon, nicht kampflos aufzugeben.
    "Riethmüller: "Wer ausschließlich online kauft, steht bald vor verrammelten Läden in der Innenstadt. Und wer ausschließlich Monopolisten dafür nutzt, wird mittelfristig nur noch aus Mainstream auswählen können" - Ja! Und auch bei mir ist nachzulesen, dass ich für die Vielfalt plädiere und diese durch Monopolisten bedroht sehe.

    Wer liest also was nicht richtig?

    Den Dissens sehe ich eimzig in der ökonomischen, interessen- bzw. verbandsgeleiteten Zielrichtung Riethmüllers. Denn ich bin skeptischer, trotz aller Bemühungen wird der Buchmarkt mittelfristig Federn lassen, dass muss man sich vor Augen halten (alles andere halte ich für naiv und idealistisch bzw. realitätsfremd), und dafür braucht es Antworten, und sei es, hinsichtlich einer teilweisen Umorientierung auf Non-Profit- oder genossenschaftliche Ansätze etc. Das Medium Buch, zumal in seiner enormen ästhetischen wie inhaltlichen Vielfalt, ist diese Anstrengungen wert!

  • Anton G.

    Anton G.

    Lieber Herr Grüneklee, zum Glück bin ich nicht der Meinung, dass etwas auf mich zurückfällt. Sie habe ich ja explizit von der Diskurskritik abgesetzt, aber vielleicht nicht genug davon ausgenommen. Sollte ich Ihre Haltung falsch ausgefasst oder wiedergegeben haben, so habe ich ja nun jetzt die Gelegenheit, dazuzulernen. Vielen Dank für die Ergänzung und Klarstellung.

    Wie gesagt: Ich maße mir nicht an zu beurteilen, welcher Weg den Buchhandel retten kann, ob dies überhaupt möglich ist, und in welcher Form das geschriebene Wort in 10 oder 20 Jahren an Mann oder Frau gebracht werden wird. Mich ärgert einzig und allein ein unfairer Diskurs, der der Sache nicht gerecht wird.

  • Thomas Brasch

    Thomas Brasch

    Herr @Anton G., Ihr Engagement und Ihre Ausführung beweisen ja eine gemeinsame Leidenschaft für die Sache. Doch Ihr Einstieg war - mit Verlaub - derart undiplomatisch, dass Sie Ihrem Standpunkt damit keinen Gefallen getan haben.

    Wenn jemand eine Stunde neben dem Stammtisch sitzt, dann aufsteht, rübergeht, auf den Tisch knallt und brüllt: "Ihr Brüder habt ja mal alle nix begriffen!", findet er nur selten noch die Gelegenheit, dies dann aufmerksamen Stammbrüdern (und -schwestern) tiefer erläutern zu können.

  • Anton G.

    Anton G.

    Herr Brasch, Sie haben natürlich recht - ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden. Mit einer Einschränkung: Meine "Sache" ist die Art, wie im Internet diskutiert, mit Quellen umgegangen und Meinung gebildet wird. Weniger die Rettung des Buchhandels oder gar des Buchs, da sind Andere berufener.

    Ihr Vergleich mit dem Stammtisch ist so wenig diplomatisch, dass er von mir sein könnte ;-) Ich übernehme das Bild aber gerne: Ich sehe mich darin als jemand, der vor der Wahl stand, ob er kopfschüttelnd und wortlos die Kneipe verlässt und sich dann ärgert, nichts gesagt zu haben, oder zumindest seine Meinung kund tut - ohne große Hoffnung oder Absicht, die Anwesenden zu bekehren. Und in vollem Bewusstsein, dafür eins auf die Schnauze bekommen zu können.

  • Thomas Brasch

    Thomas Brasch

    Die Stammtisch-Analogie war bewusst "diplomatisch" gewählt - nicht, um die Diskutanten hier herabzusetzen, sondern als Sinnbild für den Eindruck, den Sie offenbar von der Runde hier hatten.

  • franz.wanner

    franz.wanner

    erheiternd ist das nicht.

    Die fortdauernde Mahnung an den Buchkäufer, sein Einkaufsverhalten zu überdenken, sind so sinnlos wie betrüblich.
    Sich dann an Personen zu reiben, belanglos.
    Worum es überhaupt geht?
    Kein Mensch geht heute barfuß, nur weil die Schuster verschwunden sind...

    Erhellend für die Problematik ist allein der Einlass der Verwirrten (18): "Was wollt ihr eigentlich? "

    Handel ist die Vermittlungsstelle zwischen Angebot und Nachfrage. Da beim Buch erst das (inzwischen unübersehbare) Angebot erst eine Nachfrage schafft, kann man den Buchhandel getrost als Ziehkind der Verlage sehen. Auf die Kunden kommt es nicht an. Für die ist der Buchhandel nur Entscheidungshilfe und Beschaffungsweg.
    Oft nur Beschaffungsweg!

    Es mag blöde scheinen, aber der stationäre Buchhandel hat nur dann eine Zukunft, wenn er sein Leistungsprofil unter Absehung vom Buch-Käufer schärft. Und genau dort auch Gegenleistung und Einnahmen generiert.
    Das gesamte Angebot kann nie mehr präsentiert werden und die Über-Nacht-Beschaffung an jedem Tresen und jedem Dach organisiert.
    Nicht nur "wer" sondern eher "wofür" wird der Buchladen gebraucht?
    Sollte mir mal jemand sagen...


  • Buchhändlerin

    Buchhändlerin

    Als gestandene Buchhändlerin konnte ich am Wochenende
    bei einer größeren Messe mit vielen Einzelkunden eine
    Tendenz heraushören, viele haben von sich aus gesagt,
    der Einzelhandel habe es schließlich schwer durch den
    Internethandel. Das wurde mir ohne Nachfrage gesagt, das
    war auch nicht mein Thema. Daraus schließe ich, daß
    sehr wohl ein Umdenken im Gange ist, zumindest wird
    das Kaufverhalten hinterfragt. Und damit hatte ich einen
    den besten Büchertische seit Jahren. Ich kann den Buchhändlern nur raten, geht dorthin, wo viele Menschen
    sind (Veranstaltungen) und versucht, euch ins Gespräch
    zu bringen und natürlich zu verkaufen.

  • franz.wanner

    franz.wanner

    33. Buchhändlerin
    gut und richtig, aber letztlich wird das ein Reisebuchladen.

    Warum nicht die Kunden fragen, was die denn bewegen würde, doch reinzukommen, auch wenn es keine Bücher zur sofortigen Mitnahme gäbe.
    Und ich meine dies nicht witzig.
    Bücher stehen ja einerseits für sich selbst, weit mehr noch aber als Surrogat für etwas anderes.
    Autoren werden nicht widersprechen.

  • buchhändlerin

    buchhändlerin

    Oh, nein, Herr Wanner, nur weil ich Büchertische am Ort
    bei Veranstaltungen anbiete, werde ich noch lange kein
    Reisebuchladen. Interessant ist die Verknüpfung des
    stationären Buchhandels mit dem Angebot auf Messen,
    das machen andere Firmen auch, um Kunden anschließend in den Laden zu bekommen. Und bei Veranstaltungen habe ich die Gewissheit, daß über 10000
    Besucher automatisch kommen und auch einkaufen,
    also Werbung ohne Ende mit gutem Gewinn abends
    in der Tasche. Und man kann jedes Mal sagen, wenn
    Sie noch ein Buch möchten, heute bestellt, morgen
    geliefert und natürlich auch per Post und auf Rechnung.
    Anruf oder email genügt. Herr Wanner, gehen Sie doch
    mal auf eine Publikumsmesse und schauen, wie es
    andere Händler machen und wie man es für sich umsetzen
    kann.

  • franz.wanner

    franz.wanner

    35. buchhändlerin
    das klärt aber das Problem nicht.
    Ich habe das lustige Bild vor Augen, wie sich der ortsansässige Buchhandel auf jeder Großveranstaltung drängelt...
    Das Problem war doch, dass 24-Stunden-Bestellungen heute jederzeit, an jedem Ort für jeden Lieferort geordert werden können.
    Ob da der Fremdservice hinreichende Existenzsicherung erwirtschaftet, ist eine Frage der Zeit.
    Es gilt ein Selbstverständnis jenseits von Umsatzziffern zu entwickeln. Die Margen werden jedenfalls kleiner und sorgen für Konzentration.
    Wenn digitalisierte Fassungen ihre Sättigung bei über 50 % Marktanteil erreichen werden, wird es sowieso schwieriger werden. wann? weiß keiner - ob? ist sicher.

  • buchhändlerin

    buchhändlerin

    Es mag ja sein, daß Bestellungen rund um die Uhr, wie
    Herr Wanner meint, nötig sind. Meistens schlafen die
    Leute nachts und kaufen tagsüber ein, vielleicht habe
    ich aber auch etwas verschlafen. Der Buchhandel ist
    schneller als die Bestellung im Internet, das war sehr schön
    bei den Streiks zu beobachten, die uns zudem eine Menge
    Umsatz mehr gebracht haben. Nicht jede Buchhandlung geht zu einer Veranstaltung, aber viele Veranstaltungen
    haben noch keine Büchertische, hier wäre für die Händler
    noch ein Feld zu bestellen. Und was die Sichtbarkeit von
    Büchern anbelangt, in einer abgeschlossenen Lagerhalle
    nützen sie wenig, da kann der Buchhandel ganz anders
    punkten. Und wenn 50 Prozent übrig bleiben, dann
    gehöre ich hoffentlich noch dazu. Und ist das ein Gesetz,
    das sie hier postulieren, daß es so kommen muß?
    Gegenarbeiten ist die Devise.

  • Gerald Grüneklee

    Gerald Grüneklee

    Zu 37): Als ich noch ein Ladengeschäft hatte (bis 2006) habe ich viele Büchertische gemacht. Das war nicht immer von Erfolg gekrönt, zumal angesichts des Aufwandes (z.B. auch geeignete Bücher eigens bestellen, ggf. remittieren etc.). Auch war der Effekt, dass Leute dann wirklich im nachhinein den Laden aufsuchten, relativ gering. Dennoch sind auf diesem Wege einige gute Kontakte entstanden (z.B. zu Autoren, örtlichen Institutionen, Veranstaltungsorten, die sich dann später für eigene Veranstaltungen mit nutzen ließen etc.). Und manchmal war der abendliche Umsatz auch richtig gut, besser als den gesamten Tag über. Fazit: ein Allheilmittel ist es sicher nicht. Aber der Weg zum Buch sollte möglichst kurz sein, warum also nicht den (potentiellen) Leserinnen und Lesern entgegenkommen. Gekoppelt an eine mehrgleisige Strategie (Ladengeschäft mit Veranstaltungen und saisonalen Aktionen, eigene Homepage etc.) ist es längerfristig eine sinnvolle Ergänzung, gerade um sich lokal zu verankern und den Laden immer wieder ins Gedächtnis zu rufen (Zeitungsanzeigen, Beilagen und Flyer etc. sind meist teurer, bei noch unsichereren und schwerer messbaren Erfolgsaussichten).

  • franz.wanner

    franz.wanner

    endlich.
    "Und was die Sichtbarkeit von
    Büchern anbelangt, in einer abgeschlossenen Lagerhalle
    nützen sie wenig, da kann der Buchhandel ganz anders
    punkten."
    Darum geht es. Und es geht dabei nicht um den Anteil vom Kuchen, sondern um das Wechselspiel von Präsentation mit der Überraschung des Flaneurs und der Zugriffsressource für die Gemeinde. Der "Laden" ist nicht nur Steuerquelle der Gemeinde, sondern auch sinnstiftend.
    von der Kita bis zur Bahre. Kann kein "supermarket" leisten.
    Wenn der Buchhändler sich im Verdrängungswettbewerb nur über das Umsatzobjekt Buch begreifen und behaupten will, ist den Gemeinden nicht zu helfen.
    Im Kloster und am Fürstenhof waren produktion und Konsumtion noch ungeteilt und immer Zentrum einer Gemeindeentwicklung. Und Verlage schufen urbane Lebendigkeit. Und sie können die auch wieder entziehen. Wirtschaftsstandorte ohne solche Flankenhilfe bleiben asthmatisch.
    Und nein, das ist kein Gesetz. Gesetze könnte man ändern. Es sind Erfahrungen der Sozialität. Nicht die Zugänglichkeit zu Buch, Wissen, Kultur schaffen Identität, sondern der kommunikative, erlebbare Umgang damit. Wo bitte gibt es einen vitalen Ort ohne solchen "Versammlungsraum" Buchladen, Bibliothek etc. ohne schlichte "anfassbare" Vergewisserung des Gemeinwohls.
    Ein einziges Beispiel würde mich in Zweifel stürzen.

    • ...

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