Die Buchhandlung Reuffel hat jetzt auch ein Musikcafé

Dates im Salon

3. April 2019
von Börsenblatt Online
Die Buchhandlung Reuffel in Koblenz hat ein neues Musikcafé – wo früher unter abgehängten Decken Schallplatten verkauft wurden, gibt es jetzt eine Kaffeebar im Urban Jungle Style.

Koblenz, mit 112.000 Einwohnern eines der fünf Oberzentren in Rheinland-Pfalz, ist um einen sty­lishen Ort reicher – den sogenannten ­Salon der Buchhandlung Reuffel. Dafür wurde die abgehängte Decke mit der dunklen Holzverkleidung entfernt und ein massiver Stahlträger freigelegt, Teppichboden durch Betonoptik ersetzt und alles in Hell-, Mittel- und Dunkelgrau gestrichen, hochdeckend oder seidenmatt. "Industrial-Look kombiniert mit dem Motto Urban Jungle" nennen Experten diesen Stil. Wo vorher die 70 Quadratmeter große Musikabteilung der Buchhandlung Reuffel war, ist jetzt der Salon.

"Die Leute sollen hier Dates haben, verzaubert sein von der Umgebung, sich einfach gern im Salon aufhalten", sagt Reuffel-Geschäftsführer Robert Duch­stein. Café, Coworking-Space, Veranstaltungsraum – all das will der Salon sein. 22 Sitzplätze gibt es, an einem langen Tisch, in Nischen, die in die erhaltenen Regalsysteme eingebaut wurden, und an einem schmalen durchlaufenden Tresen am ehemaligen Schaufenster. Nicht zu vergessen: Der Salon ist die Musikabteilung der Buchhandlung Reuffel. "Wir sind der einzige Laden in der Region, in dem noch kompetent zu Klassik und Jazz beraten wird", so Duchstein. Das soll so bleiben. Die Stammkunden sollen ihre Heimat behalten, neue will Duchstein mit einer Erweiterung des Plattenangebots gewinnen, zum Beispiel in Richtung Pop. Schließlich boomt Vinyl seit Jahren.

Das wichtigste Element im Salon: die Kaffeetheke! Für Milchkaffee oder Moccacino sorgt Barista Erikson Loka, der bei Reuffel fest angestellt ist und sich natürlich auch um die übrigen Getränke und die Brownies und Cookies kümmert, die der Salon von der Koblenzer Konditorei Baumann bezieht. Café und Buchhandlung sind als Einheit gedacht, der Salon erweitert quasi das Ladenkonzept. "Die Buchhandlung, Bücher, Musik, und vor allem das Thema Einkaufen stehen im Fokus", erklärt Duchstein. Dazu gehört, dass die Kunden ihre Getränke vom Café in andere Bereiche der Buchhandlung mitnehmen können.
Der Plan ist offenbar aufgegangen. Es kommen die Jungen, die Coworker, die Studenten und Schüler, beobachtet Duchstein, und auch die Musikkunden von vor dem Umbau – der übrigens in gerade einmal vier Wochen über die Bühne ging. Die Regie hatte die Münchner Innenarchitektin Nina Jahn von LabelfreiME, umgesetzt wurden ihre Ideen mit örtlichen Handwerksfirmen.

Duchsteins Tipps an Kollegen mit ­Café-Plänen: mutig sein, nicht mit den altbekannten Ladenbauern zusammenarbeiten, sondern neue Partner suchen und über die Zielgruppe hinausdenken. Scheint sich für Reuffel gelohnt zu haben.

Reuffels Salon
  • Eröffnung: 9. Februar
  • Konzept: Musik-Café, Coworking-Space, Musikabteilung, Veranstaltungsraum
  • Größe: 70 Quadratmeter, 22 Sitzplätze; Buchhandlung insgesamt: 800 Quadratmeter
  • Stil: Industrial / Retro / Urban
  • Architektin: Nina Jahn, LabelfreiME, München
  • Ausstattung: u. a. WLAN, Steckdosen, Plattenteller
  • Umbauzeit: 4 Wochen
  • Kosten: ca. 50.000 Euro