Aktueller Einzelhandelsmarktüberblick

Corona-Krise: Viele Anmietungen wurden gestoppt

29. April 2020
von Börsenblatt Online
Nach der verordneten Schließung von Läden sind Anmietungen abrupt zum Erliegen gekommen: Laut JLL-Einzelhandelsmarktüberblick sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres nur 102.600 Quadratmeter bei 214 Abschlüssen umgesetzt worden. Gegenüber 2019 ist das Flächenvolumen um rund 13 Prozent, die Anzahl der Deals um fast 20 Prozent zurückgegangen.

Im ersten Quartal dieses Jahres waren Großflächen ab 1.000 Quadratmeter wieder stärker nachgefragt als im Vorjahr und verbesserten sich dem JLL-Einzelhandelsmarktüberblick von Jones Lang LaSalle zufolge um vier Prozentpunkte auf einen Anteil von 16 Prozent. Allerdings waren unter den insgesamt 34 Anmietungen dieser Größenklasse nur neun in den Big 10-Standorten. Dies spiegelt sich beim Flächenumsatz der zehn Metropolen, die zusammen nur auf 34.200 Quadratmeter kommen und einen der schwächsten Quartalswerte der vergangenen drei Jahre erreichen. "Generell zeigt sich inzwischen auch der Trend, ehemals handelsgenutzte Großflächen gerade in den Big 10 umzunutzen und diese zum Beispiel als Büroflächen und kleinteiligere Ladenflächen zu vermieten. Diese Alternative und Optimierungsvariante steht den Eigentümern in kleineren Städten mit weniger Nachfrage nach Büroflächen nicht immer zur Verfügung", erläutert  Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany.

Wie bereits zu Jahresbeginn 2019 hat der Textilsektor beim Flächenumsatz seinen Spitzenplatz an die Gastronomie-/Foodbranche verloren: Mit 33.400 Quadratmetern hatte sie einen deutlichen Vorsprung von sechs Prozentpunkten. Die Folgen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind hier deutlich sichtbar: Während im Gastronomiesektor momentan nahezu Stillstand herrscht, entfallen allein 71 Prozent des Flächenvolumens auf Lebensmittelanbieter – allen voran Edeka und Aldi.

In den Big 10-Standorten verharren die Spitzenmieten seit dem ersten Halbjahr 2017 nahezu auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Primus ist unverändert München mit 360 Euro pro Quadratmeter. "Derzeit stehen viele Händler mit ihren Vermietern in Verhandlungen über Stundungen und Aussetzungen der Mietzahlungen. Die Frage ist, ob die Spitzenmieten vor diesem Hintergrund auf dem aktuellen Niveau gehalten werden können", erklärt Helge Scheumann, Head of Research JLL Germany. "Viel wird davon abhängen, wie umfangreich die Lockerungen ausfallen und wie die Konsumenten mit ihnen umgehen."