#yeaward18: Die Nominierten (3)

Lizenz zum Kombinieren

Beruf, Psychologiestudium und Familie? Franziska Stockerer bekommt das alles unter einen Hut. Beim Münchner ZS Verlag ist man so überzeugt von der Lizenzexpertin, dass ihr eine Stelle auf den Leib geschneidert wurde. CHRISTINA BUSSE

Franziska Stockerer

Franziska Stockerer © Jan Russok - RR Creative Service

"Abwechslung und interdisziplinäres Arbeiten sind mir sehr wichtig. Deshalb ist es wohl auch typisch für mich, zwei Dinge gleichzeitig zu tun": So beschreibt sich Franziska Stockerer selbst. Ihren Beruf im Verlag einerseits und ein Psychologiestudium andererseits – das verbindet für die 35-Jährige das Beste aus zwei Welten. Dazu kommen die dreijährige Tochter und von der Seite ihres Ehemanns her "drei Kinder in Teilzeit", wie sie schmunzelnd bemerkt. Seit zwölf Jahren bereichert der Patchwork-Nachwuchs ihr Familienleben im oberbayerischen Mühldorf. Hier im Inntal ist die junge Frau fest verwurzelt, ganz in der Nähe, in Wasserburg, geboren und aufgewachsen: "Ich war so ein typisches Mädel, das sich mit Büchern sehr wohlfühlt." Als heimatverbundene junge Frau entschied sie sich für ein Studium der Amerikanistik im nicht allzu weit entfernten München. Von der Idee, zu promovieren, nahm sie wieder Abstand: "Zugunsten des Privaten wollte ich etwas planbarer ins Berufsleben einsteigen." Stattdessen verschaffte sie sich erste Einblicke in die Verlagswelt: Praktika im Christian Verlag und im Uschtrin Verlag machten Lust auf mehr, es folgte ein Volontariat im Bereich Auslandslizenzen bei BLV, wo sie bis 2011 als Assistentin tätig war.

Anschließend war sie bei den Verlegern Friederich-Karl Sandmann und Elisabeth Sandmann im Lizenzgeschäft im Einsatz – ein Gebiet, das für Außenstehende erst einmal trocken klingt. Doch wenn Franziska Stockerer von ihrer Arbeit erzählt, ändert sich das schnell, weil so viel Begeisterung mitschwingt: "Das Lizenzgeschäft ist meine Herzenssache." Viel Spaß machen ihr naturgemäß die Erfolge – etwa der Verkauf der Weltrechte für das ZS-"Deutschland"-Kochbuch an Phaidon oder die US-Ausgabe von "Schumann's Bar" an Rizzoli New York.

Seit Oktober 2017 verantwortet Stockerer, nach mehrjähriger freiberuflicher Tätigkeit, den Bereich Lizenzen und Autorenverträge im ZS Verlag. Die neu geschaffene Stelle wurde ihr auf den Leib geschneidert: "Die Programmausrichtung des Verlags ist internationaler geworden", so Franziska Stockerer. Der neue "Gault & Millau" (seit 2017), der Dr. Oetker Verlag (2016 zugekauft) und der Prego Cookbookstore in München (2015 eröffnet) würden dem Verlag die unterschiedlichsten Blickwinkel auf die Buchbranche eröffnen "und vieles hat Potenzial, ins Ausland vermarktet zu werden", erläutert die Lizenzfachfrau, die besonders die vielen internationalen Kontakte liebt, die ihre Arbeit mit sich bringt. Der Austausch mit Verlagen aus der ganzen Welt gehört zum Tagesgeschäft ebenso dazu wie die Übersetzung von Werbematerialien und die Ausarbeitung von Autorenverträgen. "Ich koordiniere Anwälte, Redakteure, Autoren, Fotografen und auch weitere Partner wie TV-Sender. Diese Fäden laufen bei mir zusammen."

Gerade steht außerdem die Terminplanung für die London Book Fair an. Dort wird sie im April im Halbstunden-Takt ausländischen Verlegern das ZS Programm vorstellen. "Eine tolle Gelegenheit für internationale Face-to-Face-Kontakte." Dabei geht es um mehr als um das Lizenz­geschäft: "Der Blick über den Tellerrand und ein internationales Netzwerk sind für einen Verlag sehr wichtig, um für die Zukunft gewappnet zu sein."

Dankbar ist sie ZS-Geschäftsführer Jürgen Brandt nicht nur für ihr spannendes Tätigkeitsfeld und die Möglichkeit, ihren wöchentlich 18 Arbeitsstunden teilweise im Homeoffice nachgehen zu können, sondern auch dafür, das Ganze sogar flexibel mit einem weiteren Studium unter einen Hut bringen zu können: Im Herbst 2017, zeitgleich mit der Festanstellung im Verlag, flatterte die Zusage für einen Studienplatz im Fach Psychologie an der Münchner Uni ins Haus. Ein alter Traum wurde wahr. Stockerer sieht es ganz pragmatisch: "Das lässt sich wunderbar kombinieren, die Uni ist nur eine U-Bahn-Station vom Verlag entfernt." Für die Work-Life-­Balance sorgt das Familienleben in der 80 Kilometer entfernten Kleinstadt. In Mühldorf fordern der Ehemann, von Beruf Schauspieler und Sänger, und die Kinder ihren Anteil an Zeit ein. Dort war die Kleinste schon mit anderthalb Jahren in der Stadtbücherei bekannt: als jüngste Besitzerin eines eigenen Leihausweises. Wohin es Franziska Stockerer, die den Masterabschluss anstrebt, beruflich führen wird? "Eventuell in einen Bereich 'in der Mitte', zwischen Verlag und Psychologie." Wenn demnächst Arbeits- und Organisationspsychologie auf ihrem Stundenplan steht, hat sie auf jeden Fall schon einen Gedanken im Hinterkopf: "Wie ist das in meiner Berufspraxis anwendbar?"

Was sagen Sie zu ...

... Leibspeise?
Beim Kochen für die Familie ist der kleinste gemeinsame Nenner ja oft wichtiger als der eigene Gusto – vor allem dann, wenn Vegetarier auf Karnivoren treffen. Mein All-time-Favorite ist jedenfalls Rote-Linsen-Curry.

... Steampunk?
Mich fasziniert die Ästhetik dieser ­literarischen Strömung, die das viktorianische Zeitalter um moderne Elemente ergänzt, sodass ich mehrere Geschichten aus dem Genre lektoriert habe.

... Landleben?
Der Wald hat eine gewisse Magie und ich liebe es, auf langen Spaziergängen und abseits der Wege Pilze zu sammeln.

Der Börsenblatt Young Excellence Award 2018 und die Teilnahmebedingungen

  • Zum fünften Mal vergibt das Börsenblatt in Kooperation mit dem Börsenverein, der Frankfurter Buchmesse, dem mediacampus frankfurt und der future!publish einen Preis für herausragende junge Macher und Macherinnen in der Buchbranche. Der Preis zeichnet exzellente Persönlichkeiten bis höchstens 39 Jahren aus, die in der Branche etwas bewegen – sei es als Mitarbeiter in einer Buchhandlung, im Verlag bei einem Dienstleistungsunternehmen oder als Selbstständige.
  • Gefragt sind Leute in Verlagen oder Buchhandlungen oder bei Dienstleistern, die mit eigenständigem Denken und Handeln Spuren hinterlassen, aber noch nicht auf der Top-Führungsebene arbeiten.
  • Selbstnominierungen und Vorschläge für Kandidaten sind gleichermaßen willkommen: Vorschläge  für den Young Excellence Award können jederzeit per E-Mail an boersenblatt@mvb-online.de eingereicht werden. Stichwort: #yeaward
  • Aus allen Vorschlägen wählt die Börsenblatt-Redaktion die Nominierten der Shortlist aus. Jeden Monat stellt das Börsenblatt in der ersten Magazin-Ausgabe und auf boersenblatt.net einen Kandidaten vor. 
  • In einer öffentlichen Wahl im September ist die gesamte Buchbranche dazu augerufen, auf boersenblatt.net den Preisträger oder die Preisträgerin zu bestimmen. Der Sieger wird zur Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben.

Das gibt es zu gewinnen

  • Alle Kandidaten auf der Shortlist erhalten exklusive Tickets für den "Business Club" der Frankfurter Buchmesse.
  • Der Gewinner kann mit einem Bildungsgutschein in Höhe von 1.000 Euro Fort- und Weiterbildungen auf dem mediacampus frankfurt besuchen.
  • Der Gewinner erhält eine Eintrittskarte für die future!publish 2019, inklusive Anreise und Hotelunterkunft.
  • Neben einem E-Paper-Jahresabo des Börsenblatts winkt dem Sieger oder der Siegerin außerdem ein Glaspokal als Trophäe.

Hier gibt es mehr Informationen zum Börsenblatt Young Excellence Award und den bisherigen Peisträgern und Nominierten.

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