Amazon antwortet Autoren

"Bonnier macht E-Books für uns zu teuer"

Den neuen Protestbrief an Amazon haben 1.188 Autoren unterzeichnet – die aus Sicht des Unternehmens mit ihrer Kritik allerdings über das Ziel hinausschießen. Der Fall Bonnier sei ein Einzelfall, lautet die Botschaft aus München. Bonnier weiche mit seinen Konditionen deutlich von denen anderer führender Verlagshäuser ab.

Amazon schaut auf die eigene Marge, und gibt das auch unumwunden zu. „Bonnier bietet uns die Mehrheit seiner Titel zu Konditionen an, die es für uns wesentlich teurer machen, eine digitale Ausgabe als die gedruckte Ausgabe desselben Titels einzukaufen“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Dies sei eine nicht nachvollziehbare Entscheidung.

Was folgt, sind die bekannten Argumente. Ein E-Book verursache keine Druckkosten, keine Überbestände, keine Retouren, keine Lagerkosten und keine Transportkosten; E-Books bräuchten keine Auflagenplanung, es gehe kein Umsatz verloren – weil sie nie ausverkauft seien. All das müsse bei der Preisgestaltung seinen Niederschlag finden, reklamiert Amazon. „E-Books können und sollten günstiger als gedruckte Bücher angeboten werden“, fordert Amazon, und betont, dass dies nicht nur für Endkundenpreise gelten solle, sondern auch „für die Preise, zu denen Buchhändler bei Verlagen einkaufen.“


Der Aufruf für einen fairen Buchmarkt zieht Kreise 

Mit Verweis auf Bonnier hofft Amazon offenbar, die Autoren zu besänftigen – und sich auch den Kunden gegenüber als Unternehmen zu präsentieren, dem es um Fairness geht. Insgesamt hatten bis Sonntagabend 1.188 Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz den Aufruf für einen fairen Buchmarkt unterzeichnet, darunter sowohl Newcomer als auch Bestsellerautoren (Liste über die Website: www.fairer-buchmarkt.de). Darin vermuten sie, dass Amazon für sich überdurchschnittliche Gewinnmargen im E-Book-Markt durchsetzen wolle. Das Schreiben ging heute morgen als offener Brief an Jeff Bezos, Gründer und CEO des Konzerns, und Deutschlandchef Ralf Kleber (Foto).

Umsatzeinbußen bei Autoren

Elke Pistor, Mitinitiatorin des Aufrufs und Geschäftsführende Sprecherin der Autorenvereinigung Syndikat, ist überzeugt: Sollte das gelingen, würden die Umsatzeinbußen sowohl bei Verlagen, in erster Linie aber bei den Autoren deutlich zu spüren sein. Langfristig sei damit die Vielfalt der Inhalte auf dem Buchmarkt gefährdet. „Die bisherige Geschäftsstrategie Amazon legt den Schluss nahe, dass das erst der Anfang ist“, erklärt Pistor. „Es werden Konditionsänderungen für andere größere und kleinere Verlagen folgen. Auch die Selfpublisher, die der Onlinehändler zurzeit noch mit verlockenden Margen an sich zu binden versucht, werden auf lange Sicht nicht davon verschont bleiben.“

Bonnier war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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1 Kommentar/e

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  • Heinz Mehrlich

    Heinz Mehrlich

    Hallo!ichfinde die Diskussion seitens der deutschen Verlage ziemlich scheinheilig.
    Amerikanische E-Books sind häufig bis zur Hälfte billiger als gedruckte Ausgaben. Deutsche Übersetzungen sind als lPrint meist ein Drittel teurerals das Original. Wer fremdsprachlich lesen kann fährt sehr viel billiger.
    Gibt es denn da objektive Preisanalysen?

    • ...

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