Anne v. Bestenbostel über Probleme mit Mengenrabatten

Furchtbares Unwissen

Mengenrabatte scheinen in Verlagen häufig spontan festgelegt zu werden. Diese Erfahrung macht Buchhändlerin Anne v. Bestenbostel. Ihr Appell: Das muss sich dringend ändern!

Anne v. Bestenbostel

Anne v. Bestenbostel © Kirsten Hedemann

Ich habe es so satt! Heute Morgen rief ich einen kleinen Regionalverlag an, um mich nach seinen Mengennachlässen zu erkundigen. "Sie bekommen doch 40 Prozent", war die Antwort. Da wusste ich: Das wird wieder eines von den schwierigen Telefonaten. Ich erklärte also noch mal den Unterschied zwischen dem Verlagsrabatt für mich als Buchhändler und dem Mengennachlass für Endabnehmer und wies darauf hin, dass ja der Verlag die Preise und damit auch die Mengenpreise festsetzt. Großes Erstaunen am anderen Ende der Leitung. Den Fall hätten sie noch nie gehabt – wie viele Exemplare der Kunde denn wolle? Ich erwiderte, das hinge ja eben auch von ihren Mengenpreisen ab.

"Ja, dann sagen Sie ihm, ab 50 Stück bekommt er zehn Prozent, und ab 100 Stück bekommt er 20 Prozent." Ich habe extra noch mal nachgefragt, ob die Dame das in diesem Moment spontan aus dem Bauch heraus entschieden habe. Als sie bejahte, "musste ich auflegen und in eine Tüte atmen", wie Matthias Mayer es mal so treffend formuliert hat.

Es ist Zufall, dass ich heute Morgen einen kleinen Verlag angerufen habe. Bei großen Häusern passiert einem aber das Gleiche. Das wäre ja alles nicht so schlimm, würde die Dame am Telefon nicht in diesem Moment über mein Portemonnaie entscheiden. Denn es ist ja nicht so, dass ich die zehn oder 20 Prozent auf meinen Verlagsrabatt aufgeschlagen bekomme. Nein, ich muss sie von meinem normalen Rabatt abzwacken, und meine Spanne verringert sich drastisch. Wieso tragen eigentlich wir Sortimenter diesen Nachlass komplett alleine? Und wieso wissen die Verlage darüber so oft nicht Bescheid?

Wie viel Nachlass muss ich dem Kunden gewähren, wenn ich übermorgen noch mal anrufe und dann im Verlag jemand anders ans Telefon geht? Wie viel bezahlt der Kunde, wenn er direkt beim Verlag bestellt? Und wieso müssen wir Buchhändler Verlagen erklären, wie die Preisbindung funktioniert? Das Ganze ärgert mich seit Jahren. Einmal haben wir das Thema bei einem Branchentreffen diskutiert. Findige Menschen, bekannte Ehren- und Hauptämtler, besprachen auf meine Bitte hin das Problem ausgiebig. Was bekam ich zu hören? "Das kann man ja nie so genau sagen!" "Du bekommst doch 40 Prozent." "Das kommt ja auch darauf an, wer da anruft."

Nein. Eben nicht. Es muss völlig egal sein, ob ich mich beim Verlag mit "Riethmüller" oder "Busch" am Telefon melde, mit "Bezos" oder "Bestenbostel". Es ist schlimm genug, dass ich mich überhaupt telefonisch erkundigen muss – zu den Arbeitszeiten der Verlage, nicht zu meinen, denn wir arbeiten auch nach vier Uhr nachmittags oder samstags. Laut Preisbindungsgesetz muss ein Verlag seine Mengenpreise ebenso transparent bekannt geben wie den Normalpreis. Die Mengenrabattstaffeln gehören längst ins VLB, und zwar auf die erste Seite hinter den Ladenpreis, nicht irgendwo mit einer geheimen Tastenkombination auffindbar, nicht auf die eingelegten AGBs in der Vorschau und nicht in den Notizblock des Verlegers.

Das Wissen um die Mengenpreise gehört in die ganze Branche, nicht nur in den Berufsschulunterricht. Die Verlage sind verpflichtet, sich festzulegen. Wie sonst sollen wir auf die Preisbindung und auf unsere Marge aufpassen? Ich möchte nicht von der Laune und dem Wissen meines Gegenübers am Telefon abhängig sein, sondern meinem interessierten Kunden kompetent und sofort Auskunft geben können. Das ist mein Job. Ich mache ihn gern. Wenn man mich lässt.

Schlagworte:

17 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Buchhandlung Stiegele  Chr.Stiegele-Feifel

    Buchhandlung Stiegele Chr.Stiegele-Feifel

    Da kann ich der Kollegin nur absolut recht geben. Oft ist es eine Mamutleistung an die Daten zu kommen- manchmal scheitert man aber auch. Alternativvorschlag auf der Homepage des Verlages hinterlegen. Sowie es schon einige "kleine " Verlage tun. Nur so kann die Preisbindung gewährleistet werden.

  • Karola Brockmann, Brühl

    Karola Brockmann, Brühl

    aus jahrelanger (leidvoller) Erfahrung: 100% Zustimmung liebe Frau Bestenbostel!

  • Boysen + Mauke Schweitzer Fachinformationen, Hamburg

    Boysen + Mauke Schweitzer Fachinformationen, Hamburg

    Liebe Frau Bestelbostel,
    vielen Dank für diesen Vorstoß! Eine Referenzdatenbank ist eine Referenzdatenbank für alle, ja, genau. Und Angaben zu Mengennachlässen gehören ebenso wie alle Informationen zu Subskriptionspreisen und -Terminen (ein weiteres Branchenthema von großer jahrelanger Scheußlichkeit) ins VlB.
    Und ich will das auch immer wieder neu auf einer Homepage ermitteln müssen - denn die VlB-Daten können selbsttätig aktualisierbar in Systeme laufen und gelten für alle Handelspartner einheitlich.

  • Carsten Vogt

    Carsten Vogt

    Auch ich stimme Frau von Bestenbostel zu. Letztlich ist dies m.E. ein Preisbindungsverstoß durch die Verlage. - Rechtsanwältin Birgit Menche, Preisbindungsbevollmächtigte des Sortimenter-Ausschusses, schrieb schon vor Jahren mahnend einen Artikel über dieses Thema (war vermutlich im Börsenblatt), geändert hat sich leider nichts.

  • DG

    DG

    Bezeichnend ist aber auch, dass im Text von Mengenrabatten und Mengennachlässen die Rede ist, obwohl der Mengenpreis gemeint ist. Haarspalterei? Vielleicht muß man sich aber dann wenigstens nicht den Hinweis auf den Buchhandelsrabatt anhören.

  • D.Orie

    D.Orie

    Liebe Frau Bestenbostel, man kann Ihnen nur zustimmen. Wir als ganz kleine Verlage (die auch samstags und bis spät in die Nacht arbeiten;) bekommen wahrscheinlich einfach zu selten so interessante Anfragen nach Mengenpreisen. Und dabei geben wir gerne Mengenrabatte und -preise!!! Mit welchen Mengenpreisen wären Sie denn wirklich zufrieden? Wir würden das gerne auch einrichten. Ihr Vorschlag, dass diese Informationen im VBL verzeichnet werden, finde ich ausgezeichnet! Beste Grüße!

  • Dietrich zu Klampen

    Dietrich zu Klampen

    Liebe Anne, vielen Dank für Deinen Beitrag. Auch wir haben bisher unsere Mengenpreise nicht veröffentlicht, was wir aber schnell nachholen wollen. Allerdings verstehe ich Deine Argumentation nicht vollständig: Wieso trägt der Buchhandel die Mengenpreis alleine? Wenn ich als Verleger bestimme, dass ein Buch bei Abnahme von 1000 Exemplaren Deinen Kunden nicht 24 sondern 20 Euro kostet, Du aber auf diese 20 Euro 40% Rabatt bekommst, bekommen doch Buchhandlung UND Verlag weniger: Auf ein Einzelexemplar (24/20 Euro ohne USt-Rechnung) bezogen, bekommst Du 1,60 Euro weniger und der Verlag 2,40 Euro. Das wird aber kompensiert durch die hohe Anzahl und ist für meine Begriffe für Buchhandlung und Verlag ein Vorteil. Wann verkauft man schon mal 1000 Ex an einen Kunden? Bin ich zu blöd? (Rechnen ist nicht meine Stärke ...)

  • Ursula v. Bestenbostel

    Ursula v. Bestenbostel

    Lieber Dietrich zu Klampen,
    das wäre ja schön, wenn die Verlage so (be)rechnen würden! Leider steht auf den Rechnungen aber der normale Ladenpreis und vielleicht unten der Hinweis, dass 10% oder 20% oder... Mengennachlass "zu gewähren sind". Deshalb hat Anne recht: es ist allein unser Portemonnaie, das hier belastet wird!
    Herzliche Grüße von der Noch-Buchhalterin Ursula vB

  • Dietrich zu Klampen

    Dietrich zu Klampen

    @Ursula v. BestenbosteL
    Oh! Das geht natürlich gar nicht. Müssen wir diesen Verlagen nicht mal das Preisbindungsglossar der segensreichen Rechtsabteilung des Börsenvereins empfehlen? https://www.boersenverein.de/de/portal/glossar/158 316?glossar=M&wort=188671

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Vielleicht sollte an dieser Stelle doch mal jemand von der Rechtsstelle klärend eingreifen!

    Auch ich habe schopn mehrfach die gleiche Erfahrung gemacht wie Du, Anne: Völliges Unverständnis auf Seiten des Verlages, gelegentlich gepaart mit erschreckender Unkenntnis der Preisbindungssituation ("Geben Sie ruhig 10 %, das machen Ihre Kollegen doch auch so" oder "Wenn Kitas bei uns größere Mengen bestellen, dann geben wir Ihnen noch Exemplare dazu").

    Ich habe die Sachglage bisher so verstanden:

    Es gibt
    1. Mengenpreise, die der Verlag festsetzt, die bindend sind, im VLB stehen und die auch vom Verlag an die Buchhandlung fakturiert werden (z.B. LP 10 €, ab 10 Expl. 9,50 € etc). Das ist das, wovon Dietrich zu Klampen spricht, was aber selten vorkommt (z.B. bei religiösem Kleinschrifttum).

    2. Mengennachlässe, die ein Verlag erlaubt (nicht vorschreibt!) und die sich in %-Staffeln ausdrücken (z. ab 11 Expl. 8 %, ab 51 10 % etc.). Hierzu sollte jeder Verlag eine Regelung festgelegt haben, was aber oft nicht der Fall ist. Hier scheint mir die eigentliche Grauzone zu liegen.

    Und jetzt wüsste ich gerne von der Rechtsstelle, ob ich da richtig liege =)

  • Carolin

    Carolin

    Danke, Danke, Danke für diesen Weckruf! Auch wenn die Frage nach Mengennachlässen nicht oft kommt: wenn sie kommt, löst sie jedes Mal Chaos aus. Der eine Verlag setzt Mengenpreise fest, der andere Mengennachlässe. So oder so geht der Nachlass auf unsere Kosten.
    Kürzlich hatten wir den Fall, dass ein Verlag dem Endkunden Mengenrabatt gewährt, wir aber keinen hätten weitergeben dürfen. Letzte Woche kam von anderer Stelle: "Mengenrabatt können Sie geben wie Sie wollen!"
    Hallo?! Muss ich dem Verlag seine Verantwortlichkeit erklären?
    Ich würde mir wünschen, dass der Börsenverein respektive das VLB als Preisreferenzdatenbank hier deutlich mehr auf die Verlage einwirken würde. Vielleicht fehlt es einfach an Information!

  • Christian Sprang

    Christian Sprang

    Lieber Herr Dausien,

    nein, mit Ihrer Differenzierung von "Mengenpreisen" und "Mengennachlässen" liegen Sie preisbindungsrechtlich leider falsch. Es gibt nur (vom Verlag festgelegte) Mengenpreise, die das Gesetz in § 5 Abs. 4 Nr. 2 Buchpreisbindungsgesetz geregelt hat (und auf die dem Sortiment selbstverständlich auch auf auskömmlicher Händlerrabatt zu gewähren ist). Gerne wiederhole ich auch noch einmal den schon von Herrn zu Klampen hier eingebrachten Link zum entsprechenden Stichwort im Buchpreisbindungsglossar des Börsenvereins: https://www.boersenverein.de/de/portal/glossar/158 316?glossar=M&wort=188671

    Übrigens mahnt die Rechtsabteilung des Börsenvereins gemeinsam mit der vom Sortimenter-Ausschuss für Preisbindungsfragen beauftragten Rechtsanwältin Birgit Menche regelmäßig Verlage ab, die (nur) im Direktgeschäft Mengenpreise gewähren, diese aber nicht in angemessener Weise dem Handel kommunizieren.

    Es tut mir übrigens Leid, dass ich krankheitsbedingt erst jetzt auf Ihren Hinweis reagieren kann. Leider stimmt die Redaktion des Börsenblatts ihre Berichterstattung zu rechtlichen Branchenthemen weder inhaltlich noch hinsichtlich des Erscheinens mit der Rechtsabteilung des Börsenvereins ab.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian Sprang

  • Jochen Papanouscas

    Jochen Papanouscas

    Eine Frage war: "Warum tragen Buchhändler Mengennachlässe alleine?". Gegenfrage: Welche Konditionen möchte der Buchhändler denn bei einer Mengenbestellung eines Endkunden von sagen wir mal 100 Exemplaren eines Titels?

  • D. Orie

    D. Orie

    Das würde mich auch mal interessieren (wenn wir schon mal dabei sind).

  • Gerlinde Droste, Buchhandlung Droste in Herten

    Gerlinde Droste, Buchhandlung Droste in Herten

    Bei 40% Rabatt geht das Ganze ja auch noch. Aber in den meisten Fällen, die ich hatte, handelte es sich um deutlich niedrigere Rabatte, oft um Fachbücher, die max. mit 30%, eher mit 20% fakturiert werden. Da wäre es schön, wenn der Verlag den Endkundenrabatt obendrauf legt. Also, wenn ich 10% an den Kunden weitergeben soll/kann/darf/muss und 25% vom Verlag bekomme, dann hätte ich gern 35%, denn die verbleibenden 15% sind ja nicht mehr auskömmlich, so wie es die VO fordert.

    Jetzt könnte man ja meinen, die Buchhandlung hat meist nicht besonders viel für diesen Auftrag getan, da oft der Kunde mit einem konkreten Wunsch an die Buchhandlung herantritt. Also könnte man den Endkundenrabatt auch zwischen Buchhandlung und Verlag aufteilen. Aber dann bleibt für die Buchhandlung überhaupt nichts mehr übrig, denn der Kunde erwartet ja, dass ich ihm die Bücher bei einer so großen Menge vorbeibringe oder als Mitarbeitergeschenk verpacke oder was auch immer die Kunden meinen, bei einer solchen Menge selbstverständlich fordern zu können (läuft bei uns unter Service, mache ich ggf. nach Feierabend, kostet aber ebenfalls Zeit bzw. Geld).

    Wir rufen in solchen Fällen bei dem betreffenden Verlag an und erfahren dann häufig: Ja, Mengennachlass gibt es, den können Sie gewähren, müssen Sie aber nicht. Wenn ich rückfrage, ob der Verlag denn Mengenpreise gewährt, wenn der Kunde direkt bestellt, heißt es aber immer "ja". Also habe ich gar keine Wahl, sondern muss den Nachlass ebenfalls gewähren, denn sonst ist der Kunde weg.

  • Carsten Vogt

    Carsten Vogt

    Partieexemplare entschädigen den Sortimenter ggf. in Teilen - und sind für die Verlage wohl auch recht günstig.

  • Jochen Papanouscas

    Jochen Papanouscas

    Bei uns: In der Regel Buchhandelsrabatt 40% abzgl. der möglichen Endkundennachlässe bedeutet nicht, dass der Buchhändler nichts mehr verdient. Selbst bei max. Nachlass/Endkunde von 25% verbleiben ja noch 15% als Umsatz beim Händler. Außerdem kann man ja je nach Auftragsvolumen immer mal über Freistücke verhandeln. Wir lassen da immer mit uns reden.

    • ...

      Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • ...
      Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld

    nach oben