Argumente und Gegenargumente im Konditionenstreit / EU-Kommission untersucht Vorwürfe

Was kosten E-Books wirklich?

Amazon dreht mit seiner Erwiderung auf die Kartellamtsbeschwerde des Börsenvereins den Spieß um. Das Unternehmen behauptet, Bonnier verlange "wesentlich mehr für die digitale Version eines Titels als für die gedruckte Version des gleichen Titels." Kann das sein? boersenblatt.net hat sich bei Verlagen erkundigt - und nachgerechnet.  VON ROE

19,99 Euro kostet das Hardcover, 15,99 Euro das E-Book: Wer bekommt davon wieviel? 

Angenommen, ein Hardcover kostet im Laden 19,99 Euro: Dann beträgt der Netto-Einkaufspreis für den Händler rund 9,30 Euro – nach Abzug der ermäßigten Mehrwertsteuer (MWSt.) von sieben Prozent und nach Gewährung eines Rabatts von 50 Prozent. Der Preis ohne MWSt. beträgt also rund 18,60 Euro.

Bietet der Verlag nun die E-Book-Version zum Endkundenpreis von 15,99 Euro an – also 20 Prozent unter dem Preis der gedruckten Ausgabe –, sieht die Rechnung folgendermaßen aus: Nach Abzug des regulären Umsatzsteuersatzes von 19 Prozent bleibt ein Nettoendpreis von 13,50, aus dem sich nach Gewährung von 30 Prozent Rabatt ein Nettoeinkaufspreis für den Händler in Höhe von 9,45 Euro ergibt. (Das Rechenbeispiel lässt sich auch anhand von Bonnier-Titeln nachvollziehen.)

Welche Kosten stehen für Verlage dahinter?  

Mit diesen 9,45 Euro, die nur geringfügig – und nicht "wesentlich" – über dem Nettoeinkaufspreis für die Hardcover-Version liegen (9,30 Euro, siehe oben), muss der Verlag allerdings alle Kosten decken, die für das E-Book anfallen. Das sind mit Ausnahme von Druckleistung, Papier und Teilen der Logistik zunächst alle Kosten, die auch für das Printformat anfallen: Herstellung, Vertrieb, Marketing, Werbung, Auslieferung (auch die digitale Auslieferung kostet), Abrechnung etc.

Die Ersparnis durch Wegfall der physischen Herstellung und Distribution wird aber durch andere Kostenfaktoren wieder aufgezehrt, so die Verlagsrechnung: vor allem durch höhere Autorenhonorare (bis zu 25 Prozent vom Nettoerlös), aber auch durch zusätzliche Kosten, die beim Online-Marketing entstehen, um die "Sichtbarkeit" der E-Books zu erhöhen. Hinzu kommen zusätzliche Personalkosten, die vielfach noch nicht durch E-Book-Umsätze eingespielt werden.

Ein Verlag muss alle Kosten, die bei Buchherstellung und -vertrieb entstehen, auf Print- wie E-Book-Format verteilen. Deshalb muss in der Kalkulation in etwa der gleiche Stückerlös erzielt werden. Liegt aber der Ladenpreis des E-Books deutlich unter dem des Hardcovers, und schlägt zusätzlich die höhere MWSt. für E-Books zu Buche, setzt dies einen niedrigeren Rabatt voraus.

Ein E-Book-Rabatt, wie ihn Amazon in Höhe von 40 oder gar 50 Prozent fordert, würde nach Ansicht von Verlagen eine kostendeckende Kalkulation nicht ermöglichen

Dies sollte bei allen Diskussionen, in denen eine Senkung der E-Book-Preise gefordert wird, bedacht werden. Der Preisdruck, den digitale Billigangebote auf die Verlage ausüben, ist enorm; der Spielraum, den die Verlage nutzen können, ist jedoch sehr gering, wie die Beispielsrechnung zeigt.

Rüffel aus Brüssel? Die EU schaltet sich ein

Inzwischen zieht der Konditionenstreit weitere Kreise: Nach unbestätigten Informationen hat nun auch die EU-Kommission mit der Untersuchung der Vorgänge begonnen. Denn hinter Amazon.de steht Amazon S.a.r.l. in Luxemburg, das europaweit agiert. Auch in Großbritannien übt Amazon derzeit massiven Konditionendruck auf die Verlage aus.

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16 Kommentar/e

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  • Ach

    Ach

    Ehrlich gesagt: Wenn ich wissen will, was e-Books "wirklich" kosten, würde ich als allerletztes Verlage fragen. Dass die nun die angeblichen Kosten zu ihren Gunsten hochrechnen, wo es nur geht, versteht sich doch von selbst.
    Dass Verlage für e-Books großartig "Marketing" betreiben, halte ich auch für reichlich euphemistisch.

  • Face_65

    Face_65

    Yippie! Und gleich der erste Kommentar wieder ein Troll! Liebes "Ach", tja, wen soll man sonst fragen, wenn nicht die, die erst mal die Kosten haben?
    Dieses ewige Bezweifeln aller kaufmännischen Realitäten im Buchhandel sollte endlich auch auf alle Wünsche übertragen werden: Der Mars besteht aus Eis. Würde man das ganze Eis auf die Erde holen, könnte die Klimaerwärmung gestoppt werden. Was, die NASA sagt, das ist technisch unmöglich? Naja, schön dumm, wenn man auch die NASA fragt, die ja interessengesteuert ist. Fragen wir lieber Jeff Bezos, der will bekanntlich zum Mond. Und hat ganz doll Visionen.

  • Georg Christoph L. aus G.

    Georg Christoph L. aus G.

    Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl ...

  • W. Arndt Bertelsmann

    W. Arndt Bertelsmann

    Abgesehen von dem juristischen Fingerhakeln stellt sich die Frage, warum ein E-Book-Händler eine genauso hohe Marge braucht wie bei Büchern, wenn das mit den E-Books alles so einfach ist. Auch bei Amazon entfällt die physische Auslieferung. Insoweit ist die Argumentation von Amazon schwach. Mit unseren Dienstleistern und Händlern können wir konstruktiv über Leistungen und Preise reden, mit Amazon geht das wohl nicht.

  • Galbadon

    Galbadon

    @Face_65
    Das Ach wird bestimmt bei lesen.net nachfragen. Die wissen es immer ganz genau, welche Kosten Verlage haben.

    Ich finde es gut, dass das Börsenblatt es endlich bestätigt: billige E-Bücher kommen uns teuer zu stehen - entweder sind die Rabatte geringer oder es muss mit dem Druck mischkalkuliert werden. Es ist wohl auch z. T. Schuld der Verlage, dass die Mär vom billigen E-Buch so Fuß fassen konnte - man hätte früher und transparenter dagegen argumentieren sollen. Nun ist das böse A. wieder am Ball - aber noch ist es nicht zu spät für alle anderen.

  • Martin Kraetke

    Martin Kraetke

    Ich denke an dem Bonnier-Fall sieht man deutlich, dass Amazon sein Quasi-Monopol auszunutzen sucht. 40-50% Händleranteil zu verlangen, ohne die Risiken und Kosten einer Titelproduktion zu tragen, muss hinterfragt werden, unabhängig davon ob der Verlag kostendeckend arbeiten kann oder nicht.

  • Ach

    Ach

    Bitte verzeihen Sie meinen Hinweis, dass ein Verlag, wenn er in diesem Zusammenhang nach seinen Kosten für e-Books gefragt wird, diese natürlich im eigenen Interesse so hoch wie nur möglich ansetzen wird, um die Ansprüche anderer an den Einnahmen so gering wie möglich zu halten. Vollkommen "trollige" Vorstellung!
    Schade, dass in diesen Foren hier nur noch rumgegrölt und beleidigt wird. Ich wünsche Ihnen, dass Sie im richtigen Leben nicht auch mit solchen Umgangsformen diskutieren oder gar verhandeln.

  • peter&paul

    peter&paul

    @face65
    diese ewigen troll-phobien sind auch unerträglich!
    auf welcher idealisierten insel leben sie eigentlich, wenn sie glauben, dass jeder produzent so ehrlich ist, reale gestehungskosten incl. angemessener gewinnmarge anzusetzen? da wird doch wohl überwiegend noch ein "kleiner zusatzprofit" draufgelegt.
    und visionen zu haben, ist durchaus positiv, anstatt in althergebrachten denkmustern zu verharren.

  • Verlagsfuzzi

    Verlagsfuzzi

    Ist allen klar, dass die Autorenhonorare für eBooks, die die Kalkulation digitaler Produkte zu Ungunsten der Verlage sehr belasten, nur deshalb so hoch angesetzt werden müssen, weil Amazon die Autoren mit noch höheren Beteiligungen ködert, ihre eBooks diekt über Amazon zu verkaufen? Ich bin gespannt, wann Amazon genügend Marktmacht hat, um auch den Autoren die Daumenschrauben anzulegen ...

  • Ach

    Ach

    "Autorenhonorare, die die Kalkulation digitaler Produkte zu Ungunsten der Verlage sehr belasten" (Arena-Verlag)
    Alles klar.
    Ich finde auch, dass die Autoren immer noch viel zu viel verdienen!

  • Troll-li Troll-la

    Troll-li Troll-la

    @ peter&paul

    "...diese ewigen troll-phobien sind auch unerträglich!...."

    Der Buchhändler lernt langsam, aber wenn er mal was gelernt hat, dann sagt er es bis zum Exess auf ;-)
    Dazu gehört der "Troll"..... :-)

  • Leser

    Leser

    Die Rechnung mit der Mehrwertsteuer geht so nicht auf - auf die E-Books, die deutsche Verlage über Amazon vertreiben, müssen sie keine Umsatzsteuer entrichten. Die zahlt Amazon nämlich in Luxemburg, auch wenn es derzeit nur 3 % sind.

    Das führt dazu, dass die Verlage an Amazon-E-Books deutlich mehr verdienen als an denen, die sie auf deutschen Plattformen verkaufen und für die sie derzeit noch 19% Mehrwertsteuer entrichten müssen.

    Davon abgesehen ist die Argumentation auf beiden Seiten ein bisschen scheinheilig:

    Amazon will denselben Rabatt für E-Books wie für Printbücher, obwohl es beim Verkauf der E-Books deutlich weniger Arbeit und Logistik aufwenden muss.

    Und die Verlage behaupten, die Kalkulation für E-Books sei praktisch dieselbe wie beim Print, führen sich aber gleichzeitig selbst ad absurdum - allein die Tatsache, dass sie beim E-Book den Autoren 25 % vom Verlagsnettoerlös zahlen, bei der Print-Ausgabe aber weniger als die Hälfte davon, beweist schon, dass die Gewinnspanne der Verlage im E-Book-Verkauf deutlich größer ist als beim Verkauf von Printausgaben.

    Man hat ein bisschen den Eindruck, jeder biegt sich die Wahrheit so zurecht, wie sie ihm am besten passt.

  • Daniel

    Daniel

    "allein die Tatsache, dass sie beim E-Book den Autoren 25 % vom Verlagsnettoerlös zahlen, bei der Print-Ausgabe aber weniger als die Hälfte davon, beweist schon, dass die Gewinnspanne der Verlage im E-Book-Verkauf deutlich größer ist als beim Verkauf von Printausgaben."

    Nur kurz diesem Punkt: Das stimmt leider überhaupt nicht. 25% vom Verlagsnettoerlös werden bei E-Books manchmal gezahlt, das stimmt (wobei es oft auch nur 20% sind), aber beim Print-Buch berechnet sich das Autorenhonorar vom Nettoladenpreis des Buchs, nicht vom Verlagserlös. Da Print-Bücher ja mit ca. 50% Rabatt an den Handel abgegeben werden, entsprechen die 10% Autorenhonorar, die beim Hardcover üblich sind, ziemlich genau den 20% vom Verlagserlös bei den E-Books. Dazu kommt, dass der Verkaufspreis des E-Books billiger ist - alles in allem verdienen beim E-Book also sowohl der Verlag als auch der Autor nicht mehr pro verkauftem Exemplar als beim gedruckten Buch. Von größerer Gewinnspanne also keine Rede.

  • Holstein

    Holstein

    Um es zum wiederholten Mal richtig zu stellen:

    Print-Bücher werden nicht mit ca. 50 % Rabatt an den Handel abgegeben. Dieser von den Verlagen eingeräumte Rabattsatz trifft vielleicht auf Amazon und die Größten der Branche zu.

    Der stationäre Buchhandel kauft Schulbücher mit einem Rabatt von 20-25 % ein, Fachbücher mit 25-30 %, Bellestristik mit 25 - 45 %. Der Durchschnittsrabatt für den Einkauf einer Buchhandlung mit allgemeinem Sortiment bei einem der Barsortimente (Buchgroßhändler) liegt durchschnittlich über alle Warengruppen gemittelt in der Größenordnung von 30 %.

    Könnte der verbreitende Buchhandel mit einem allgemeinen Rabatt von 50 % rechnen, gäbe es keine Krise.

  • Face_65

    Face_65

    @Ach et al.:
    Ich weiß auch nicht, wen Sie fragen wollen, wie Verlage kalkulieren, was Buchhändler und Autoren verdienen etc.pp. Sie glauben es ja sowieso nicht.
    Warum Sie aber denken, dass auf einer berufsständischen Site wie dieser die aktiven Teilnehmer am Handelsgeschehen sich in Permanenz gegenseitig belügen und zuschwadronieren, ohne dass es je einem der Marktteilnehmer aufgefallen wäre, das muss von Ihnen einmal ordentlich aufgeklärt werden. Sollten die Mitglieder des Börsenvereins seit 150 Jahren Opfer einer ausgepichten Verschwörung sein? Und wer sind die Drahtzieher? ;-)

  • Daniel

    Daniel

    @Holstein: Wie Sie selbst schon schreiben, wird die Belletristik mit bis zu 45% vom Buchhandel eingekauft (25% hab ich in 15 Jahren noch nie erlebt). Da aber bei vielen Verlagen (v.a. kleineren) die Barsortimentsanteile am Verkauf bei über 85% liegen, kann man durchaus mit den genannten 50% Rabatt kalkulieren (zumal, wenn man die Auslieferungsprovision noch hinzuzieht).
    Es stimmt natürlich, dass diese 50% nicht beim verbreitenden Buchhandel ankommen, aber beim Verlag abgezogen werden sie dennoch.

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