Auszeichnung

Shumona Sinha und Lena Müller erhalten den Internationalen Literaturpreis 2016

Die Autorin Shumona Sinha und ihre Übersetzerin Lena Müller werden dieses Jahr mit dem mit insgesamt 35.000 Euro dotierten Internationalen Literaturpreis für den Roman "Erschlagt die Armen!" (Edition Nautilus, 2015) ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 25. Juni in Berlin statt.

Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: "Die in Kalkutta geborene und seit 15 Jahren in Paris lebende Autorin evoziert in einer ebenso wütenden wie poetischen und präzisen Suada ein Drama unauflösbarer Verwicklungen: Es treten Geflüchtete mit ihrer inneren Not, all ihren biographischen Brüchen auf und Beamte einer Asylbehörde mit ihrer inneren Distanz. Der Monolog der Ich-Erzählerin – Dolmetscherin in einer französischen Asylbehörde – vermeidet den paternalistischen Blick wie auch xenophobische Paranoia. In ihrer Zwischenstellung im Niemandsland der Sprachen, Kategorien und Weltverständnisse führt sie unnachgiebig vor, was passiert, wenn die Wahrheit nicht ins Schema passt. Lena Müller hat die raue Prosa Sinhas mit ihren ungebärdigen, die Wirkmacht der Sprache auslotenden poetischen Widerhaken kraftvoll ins Deutsche gebracht."

Shumona Sinha lebt seit 2001 in Paris und studierte an der Sorbonne Literaturwissenschaft. Von 2001 bis 2008 arbeitete sie als Lehrerin für Englisch an weiterführenden Schulen; ab 2009 war sie selbst als Dolmetscherin in der französischen Migrationsbehörde tätig. 2008 erschien ihr erster Roman "Fenêtre sur l’Abîme". Nach der Veröffentlichung von "Erschlagt die Armen!" (Assomons les pauvres!", 2011) verlor sie ihre Anstellung. Ihr dritter Roman "Calcutta" (2014) wird in deutscher Übersetzung von Lena Müller im August 2016 als "Kalkutta" in der Edition Nautilus erscheinen. Sinha veröffentlichte mehrere Gedichtbände auf Französisch und Bengalisch. "Erschlagt die Armen!" wurde mit dem Prix Valery-Larbaud 2012 und dem Prix du roman populiste 2011 ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Prix Renaudot und Prix Médicis.

Ihre Übersetzerin, Lena Müller, geboren 1982, studierte Literarisches Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim und Erwachsenenbildung und Kulturvermittlung in Paris. Sie ist seit 2009 Mitherausgeberin und Redakteurin der französischsprachigen Zeitschrift "timult". Seit 2012 arbeitet sie als freie Übersetzerin und Autorin. 2013 war Müller Stipendiatin im Goldschmidt-Programm für junge Literaturübersetzer, 2015 erhielt sie ein Aufenthaltsstipendium im Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen.

Der Jury 2016 gehören an: Leila Chammaa, Michael Krüger, Marko Martin, Sabine Peschel, Jörg Plath, Iris Radisch und Sabine Scholl.

Die Preisverleihung findet am 25. Juni im Rahmen der "Ausweitung der Lesezone", dem Fest der Shortlist, in Berlin statt. Die Verannstaltung versammelt alle Nominierten in Lesungen, Materialgesprächen und Roundtables im Haus der Kulturen der Welt. 

Neu verteilt wird ab diesem Jahr das Preisgeld in Höhe von 35.000 Euro zwischen Autor und Übersetzer. An den Autor gehen 20.000 Euro (bisher: 25.000 Euro) und an den Übersetzer 15.000 Euro (bisher 10.000 Euro), so das Haus der Kulturen.

Zum Preis

Seit 2009 verleihen das Haus der Kulturen der Welt (Berlin) und die Stiftung Elementarteilchen (Hamburg) den Internationalen Literaturpreis. Der Preis zeichnet einen herausragenden Titel internationaler Gegenwartsliteraturen in deutscher Erstübersetzung aus. Er würdigt sowohl das Werk des Autors als auch des Übersetzers.

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