Börsenverein

"Die E-Books haben die Schwelle zur Marktrelevanz überschritten"

„Wir erleben derzeit einen Um- und Aufbruch in der Buchbranche“: Mit diesen Worten stimmte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, auf das Wirtschaftspressegespräch des Börsenvereins ein.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, beim heutigen Wirtschaftspressegespräch

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, beim heutigen Wirtschaftspressegespräch © Claus Setzer

Rund 20 Journalisten waren ins Haus des Buches nach Frankfurt gekommen, um sich über die neuesten Zahlen der Buchbranche und die Ergebnisse der jüngsten E-Book-Studie zu informieren. Für das Prinzip Buch entstünde im digitalen Zeitalter eine große Chance, da die Verbreitung des Inhalts der Bücher schneller gehe. Etwa bei E-Books, die auch noch mit einem Zusatznutzen versehen werden könnten. Diese Produktform habe ihren Umsatzanteil 2011 verdoppeln können – auf mittlerweile ein Prozent des Buchmarktes. „Die Schwelle zur Marktrelevanz ist damit überschritten“, sagte Skipis. Sichtbar werde dies etwa bei den Umsatzmarken von libreka!. Über die Plattform seien im ersten Quartal 2012 schon nahezu die Einnahmen des gesamten Jahres 2011 erzielt worden, nämlich ca. zwei Millionen Euro. 

Dennoch bleibe das gedruckte Buch nach wie vor das Leitmedium. Der Umsatzrückgang der Branche im Jahr 2011, in Höhe von 1,4 Prozent, beunruhige nicht. „Nach sieben Jahren Wachstum trotz Krise sind jetzt die Spätfolgen der finanziellen Störungen spürbar“, so der Hauptgeschäftsführer. Einen Umbruch der Wertschöpfungskette konstatierte Skipis, erstmalig habe der Anteil des Sortimentsbuchhandels knapp unter 50 Prozent gelegen. Die dort verlorenen Einnahmen fänden sich auf der Habenseite des Internethandels wieder. „Die Buchhandlungen stehen vor großen Herausforderungen“, sagte Skipis. „Es muss ihnen gelingen, die persönliche, qualifizierte Beratung für ein sensibles Gut ins Internet zu übertragen und so die Kunden zu binden.“ Jeder einzelne Sortimenter könne mehr als Amazon insgesamt, „er kann die Welt der Bücher erschließen“. 

Jürgen Horbach, Schatzmeister des Börsenvereins und Wirtschaftssprecher des Verbands, ging auf die Preisentwicklung der Bücher ein. „Leider können oder wollen es Verlage und Buchhandlungen offensichtlich nicht, hartnäckig höhere Preise durchzusetzen. Mit Durchschnittspreisen von 26 Euro (Hardcover) und zwölf Euro (Taschenbuch) „sind Bücher sehr preiswert im Vergleich zu anderen Konsumprodukten“. In Sachen Internethandel wies Horbach darauf hin, dass die Wachstumsrate mit fünf Prozent erstmals nur noch einstellig sei.

Eine erfreuliche Entwicklung habe es bei der Anzahl der Erstauflagen gegeben, sie seien um gut 2.000 auf 82.048 zurückgegangen. „Es ist zu begrüßen, dass in einem nicht wachsenden Markt nun weniger Bücher produziert werden.“ Bei den Lizenzen habe großes Interesse an deutscher Literatur bestanden: 10.716 Erstauflagen fanden den Weg ins Ausland – die meisten nach China, gefolgt von Russland. Die Zahl der eingekauften Lizenzen ist dagegen leicht zurückgegangen von 8.191 auf 8.000.

Steffen Meier, Sprecher des Arbeitskreises elektronisches Publizieren, ging näher auf die Ergebnisse der E-Book-Studie ein. „Die Märkte für digitale Bücher sind jetzt definiert“, sagte Meier. Ob sie einen Hype darstellten, sei dahingestellt. Es lasse sich aber erkennen, dass der E-Book-Markt älter werde, weiblicher und viellesender. In den Verlagen würde derzeit jedenfalls massiv in die digitalen Workflows investiert.

 

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7 Kommentar/e

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  • Preisexperte

    Preisexperte

    „Leider können oder wollen es Verlage und Buchhandlungen offensichtlich nicht, hartnäckig höhere Preise durchzusetzen"

    Wenn Bücher teurer werden sollten, wird der Buchmarkt noch mehr zurückgehen und noch mehr Buchhandlungen werden aufgeben müssen und vom Markt verschwinden. In heftigen Krisenzeiten sind höhere Preise, gerade bei Produkten wie Bücher, ein K.O. Kriterium.

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Ich bin sehr beruhigt, mit Steffen Meier einen digitalen Experten das Digitale deuten zu sehen. Seine Einschätzung entspricht meiner Alltagserfahrung. Reader und Ebooks sind für Buchhändler interessant, aber ganz anders als vielfach unterstellt: Das junge, urbane Publikum kauft online, und zwar Print- wie Digitalprodukte. Der klassische Einzelhändler bleibt hier außen vor, und das finde ich weder gut noch schlecht, geschweige denn metaphysisch oder ungerecht. Es ist eine Entwicklung. Was mir aber fehlt, und zunehmend dringlich - Eine rechtliche wie organisatorische Lösung, dem internetfernen, aber ebook-affinen Publikum elektronische Bücher zur Verfügung zu stellen. Wo ist die Ebook-Tankstelle für den unabhängigen Sortimenter?

  • branchenkenner

    branchenkenner

    Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie gut man mithilfe von gestreckten Charts, fehlinterpretierten Zahlen und einer ordentlichen Portion Ignoranz Realitäten derart verkennen und verharmlosen kann.

    Was von Herrn Skipsis rhetorisch brilliant als "Umbruch in der Wertschöpfungskette" bezeichnet wird, ist - nur 1,4% Umsatzrückgang hin oder her - eine gewaltige Verschiebung im Beschäftigungsmodell der Branche. Ich kenne genügend Buchhändler, die ihre größte Herausforderung im Moment darin sehen, den kosten- und sozialverträglichen Abbau von Fläche und Personal in den nächsten 24 Monaten vorzubereiten.

    Wohin man schaut, überall verkappte Anton Schleckers in den Spitzengremien, es ist zum Haareraufen.

  • Elisabeth

    Elisabeth

    Ich habe bereits seit 3 Jahren ein spezielles Lesegerät für elektronische Bücher. Es macht viel Spaß, weil seine Baterien sehr lange halten und die Technologie nicht so stark die Augen beansprucht. Ich nutze ein E-Ink Gerät. Der IPad und ähnliche Spielzeuge werfen zu viel Licht auf die Augen, um länger lesen zu können.

  • Dirk Scholze

    Dirk Scholze


    „Die fetten Jahre sind (schon lange) vorbei“


    Am 4.6. 2012 wurden in einem Wirtschafts-Pressegespräch des Börsenvereins die Zahlen der Branche für 2011 vorgelegt. Es gab wenig Grund zum Jubilieren. Selbst der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Herr Skipis, musste konstatieren, „ Nach sieben Jahren Wachstum sind jetzt die Spätfolgen der finanziellen Störungen spürbar.“

    Aus Sicht des mittelständischen Sortimentsbuchhandels muss ich leider anmerken, dass es die letzten sieben fetten Jahre für diese Sparte unseres Gewerbes nicht gab – inflationsbereinigte Umsatzverluste von fast 22% seit 2002 müssen ohne jede Übertreibung als dramatisch bezeichnet werden.

    Erzielte der Sortimentsbuchhandel 2002 noch einen inflationsbereinigten Umsatz von 5.203 Mio. €, so waren es 2011 nur noch 4.068 Mio. €. Seine Beteiligung am Gesamtabsatz der Branche sank von 57,0% im Jahre 2002 auf 49,7% (2011).

    Die Prognose für das Geschäftsjahr 2012 ist alles andere als erfreulich. Sollte sich die Umsatzentwicklung von -5% in den ersten vier Monaten im Gesamtjahr fortsetzen; der Anteil des Sortimentsbuchhandels am Gesamtabsatz weiter sinken (von 49,7% auf 49%) und die Inflationsrate moderate 2% betragen, dann würde am Jahresende der Sortimentsbuchhandel, einen weiteren Umsatzrückgang von 8,1% zu beklagen haben.



    Dirk Scholze
    (Betriebsberater für den Sortimentsbuchhandel)


    P.S.
    Eine differenzierte Tabelle zur Branchen und Sortimentsentwicklung können Sie bei mir
    unter der Mailadresse: info@dirkscholze.de anfordern.


  • Urs

    Urs

    Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Und die Entwicklung im Sortimentsbuchhandel wird nicht besser.
    Da helfen auch keine Durchhalteparolen oder Kopf in den Sand stecken. Der Druck auf das Sortiment wird weiter zunehmen. Die Eurokrise wird ihren Anteil dazu beisteuern. Keine guten Aussichten.

  • robo

    robo

    Es ist wohl wirklich leider so, dass der stationäre Buchhandel in welcher Form auch immer, stirbt.

    Man kann keinen Buchladen mehr betreiben, egal ob groß, mittel, oder klein, und davon leben.

    Da helfen auch keine neuen Konzepte, wie Wohlfühlfaktor, Non Books, und was sonst noch alles.

    Die digitale Revolution bricht mit einer ungeheuren Wucht auf uns alle herein, verändert und eleminiert ganze Branchen.

    Den Buchhandel in seiner traditionellen Form leider auch, so traurig das auch ist.

    Wir sollten uns da alle keine Illusionen mehr machen, es ist vorbei!

    • ...

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