bookuck! startet in München

"Eine Buchhandlung ist wie Google von innen"

Mit einer Pressekonferenz in der Münchner Buchhandlung „Buch in der Au“ begann heute die Aktion „bookuck!“. Nach der großen Resonanz 2015 werden acht Tage lang 56 Buchhandlungen mit vielseitigen Aktionen und einer besonderen Schaufenstergestaltung auf sich aufmerksam machen. NICOLA BARDOLA

bookucks-Bücher im Schaufenster

bookucks-Bücher im Schaufenster © Nicola Bardola

Vier Buchhandlungen mehr als im Vorjahr

Neu sind die „bookuck!“-Buchumschläge mit den „bookuck!“-Sprüchen: Geschickt zwischen entsprechenden Büchern platziert, funktionieren sie gut als zusätzlicher Blickfang. „Von der Fachbuchhandlung bis zum populären Sortiment, von der Stadtteilbuchhandlung bis zur Filiale werden wir alle gemeinsam die Vielfalt des Sortiments deutlich machen“, sagte Nicola Bartels im Namen der Börsenverein–Landesverbands Bayern. „Jede dieser Buchhandlungen hat ihr eigenes Gesicht und ihren eigenen Charakter. Ihnen gemeinsam ist, dass sie alle Erlebnisräume, Orte der Begegnung und Zentren der kulturellen Vermittlung sind“, so Bartels. Sie betonte die wichtige Aufgabe der Sortimenter bei der Bekämpfung des Analphabetismus und jetzt zusätzlich bei der Hilfe zur Integration von Geflüchteten. 56 Buchhandlungen im Großraum München beteiligen sich, vier mehr als bei der Premiere im Vorjahr.

Tilman Spengler will Performance bieten

Autor Tilman Spengler wird am Samstag in einer Woche in „Buch in der Au“ ausdrücklich nicht aus seinen Werken vorlesen. Spengler wollte augenzwinkernd nicht allem zustimmen, was Bartels zur Bedeutung des Buches gesagt hatte und kündigte seine Anwesenheit in der Buchhandlung unter dem Titel: „Wie verhindere ich erfolgreich, dass eine Geschichte gelesen wird“ an. „Das hat den tiefen philosophischen Hintersinn, dass ich einerseits die Leute in die Buchhandlung locken soll, damit der kommerzielle Aspekt des Buchgeschäfts nicht völlig außer Sichtweite gerät, dass ich andererseits nicht lese, weil man nicht lesen kann, wenn die Ladenkasse häufig klingelt. Das heißt, wir müssen eine künstlerische Mischform finden, mit der wir nicht lesen, zugleich aber unterhalten und kommerziell erfolgreich sind“, weckte Spengler die Neugier für seine Performance.

Wenn der Börsenverein zum Bühnenverein wird

„Wir feiern Münchens Buchhandlungen, diese Resonanzräume unserer Phantasie. Wenn ich sage 'wir', dann meine ich den Bühnenverein …“, versprach sich Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München. Eva Gesine Baur, Kulturhistorikerin und Autorin, seit vielen Jahren verheiratet mit einem Analytiker, nahm den freudschen Versprecher auf und entwickelte die Vision der Buchhandlung als Bühne: „In Buchhandlungen werden Handlungen inszeniert: Jeden Tag große Oper!“ Baur findet, dass zu wenig kommuniziert wird, was Buchhandlungen im Gegensatz zum Internet alles bieten. Sie betonte die Rolle von Buchhandlungen als Geheimnisorte und als Geheimnisbewahrer und erinnerte an ihre Teenager-Zeit, als sie das Kamsutra, Bücher von Anaïs Nin und Charles Bukowski von einer Buchhändlerin ihres Vertrauens – derselben, bei der ihre Mutter Bücher kaufte – hinter dem Rücken ihrer strengen Eltern bestellen konnte, ohne dass diese jemals davon erfuhren. „Das können Jugendliche heute online nicht, da hinterlassen sie Spuren.“

Buchhandlungen: Wie Google von innen

Amelie Fried, Moderatorin und Schriftstellerin, deren Mutter eine ausgebildete Buchhändlerin war, erzählte von ihrem intensiven Verhältnis zum Buchhandel. „Auf Lesereisen erlebe ich immer wieder, wie ein Buchladen zum Kulturzentrum einen ganze Ortes wird. Die Leidenschaft der Buchhändler überträgt sich auf die Leser und die Autoren“, sagte Fried und erzählte von ihren Übernachtungen in Buchhandlungen. Alle Redner beschäftigten sich mit den Unterschieden zwischen Buchhandlungen vor Ort und Internet-Shops. Küpers betonte, dass der stationäre Handel genauso schnell ist wie online-Anbieter. Er zitierte Wilma Horne von der „Buchhandlung Horne“ in Haidhausen: „Ein junge Dame kam dank der „bookuck!“-Aktion in den Laden und gab zu, dass sie zum ersten Mal in einer Buchhandlung ist. Das hat ihr gut gefallen und am Ende sagte sie, ‚so eine Buchhandlung, das ist ja wie Google von innen‘.“ Der Spruch geht um die Welt, meinten anwesende Medienvertreter.

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