Brunhilde Steger über innovative Gestaltung religiöser Bücher

Lebenswelten abbilden

Im Supermarkt der Weltanschauungen dürfen religiöse Bücher nicht altväterlich wirken – sie müssen auffallen, wenn sie gesehen werden sollen. Tyrolia-Lektorin Brunhilde Steger über Innovation und Kreativität.

Brunhilde Steger

Brunhilde Steger © Tyrolia

"Inkulturation" – dieser Begriff hat mich im Theologiestudium beschäftigt. Auf einen einfachen Nenner gebracht bedeutet er: den Menschen das Evangelium in ihrer jeweiligen Situation so zur Sprache zu bringen, dass sie es verstehen und sich davon inspirieren lassen. Ein hoher Anspruch! Nun bin ich beruflich nicht in der Verkündigung einer Kirchengemeinschaft tätig – aber so ganz links liegen lassen kann ich diesen Auftrag dann doch nicht. Denn der Tyrolia-Verlag, in dem ich als Lektorin arbeite, hat neben "Berge & Kultur" auch das Thema Religion als Schwerpunkt. Und das seit 1907, als unsere Firma gegründet wurde.

Doch Tradition allein reicht nicht aus. Weder zum Bücher­machen noch zum -verkaufen, und auch die Lesenden lassen sich davon nicht beeindrucken. Entsprechende Zielgruppen gibt es zwar nach wie vor (Stichwort: spirituelle Sinn- und Orientierungssucher). Doch lautet die Gretchenfrage für jeden Verlag, der Bücher herausgibt, die sich an der christlichen Botschaft ­orientieren: Wie falle ich im "Weltanschauungssupermarkt" auf?

Zunächst: Ein Manuskript, das interessant und stilistisch gut geschrieben ist, muss sich nicht verstecken. Damit der Inhalt wahrgenommen wird, benötigt er eine ansprechende Form. Das beginnt mit dem passenden Titel; Sorgfalt wie Kreativität sind dabei obligatorisch: keine Fremdwörter, eine präzise Sprache verwenden und das alles so originell wie möglich. Aufmerksamkeit und ein unverwechselbares Profil soll das Cover verschaffen. Damit dies gelingt, ist eine gute Kommunikation mit dem Grafikbüro notwendig. Ein Briefing, in dem der Bezug zum Buchinhalt hergestellt wird, die Zielgruppen analysiert und Angaben über den Autor gemacht werden, ebnet den Weg zu Coverentwürfen, die dem Anspruch moderner Gestaltungsarbeit gerecht werden. Denn warum sollten religiöse Titel altväterlich wirken?

Spannend und herausfordernd zugleich sind religiöse Kinder- und Jugendbücher. Sie werden immer noch häufig zur Erstkommunion beziehungsweise Firmung verschenkt oder als Einführung von jenen Personen verwendet, die den Nachwuchs auf diese Sakramente vorbereiten. Eine Flut an Titeln kämpft darum, einen Platz auf den Tischen der Buchhandlungen zu ergattern. Wie können Verlage Qualität sichtbar machen? Und was sind Qualitätsmerkmale von Büchern, die sich vom 08/15-Album abheben? Neben der verwendeten Sprache, die altersgerecht sein muss, nicht moralisierend oder anbiedernd, sticht die Optik ins Auge. Auch hier ist Innovation gefragt. Es müssen nicht nur Tauben, Ähren, Kelche oder Kreuze das Cover zieren: Die Botschaft Jesu kann umfassender dargestellt werden als in religiösen Symbolen. Generell sprechen junge Menschen besonders auf optische Reize an. Diesem Bedürfnis sollten Texte Rechnung tragen und grafisch ansprechend aufbereitet werden: durch ungewöhnliche Piktogramme, Schaubilder, originelle Diagramme, die wichtige Informationen für ihre Lebenswelt auf den Punkt bringen.

Für Kirche, Religion und Glauben interessieren sich die Menschen immer weniger, sagt uns regelmäßig die x-te Umfrage zu Weihnachten. Vor diesen Hiobsbotschaften müssen wir in Verlagen keine große Angst haben. Hüten sollten wir uns eher davor, in Lethargie zu verfallen. Denn nicht nur in der Kirche sollte die christliche Botschaft zeitgemäß verkündigt werden. Auch wir tragen mit unseren Büchern dazu bei, dass Menschen angemessene Antworten auf ihre Lebensfragen finden. Ob man das nun »Inkulturation« nennt, ist völlig zweitrangig.

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