Buchhändler verraten ihre Krimi-Favoriten

Unter Kollegen

Schluss mit der Geheimniskrämerei: Hier geben Buchhändler ihre aktuellen Lieblingskrimis preis. KAI MüHLECK

© Hilla Südhaus

Martina Bergmann,
Bergmann Verlag, Borgholzhausen

Gefunden habe ich diese beiden Bücher auf der Empfehlungsseite der Buchhandlung Hammett. Es macht mir große Freude, beim Memel Verlag einzukaufen, allein schon wegen der netten E-Mails der Verlegerin. Ganz ehrlich: Mir gehen Standard-Regiokrimis auf die Nerven. Diese Bücher sind aber wohltuend anders – mehr als das übliche Krimigraubrot, allein wegen einer coolen Heldin. Das erinnert mich an die frühe Doris Gercke, als sie noch nicht so gefällig war. Gerade hier auf dem Land ist es mit Büchern aus Indie-Verlagen nicht immer leicht, von den Kunden heißt es oft: "Ich hätte lieber was von Bertelsmann." Aber hier hat nicht eine Kundin rumge­muckelt. Wir haben die Bücher an ­Weihnachten kistenweise verkauft.

Lotte Bromberg: "Fallsucht"  /  Memel Verlag  /  450 S.  /  11,99 €
Lotte Bromberg: "Auslaufgebiet"  /  Memel Verlag  /  360 S.  /  12,99 €

© privat

Verena Hoffmeister,
Thalia, Worms

In Somerset geschieht ein brutaler Doppelmord und es gibt viele Verdächtige ... Was die Serie von Michael Robotham so gut macht, ist sein Personal – er lässt den Polizisten Joe O'Loughlin und den Psychologen Vincent Ruiz gemeinsam ermitteln, das sorgt für die herrlichsten Kabbeleien. Von außen sehen die Robotham-Romane immer ziemlich blutig aus, aber das täuscht zum Glück – brutal mag ich es nicht! Das Psychologische steht im Vordergrund. Eine klare Empfehlung.

Michael Robotham: "Der Schlafmacher"  /  Goldmann  /  416 S.  /  14,99 €

© privat

Iduna Tiedemann,
Buchhandlung Decius, Delmenhorst

Die Mischung aus politischer Aktualität und packend erzählter Geschichte hat mich angemacht. Als Sachbuchautor ist Michael Lüders schon bekannt und ich war neugierig, ob er auch einen guten Thriller schreiben kann. Ja, kann er! Der Roman wird zweigleisig erzählt. Ausgangspunkt ist die Verleihung eines Medienpreises in Berlin, schnell führt das Buch nach Marrakesch und man rennt mit der Journalistin Sophie um ihr Leben. Eigentlich mag ich dicke Wälzer wie "Unterleuten" von Juli Zeh lieber, aber hier ging es auch ohne Tamtam und überbordende Liebes­geschichte. Für Männer und Frauen gleichermaßen geeignet.

Michael Lüders: "Never say anything"  /  C. H. Beck  /  368 S.  /  14,95 €

© privat

Hauke Harder,
Buchhandlung Almut Schmidt

Andreas Pflügers Thriller ist ebenso spannend wie untypisch durch eine blinde Heldin, die hier ihren Mann stehen muss. Die Sprache ist minimalistisch und stets auf den Punkt. Das sorgt für jede Menge Tempo und baut beim Lesen sehr schnell eine besondere Stimmung auf. Die Szenen sind klug komponiert und die Geschichte so souverän erzählt, dass der Spannungsbogen niemals abbricht. Für Lesern von Dazieri, Raabe etc., die etwas mehr als einen Thriller möchten.

Außerdem empfehlenswert ist ein Roman, der jetzt als Taschenbuchneuauflage erscheint: Sandrone Dazieri, eigentlich gelernter Koch, arbeitet als Lektor und Drehbuchautor. Sein Thriller über einen Kindesentführer hat mich vollständig in seinen Bann gezogen. So spannend, dass ich beim Lesen nicht mehr ansprechbar war.

Andreas Pflüger: "Endgültig"  /  Suhrkamp  /  459 S.  /  19,95 €
Sandrone Dazieri: "In der Finsternis"  /  Piper  / 

© privat

Britta Martens,
Buchladen Neusser Straße, Köln

Es gibt so viele Krimis, bei denen es heißt: "ein würdiger Nachfolger von Stieg Larsson". Aber hier trifft es wirklich einmal zu. Ein sehr gut geschriebener Roman, nicht eine von 500 Seiten war langweilig. Gard Sveen verknüpft einen Kriminalfall (ein bekannter Widerstandskämpfer wird ermordet) mit einer historischen Erzählebene, in der es um das Leben einer norwegischen Spionin während des Kriegs geht. Auch der eigenwillige Kommissar sorgte dafür, dass es mir schwerfiel, das Leseexemplar aus der Hand zu legen.

 Gard Sveen: "Der letzte Pilger"  /  List  /  544 S.  /  14,99 €

© Thomas Herrmann

Susanne Martin,
Schiller Buchhandlung, Stuttgart

Ein spannender Wirtschaftsthriller um eine angehende Juristin, die bei einem der ganz großen Wirtschaftsanwälte ihr Referendariat macht. Unversehens gerät sie in einen gewaltigen Steuerskandal, der nicht nur die Existenz der Kanzlei gefährdet, sondern auch ihr Leben. Olaf Dahlmann, im Brotberuf Wirtschaftsanwalt, entführt uns in die Welt der Briefkastenfirmen und der Steuerfahndungsbehörden: eine Welt voller Tricks und Steuerkniffe am Rande oder jenseits der Legalität. Ein gut konstruierter und informativer Kriminalroman – nicht nur in Zeiten der Panama-Papers!

Olaf Dahlmann: "Das Recht des Geldes"  /  Grafit  /  374 S.  /  12 €

© privat

Ulrike Fischer,
Buchhandlung Taube, Marbach

Hades ist der Chef einer Mülldeponie am Rande von Sydney. Eines Tages werden zwei schwer verletzte Kinder bei ihm abgeladen, die er eigentlich beseitigen soll, er jedoch zieht sie groß. Die beiden werden Cops – mit einem besonderen Gespür für Gerechtigkeit. Candice Fox baut in die Story viele Rückblenden ein. Täter und Opfer kommen in eigenen Erzählsträngen zu Wort. Spannende, komplexe Unterhaltung – ein tolles Debüt der jungen Australierin.

Candice Fox: "Hades"  /  Suhrkamp  /  342 S.  /  14,99 €

© privat

Ursula Fuchs,
Bücher Fuchs, Bad Wildbad

Sehr kurios: Protagonistin ist eine Zahnärztin, die selbst panische Angst vor Spritzen hat. Für viele ist der Gang zum Zahnarzt ja schon Krimi genug, nun ermittelt das Quälpersonal gleich selbst. Die Zahnärztin mit dem einprägsamen Namen Leocardia Cardiff findet eine alte Dame – Erbin eines Puddingimperiums – tot auf. Da der Leiche eine Goldbrücke entfernt wurde und das Opfer auch noch Patientin ihrer Praxis war, nimmt Cardiff zum Leidwesen des ermittelnden Kommissars die Fährte auf und bringt sich selbst ruckzuck in tödliche Gefahr! Ein köstlicher und zudem spannender Krimi – ich hoffe, es gibt bald mehr davon!

Isabella Archan: "Tote haben kein Zahnweh"  /  Emons  /  336 S.  /  12,90 €

© Gaby Waldek

Hans Kohlmann,
Whodunnit, Leipzig

Dieses Buch hat mich gefesselt: Hillbillys, Alkoholschmuggel, Drogen – eine Familiengeschichte über Brüder aus einem Nest in Georgia; einer von ihnen ist Sheriff und will dem kriminellen Clan das Handwerk legen. Die Auflösung ist der Wahnsinn, wird hier aber nicht verraten. Für alle interessant, die Serien wie "Justified" mögen und die gern etwas Hartgesottenes lesen.

Brian Panowich: "Bull Mountain"  /  Suhrkamp  /  336 S.  /  9,99 €

© Cornelius Lemke, Fotodesign Lemke

Sonja Lehmann,
Bücherwurm, Borken

Vor seinem Tod recherchiert ein Enthüllungsjournalist beim weltweit größten Onlinebuchhändler Everest im nordhessischen Homberg. Ein brisanter Fall für die nordhessischen Kommissare Paul Lenz und Thilo Hain, zumal persönliche Fehden auf den Rücken der Kassler Ermittler ausgefochten werden. Die Serie lebt von der Regionalität und der Aktualität der Themen, die Orte sind sehr gut recherchiert, dazu gibt es eine lang angelegte Liebesgeschichte.

Matthias P. Gibert: "Paketbombe"  /  Gmeiner  /  342 S.  /  13,99 €

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