Buchhandel

Wohin die Reise geht

Auspacken, einräumen, fertig: Sieht so die Zukunft im Buchhandel aus? Treibt der Strukturwandel die Unabhängigen tatsächlich ins Aus – oder gibt es Alternativen? Darüber diskutierten gestern drei Buchhändler bei einer Veranstaltung des Sortimenter-Ausschusses des Börsenvereins in Halle 4.

Der Strukturwandel ist seit Jahren ein Dauerthema. Längst knarrt es überall, und doch wird das scheinbar vielerorts gern überhört. Manfred Keiper zumindest, Inhaber von die andere Buchhandlung in Rostock, sieht für die Hälfte der heute bundesweit existierenden unabhängigen Sortimente schwarz. In den nächsten Jahren würden Kleinbuchhandlungen reihenweise verschwinden, meinte er. Sein Appell: „Wir müssen raus aus unseren Puschen und verrückt sein danach, Bücher zu verkaufen.“ Ohne das eigene Bewusstsein neu zu justieren, könne keiner überleben. Was er damit meinte? Keiper nannte ein Beispiel: „Wenn ein Kunde nach einem Roman fragt und ihm der Buchhändler diesen dann mit dem Hinweis überreicht, dass der Titel nächsten Monat als Taschenbuch erscheint, ist das ein völlig falsches Signal.“ Buchhändler würden mit Büchern umgehen, als seien sie „Ramschware“ – also selbst den Wert drücken. Keiper erntete damit Zustimmung. Auch Volker Behrens (Buchladen am Markt, Offenbach), der neben ihm auf dem Podium saß, nickte heftig. „Wir verkaufen ein hochwertiges Produkt“, sagte er – und mahnte gleichzeitig mehr Selbstbewusstsein an: Keiner solle sich von den Großen verrückt machen lassen, auch wenn diese „durch scheinbare Schnäppchen die Buchpreise kaputt machen“ würden. Dritter in der Runde war Dietrich zu Klampen, Verleger (zu Klampen!) und Buchhändler (Uni-Buch, Lüneburg) in einer Person. Er drehte die Diskussion weiter, in dem er nach dem Wie (verkaufen wir?) das Was ins Rampenlicht rückte. zu Klampen: „Wir müssen die Kunst der Kundenführung und Beratung deutlicher nach vorne bringen, und gleichzeitig das Profil mehr herausstreichen.“ Das werde künftig der einzige Weg sein, um noch weiterzukommen. „Wenn sich schon Ketten wie die Mayersche mit besonderen Büchern profilieren wollen, sieht man wohin die Reise geht.“ Bei aller Krisenstimmung sei jedoch eines klar: „Wo es eine Krise gibt, gibt es immer auch Chancen, sich zu profilieren.“ Für den unabhängigen Buchhandel steht also viel auf dem Spiel. Und mehr noch: Auch das Berufsbild an sich würde wackeln und an Bedeutung verlieren, betonten die Drei unisono. Dabei brauche die Branche „wachsame und kluge Buchhändler“, so zu Klampen. „In kleinen Buchhandlungen wird man sie nie ersetzen können.“ Und die Großen? Sie stünden unter dem Verdacht, nur noch Handlanger des Geistes zu beschäftigen – was jedoch bei genauerer Betrachtung Quatsch sei, so die Diskutanten. „Der Trend zur Dequalifizierung ist da“, so etwa Behrens, der sich ehrenamtlich in Sachen Berufsausbildung seit Jahren engagiert. Regalauffüller, Verkäufer, Buchhändler: Künftig werde es immer stärker auf dieses Ranking der Stellenprofile hinauslaufen. Was jedoch nicht automatisch dazu führen solle, die Inhalte der Berufsausbildung einzudampfen. Behrens: „Die Ausbildung muss weiterhin breit angelegt sein.“ Am Ende der Veranstaltung, die überschrieben war mit dem Titel „Von Thunfischdosen und aussterbenden Buchhändlern“, konnten zwar alle wieder auf-, aber längst nicht durchatmen. Der Beruf des Buchhändlers, so das Fazit, sterbe nicht aus. Buchhändler blieben auch in Zukunft als Kulturvermittler wichtig – allerdings unter anderen Vorzeichen. Moderiert wurde die Diskussion von Bernhard Rieger von der Initiative ProBuch München; die Initiative setzte damit ihre bereits seit Jahresanfang laufenden Gesprächsrunden zur Zukunft des Buchhandels fort.

Schlagworte:

5 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Uwe Metz

    Uwe Metz

    Recht hat Herr Keiper! Ich stimme ihm aus tiefstem Herzen zu. Es geht nicht nur um die vielen kleinen, bunten Flecken des deutschprachigen Buchhandels, die im eintönigen Farbspiel der Ketten und Konzerne verschwänden, sobald die unabhängigen Sortimente ausstürben. Es geht um das literarische Farbspiel insgesamt, das ausgelöscht werden würde. "Kennst du eine, kennst du alle", stellte eine Kundin lakonisch fest, als sie sich über den Filialbetrieb einer Buchhandelskette äußerte. Die Kunden wissen Vielfalt durchaus zu schätzen. Das ist die Stärke kleiner, unabhängiger Sortimente. Verlage übrigens auch.

  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Bei aller Diskussion um die Begriffe: ,Auspacken, ein-
    räumen, fertig usw.` sollte sich der Buchhändler insgesamt
    gesehen um seine wirklich kulturelle Aufgabe innerhalb
    der Gesellschaft und Medienlandschaft bewusst werden.
    Hinzu kommt, dass wir nach dem Bundesverband
    Alphabetisierung e. V. nach einer Schätzung in Deutsch-
    land 4 Millionen Analphabeten haben, d. h. Leute, die nicht
    in der Lage sind zu schreiben und zu lesen. Im Bundes-
    land Bayern wären dies knapp 600000 Analphabeten.
    Diese Zahlen trotz aller Bildungsoffensiven und Anstreng-
    ungen in unserem Bildungssystem zeigen doch irgendwo
    Bedarf.
    Da sollte doch einmal der Buchhandel nach seiner Rolle
    gefragt werden. Was kann er gegen den Analphabetismus
    tun? Überlegenswert sind da z. B. Besuche der Buch-
    handlung in Vorschulen oder eine Ausrichtung eines
    Lesenachmittags mit einer Buchhändlerin in einer Vor-
    schul- oder Grundschulklasse.
    Bei uns wird zwar immer nur viel um gewisse Dinge ge-
    redet, doch es fehlen die durchschlagenden eigenen
    Initiativen. Eine Schwarzseherei auch innerhalb der Buch-
    branche, die gerade in den letzten Monaten um sich greift,
    kann mutlos machen und setzt keine Kräfte frei.
    Auch Lerninhalte in der Ausbildung können manchmal
    überfrachtet werden. Als einen guten Anfang sehe ich aber
    immer noch ein Üben in Verbindung mit der Praxis, so z. B.
    in der Lehrbuchhandlung einer Buchhandelsfachklasse.
    Dies wird schon einige Zeit in der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart praktiziert.
    Die Kunden haben die freie Wahl in welche Buchhandlung
    sie gehen wollen. Es ist doch immer der Einsatz und das
    Engagement einer vielleicht mittleren oder kleinen
    Buchhandlung aus einem Sortiment mit ausgesuchten
    Segmenten (Nischen) die Kunden in gewisser Weise
    zu überzeugen.
    Jede Buchhandlung hat in der Prägung ihres werblichen
    Bildes nach Außen, sei es durch gepflegte Schaufenster,
    ein gewisses Flair das auf die Kunden wirken kann.
    Lassen wir uns wieder von einem gezielten Lesebedürfnis
    unserer Kunden als Buchhändler/Buchhändlerin anstecken.
    Haben wir den Willen und den Mut uns auch im Buchhandel
    wieder neu aufzustellen.
    Dies könnte z. B. auch im Verbund mit den Bibliotheken
    in Bereichen im Einsatz der Leseförderung geschehen.

    Harald Kraft, Bibliotheksangestellter, München




  • Kristian Lüpfert

    Kristian Lüpfert

    Wenn die drei Diskutanten schon unisono meinen, "auch das Berufsbild an sich würde wackeln und an Bedeutung verlieren" - kann ich dazu nur sagen:
    Genau, aber die handelnde Branche tut ja auch zu wenig, sich davon zu befreien:
    Liebe "Nur-Buch"-Händler, lösen Sie sich doch endlich mehrheitlich aus der enger werdenden Ecke des angestaubten Berufsbilds und gehen Sie offensiv damit um, dass Sie längst Medienhändler sind oder werden (da muss man noch nicht mal die aktuelle eBook-Thematik zitieren). Nehmen Sie neben der Kunst der Kundenführung und Themenberatung auch die Medienvielfalt als ureigene Beratungskompetenz der Branche auf und eröffnen Sie zumindest dem eigenen Nachwuchs alle Chancen, ein guter "Medienhändler" zu werden: noch ist die Gelegenheit günstig - im Zusammenhang mit der Aktualisierung des Ausbildungsberufs - und folgen Sie dem Beispiel der Verlage, die dem Nachwuchs nur noch das aktuellere Etikett Medienkaufmann mit auf dem Weg geben...

    Kristian Lüpfert, Personalentwickler
    Mitglied im Berufsbildungsausschuss desLandesverbands Bayern

  • Christoph Schäfer

    Christoph Schäfer

    --- ZITAT ----------------
    Beispiel: „Wenn ein Kunde nach einem Roman fragt und ihm der Buchhändler diesen dann mit dem Hinweis überreicht, dass der Titel nächsten Monat als Taschenbuch erscheint, ist das ein völlig falsches Signal.“
    ------------------ Zitat Ende ----------------------

    Natürlich muß er das dem Kunden mitteilen, so er ihm auch beim nächsten Mal noch ein Buch verkaufen will, was soll er denn sonst tun ?

    Die Taschenbücher erscheinen mittlerweile viel zu schnell, bei den meisten neuerschienenen Taschenbüchern könnte man den kaufwilligen Kunden mit Fug und Recht sogar sagen, daß sie den Roman gebunden unter dem Taschenbuch-Neupreis bei 2001, Weltbild, Jokers etc. bekommen könnten.

    Die Branche demontiert sich doch selbst, ändern könnten das die Verlage mit einer sensibleren Taktung zwischen den HC- und TB-Erscheinungsdaten, bzw. dem Zwischenverkauf der zur verramschenden Titel.
    Ich fürchte, daß man es sich zu einfach macht, wenn man alle Branchenprobleme uns Winzbuchhandlungen in die Schuhe schieben möchte.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Christoph Schäfer (Antiquar und Buchhändler, VN 31232)

  • O.G

    O.G

    Vorbei Diskutiert.

    Es wird immer nach innen geschaut, jedoch selten von außen nach innen.

    Was wollen die Kunden? Ihre Kunden in eine Richtung zu Erziehen ist falsch. Aber das tun Sie täglich.

    Was machen die Filialisten richtig?

    Es gibt keine Struktur in der Diskussion und da liegt m.E der Anfang. Eine Gnadenlose selbst- und Fehleinschätzung.

    • ...

      Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • ...
      Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld

    nach oben