Buchhandel und Umwelt

Tüten raus, am besten alle

Die vom Handelsverband Deutschland initiierte Selbstverpflichtung zur kostenpflichtigen Abgabe von Kunststofftüten sieht vor, dass ab 1. April Kunststofftüten nicht mehr gratis angeboten werden sollen. KOMMENTAR VON KAI MüHLECK

"Brauchen Sie eine Tüte?", fragt die Buchhändlerin den Kunden im Halbautomatikmodus, während dieser gerade noch sein Restgeld ins Portemonnaie fummelt. Ihr Griff geht zur Plastiktüte, der Kunde nickt. So sieht es heute fast überall aus in Deutschland, vom ostfriesischen Leer bis ins badische Kirchzarten. Bezahlen müssen die Kunden die Beutel nicht, bis zum Jahresende werden sechs Milliarden weitere Tüten folgen, die im Schnitt kaum 25 Minuten benutzt werden, um dann auf dem Müll zu landen. Bis Silvester werden so rund 100 Tonnen Plastikmüll zusammenkommen, pulverisierte Reste dieses Berges werden auf unseren Tellern landen, weil sie ins Meer gelangen. Bis zu 500 Jahre bräuchte es, damit die Tüten verrotten.
Der Börsenverein hat die Buchhändler nun dazu aufgerufen, Plastiktüten künftig nur noch gegen Gebühr auszugeben, um den Müllberg abzutragen. Die Filialisten haben versprochen, mitzuziehen, auf freiwilliger Basis und in naher Zukunft. Auch Karstadt gibt Tüten nur noch gegen Gebühr aus, im Supermarkt ist das schon seit Jahren so. Die Kunden haben es genauso stur hingenommen wie das Flaschenpfand, verlangen sogar Alternativen. Seltsam, dass sich ausgerechnet die Bewusstseinsbranche Buchhandel damit etwas schwertut. Warum auf die nächste EU-Verordnung warten? In Frankreich sind Einwegplastiktüten seit Jahresanfang verboten, andere Länder verlangen eine Tütensteuer.
All das kann aber nur ein Anfang sein. Die Tüte muss weg! Auch die Papiertüte. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Papiertüten umweltfreundlicher seien. Das Gegenteil ist der Fall, ihre Öko-Bilanz ist eine Katastrophe. Sie verrotten nur schneller als ihre Vettern aus Plastik, und man kann in ihnen alte Zeitungen in die Papiertonne tragen.
Sinnvolle Alternative zu den Klimakillern: Baumwolltaschen zum Kaufen oder zum Leihen. Mit langen Henkeln oder als Turnbeutel (sehr angesagt). Aber bitte so langlebig und schön, dass man sie freiwillig wiederverwendet. Denn darum geht's.

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1 Kommentar/e

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  • Hans - Joachim Schulz

    Hans - Joachim Schulz

    Zunächst die Plastiktragetüte verbieten und durch kostenpflichtige Einweg-Papiertragetüten ersetzen.
    Dann die Plastik-Direktverpackung, wo immer möglich, durch Neupapier-Direktverpackung ersetzen. (um die Vergiftung von Lebensmitteln zu vermeiden)
    Sofortiger Umstieg von der Einmal-Plastikflasche auf die gute alte Mehrweg-Glasflasche.
    Eine, zunächst nationale, Plastik-Beseitigungssteuer als Kopfsteuer mit der die deutsche Handelsmarine die Plastikteppiche aus den Meeren beseitigt.
    Verbot von Plastik in Kleidung und allen Alltagsgegenständen, dort, wo diese durch natürliche Stoffe ersetzt werden kann. Bei jedem Kleidungsstück wird eine, nach dem Anteil des beinhalteten Kunststoffes, berechnete Müllgebühr fällig.
    Da der Mensch offensichtlich nur beschränkt einsichtsfähig ist (die letzten Jahrzehnte haben es gezeigt) darf hier nur mit gesetzlichen Vorgaben gearbeitet werden.

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