Der AKEP antwortet

Fährt der E-Book-Zug in Richtung Flatrate?

Ist die E-Book-Leihe ein wichtiger Trend im E-Book-Markt, auf den die Verlage mit neuen Geschäftsmodellen reagieren müssen? Peter Schmid-Meil, Leiter der AKEP-Kommission E-Books und Programmleiter für Computer- und Fotobuch beim Franzis Verlag, setzt sich mit dem Thema auseinander. Boersenblatt.net beginnt mit diesem Beitrag die Reihe "Der AKEP antwortet".

Peter Schmid-Meil

Peter Schmid-Meil © privat

Was die Umsätze angeht, ist der E-Book-Zug noch eher eine Dampflok als ein ICE, und bevor man ein Geschäftsmodell überdenken kann, muss zunächst eines vorhanden sein. Wer eine Flatrate anbieten möchte, braucht dazu Inhalte, sprich E-Books. Und die gibt es noch lange nicht von allen Verlagen, hier ist also zunächst weitere Aufbauarbeit gefragt. Nur so kann das grundsätzliche E-Book-Geschäftsmodell, der klassische Einzelverkauf, gewinnbringend funktionieren.

E-Book-Flatrates sind in Deutschland aufgrund der Preisbindung im Moment nur durch die Hintertür realisierbar. So kann der geneigte Leser zum Beispiel auf Skoobe.de (https://www.skoobe.de/) die dort angebotenen E-Books von Holtzbrinck, Bertelsmann und Bastei Lübbe zwar ausleihen, aber nicht kaufen.

Auf spiegel.de wurde das Angebot von Skoobe getestet und mit dem von libreka, Amazon Kindle und der Onleihe der Bücherhalle Hamburg verglichen (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,821881,00.html). Hier wurde die Schwäche eines unternehmensgebundenen Angebots wie Skoobe schnell deutlich – es gibt einfach nicht viele Titel. Wer also zu den Fans von S. Fischer, Rowohlt, Droemer Knaur, Goldmann, Heyne und den anderen Marken und Imprints von Holtzbrinck und Bertelsmann gehört, ist mit Skoobe gut bedient, aber was ist mit dem Rest?

Für Verlage mit starken Marken ist ein Angebot wie das von Skoobe sicher eine interessante Option, um Kunden an sich zu binden und die eigenen Produkte exklusiv zu präsentieren. Aber solange "echte" Flatrates aus allen Verlagspublikationen, wie sie zum Beispiel der englische Computerbuchverlag Packt Publishing unter dem Namen PacktLib (http://packtlib.packtpub.com/) anbietet, in Deutschland nicht legal sind, sind sie auch kein Geschäftsmodell für die Branche. Allein die Technologie-Entwicklung für die App-Programmierung, die Kundendatenverwaltung, Autorenabrechnung etc. dürfte Skoobe wohl mehr Geld gekostet haben, als so mancher kleiner Verlag als Jahresumsatz erwirtschaftet.

Auf jeden Fall äugt die Branche zurecht auf Skoobe und wir alle sind gespannt, was derjenige dazu sagt, auf den es bei allen Geschäftsmodellen wirklich ankommt: Der Kunde!

Schlagworte:

8 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Ein Punkt bleibt mir unverständlich. Sie schreiben, dass Flatrates bislang nur für die E-Book-Ausleihe legal seien, nicht aber für den Kauf. Geht es denn bei Flatrates nicht immer um Ausleihe bzw. eine Nutzungslizenz?

    Und dass Skoobe nur die erfreut, die die Bücher suchen, die auch dort sind, das ist schon logisch. Aber wenn wir davon ausgehen, dass auf Skoobe im Laufe des Jahres annähernd alle Bücher gefunden werden, die auch als E-Books auf den Kaufplattformen verfügbar sind, dann sieht das schnell anders aus. Es kann ja nicht sinnvoll sein, dass wieder jeder Verlag darüber nachdenkt ein eigenes Leih-Angebot zu machen, nur um seine Kunden auf seine Plattform zu locken. Es wäre ja auch absurd, wenn in Deutschland 2000 Bibliotheken existieren würden, die jeweils am Standort des Verlages alle seine Bücher, aber nur seine zur Ausleihe anbieten. In der Phantasie manches Verlagsmanagers mag ein solches Modell blühen und gedeihen, in der Phantasie unserer Kunden aber wohl eher nicht.

  • Peter Schmid-Meil

    Peter Schmid-Meil

    Der Begriff Flatrate ist meiner Meinung nach mittlerweile etwas verbrannt und nicht mehr eindeutig definiert. Im Bezug auf Content dürfte eine Flatrate eine erworbene Nutzungslizenz sein, die so lange gilt, wie die Flatrate läuft. Eine Ausleihe hat aber eine vordefinierte Nutzungsdauer, das ist ein Unterschied.

    Auch Modelle wie Lovefilm sind Flatrates, wo bei physischen Datenträgern die Nutzungsdauer durch das Zurücksenden des Film begrenzt wird, weil man gerne den nächsten sehen möchte.

    Falls es skoobe gelingt, die wichtigsten Verlage zum Mitmachen zu bewegen, haben Sie völlig Recht. Aber mich würde es nicht wundern, falls die Großkonzerne an ihren eigenen Angeboten arbeiten - egal, ob das für den Kunden sinnvoll ist, oder nicht. Wer seine eigene Plattform hat, hat seine eigenen Kunden und deren Daten. Und die sind ja bekanntlich mindestens genauso wertvoll wie die damit erzeugten Umsätze.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    JA, es ist eine noch ungewohnte Begrifflichkeit. Umso wichtiger, dass man sie für unsere Branche präzisiert.

    Flatrate ist ein Bezahlmodell, bei dem ich für einen bestimmten Zeitraum einen festen Betrag zahle, unabhängig von der Intensität der Nutzung. Damit ist eine Mitgliedschaft in einer Bibliothek oder einem Ausleihservice von Filmen ein Flatratemodell.

    Etwas anderes ist die Frage, was ich dafür bekomme. Ob ich mit der Flatrate einen Zugriff auf ein Buch habe und ein neues bekomme, sobald das erste zurückgegeben ist, oder ob ich auf den gesamten Datenbestand im Zeitraum grenzenlos zugreifen darf, das beeinflusst jeweils das Bezahlmodell nicht.

    Keine Flatrate liegt vor, wenn ich für den Betrag X einen Film ausleihe und diesen dreissig Tage lang nutzen darf.

    Ich sehe weniger einen Konflikt mit der Preisbindung als vielmehr mit der Forderung der angemessenen Vergütung aus dem Urheberrecht. Es muss gewährleistet sein, dass die Autoren der verfügbaren Werke gemäß der tatsächlichen Nutzung an den Erlösen beteiligt werden und der Erlös muss angemessen sein. Beides ist nicht so trivial, wie es klingt. Und solange es dazu keine Urteile gibt, wird für Verlage das Risiko einer Nachhonorierung bestehen.

  • Peter Schmid-Meil

    Peter Schmid-Meil

    Mit der Honorierungsproblematik haben Sie völlig Recht, das ist eine der Kernfragen. Als ich hier vor einem Jahr das Thema mit unserer Honorarbuchhaltung und der Technik besprochen habe, war ich mir nach fünf Minuten nicht mehr sicher, ob ich die jeweiligen Büros noch lebend verlassen werde, weil die Berechnung bzw. Umsetzung zu komplex war.

    Ich fände es auch gut, wenn solche Angebote über den (Buch)Handel angeboten werden könnten, und der verkaufende Händler über ein Provisionsmodell o. Ä. entlohnt wird.

    Ich wäre ja ein großer Fan von Science-Fiction- oder Fantasy-ohne-Vampire-Flatrates...

  • Michaela H.

    Michaela H.

    Also ein E-Book zu einer Flatrate zu leihen fände ich auch noch recht praktisch. Zur Zeit finde ich E-Books, dafür dass ich eigentlich kein richtiges Buch in der Hand habe, viel zu teuer. Außerdem mag ich zumindest zu Hause immer noch lieber ein richtiges Buch in die Hand nehmen. Eine weitere Möglichkeit wäre ja noch, das E-Book zusätzlich zum richtigen Buch anzubieten. Etwa für 2 Euro mehr einen Gutscheincode oder ähnliches in die Hand zu bekommen, mit dem man sich auf den Plattformen das E-Book noch mal extra zu laden. Ist super praktisch für Leute, die viel unterwegs sind, auf ein richtiges Buch im Regal aber nicht verzichten möchten oder für die, die zwei, drei Bücher parallele lesen, aber nicht alle Bücher gleichzeitig mitschleppen möchten.

  • Roland S.

    Roland S.

    Sie schreiben, die Schwäche eines Angebots wie skoobe (ca. 8 000 Titel ausleihbar) sei, dass es nicht viele Titel geben würde.

    Welche Titelzahl würden Sie ausreichend nennen?

  • Peter Schmid-Meil

    Peter Schmid-Meil

    Ich glaube nicht, dass man das an einer Titelzahl festmachen kann. Die Frage ist doch, wann ist ein Kunde frustriert? Nach dem zweiten, fünften oder zehnten Buch, dass er nicht findet?

    Sucht der Kunde z. B. nach einer Reihe, die im Angebot enthalten ist, dürfte er glücklich sein, ist sie es nicht, geht er woanders einkaufen.

  • André Hosenbauer

    André Hosenbauer

    Sie schreiben, dass "echte Flatrates aus allen Verlagspublikationen, (...) in Deutschland nicht legal sind". Können Sie das genauer spezifizieren? Welcher Umstand würde ein solches Modell illegal machen?

    Besten Dank!

    • ...

      Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • ...
      Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld

    nach oben