Deutscher Buchpreis

Ein bisschen Hollywood

Warum die Kritik am Deutschen Buchpreis zwar nachvollziehbar ist, am Auswahlverfahren aber nichts geändert werden sollte. Von Börsenblatt-Redakteur Holger Heimann.

Holger Heimann

Holger Heimann © Werner Gabriel

Die Klage ist fast so alt wie der Preis. Vehement waren sich Julia Franck (nachdem sie glückstrahlend als Siegerin auf der Bühne gestanden hatte) und Daniel Kehlmann (nachdem er die Auszeichnung knapp verfehlt hatte) einig in der Ablehnung, wie beim Deutschen Buchpreis Konkurrenz und Auswahl publikumswirksam inszeniert werden. Martin Walser hat es vorgezogen, der Preisver­leihung fernzubleiben. Peter Handke hat darum gebeten, seinen Roman nicht zu berücksichtigen. Jetzt also Wilhelm Genazino. Das von der Oscar-Verleihung abgeschaute Verfahren könne man nicht auf die Literatur übertragen, klagt er. Fortan werde er sich dem Auswahlverfahren verweigern.

Man versteht das Unbehagen, und natürlich kann und soll niemand gezwungen werden zu diesem Wettbewerb, der tatsächlich anstrengend ist für die Nominierten. Doch der Vorschlag Genazinos, den Preisträger direkt zu benennen, ist zu simpel und fantasielos, um gut zu sein. Der Erfolg des Deutschen Buchpreises, der auch einer der Literatur und der Autoren ist, lebt nicht zuletzt vom kritisierten Prozedere, mag es Hollywood oder dem Sport abgeschaut sein, wie Sibylle Lewitscharoff mutmaßt, oder doch eher dem englischen Booker-Preis. Dessen diesjähriger Gewinner, Julian Barnes, der zuvor schon dreimal knapp gescheitert war, sagte in seiner Dankesrede übrigens: Die Preisvergabe sei ein vornehmes Lottospiel. Allerdings nur so lange, bis man gewinne. Dann bemerke man, dass die Jury »die weisesten Köpfe des literarischen Christentums« vereine.

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