Deutschschweizer Buchmarkt 2016

4,2 Prozent weniger Umsatz

Der Deutschschweizer Buchhandel (Sortiment, E-Commerce) hat im vergangenen Jahr 4,2 Prozent weniger Umsatz erzielt als 2015. Das berichtet der Marktreport 2016 des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV), der auf Zahlen von GfK Entertainment basiert.

Der hohe Frankenkurs macht es den Schweizer Verlage schwer

Der hohe Frankenkurs macht es den Schweizer Verlage schwer © picture-alliance

Das sei die Folge von stabilen Preisen bei verringertem Absatz, heißt es im Marktreport 2016 zum Deutschschweizer Buchhandel: "Der anhaltend hohe Frankenkurs macht die Marktsituation für die mit dem Euro-Raum eng verflochtene Schweizer Buchbranche weiterhin schwierig – das gilt für den Handel wie für exportierende Verlage." Die von GfK Entertainment im Auftrag des SBVV erhobenen Zahlen für den Deutschschweizer Buchhandel weisen für 2016 ein Umsatzminus von 4,2 Prozent aus.

Zu beachten sei jedoch, dass 2016 die Zahlen von Orell Füssli Thalia Schweiz fehlen, was die Aussagekraft und Vergleichbarkeit des aktuellen Marktreports einschränken würde. GfK habe versucht, die fehlenden Zahlen aufgrund der Erfahrungswerte hochzurechnen.

Die Anzahl verkaufter Bücher sei 2016 im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 5,8 Prozent zurückgegangen − ein Grund für die Umsatzrückgänge. Vor allem haben dazu Taschenbücher (-10,3 Prozent) und Hörbücher (-6,9 Prozent) beigetragen, etwas besser als im Schnitt sah es bei den Hardcovern (-3,8 Prozent) aus. Bei den Warengruppen konnte allein der Bereich Kinder- und Jugendbuch zulegen (+0,9 Prozent).

Durchschnittspreis leicht gestiegen

Im vergangenen Jahr hätten sich allerdings die Bücherpreise − nach dem währungsbedingten Einbruch 2015 um fast 6 Prozent (Aufhebung des Mindestwechselkurses zwischen Franken und Euro) − gegenüber dem Vorjahr wieder leicht erholt: Der Durchschnittspreis eines in der Schweiz verkauften Titels (Hardcover, Taschenbuch, Hörbuch, aber ohne E-Books) lag 2016 bei 20,25 Franken (2015: 19,85 Franken).

Warengruppen: Belletristik mit größtem Anteil

Im vergangenen Jahr kauften die Kunden in der Deutschschweiz rund 15 Millionen Bücher − dabei Romane (33,5 Prozent), Kinder- und Jugendbücher (22,2 Prozent), Ratgeber (14,7 Prozent) sowie Sachbücher und Reisetitel (jeweils 8 Prozent). Es folgten: Schule und Lernen (6,0 Prozent), Geisteswissenschaften, Kunst und Musik (3,6 Prozent), Naturwissenschaften, Informatik und Technik (2,2 Prozent) sowie Sozialwissenschaften, Recht und Wirtschaft (1,9 Prozent).

Online-Buchhandel: Sättigungsphase

Der genaue Anteil des Online-Handels am Gesamtumsatz mit Büchern in der Schweiz wird von GfK Entertainment nicht separat ausgewiesen − hier greift der SBVV im Marktreport auf Schätzungen und Vergleiche mit den Nachbarmärkten Deutschland und Österreich zurück.

Im Deutschschweizer Buchhandel habe der Online-Handel offenbar eine Sättigungsschwelle erreicht, so der SBVV − anders als in anderen Schweizer Einzelhandels-Branchen. 2014 habe der Anteil der übers Internet gekauften gedruckten Bücher im deutschsprachigen Raum sogar etwas abgenommen. Für 2016 geht der SBVV wie auch für das Vorjahr von einer Stabilisierung aus. Insgesamt werde ungefähr jedes vierte gedruckte Buch (= 25 Prozent) in der Schweiz über Online-Händler im In- und Ausland erworben.

Der SBVV schätzt, dass der Umsatzanteil der E-Books im gesamten Publikumsmarkt der Deutschschweiz knapp unter 10 Prozent liegt. Während im Kinderbuchbereich praktisch keine E-Books verkauft würden, liege der Anteil der E-Books bei den Belletristik-Bestsellertiteln fallweise deutlich höher.

Verlage

Die Schweizer Verlage konnten ihren Umsatzanteil an den verkauften Büchern im Sortiment in der Deutschschweiz gegenüber dem Vorjahr bei 18,1 Prozent halten. Andererseits bedeute dies, dass über 80 Prozent der in der Deutschschweiz verkauften Bücher aus Deutschland importiert werden.

In Deutschland hätten Schweizer Verlage den 2014 deutlich gestiegenen und 2015 gehaltenen Marktanteil von knapp 3 Prozent wohl halten können. Genauere Aussagen seien wegen der aktuell mangelnden Datenbasis von GfK in Deutschland nicht möglich, so der Marktreport.

  • Zu den exportstärksten Schweizer Publikumsverlagen gehören neben Diogenes – dem mit Abstand größten Verlagshaus in der Schweiz – unter anderem Kein & Aber, der AT Verlag, der NordSüd-Verlag, Haupt, Orell Füssli oder Unionsverlag.
  • Die in der Schweiz umsatzstärksten Verlage sind neben den bereits genannten Verlage wie Cosmos, Fona, Hier+Jetzt, Nagel & Kimche, Schulthess, Stämpfli, Wird & Weber oder Wörterseh sowie Schulbuchverlage wie SKV oder hep.

Bilanz der letzten zehn Jahre

Der Index der Umsatzentwicklung (2007=100) für den Deutschschweizer Buchhandel steht 2016 bei 77,0 Punkten (2015: 80,4) − 23 Punkte tiefer als 2007. Der Marktreport begründet dies vor allem mit der Preisentwicklung der Bücher, die fast eins zu eins mit dem Euro-Kurs verbunden sei. Der Anteil aus dem Euroraum in die Schweiz importierter Bücher betrage über 80 Prozent, zudem sei der Buchmarkt im Gegensatz zu vielen anderen Schweizer Branchen völlig liberalisiert. Lag der Franken-Euro-Kurs 2008 noch bei rund 1.60 Franken pro Euro, gab es 2010 und 2015 massive Abwertungen. Die Folge waren jeweils größere Preisreduktionen: Im Vergleich zu 2008 sind die Bücher heute in der Schweiz rund 20 Prozent billiger, so der Marktreport. Das erkläre im Wesentlichen die Umsatzverluste.

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