Deutschsprachige Autoren ermahnen Amazon

"Nur ein fairer Buchmarkt ist ein Buchmarkt mit Zukunft"

Rund 100 deutschsprachige Autoren schließen sich dem Protest ihrer US-Kollegen an, darunter Nele Neuhaus (Foto), Ingrid Noll und Josef Haslinger. In einem offenen Brief, der an Amazon-CEO Jeff Bezos und den Deutschlandchef Ralf Kleber adressiert ist, rufen sie den Konzern zur Umkehr im Konditionenstreit auf. Update: Der Börsenverein stellt sich hinter die Initiative.  VON TW

Hinter der Aktion stehen mehrere Institutionen, etwa der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen, das PEN-Zentrum Deutschland und die IG Autoren Österreich. Insgesamt konnten sie bereits gut 100 deutschsprachige Autoren als Unterzeichner des offenen Briefs gewinnen – und es geht weiter.

Der offene Brief ist noch nicht öffentlich. Derzeit werden die letzten Vorbereitungen getroffen, um das Schreiben für jeden einsehbar zu machen – über die Webseiten www.autoren-fuer-fairen-buchmarkt.de und www.fairer-buchmarkt.de soll der Brief ab Anfang kommender Woche abgerufen werden können.

"Amazon nimmt uns als Druckmittel her"

boersenblatt.net liegt der offene Brief vor. Er ähnelt in weiten Teilen dem der US-Initiative Authors United (boersenblatt.net berichtete). "Amazon manipuliert Empfehlungslisten", kritisieren sie. "Amazon nimmt Autoren und Autorinnen und ihre Bücher als Druckmittel her, um noch mehr Rabatte zu erzwingen." Sie jetzt in Beugehaft zu nehmen, sei keine Art mit Geschäftspartnern umzugehen und fördere nicht das Vertrauen.

Wie ihre amerikanischen Kollegen appellieren sie zudem an ihre Leser - indem sie sie darum bitten, an Jeff Bezos und Ralf Kleber zu schreiben, und beiden "ihre Meinung über die jüngsten Erpressungsmethoden" mitzuteilen. "Wir hoffen, dass wir, Autoren und Leser, Jeff Bezos und Ralf Kleber davon überzeugen können, dass nur ein fairer Buchmarkt ein Buchmarkt mit Zukunft ist.“

"Ein starkes Zeichen für die Gesellschaft und die Politik"

Der Börsenverein stellt sich hinter die Initiative. "Amazon schadet mit seinen Methoden der literarischen Qualität und Vielfalt. Dagegen wehren sich jetzt auch die Autoren in Deutschland", sagte  Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis auf Anfrage von boersenblatt.net. Die Aktion sei ein starkes Zeichen für die Gesellschaft und die Politik. Skipis' Appell: "Wir alle sollten darüber nachdenken, was uns eine vielfältige Literatur wert ist."

Schlagworte:

Mehr zum Thema

5 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Hm

    Hm

    Ich finde diese Heuchelei ja langsam nur noch schwer erträglich. Zuende gedacht und um das ganze Kulturerhalt-Gequatsche bereinigt, bedeuten diese Aufrufe von Bestsellerautoren ja, dass sie sich darüber beschweren, demnächst bei Amazon schlechter wegzukommen als bisher. Sie setzen sich also eigentlich nicht für den stationären Handel ein, sondern im Gegenteil für den Erhalt der bisherigen guten Bedingungen bei Amazon.

  • Ich

    Ich

    Ich verstehe das ganze Theater auch nicht. Ich habe auf Anhieb kein Buch der betroffenen Verlage bei Amazon gefunden, das nicht sofort lieferbar gewesen wäre. Auch in den Empfehlungslisten waren die Neuerscheinungen von Piper, Ullstein und Co prominent vertreten. Ein Sturm im Wasserglas also? Worum geht es hier überhaupt?

    Es gibt darüber hinaus doch kein Anrecht darauf, dass ein Händler eine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt ausspricht. Meine Bücher werden im stationären Buchhandel ja auch nicht auf den großen Tischen ausgelegt, solange mein Verlag nicht dafür bezahlt. Dagegen ist also niemand? Das finde ich aber sehr viel unfairer und undemokratischer als das Amazon-System, bei dem jedes Buch nach Erscheinen dieselben Möglichkeiten hat wie ein mit viel Werbe-Tam-Tam geförderter Bestseller. Das sieht im stationären Buchhandel allerdings ganz anders aus. Da finden nicht mal mehr alle Neuerscheinungen der Großverlage Platz vor lauter Kram und Spielzeug und was auch immer da sonst noch so verkauft wird und mit Büchern nichts zu tun hat.
    Wenn ich als Leser ein bestimmtes Buch kaufen möchte, und das ist bei Händler X nicht lieferbar, kaufe ich es eben bei Händler Y. Das ist doch überall dasselbe? Niemand kann MediaMarkt dazu zwingen, Apple-Produkte zu verkaufen. Und wenn kein Kunde danach fragen würde, würden sie das wahrscheinlich auch nicht tun. So funktioniert Kapitalismus und freie Marktwirtschaft, ich sehe daher das Problem nicht? Bücher sind auch Produkte, und sie müssen sich verkaufen, ganz einfach. Und dass Händler mit Produzenten über Konditionen verhandeln und dabei auch mal gewisse Druckmittel einsetzen, ist ja wohl übliche Praxis. Oder wie kommt es, dass der Buchhandelsrabatt stark gestiegen ist, seitdem es Ketten wie Thalia, Weltbild und Co gibt? Früher, als es noch viele unabhängige Buchhandlungen gab, waren die Rabatte doch viel niedriger. Das war ja sicher kein Effekt von besonderer Großzügigkeit der Verlage, sondern das Ergebnis einiger Verhandlungen.

    Ich möchte mich jedenfalls von niemandem instrumentalisieren lassen, weder von Verlagen noch von Buchhändlern. Und dass der Buchhandel in Deutschland in den letzten Jahren ein paar Entwicklungen verpennt hat, ist nun sicher nicht Amazons Schuld. Noch vor zehn Jahren hat man über Amazon gelacht, heute starrt man in Schockstarre auf das, was sich da entwickelt hat. Wer hat die Digitalisierung kommen sehen? Vielleicht hätte man mal rechtzeitig bei den Kollegen aus dem Musik- oder Filmbusiness zuschauen sollen, denn die haben diese Lernkurve bereits hinter sich.

  • Jochen Baumberge

    Jochen Baumberge

    Wo ist der angeprangerte Skandal? Ich hätte da mal drei Fragen:

    1. Bonnier-Autoren sollen von Amazon boykottiert und ihre Bücher nicht auf Lager gelegt werden, selbst wenn es gängige Werke sind. Bei Thalia bekommt man nur englischsprachige Bücher von Bonnier Books Ltd (sowie zwei schwedische von Bonnier Forlagen). Gibt es überhaupt einen Buchhändler, der Bonnier-Bücher auf Lager hat? Insbesondere von der deutschen Bonnier Media GmbH?

    2. Bonnier-Bücher sollen verlangsamt ausgeliefert werden, über die Lieferbarkeit sollen Falschaussagen gemacht werden. Versandfertig sind Bonnier-Bücher bei Thalia in 1 - 2 Wochen oder innerhalb von 3 Wochen. Werden diese Bücher auch absichtlich verlangsamt ausgeliefert?

    3. Bonnier-Autoren sollen nicht mehr in den Empfehlungslisten auftauchen. In den „Kunden haben auch gekauft / sich angesehen“-Listen sollen die Bonnier-Autoren fehlen. Amazon soll solche Empfehlungslisten manipulieren. Die Autoren der deutschen Verlage (welche zur Bonnier Media GmbH gehören) tauchen bei amazon.de in den besagten Listen auf. Welche Autoren sind also gemeint? Namen bitte!

  • Heinzi

    Heinzi

    @3 Jochen Baumberge.
    Ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor:
    "Bonnier" ist in Deutschland nicht nur das, was unter "Bonnier" firmiert, sondern (lt. Buchmarkt.de wer gehört zu wem):
    Bonnier Media Deutschland

    Aladin Verlag
    arsEdition
    → bloomoon
    BuchVertrieb Blank
    Carlsen Verlag
    → Carlsen
    → Carlsen Comics
    → Carlsen Manga
    → Chicken House
    → Impress
    → Instant Books
    → Königskinder
    → Nelson Xenos
    → terzio
    Hörbuch Hamburg
    → Hörbuch Hamburg
    → Osterwold Audio
    → Silberfisch
    Piper Verlag
    → Berlin Verlag
    → → Berlin Verlag TB
    → Bloomsbury Verlag
    → ivi
    → Malik
    → NG Malik
    → Pendo
    → Piper
    → → Piper TB
    Thienemann-Esslinger
    → Esslinger
    → Gabriel
    → Planet Girl
    → Thienemann
    Ullstein Buchverlage
    → Allegria
    → Econ
    → Graf
    → List
    → → List TB
    → Marion von Schröder (MvS)
    → Propyläen
    → Ullstein
    → → forever
    → → midnight
    → → Ullstein TB
    → Ullstein Extra

    Ich denke, es wird sich schon der eine oder andere Buchhändler finden, der Ullstein-, Piper- oder Carlsen-Bücher auf Lager hat ;-)

  • Heinzi

    Heinzi

    Sorry für die kryptischen Zeichen.
    Das kommt von copy and paste, bei Buchmarkt.de waren das noch Pfeile ...

    • ...

      Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • ...
      Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld

    nach oben