Die Arbeit zwischen Autor und Lektor I

"Nix Ali Baba" oder "Hauptsache Atmo"?

Wenn die Chemie stimmt, kommt es zwischen Lektoren und Autoren zu Aha-Erlebnissen, Glücksgefühlen und Indiskretionen. Heute berichtet Nautilus-Lektorin Katharina Picandet über die Arbeit mit Sven Recker und dessem Roman "Fake Metal Jacket".

Nautilus-Lektorin Katharina Picandet

Nautilus-Lektorin Katharina Picandet © Anna Salomons

"Sven Recker hat 2015 seinen Debütroman 'Krume Knock Out' bei uns veröffentlicht. Das Manuskript kam tatsächlich als eine der vielen, vielen Unverlangteinsendungen, aber Lektorat bedeutet ja auch immer Perlenfischen, und hier hatten wir eine gefunden. Beim ersten Treffen zum persönlichen Kennenlernen war schnell klar, dass auch die Chemie zwischen Autor und Verlag stimmte.
Der Frühjahrstitel 'Fake Metal Jacket' ist ein schwarzer Roman über Fake News, korrupte Journalisten und die Wahrheit im Zeitalter ihrer technischen Produzierbarkeit. Sven Recker ist selbst Entwicklungshelfer für den Aufbau unabhängiger Medien in Krisenregionen, und die Anmerkungen aus dem Lektorat bezogen sich eigentlich vor allem auf eine Figur, Leila, die die Hauptfigur Larsen nach Syrien lockt und dort erpresst, deren Motivation und warum Larsen so auf sie hereinfällt – hier ist das Lektorat wirklich einfach der erste Leser von außen, dem Widersprüche oder Unklarheiten auffallen, die dem Autor, der seine Geschichte ganz im Kopf hat, entgehen.

Autor Sven Recke

Autor Sven Recke © Georg Roske

Aber genau deshalb, weil er die Geschichte sehr lange mit sich herumgetragen hat, konnte Sven Recker diese Nachfragen auch schnell beantworten, und Leilas Charakter wurde etwas ausgeführt. Einen echten Fehler hat das Lektorat übersehen und der Autor zum Glück noch rechtzeitig entdeckt und schrieb kurz nach Weihnachten: 'Mahler hat leider eine ziemlich bekannte Unvollendete im Repertoire, weshalb es an den zwei Stellen in EINS/25 ratsam wäre, Mahler durch Schumann zu ersetzen. Der hat, soweit ich das recherchieren konnte, keine Unvollendete und klingt manchmal auch schön und schmalzig zugleich' – also passend als musikalische Untermalung eines fingierten Filmberichts von der Front …

Eine längere Diskussion gab es um den Titel, ursprünglich 'Nix Ali Baba', und über die Alternativen 'Hauptsache Atmo', 'Die Wahrheit bin ich', 'Wer's glaubt' und 'Stell dir vor, es ist Krieg' kamen wir dann unter reichlich Brainstorming auf 'Fake Metal Jacket' – übrigens ein Vorschlag des Partners unserer Pressefrau. Von diesem Titel war auch Sven Recker gleich überzeugt, wobei er anmerkte, dass dies auch ein Album einer japanischen Girl-Punk-Band sei … Die Verwechslungsgefahr geht gegen Null."

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