Die Phil.Cologne 2015

Philosophie geht alle an

Denken und kritisch nachfragen, statt sich berieseln lassen: Darum geht es, wenn heute die dritte Ausgabe der PhilCologne beginnt. Professionelle Denker und Philosophie-Stars kommen hier mit einem Laienpublikum ins Gespräch. VON SABINE SCHMIDT

„Das Interesse an Philosophie ist groß“, das war der Eindruck von Gert Scobel, schon bevor er das Programm der PhilCologne mitgestaltet hat. Viele Menschen stehen Hektik und Oberflächlichkeit der Gegenwart kritisch gegenüber, oder auch dem Turbo-Kapitalismus, dem grenzenlosen Konsum, den Verletzungen der Menschenrechte überall auf der Erde. „Sie wollen Zeit- und Lebensfragen reflektieren oder suchen abseits der Religionen Orientierung.“

Dieser Eindruck vom Interesse am Denken stand Pate, als der LitCologne die PhilCologne an die Seite gestellt wurde, und hat sich bestätigt. 2013 kamen gut 8.000 Zuhörer zur ersten Veranstaltungsreihe, im folgenden Jahr 9.000, und die aktuellen Vorverkaufszahlen lassen vermuten, dass es in diesem Jahr noch mehr werden.


Reflexionen für jedermann

„Es war auch schon ‚Hardcore‘-Philosophie dabei: Redner bleiben bei ihren Vorträgen in der Fachsprache“, berichtet Gert Scobel. „Selbst diese Veranstaltungen waren aber gut besucht.“ Die Idee der PhilCologne ist allerdings eine andere: „Wir wollen in Köln professionelle Philosophen mit einem Laienpublikum zusammenbringen und die Agora, den Marktplatz der Antike, wiederbeleben, auf dem allgemein verständlich philosophiert wurde.“

Es sind dann auch Journalisten mit ihrem guten Draht zu Lesern, Hörern und Zuschauern, die das Programm der PhilCologne gestalten: Gert Scobel, 3sat-Moderator mit eigener Denk-Sendung: „scobel“; Jürgen Wiebicke, der bei WDR 5 „Das philosophische Radio“ zu Gehör bringt; Wolfgang Eilenberger, Chefredakteur des „Philosophie Magazins“, und seine stellvertretende Chefredakteurin Svenja Flaßpöhler.


Philosophie-Stars in Köln

„Einer der Redner, die bei der diesjährigen PhilCologne sicherlich viel Aufmerksamkeit finden werden, ist Peter Singer“, vermutet Gert Scobel. Der australische Denker hat bereits in den 1970er Jahren mit seinem Werk „Animal Liberation“ Furore gemacht. Auch in Köln wird er für Tierrechte streiten unter dem Titel „Retten Veganer die Welt?“

„Zudem konnten wir den Harvard-Professor Michael Sandel gewinnen, der mit seinen Vorlesungen über Gerechtigkeit und mit seinen YouTube-Videos zum Weltstar wurde“, sagt Gert Scobel. Der Moralphilosoph wird fragen, „Was man für Geld nicht kaufen kann“ – „das ist der Titel seines Buchs über die moralischen Grenzen des Marktes, das zum internationalen Bestseller wurde.“ Auch das spielt bei der PhilCologne eine Rolle: Die meisten Redner sind Autoren, und Büchertische begleiten die Veranstaltungen.

Fragen auf Leben und Tod

„Damit wir tatsächlich ein Laienpublikum ansprechen, laden wir Philosophen wie Sandel ein, die schon von sich aus den Kontakt zu Menschen außerhalb der Hörsäle suchen“, erklärt Programmgestalter Jürgen Wiebicke. „Zudem bringen wir neben professionellen Denkern auch philosophische Laien auf die Bühne.“ SPD-Politiker Franz Müntefering spricht mit Bergsteiger Reinhold Messner über Leben und Tod: Müntefering hat seine Frau in den Tod begleitet und plädiert gegen Sterbehilfe, Messner hat immer wieder sein Leben auf Achttausendern riskiert.

Oder der US-amerikanische Philosoph Christoph Menke diskutiert mit dem Grünen-Politiker Jürgen Trittin über politische Macht und moralische Grenzen. Der Titel ihres Gesprächs bezieht sich auf eine erfolgreiche Fernsehserie: „Spiel der Macht – House of Cards“. Hundepsychologe Martin Rütter ist ebenfalls zu hören bei der Veranstaltung „Wau – die Philosophie des Hundes“. Das klingt wie ein Scherz, ist aber ernst gemeint, betont Jürgen Wiebicke: „Das Verhältnis von Mensch und Tier ist eine alte und auch aktuelle Frage der Philosophie.“

Schüler fürs Denken begeistern

Er will nicht nur mit Erwachsenen diskutieren, sondern auch mit Jugendlichen und hat dafür das Schülerprogramm der PhilCologne angeregt: die Vormittagsreihe „Klasse denken“. Bei Veranstaltungen mit Grundschülern oder mit 150 Teenagern aus allen Schulformen ist die vordringlichste Aufgabe, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. „Ich gehe durch die Reihen und spreche meine Zuhörer direkt an“, erzählt Jürgen Wiebicke. „Sobald sie realisieren, dass ich einzelnen ein Mikro in die Hand drücke und tatsächlich eine Antwort erwarte, beginnen sie mitzumachen.“

In den nächsten Tagen wird er mit Schülern über Freiheit sprechen und über den idealen Staat. Bei anderen Veranstaltungen geht es um die Frage, woraus Gedanken gemacht sind, und ob man Robotern Moral beibringen kann. „Jugendliche wollen diskutieren und sind an philosophischen Fragen interessiert. Es lohnt sich unbedingt, sie anzusprechen“, ist Jürgen Wiebickes Erfahrung.

Er weiß von zahlreichen Philosophiezirkeln, die sich überall in Deutschland gründen, und das ist die gute Nachricht auch aus Köln: Sehr viel mehr Menschen, junge wie ältere, sind am Denken interessiert, als der Zeitgeist vermuten lässt.

Die PhilCologne 2015 findet vom 27. Mai bis 3. Juni statt.

www.philcologne.de/programm/

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