Die Rolle des Paperbacks in der Spannungsliteratur

Vielfalt entscheidet

Paperback-Krimis gibt es mittlerweile wie Sand am Meer? Irrtum! Das zeigt eine VLB-Analyse. Was stimmt: Verlage, die an ihrer Reichweite arbeiten, finden das Format immer spannender. TAMARA WEISE

© Nils Kahlefendt

In welchem Format ein Titel erscheint, ist weder eine Frage des Zufalls noch des Bauchgefühls, so viel ist klar. Bis Verlage entscheiden, ob sie einen Titel als Hardcover (HC), Paperback (PB) oder Taschenbuch (TB) auf den Markt bringen, prüfen sie unzählige Faktoren, auch und besonders, wenn es wie bei Krimis und Thrillern um Unterhaltung geht.  

Das Hauptkriterium sei stets der Inhalt und damit die Zielgruppe, sagt zum Beispiel Heide Kloth, Programmleiterin von HarperCollins. Vor der Entscheidung stehen viele Fragen: Handelt es sich um einen rasanten Thriller für zwischendurch oder eher um etwas Literarisches? Ist der Autor bekannt oder ein Newcomer? "Gerade das Paperback-Format ist sehr attraktiv, um neue Autoren zu etablieren", erklärt Kloth. "Leser sind eher bereit, für einen ihnen bekannten und geschätzten Autor den Hardcover-Preis zu zahlen als beispielsweise für ein Krimidebüt."

Nicht ganz unwichtig sind aber auch haptische und wirtschaftliche Faktoren – das betont Kloth genauso wie Gmeiner-Verleger Armin Gmeiner: Er schätzt vor allem, wie flexibel es ihn macht, bei der Ausstattung mehr als zwei Optionen (HC, TB) zu haben. Paperbacks betrachtet er als Premiumformat, das ihn aber nicht nur wegen des potenziell höheren Gewinns interessiert, sondern auch, weil er "die Freude am schönen Buch" wachhalten wolle. Letztlich setze man mit der Ausstattung gegenüber Autoren, Lesern und Händlern deutliche Signale in puncto Wertigkeit, so Gmeiner. "Unsere Krimis sind in der Regel Originalausgaben – indem wir sie als Paperback veröffentlichen, zeigen wir auch, dass sie etwas Besonderes sind und wir ihnen überregional im Vertrieb viel zutrauen."

Im Rückblick, findet Jochen Große-Entrup, Vertriebs- und Marketingchef bei Gmeiner, dass der Buchmarkt durch Paperbacks nur gewonnen habe. "Das Format wird heute von Buchhändlern akzeptiert und erhöht ihre Gewinnspanne", betont er. "Wir, auf der anderen Seite, können dank der Formatvielfalt einem Buch, einem Autor oder einem Vertriebskanal gleichzeitig gerechter werden." Ohne Paperbacks wäre der Markt unzeitgemäß statisch, meint er – und befindet sich damit offenbar in guter Gesellschaft.

Eine Auswertung von Daten aus dem VLB zeigt, dass immer mehr Krimiverlage mit der Formatvielfalt experimentieren: Bereits 8,7 Prozent aller Printnovitäten in der Warengruppe Spannung sind 2017 als Paperback an den Start gegangen – von Jahr zu Jahr werden es mehr.

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