Die Sonntagsfrage

"Wie wollen wir in Zukunft arbeiten, Frau Wagner?"

Der Chef als autoritärer Leader – die Zeiten sind vorbei. Wie Teamführung heute geht und welche Tools und Methoden dafür verwendet werden, erklärt Juliane Wagner, Programmleiterin für Managementhemen bei Springer Gabler.

Juliane Wagner verantwortet die Managementthemen bei Springer Gabler

Juliane Wagner verantwortet die Managementthemen bei Springer Gabler © Springer

Moderne Teamführung bedeutet für mich vor allem Führung auf Augenhöhe. Unsere Branche verändert sich rasant – hier sind Manager und Mitarbeiter gefragt, die diesen Wandel nicht nur annehmen, sondern im Sinne des Unternehmens mitgestalten. Der Chef besetzt weniger den Status des unfehlbaren Experten als vielmehr den eines Coaches und Unterstützers. Dennoch sind Führungskräfte diejenigen, die letzten Endes Entscheidungen treffen, die Richtung vorgeben, Zusammenarbeit gestalten. Wenn der Chef auch nicht mehr von oben herab diktiert, so hat er trotzdem die Führungsrolle inne und diese sollte ausgefüllt und respektiert werden.

Häufig wird über die Abschaffung von Hierarchien und neue Organisationsformen diskutiert. Aus unserer Branche kann man das recht bekannte Beispiel von Haufe Umantis nennen: hier wird der Chef von den Mitarbeitern gewählt. Bei Blinkist wird nach dem Holacracy-Prinzip stark auf Selbstorganisation gesetzt, den klassischen Chef gibt es dort also gar nicht mehr.

"Augenhöhe erreicht man nicht durch Weglassen der Krawatte"

Bestehende Konzepte infrage zu stellen, ist sicher sinnvoll – aber so einen grundlegenden Wandel kann man nicht ad hoc umsetzen. Autoren, die Unternehmen bei Change-Prozessen begleiten, berichten uns häufig, dass von heute auf morgen alles anders werden soll. Aber Augenhöhe erreicht man nicht dadurch, dass man die Krawatte weglässt. Veränderungen sollten strukturiert umgesetzt und klar kommuniziert werden.

Davon abgesehen lässt es sich auch in klassisch hierarchischen Strukturen sehr gut eigenverantwortlich arbeiten, das eine schließt das andere nicht aus. Es muss nicht immer die ganze Organisationsform umgekrempelt werden. Jedes Team kann im Kleinen beginnen und agile Methoden einsetzen – je nach Aufgabenstellung und Teamzusammensetzung. Dazu hat unsere Autorin Svenja Hofert übrigens ein sehr kluges Buch geschrieben („Agiler führen – Einfache Maßnahmen für bessere Teamarbeit, mehr Leistung und höhere Kreativität“).


"Fancy Tools müssen im richtigen Kontext eingesetzt werden"

Aus dem agilen IT-Management kennt man das "Daily Scrum Meeting" als kurze tägliche Besprechung nach festen Regeln – dies könnte für Teams in Buchhandlungen eine gute Möglichkeit sein, sich auf dem Laufenden zu halten oder im Lektorat auch erst einmal bei einem zeitlich begrenzten Projekt eingesetzt werden. Für digitale Zusammenarbeit gibt es sehr gute technische Tools wie Google Hangouts für Teams, die an verschiedenen Standorten sitzen, oder Trello und Slack für gemeinsame Projektarbeit.

Wichtig ist dabei immer, für das Team passende Werkzeuge im richtigen Kontext anzuwenden, sonst sind fancy Tools überflüssig. Technik kann bei der Umsetzung helfen, aber was wirklich zählt, ist die innere Haltung des Teams und der Führungskraft. Letzten Endes muss jedes Unternehmen für sich selbst Regeln aufstellen, die funktionieren – und jedes Team muss sich wiederum innerhalb dessen finden und aus den vielen guten Methoden das Passende auswählen.

Wir können also sehr viel gestalten. Und das wollen wir.  

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