Die Sonntagsfrage

"Was dürfen die Messebesucher von #verlagegegenrechts in Leipzig erwarten, Herr Arnsburg?"

Ein Aktionsbündnis gegen rassistisches Gedankengut in der Buchbranche will auf der Leipziger Buchmesse mit Veranstaltungen und Infomaterialien gegen die Präsenz rechter Medien auftreten – und sammelt dafür gerade Geld bei der Crowdfunding-Plattform Startnext. Was die Messebesucher erwartet, erklärt René Arnsburg vom Manifest Verlag.

René Arnsburg

René Arnsburg © privat

Wir haben eine Weile überlegt, ob wir überhaupt eine Crowdfunding-Kampagne starten und was ein realistisches Funding-Ziel sein könnte. Um auf einer Massenveranstaltung wie der Buchmesse sichtbar zu werden, braucht es ausreichend Material, das wir unter die Leute bringen können. Das Compact-Magazin verteilt seit Jahren teure Mitbringsel wie große Papptüten, dahinter steckt viel Geld. Das Aktionsbündnis besteht hauptsächlich aus kleinen Verlagen mit einem sehr begrenzten Budget. Der Zuspruch, den wir auf den Aufruf bekommen haben, hat uns davon überzeugt, dass wir einen Nerv getroffen haben. Daher schien uns das Ziel von 7.500, bzw. 10.000 Euro als realistisch. Zudem lässt sich die Kampagne gut mit der Öffentlichkeitsarbeit verbinden, weil die Leute einen realen Beitrag leisten können, der über Zuspruch hinausgeht. Mit dem Geld soll eine Reihe von Material erstellt werden: Anstecker, Aufkleber für Verlagsstände, Lesezeichen, Plakate und eine Broschüre mit Infos zu Büchern gegen rechtes Gedankengut und für Solidarität.

Außerdem kooperieren wir mit der Leipziger Buchmesse. Die Veranstaltungsreihe „zu einer offenen und freien Gesellschaft“, die kürzlich von Messedirektor Oliver Zille in einem Interview angesprochen wurde, schließt eine Diskussionsreihe ein, die wir unter dem Titel „Die Gedanken sind bunt“ organisieren. Darüber haben wir uns im Vorfeld mit der Messeleitung verständigt. Es wird mindestens acht Diskussionen auf der Messe und eine Abendveranstaltung am Samstag in Leipzig geben. Wir laden die Referierenden nach inhaltlichen Gesichtspunkten ein, daher soll das gesammelte Geld Menschen mit geringem oder keinem Einkommen die Anreise ermöglichen.

Je mehr Geld wir sammeln, desto mehr Material bringen wir mit. Zusätzlich arbeiten wir alle unentgeltlich an der Kampagne. Grundsätzlich kommt es uns auf die inhaltliche Auseinandersetzung an, vielleicht ist gerade deshalb die Leipziger Messe unseren Ideen sehr offen und freundlich entgegengetreten. Wir bekommen jeden Tag weit über die Verlagsbranche hinaus positive Rückmeldungen auf unser Vorhaben, was uns viel Kraft gibt. Die wird auch notwendig sein. Je bekannter #verlagegegenrechts wird, desto gereizter werden die Rechten, was die unvermeidlichen Verunglimpfungen im Internet nach sich zieht.

Unser Bündnis ist eine Reaktion auf das Erstarken rechter Ideen insgesamt, den Entschluss dazu fassten wir ausgehend von den Protesten auf der Leipziger Buchmesse in den vergangenen zwei Jahren. Das schockierend gewachsene Selbstbewusstsein der Rechten in Frankfurt war, gepaart mit dem Wahlergebnis der AfD, für viele sicher ein Weckruf. Und der kam keinen Augenblick zu früh.

Ich würde die Forderung nach einem Verbot der rechten Verlage nicht in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung rücken. Der wirkliche Knackpunkt liegt woanders. Die rechten Medien würden von alleine nicht mehr zu Messen kommen, wenn sie keinen Anklang finden würden. Ihr Erfolg ist der Erfolg rassistischer, nationalistischer, sexistischer und homophober Positionen auf gesellschaftlicher Ebene. Und auf dieser müssen wir uns ihnen auch entgegenstellen – wo immer wir auch sind. Gerade auf der Buchmesse, denn sie ist als Ausstellungsplatz von Ideen und Anschauungen ein sehr wirkungsvolles Podium. Wir würden der rechten Präsenz umgekehrt natürlich keine Träne nachweinen, wenn sie nicht mehr da sind.


Weiterlesen:

#verlagegegenrechts startet Crowdfunding-Kampagne

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5 Kommentar/e

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  • Walter Simon

    Walter Simon

    Auf der Homepage des Manifest-Verlages von Herrn Arnsberg heißt es in der Selbstdarstellung: " ... veröffentlichen wir Bücher mit einem marxistischen und revolutionären Standpunkt ....". Herr Arnsberg führt mit seiner Kampagne eine ideologische Auseinandersetzung mit Andersdenkenden.

  • Mirjam Glaser

    Mirjam Glaser

    Er hat den Mut und die Energie, eine Öffentlichkeit gegen Nazi- und sonstige rechte Verlage zu mobilisieren - ich danke Gott, Marx oder beiden für solche Verleger.

  • René Arnsburg

    René Arnsburg

    Lieber Walter Simon,

    sie haben völlig Recht mit Ihrer Aussage, dass ich eine ideologische Auseinandersetzung mit Andersdenkenden führe. Das tue ich bereits, seitdem ich mich als politischer Mensch verstehe, also seit vielen Jahren. Es ist auch gar nicht möglich, eine nicht-ideologische oder unpolitische Auseinandersetzung um politische Themen, vor allem mit Rechten, zu führen. Daher kann ich Ihrer korrekten Feststellung nichts Negatives abgewinnen. Im Gegenteil wäre das Problem, wenn man keine Auseinandersetzung mit Andersdenkenden mehr führt, sondern blind auf seinem Standpunkt beharrt. Wie man sich streitet, ist nicht in jedem Fall gleich, bzw. gleich angemessen. Daher diskutiere ich gern persönlich oder öffentlich mit Menschen, die andere Meinungen vertreten. Sowohl der Ort, als auch die Art und Weise der Auseinandersetzung mit Exponent*innen rechter Ideologien muss auf gesellschaftlicher Ebene stattfinden, wie ich im Interview sagte.

    Viele Grüße,

    R. Arnsburg

  • Heinzi

    Heinzi

    Jetzt muss ich doch mal eine Verständnisfrage stellen.
    Im Beitrag von René Arnsburg findet sich der Satz: "Ich würde die Forderung nach einem Verbot der rechten Verlage nicht in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung rücken."
    Gibt es denn eine Forderung nach einem "Verbot von Verlagen"?
    Das würde mich etwas entsetzen, meines Erachtens kann es nie und nimmer Ziel einer Verlagsinititive sein, andere Verlage zu verbieten.
    Wer würde denn verbieten und wie sähen die Kriterien dafür aus?
    Aber vielleicht (hoffentlich) habe ich da nur etwas falsch verstanden.

  • René Arnsburg

    René Arnsburg

    Hallo,
    nein, natürlich gibt es diese Forderung nicht. Es wird allerdings immer wieder in Interviews gefragt, wie das Bündnis dazu steht, rechte Verlage von der Messe auszuschließen, darauf bezieht sich die Formulierung mit den Verbot - also ein Ausstellungsverbot - was leider nicht ganz eindeutig ist. Leider dreht sich sehr viel in der Diskussion um diese Frage, obwohl die Forderung gar nicht erhoben wird und kann so schnell von den inhaltlichen Punkten, um die es eigentlich gehen sollte, ablenken.

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