Eine Premiere bei S. Fischer

"Autoren auf der Durchreise"

Der S. Fischer Verlag in Frankfurt hat sich eine Veranstaltungsreihe ausgedacht. Sie heißt "Autoren auf der Durchreise" – und das ist auch so gemeint: als Angebot einer vielleicht bloß flüchtigen, jedenfalls passageren Begegnung mit einem Autor und seinem noch im Entstehen begriffenen nächsten Buch. VON CAS

Cheflektor Peter Sillem nimmt seinen Veranstaltungstitel auch insoweit wörtlich, als er zum ersten Abend dieser Art am Dienstag in den Club Michel in unmittelbarer Bahnhofsnähe einlud. Ein idealer Ort, sagte Sillem zur Begrüßung, sei dieser Club für Autoren, "die auf einer ihrer Reisen Frankfurt streifen". Übrigens auch die internationalen Köche, die im Club Michel ihre Gäste bekochen, sind selbst dort ständig wechselnde Gäste. Köche von Welt quasi.

Ein Autor von Welt vom Niederrhein (der seit vielen Jahren in Berlin lebt) bestritt die Premiere: Ulrich Peltzer. Im Herbst wird bei S. Fischer sein neuer Roman "Das bessere Leben" erscheinen. "Ein großer Roman", versprach eingangs Peltzers Lektorin Petra Gropp, ein Buch, in dem es nicht um irgendwelche, sondern um letzte, entscheidende Fragen gehe. Die Geschichte spielt an weit voneinander entfernten Orten, etwa in der Megalopolis Sao Paulo; in Ohio, wo 1970 an der Kent State University bei einer Anti-Kriegs-Demonstration vier Studenten von der Nationalgarde erschossen wurden; in Amsterdam; sie handelt von Menschen und Ereignissen, die anscheinend rein zufällig miteinander in Verbindung treten.

Aber Peltzer versteht sich auf Gratwanderungen: Gar nicht auszuhalten, wenn wirklich alles, die komplette Weltgeschichte, kontingent wäre, gibt er zu bedenken; und gänzlich langweilig, wenn es für alles, was geschieht, eine Regie gäbe, einen Plan, einen Arrangeur, einen Demiurgen. Einen Autor womöglich?

Bei diesem ersten Schriftsteller auf Zwischenstopp in Frankfurt ging den Zuhörern anschließen der Gesprächsstoff nicht aus. Das Publikum wurde Teil eines literarischen Abends im besten Sinn – in offener, entspannter und doch konzentrierter Atmosphäre. S. Fischer verfolgt mit seinem neuen Format, das sich an alle Verlagsmitarbeiterinnen und –mitarbeiter richtet (und nur in zweiter Linie an ein paar externe Gäste) ein nach innen gerichtetes Ziel: dass einem Verlag, unter dessen Dach sich so viele unterschiedliche Programme versammeln, immer noch die Selbstwahrnehmung gelingt, im Kern eben doch ein Literaturverlag zu sein. Wenn das funktioniert, ist vielleicht dieses neue Begegnungsformat gar nicht so passager, wie sein Titel und der gewählte Ort vorzugeben scheinen…

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