Einzelhandels-Vermietungen in 1a-Lagen

Pop-up-Stores als Testballon

Im dritten Quartal wurde erstmals wieder seit vier Jahren ein Flächenumsatz von unter 100.000 Quadratmetern erzielt, hat das Beratungsunternehmen Jones Lang Lasalle (JLL) ermittelt. Für die ersten neun Monate wird annähernd der Vorjahreswert erreicht. Ein neuer Trend: Die Einzelhändler agieren verhaltener, testen vor einer langfristigen Anmietung den Standort zunächst oft mit einem Pop-up-Store.

Passantenstrom auf der Frankurter Zeil

Passantenstrom auf der Frankurter Zeil © picture alliance / Jan Haas

Das geht aus dem Einzelhandelsmarktüberblick von JLL für das dritte Quartal 2017 hervor. "Einzelhändler prüfen langfristige Anmietungen sehr genau", erläutert Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany, in der Presseinformation. "Insbesondere in Toplagen. Manche testen den Markt deshalb vorab mit einem Pop-Up-Store wie Dorothee Schumacher auf dem Neuen Wall in Hamburg oder der Online-Handtaschen-Händler Fashionette auf der Düsseldorfer Kö."

Auch in der Buchbranche wird dieses Instrument genutzt: So hat Weltbild Anfang September in Castrop-Rauxel einen Pop-up-Store eingerichtet, um ein neues Konzept zu testen (siehe Archiv). Der Taschen Verlag etwa setzt ebenfalls auf Pop-up-Stores (siehe hier und hier).

Der Einzelhandelsmarktüberblick von JLL

Laut Erhebung von JLL wurden im dritten Quartal 2017 bei 235 Abschlüssen 98.000 Quadratmeter in Innenstadtlagen vermietet, im Vorjahresquartal waren es bei 278 Abschlüssen 112.500 Quadratmeter. Das bedeutet für Juli bis September 2017 im Vergleich zum Vorjahresquartal einen um 12,9 Prozent geringeren Flächenumsatz,

Auch für die ersten neun Monate des Jahres bedeutet der Flächenumsatz von 345.100 Quadratmeter einen leichten Rückgang gegenüber der Vorjahresperiode (348.800 Quadratmeter) − minus 1,1 Prozent.

Von den 768 registrierten Anmietungen des laufenden Jahres (Januar bis September) entfielen 55 Prozent auf Ladengrößen unter 250 Quadratmeter.

Big 10: Anteil am Flächenumsatz steigt ...

Die großen Metropolen Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Stuttgart, München, Frankfurt/Main, Leipzig, Nürnberg und Hannover − den Big 10 − konnten ihren Anteil am Flächenumsatz im dritten Quartal wieder auf 33 Prozent steigern, nach 18 Prozent (erstes Quartal) und 28 Prozent (zweites Quartal). In der zweiten Jahreshälfte 2016 war der Anteil noch höher (drittes Quartal 2016: 35 Prozent; viertes Quartal 2016: 44 Prozent). Bei den Anmietungen ist die Bedeutung internationaler Konzepte noch weiter gestiegen (Anteil an den Abschlüssen: 64 Prozent; Anteil am Flächenumsatz: 72 Prozent − zum Vergleich, drittes Quartal 2016: 57 Prozent bzw. 67 Prozent).

... der Flächenumsatz sinkt

Der Flächenumsatz der Big 10 hinkt aber deutlich hinter dem Vorjahresergebnis her: In den ersten neun Monaten wurden 89.000 Quadratmeter angemietet, im gesamten Jahr 2016 waren es 180.000 Quadratmeter. "Da die Quartale bislang sehr konstant waren, rechnen wir für die Big 10 mit einem Gesamtumsatz von 120.000 Quadratmetern für 2017", so Dirk Wichner. Das entspräche einem Rückgang von rund einem Drittel.

Die Big 10 von Januar bis September 2017

Flächenumsatz in den Big 10-Städten (Quadratmeter der Neuvermietungen) in den ersten drei Quartalen (Veränderung zur Vorjahresperiode; Rang in der Vorjahresperiode):

  1. Berlin: 16.800 (-10 Prozent; Platz 3)
  2. Hamburg: 15.200 (-2 Prozent; Platz 4)
  3. Köln: 11.600 (+30 Prozent; Platz 7)
  4. Düsseldorf: 11.500 (+13 Prozent; Platz 5)
  5. Stuttgart: 9.500 (-59 Prozent; Platz 2). Hier hatte sich 2016 die Großanmietung eines Textildiscounters ausgewirkt.
  6. München: 7.700 (-18 Prozent; Platz 6)
  7. Frankfurt/Main: 5.600 (-78 Prozent; Platz 1). Hier gab es laut JLL nur Abschlüsse im kleinflächigen und mittleren Größensegment.
  8. Leipzig: 5.100 (-11 Prozent; Platz 8)
  9. Nürnberg: 3.800 (unverändert; Platz 9)
  10. Hannover: 2.300 (+130 Prozent; Platz 10)

Weitere Ergebnisse der Bilanz der ersten drei Quartale:

  • Die frühere Dominanz der Textilhändler sei gebrochen, so JLL. Ihr Anteil am Flächenumsatz liegt mit 28 Prozent unter der 30-Prozent-Marke − zur stärksten Zeit waren es konstant mehr als 40 Prozent.
  • Platz zwei beim Flächenumsatz teilen sich die Branchen Gesundheit/Beauty (die Hälfte entfällt auf Fitnessanbieter) und Gastronomie/Food mit einem Anteil von jeweils 18 Prozent. Die Branche Schreibwaren/Bücher kommt auf um 1-2 Prozent.
  • Im Durchschnitt aller deutschlandweit untersuchten 185 Einzelhandelsmärkte rechnet JLL für 2017 mit einem Rückgang der Spitzenmieten um 2,6 Prozent.
  • Spitzenreiter bei den Spitzenmieten im Einzelhandel in den Big 10 ist im zweiten Halbjahr 2017 München mit Kaufingerstraße-Marienplatz: Hier sind 360 Euro pro Quadratmeter im Monat bei Neuvermietungen fällig.

Abschlüsse nach Ladengröße (erste drei Quartale 2017; insgesamt 768 Abschlüsse):

  • bis 100 Quadratmeter: 24 Prozent
  • 100 bis unter 250 Quadratmeter: 31 Prozent
  • 250 bis unter 500 Quadratmeter: 18 Prozent
  • 500 bis unter 1.000 Quadratmeter: 15 Prozent
  • 1.000 bis unter 2.000 Quadratmeter: 8 Prozent
  • ab 2.000 Quadratmeter: 4 Prozent

JLL analysiert für den "Einzelhandelsmarktüberblick" den Vermietungsmarkt in 1a-Lagen von bundesweit 185 Städten.

Schlagworte:

0 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • ...

    Informationen zum Kommentieren

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

  • ...
    Mein Kommentar

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

    (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
    CAPTCHA image
    Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

    * Pflichtfeld

nach oben