EU-Kommissar Michel Barnier in Frankfurt

Buchmesse-Besuch aus Brüssel

Michel Barnier, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, kam heute auf die Buchmesse - zum ersten Mal. Was er mitnahm? Viele Bücher und eine klare Botschaft der Branche zur Mehrwertsteuer.

Barnier ist mit zuständig für die Initiative "Licences for Europe", die Lizenzen als Zugang zu digitalen Werken fördert. Außerdem betreut er auch die Themen Copyright/ Urheberrecht und E-Commerce - und folglich zentrale Branchenfragen. Auch in der Bankenkrise kommt dem Franzosen, der als potenzieller nächster Kommissionspräsident gehandelt wird, eine Schlüsselfunktion zu.

Der EU-Kommissar traf sich in Frankfurt mit einer Delegation europäischer Verleger und Verbandsvertreter, darunter Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

Aufbau-Geschäftsführer René Strien brachte für die deutschen Verleger zentrale Probleme der Branche auf den Punkt: Die großen Player auf dem E-Book-Markt, so Strien, würden durch ihre geschlossenen Systeme letztlich ein "modernes System der Sklaverei" schaffen, weil dem Kunden, der sich einmal für einen Anbieter entscheide, danach keine andere Wahl mehr bleibe.

Ebenfalls Thema: Die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze und der Umstand, dass Konzerne sich durch einen Firmensitz in Luxemburg Margenvorteile im digitalen Geschäft verschaffen. Barnier hakte nach, wollte wissen, ob die Branche geschlossen hinter einem einheitlichen reduzierten Mehrwertsteuersatz für E-Books stehe - und nahm ein klares Ja mit auf den Weg nach Brüssel.

Der EU-Kommissar machte deutlich, dass es ihm darum gehe, "proaktiv" die verschiedenen Industrien in Europa zu stärken, was auch für die Kreativindustrie gelte. Beispielsweise gebe es in Europa zu wenig Venture Capital, um Ideen auf den Weg zu bringen.

Die Verleger präsentierten in dem knapp halbstündigen Gespräch auch konkrete Projekte wie Online-Bibliotheken und natürlich Bücher - darunter ein kleines, französisches Weihnachtsbilderbuch.

EU-Themen spielen auf der Buchmesse mittlerweile eine deutlich größere Rolle als in früheren Jahren. Schließlich werden in Brüssel alle relevanten rechtlichen Fragen (mit-)entschieden. Die Euro-Krise und die Neuwahlen des Europäischen Parlaments 2014 erhöhen die Aufmerksamkeit. Eine Auswahl aus dem Veranstaltungsprogramm:

  • Zu den aktuellen Branchenthemen gehört das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA, das Folgen für den Kulturbereich haben könnte und am Donnerstag bei einer Podiumsrunde des Börsenvereins diskutiert wurde. 
  • Eine Veranstaltung im Rahmen des Messekongresses Contec beschäftigte sich am Dienstag mit dem EU-Projekt "Technologie und Innovation für Smartes Publishing", das europäische Technologieunternehmen und Verleger vernetzen soll. Die  Frankfurter Buchmesse beteiligt sich gemeinsam mit weiteren 24 Branchenvertretern an dem Projekt (mehr dazu hier).
  • Die Weltempfang-Bühne in Halle 5.0 gab Einblicke in das jüngste EU-Mitgliedsland Kroatien, das dem Staatenverbund im Sommer beigetreten ist.

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