Evangelischer Buchpreis 2013 für Jenny Erpenbeck

"Eine wunderbare Sprache"

Die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck erhält für ihren Roman "Aller Tage Abend" (Knaus) den Evangelischen Buchpreis 2013. Die Auszeichnung wird am 15. Mai in Leipzig überreicht.

In der Begründung der Jury heißt es: "Jenny Erpenbecks neuer Roman beginnt schonungslos mit dem plötzlichen Kindstod eines Säuglings. Sprachgewaltig lässt die Autorin eine Welt am Anfang des 20. Jahrhunderts im jüdisch-christlichen Milieu Galiziens erstehen: Die stumme Trauer der erst achtzehnjährigen Mutter, das Auseinanderdriften der Eheleute, die Reaktionen der wegen der Heirat mit einem Nicht-Juden entzweiten Familie. Doch es ist nicht aller Tage Abend. Jenny Erpenbeck erweckt ihre namenlose Protagonistin durch ein Intermezzo zum Leben und skizziert, wie sich das Geschick der Familie hätte entwickeln können." Und weiter: "Diese mutige, ein Jahrhundert umspannende Konstruktion gelingt, weil Jenny Erpenbeck über eine wunderbare Sprache verfügt."

Jenny Erpenbeck, 1967 in Ost-Berlin geboren, absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung als Buchbinderin und studierte Theaterwissenschaften. Sie debütierte 1999 als Schriftstellerin mit der "Geschichte vom Alten Kind". Sie hat neben Erzählungen und Romanen auch zwei Theaterstücke geschrieben.

Der Evangelische Buchpreis ist mit 5.000 Euro dotiert. Er ist ein Leserpreis, Vorschläge für mögliche Preisträger kommen von Lesern. Eine Jury entscheidet dann über den Preisträger. Die Preisverleihung an Jenny Erpenbeck findet am 15. Mai in der Alten Handelsbörse in Leipzig statt, teilt das Evangelische Literaturportal mit.

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4 Kommentar/e

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  • Karl Schade

    Karl Schade

    Der Evangelische Buchpreis für Jenny Erpenbeck ist ein veritabler Gottesbeweis. Der funktioniert so: eine Kirche, die von der sich als die eigentliche Kirche empfindenden katholischen Kirche als Kirche gar nicht anerkannt wird, verleiht einer Schriftstellerin, die sich – wenn überhaupt – höchstwahrscheinlich als Atheistin sehen würde, einen Buchpreis für eine literarische Religiosität, die diese Atheistin ja mangels Eingebundenheit in kirchliche Traditionen nur aus eigener Zwiesprache mit Gott, beziehungsweise eigenem Nachdenken über Themen, denen sich die Menschheit bislang zumeist in Bezug auf Gott annäherte, gewinnen konnte. Wenn also jemand (zugegebenermaßen jemand sehr kluges) ohne Hilfe der Kirche so zu Gott finden kann, dass das dann auch die Kirche – oder zumindest deren individualistische Fraktion – überzeugt, dann muss es Gott geben.

  • max

    max

    @Karl

    könnten Sie das mal übersetzen lassen ?

  • Karl Schade

    Karl Schade

    @max

    Gottesbeweise sind zwar logisch, aber nicht ganz einfach. Vielleicht hilft Ihnen weiter, was unter "Gottesbeweis" in der deutschsprachigen Wikipedia zu Gottesbeweisen im Allgemeinen und insbesondere zu Kant steht:

    "In seiner Kritik der teleologischen Urteilskraft trat Kant schließlich einen eigenen moralischen Gottesbeweis an: „Folglich müssen wir eine moralische Weltursache (einen Welturheber) annehmen, um uns, gemäß dem moralischen Gesetze, einen Endzweck vorzusetzen; und so weit als das letztere notwendig ist, so weit ist auch das erstere anzunehmen: nämlich es sei ein Gott.“. Hierbei handele es sich jedoch nicht „um einen objektiv-gültigen Beweis vom Dasein Gottes“, sondern Kant schränkte die Gültigkeit des Beweises ein: „Die Wirklichkeit eines höchsten moralisch-gesetzgebenden Urhebers ist also bloß für den praktischen Gebrauch unserer Vernunft hinreichend dargetan, ohne in Ansehung des Daseins desselben etwas theoretisch zu bestimmen“.Insofern erbringt Kant keinen Gottesbeweis im logisch-philosophischen Sinne."

    Kant, vielleicht der vernünftigste Mensch unter denen, die zu diesem Thema publiziert haben, stellte also fest, dass die Annahme Gottes für den praktischen Gebrauch der Vernunft notwendig ist. Genau das sehen wir bei Jenny Erpenbeck. Sie kommt zu Gott, ohne dass sie das will, allein aus der inneren Notwendigkeit der Themen heraus, mit denen sie sich befasst. Und: sie kommt nicht zu Gott (nennt Gott auch gar nicht), weil sie vielleicht eine bequeme Abkürzung suchte, sondern gerade, weil sie sich ihren Themen mit höchster sprachlicher, gedanklicher und emotionaler Präzision stellt.

  • Stefan Wehmeier

    Stefan Wehmeier

    Der einzige wirklich stichhaltige Beweis Gottes (künstlicher Archetyp Jahwe = Investor) ist die Unfähigkeit seiner Untertanen, die Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) zu verstehen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ru ckkehr-ins-paradies.html

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