Fairer Buchmarkt vs Amazon

Fünf Autorenverbände, eine Stimme

Amazon schweigt zu den Vorwürfen, der Protest der Autoren wird lauter: Sie rücken zusammen, nutzen die Frankfurter Buchmesse zur Aufklärung in eigener Sache – auch länderübergreifend.

Der Protest gegen Amazon ist keine Sache einzelner, sondern vieler. Bis gestern hatten den offenen Brief der Initiative Fairer Buchmarkt an das Unternehmen 2015 Autoren unterzeichnet, weitere 455 Kulturschaffende unterstützen ihn. Amazon möchte darüber aber offenbar kein Wort verlieren: Nach Angaben von Tobias Kiwitt vom Bundesverband junger Autorinnen und Autoren (BvjA) hat Amazon auf das Anliegen der Autoren nach wie vor nicht reagiert, schlug auch eine Einladung zur Diskussion auf der Messe aus – aus Zeitgründen.      

Gestern hatte das Messepublikum nun Gelegenheit, fünf Autorenverbände in ihrem Ärger live zu erleben. Jutta Wilke und Elke Pistor sprachen für Das Syndikat, die Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur, Nicole Pfister-Fetz für Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS), Tobias Kiwitt für den Bundesverband junger Autorinnen und Autoren (BvjA), Gerhard Ruiss für die Interessengemeinschaft österreichischer Autorinnen und Autoren (IG Autorinnen Autoren) und Imre Török für den Verband deutscher Schriftsteller (VS).

„Autoren in Geiselhaft nehmen? Das geht nicht.“


Ihre Analyse der Verhältnisse begann mit dem zähen Kampf um Konditionen zwischen Amazon und Verlagen (Wilke: „Autoren in Geiselhaft nehmen? Das geht nicht.“), führte aber schnell darüber hinaus. Ihnen gehe es um das große Ganze, argumentierten sie: unfaire Wettbewerbsregeln, die Monopolisierung und ihre langfristigen Folgen – wenn nur noch Algorithmen und Klickzahlen bestimmten, welche Bücher den Weg auf den Markt finden. 

Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren) etwa vermutet, dass „Amazon in Europa nicht die Macht hat, die man gern hätte“. Das Monopol-Ziel stünde deshalb derzeit ganz oben auf der Agenda des Konzerns, zumal die Lage nicht mehr so komfortabel sei wie einst und sich Amazon einschränken müsse. Ruiss verwies auf teure Baustellen: Österreich bekomme in Kürze eine Preisbindung für E-Books, die grenzüberschreitende Preisbindung werde neu geregelt – außerdem, und das dürfte von noch größerer Tragweite sein, verliere der Konzern ab 2015 seinen Steuervorteil, der sich durch die E-Book-Belieferung europäischer Kunden über das Drehkreuz Luxemburg ergibt (16 Prozent).

„Inhalte werden von vornherein zur Ramschware“

Monopolisierungsversuche beobachten die Autoren momentan auf allen Ebenen. Sie verstärkten sich mit jedem neuen Angebot. Auch Kindle Unlimited, die zur Buchmesse vorgestellte Leihbibliothek, bedeute für Autoren letztlich nur eines: Dass sie noch stärker vom Willen des Konzerns abhängig sind.

Gerade für Selfpublisher, die Amazon heftig umwirbt, könne es eng werden – weil alle Erlöse zunächst in einen Topf kommen und erst später häppchenweise verteilt werden. Kiwitt: „Wenn sich das durchsetzt, kann Amazon die Preise diktieren.“ Ihn beschäftigt dabei noch etwas anderes: „die Abwertung der Inhalte“, Bücher würden von vornherein zur Ramschware. Imre Török (VS) sprang ihm bei: „Diese Welt von Kulturlosigkeit wollen wir nicht.“ Auch im Interesse der Leser. 

Literadio hat die Debatte aufgezeichnet. Einen Mittschnitt der Sendung (insgesamt 47 min.) gibt es über www.literadio.org

Deutschlandradio widmete sich dem Fall Amazon gestern ebenfalls, gemeinsam mit Nika Lubitsch (Schriftstellerin), Tobias Kiwitt, Nikola Richter (E-Book-Verlag Mikrotext), Stephan Joß (Hanser Verlag) und Stefan Mesch (Literatur-Journalist und Blogger). Wer nicht dabei war: Die Sendung „Verlagsschreck Amazon?“ lässt sich nachhören – hier.   

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