Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Die Stimmensammlerin

Schlussakkord der Frankfurter Buchmesse 2013: Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch wird am heutigen Sonntag ab 11 Uhr in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Das ZDF überträgt den Festakt live, die Laudatio hält der Historiker Karl Schlögel. Mehr ab 13 Uhr hier auf boersenblatt.net.

Swetlana Alexijewitsch, 1948 im westukrainischen Stanislaw (heute Iwano-Frankowsk) geboren, arbeitete nach einem Journalistik-Studium zunächst als Lehrerin, später als Korrespondentin für das Literaturmagazin "Neman". In ihren eigenen Werken entwickelten sie eine literarische Methode, die "eine größtmögliche Annäherung an das wahre Leben" erlaubt - eine Collage des täglichen Lebens aus vielen Einzelschicksalen und Interviews.

Ein solcher "Roman der Stimmen" ist auch ihr jüngstes, im September erschienenes Buch "Second-Hand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus" (Hanser Berlin). Ihr Gesamtwerk liest sich wie eine fortlaufende Geschichte Russlands seit dem Weltkrieg. Für ihre emotionalisierte Geschichtsschreibung bekommt sie nun, nach vielen anderen Auszeichnungen, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (Dotierung: 25.000 Euro). Mit Swetlana Alexijewitsch wird nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder eine Frau geehrt.

In der Begründung des Stiftungsrats heißt es:

"Der Börsenverein ehrt damit die weißrussische Schriftstellerin, die die Lebenswelten ihrer Mitmenschen aus Weißrussland, Russland und der Ukraine nachzeichnet und in Demut und Großzügigkeit deren Leid und deren Leidenschaften Ausdruck verleiht.

Mit den Berichten über Tschernobyl, über den sowjetischen Afghanistankrieg und über die unerfüllten Hoffnungen auf ein freiheitliches Land nach dem Auseinanderbrechen des Sowjetimperiums lässt sie in der tragischen Chronik der Menschen einen Grundstrom existentieller Enttäuschungen spürbar werden.

Swetlana Alexijewitsch hat durch die Komposition ihrer Interviews, die auch die Grundlage ihres neuesten Buches »Secondhand-Zeit« bilden, zu einer eigenen literarischen Gattung gefunden, zu einer chorischen Zeugenschaft. Als moralisches Gedächtnis hinterfragt sie, ob Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit nicht die besseren Alternativen wären."

Auszeichnungen (Auswahl)

2013    Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

2011    Ryszard-Kapuściński-Preis für literarische Reportagen, Polen
2011    Angelus Central European Literary Award, Polen
2007    Oxfam Novib/PEN Award for Freedom of Expression
2005    National Book Critics Circle Award, USA
2002    Premio Sandro Onofri Per Il Reportage Narrativo, Italien
2001    Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis
2000    Robert Geisendorfer-Preis (Hörfunk)
1999    Herder Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung
1999    »Temoin du monde«, Frankreich
1998    Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
1998    Das politische Buch, Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung
1997    Andrei Sinyavsky Preis, Russland
1997    Triumph-Preis, Russland
1996    Tucholsky-Preis des schwedischen PEN
1986    Staatspreis des Komsomol, UdSSR
1985    Fedin-Literaturpreis, UdSSR
1984    Ostrowski-Literaturpreis, UdSSR

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