Gesprächsreihe: "Zum Lesen hat man immer Zeit"

Plauderei aus dem Lesesessel

Botschafter Philippe Etienne trifft Regisseurin Adriana Altaras: Für die Veranstaltungsreihe „Zum Lesen hat man immer Zeit“ ist bei den Buchmessen die ARTE-Bühne Gastgeber, organisiert werden die Zusammentreffen zweier prominenter Gesprächspartner (je unterschiedlicher, desto interessanter) vom Berliner Büro des Börsenvereins. 

Philippe Etienne, Adriana Altaras, Thomas Böhm (von links)

Philippe Etienne, Adriana Altaras, Thomas Böhm (von links) © Gaby Waldek

Übers Lesen gesprochen haben schon Schauspieler Florian David Fitz und Monika Grütters (das war natürlich der Straßenfeger), aber auch Thorsten Schäfer-Gümbel, Chef der hessischen SPD, und Fußballmanager Fredi Bobic (Eintracht Frankfurt) trafen sich schon unter diesem Motto, und das Politiker-Ehepaar Kauder hat ebenfalls schon Auskunft gegeben. Nun also der französische Botschafter Philippe Etienne und die Autorin und Regisseurin Adriana Altaras.

Philippe Etienne ist seit 2014 französischer Botschafter in Berlin und kennt Deutschland aus seiner Zeit als Erster Botschaftssekretär in Bonn, zwischenzeitlich war er bei der Europäischen Union in Brüssel und bekleidete politische Ämter in Russland und Rumänien. Der deutsch, englisch, spanisch, russisch und rumänisch sprechende Etienne hat Wirtschaftswissenschaften und Sprachen und an der renommierten Ecole normale supérieure Mathematik studiert. Das sieht nach einem geradlinigen Weg aus, dagegen sind Adriana Altaras‘ frühe Lebensjahre in einem wahreren Schleuderkurs verlaufen. Die Regisseurin, Schauspielerin und Autorin rollt in ihrer autobiografischen Erzählung „Titos Brille“ (KiWi 2011) die Geschichte ihrer „strapaziösen Familie“ aus – die weit weniger strapaziert gewesen wäre, hätte sie nicht den Wahnsinn eines jugoslawischen Bürgerkriegs ertragen müssen.  Als Juden, Partisanen, Kommunisten wurden die Familienmitglieder verfolgt, die Familie zerrissen, die Nachwirkungen auf die kommenden Generationen sind schwer.

© Gaby Waldek

Haben diese beiden Persönlichkeiten etwas gemeinsam? Thomas Böhm, wie immer akribisch vorbereit und voll aufmerksamen Interesse, moderierte das Gespräch um Lesevorlieben und Lieblingslektüre, und schnell sprudelten aus den beiden Lesebotschaftern sehr persönliche Geschichten hervor. Beide lesen schon allein aus Langeweile gern – der Botschafter auf Reisen, die Schauspielerin im Urlaub. Und beide schätzen die Leseempfehlungen von Freunden – auch wenn sich durchaus auch einmal ein reizvoller Streit über die Lektüre entspinnen kann. Nicht nur aus Lust, auch manches Mal aus Pflicht zu lesen, ist beiden bekannt.  Adriana Altaras gibt aber zu, schon oft die Pflichtlektüre als überaus fesselnd erlebt zu haben.  Philippe Etienne und Adriana Altaras bekommen häufig Bücher geschenkt – wahre Care-Pakete fallen dort ein, ein Wunschtraum sicher für viele der gut 60 Zuhörer.

Die Plauderei wurde tiefsinnig, als das Gespräch zur mitgebrachten Lektüre überging – Etienne bevorzugte Bücher vom Reisen, vom Wandern (F.C. Delius: „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ und „Sur les chemins noirs“ von Sylvain Tesson) - möglich, dass der vielgereiste Botschafter seine Profession darin wiederfindet. Literatur ermögliche es ihm, „ein Land wirklich zu verstehen, durch die Oberfläche der Aktualität in die Tiefe der Identität“ hinabzutauchen. Und Adriana Altaras schätzt die kurzen Geschichten von Lucia Berlin, die dichte Erzählungen über Menschen verfasst hat: „Nichts ist spannender als Biografien und Alltag“ rief die Regisseurin Altaras.

Gewiss ein Grund, warum Leser immer wieder neugierig sind – auf das nächste Buch.  

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