Hauptversammlung Landesverband Nord

"Kommt günstiger"

"Der Landesverband Nord ist fit für die Zukunft": Die Bestandsaufnahme des Vorsitzenden Michael Hechinger auf der heutigen Jahreshauptversammlung in Hannover fiel ein Jahr nach der Fusion positiv aus. Und die Liste der Aktivitäten ist beeindruckend lang.

Entspannte Atmosphäre bei der Entlastung des Vorstands

Entspannte Atmosphäre bei der Entlastung des Vorstands © Nico Herzog

Michael Hechinger

Michael Hechinger © Nico Herzog

Welche Auswirkungen wird die Verschmelzung der Landesverbände Niedersachsen-Bremen und Region Norddeutschland auf die Betreuung der Mitglieder haben? Die Frage gehörte zu den Hauptsorgen der an der Fusion (26. April 2015) Beteiligten. Schließlich umfasst das Gebiet des neuen Landesverbands Nord fünf Bundesländer, die allein schon mit Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen eine beachtliche Größe aufweisen. Die Räume der früheren Geschäftsstelle in Hannover wurden inzwischen aufgegeben und zwei kleinere Räume in Bahnhofsnähe für die neue Regionalgeschäftsstelle angemietet, das Hauptgeschäftsstelle im Hamburger Literaturhaus renoviert, wobei der noch bis Juli 2015 amtierende Geschäftsführer Michael Menard sich nicht scheute, selbst Farbroller und Pinsel in die Hand zu nehmen: "Kommt günstiger", so sein knapper Kommentar.

Carola Markwa

Carola Markwa © Nico Herzog

Die Liste der von Geschäftsführerin Carola Markwa aufgeführten Aktivitäten war beeindruckend: Viele neue Regionaltreffen, Buchhändlerstammtische, Vertreterbörsen, Buchbesprechungstage, Seminare, Arbeitskreise, Beratungen - und dazu hat in diesem Jahr auch noch der LV Nord das Sprecheramt aller Landesverbände inne. Mit Stolz und dem Appell, weiter engagierten Buchhandel zu betreiben, erwähnte die stellvertretende LV-Nord-Vorsitzende Branka Felba, dass 23 Sortimente als Prädikatsbuchhandlungen als Partner für Leseförderung ausgezeichnet worden sind und beim Deutschen Buchhandlungspreis 13 Sortimente aus dem Landesverband gewonnen haben. Und am kommenden Freitag wird die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić, die niedersächsische Buchhandlung des Jahres auszeichnen.

Dietrich zu Klampen

Dietrich zu Klampen © Nico Herzog

Fuendeling-Preis ausgesetzt

Die Umstrukturierung und die vielen Aktivitäten brachten es aber auch mit sich, dass beim öffentlichkeitswirksamen Theodor-Fuendeling-Preis Abstriche gemacht werden mussten. Die Plakette hatte der bisherige Landesverband Niedersachsen-Bremen an an Menschen außerhalb der Branche verliehen, die sich um das Buch verdient gemacht haben; bislang hatten sie Christian Pfeiffer, Marco Bode und Georg Ruppelt erhalten. "Obwohl er sehr gut angekommen ist" verkündete Vorstandsmitglied Dietrich zu Klampen schweren Herzens, "werden wir den Preis 2016 aussetzen, weil die Fusion in diesem Jahr einfach noch zu viele Kräfte personell gebunden hat." Auch sei zu überlegen, ob der Name des Preises erhalten bliebe, da der Hamelner Buchhändler und Verleger vielleicht nicht über Niedersachsen bekannt sei.

Vorlesewettbewerb: ein Plus in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern

Jens Finger vom Vorstand nahm den Vorlesewettbewerb unter die Lupe. In vergangegen drei Jahren sei die Zahl der teilnehmenden Schulen konstant geblieben; dass 50 Prozent aller Schulen teilnähmen, sei als Erfolg zu werten. Ungeachtet dessen gibt es Verschiebungen: Während in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent mehr Schulen mit dabei waren, sei mit 65.000 Schülern in Niedersachsen ein Minus zu beobachten. Dagegen nähmen in Hamburg mehr und mehr der 2012 gegründeten Stadtteilschulen teil - zuvor hatten dort weniger Haupt- und Realschulen mitgemacht, weil sie glaubten, gegen die Gymnasien weniger Chancen zu haben. Finger, dem der Vorlesewettbewerb "eine wirkliche Herzensangelegenhit ist", appellierte an die Sortimente, die sich noch nicht beteiligten, mitzumachen - allein die Kontakte und die öffentliche Wahrnehmung seien schon lohnend.

1970 Euro fürs Sozialwerk gesammelt

Michael Menard trat in seiner neuen Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Sozialwerks ans Mikrofon. 180 Jahre wird das Sozialwerk des deutschen Buchhandels in diesem Jahr, "eine der ältesten sozialen Einrichtungen der Wirtschaft", wie Menard ausführte, "gegründet von Prinzipalen und den Gehülfen - also Arbeitgeber und Arbeitnehmer." Bis heute kommen die Unterstützungen auch beiden Gruppen zugute, damals sei es sofort existenzbedrohend gewesen, wenn ein Gehülfe mit einem Durchschnittslohn, der heute 785 Euro entspräche, arbeitsunfähig geworden sei: "Es gab einfach keinerlei Absicherung, das riss auch die Familie mit ins Elend." Bis heute könne jeder durch eine Krankheit getroffen werden oder sonst unverschuldet in Not geraten, das Sozialwerk helfe unbürokratisch und sei durch die von den Ehrenamtlichen geleistete Arbeit sehr effektiv. Während der Hauptversammlung ging ein Spendenkasten durch die Reihen - das Ergebnis: 1970 Euro an Spenden und zwei neue Mitgliedschaften im Sozialwerk.

Wenn der Azubi erst gar nicht kommt

Dass es einen Newsletter des Landesverbands für Auszubildende und Ausbilder geben soll, teilte Vorstandsmitglied Christine Kiesecker mit: Eine bessere Vernetzung sei wünschenswert und ein Treffen der Berufsschullehrer geplant - noch gebe es drei Schulen mit eigenen Buchhandelsklassen. Kiesecker berichtet von einem Phänomen, das auch bundesweit zu beobachten ist: Auszubildende treten ihre Ausbildung gar nicht an - "vermutlich haben Abiturienten dann doch eine Zusage für einen Studienplatz bekommen". Auch erlebten Sortimenter, dass Ausbildungsverhältnisse nach wenigen Monaten abgebrochen würden.

Kiesecker warb dafür, nicht nur auf Schulnoten und Abschlüsse zu achten, sondern sich die Bewerber unter dem Aspekt anzusehen, ob sie in den Betrieb passten. Auch bei einem kurzen Probearbeiten zeige sich, ob es ein gedeihliches Miteinander geben könne. Sie hat wiederholt gute Erfahrungen mit Quereinsteigern gemacht, zum Beispiel mit einer Master-Politologin, die sich zuvor von Minivertrag zu Minivertrag gehangelt habe und froh über ein festes Arbeitsverhältnis mit sinnvollen Inhalten gewesen sei. Kieseckers genereller Appell: "Auch wenn die Auswahl an Bewerbern kleiner geworden sein mag - bilden Sie aus!"

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