IG Belletristik und Sachbuch tagt in München

Das Leitmedium Buch

Erstmals unter neuem Namen tagt die Interessengruppe (IG) Belletristik und Sachbuch am heutigen Donnerstag im Literaturhaus München. Mit Annette Beetz (Random House), Felicitas von Lovenberg (Piper) und Andreas Rötzer (Matthes & Seitz) tritt zugleich ein neuer Sprecherkreis sein Amt an.

Andreas Rötzer

Andreas Rötzer © Mathis Beutel

Annette Beetz

Annette Beetz © Mathis Beutel

Felicitas von Lovenberg

Felicitas von Lovenberg © Mathis Beutel

Folgt man Annette Beetz, hat die neu benamte IG ihr erstes Problem bereits gelöst: Welche gut sprechbare Abkürzung soll an die Stelle der phonetisch bewährten "AG Pub" treten? "IG BellSa" klinge "schon mal sehr schön und melodisch", befand die Random-House-Geschäftsführerin. Und das Publikum stimmte lachend zu.Interaktiver, so Beetz, solle das Programm des Januartreffens werden, zu dem ab sofort nicht mehr nur Verleger, sondern auch Buchhändler eingeladen sind. Felicitas von Lovenberg formulierte ihr wichtigstes Ziel für die IG so: "Wir müssen daran arbeiten, den Status des Buches in der Gesellschaft wieder zu heben." Und Andreas Rötzer ergänzte, dass neben der Verkaufbarkeit der Bücher es vor allem um die Inhalte gehen müsse, denn nur deretwegen sei die Buchbranche eine besondere Branche.

Heinrich Riethmüller

Heinrich Riethmüller © Mathis Beutel

Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller freute sich in seinem Grußwort zunächst über seine quasi erweiterte "Zulassung" zu dem Treffen, an dem er nun nicht mehr nur qua Ehrenamt, sondern "auch als ganz normaler Buchhändler" teilnehmen dürfe. Die aktuell drängenden Herausforderungen der Branche − Urheberrecht, die Diskussion um die VG Wort, stationärer Buchverkauf − sind aus Riethmüllers Sicht "nur auf den ersten Blick spartenspezifische Themen. Bei genauerem Hinsehen fordern sie uns als gesamte Branche heraus", sagte der Tübinger Buchhändler.

Der Vorsteher stimmte von Lovenberg in dem Ziel zu, dass Bücher den Rang eines Leitmediums der Gesellschaft zurückgewinnen müssen. Bücher zu verkaufen, werde jedoch ein "immer komplizierteres Geschäft", so der Osiander-Geschäftsführer, der den ehemals großen Einfluss der Literaturkritik auf den Kauf und das Lesen von Büchern komplett verloren gegangen sieht.

Zu den schwierigen politischen Rahmenbedingungen und den besonderen Aufgaben im neuen Jahr trug Alexander Skipis vor. In postfaktischen Zeiten, in denen "die Meinungsbildung nicht mehr von Fakten, sondern von gefühlten Wahrheiten" abhänge, werde auch das sachorientierte Gespräch mit der Politik nicht leichter, berichtete der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. In Teilen der Politik habe sich beispielsweise die "gefühlte Wahrheit" festgesetzt, dass Verlage die Autoren aussaugten. Gegen Fehlwahrnehmungen wie diese müsse nun argumentiert werden − etwa in der Diskussion um eine neue Wissenschaftsschranke im Urheberrecht.

Froh und erleichtert zeigte sich Skipis darüber, dass es dem Börsenverein "in allerletzter Sekunde" noch gelungen sei, eine nationale Regelung in der VG-Wort-Frage herbeizuführen, die Ausschüttungen an Verlage in Zukunft möglich macht. Was die konkrete Abwicklung der Rückforderungen der VG Wort für die Jahre ab 2012 angeht, so versicherte Skipis, dass der Börsenverein mit Hochdruck an Möglichkeiten der Linderung und an Hilfsangeboten für eventuelle Härtefälle arbeite.

Das Engagement des Verbandes beim Thema Innovation wird Skipis zufolge auch im Jahr 2017 fortgesetzt. Nach seiner Einschätzung lege die Digitalisierung der Medien- und damit auch der Buchwelt derzeit "allenfalls eine Verschnaufpause" ein, weitere neue und überraschende Entwicklungen seien nur eine Frage der Zeit. Deshalb werde es mit dem Börsenvereinsformat ContentSHIFT das Ziel bleiben, "bei den Unternehmen unserer Branche Innovationen zu stimulieren".

Abschließend forderte der Frankfurter Verbandsmanager die Branche dazu auf, sich zur Meinungsfreiheit, die vielfach und vielerorts unter Druck geraten sei, offensiv und mit klarer Haltung zu bekennen. Initiiert wurde die Gründung einer IG Meinungsfreiheit, zu deren Beitritt Skipis das Müncher Publikum einlud.

Alexander Skipis vor dem Auditorium

Alexander Skipis vor dem Auditorium © Mathis Beutel

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