Interview mit Thalia-Chef Michael Busch

"Gedruckte Vorschauen sind eine erhebliche Verschwendung"

In die Debatte um die Abschaffung der Printvorschauen bei Random House und den Einsatz von VLB-TIX schaltet sich jetzt auch Thalia-Chef Michael Busch ein. Im Interview mit boersenblatt.net spricht er sich für den Einsatz digitaler Vorschauen aus und bezeichnet das Vertreterwesen im Zeitalter der Digitalisierung als in weiten Teilen überholt.  INTERVIEW: CHRISTINA SCHULTE

Michael Busch

Michael Busch © John M. John

Die Entscheidung, dass Random House auf gedruckte Vorschauen verzichtet und auf VLB-TIX setzt, sorgt für Diskussionen in der Branche. Wie stehen Sie zu VLB-TIX?

Wenn man auf Entwicklungen wie VLB-TIX schaut, gilt es Zweierlei zu betrachten: Wie wird unsere Branche effizienter und was können wir gegen den nachhaltigen Schwund an Buchkäufern und Lesern tun? Für die erste Frage liegt eine Lösung darin, die Wertschöpfungskette schlanker zu machen, so dass nicht unnötig Ressourcen verschwendet, verbraucht oder falsch eingesetzt werden. Unter diesem Aspekt ist VLB-TIX aus Thalia-Sicht ein wirklich gutes Instrument für alle. Die gedruckten Vorschauen stellen doch eine erhebliche Verschwendung dar. Hinsichtlich des Leserschwundes müssen Ressourcen so eingesetzt werden, dass möglichst viel davon für die direkte Kundenansprache genutzt werden kann. 

Das sehen einige Buchhändler anders, sie wollen nicht auf die gedruckte Vorschau verzichten. Können Sie das nachvollziehen?

Ganz klar: nein. Ich muss einen Internetanschluss haben und eine rudimentäre Warenwirtschaft, wie sie bereits für kleines Geld angeboten wird  - und für Hunderte von Buchhändlern vollkommen ausreicht. Immer, wenn es neue Entwicklungen gibt, schiebt man diese erst einmal auf die lange Bank.  Aber wenn man sich nicht richtig mit Innovationen befasst, ist man heute nicht so weit und morgen nicht und übermorgen auch nicht.

Teilen Sie die Kritik an Random House?

Nein. Unserer Meinung nach ist Random House hier Vorreiter und hat einen mutigen, sinnvollen und einen längst überfälligen Schritt gemacht. Mit einem vernünftigen Vorlauf haben sie uns Buchhändlern mitgeteilt, dass wir unsere Prozesse überarbeiten und uns so aufstellen müssen, dass wir VLB-TIX effizient nutzen können. Ich sehe das als große Chance, ein erhebliches Verschwendungspotenzial abzuschaffen. Und das ist übrigens nur der erste Schritt.

Was wäre der zweite Schritt?

Das Vertreterwesen hat sich aus unserer Sicht mit der fortschreitenden Digitalisierung in weiten Teilen überlebt. Zu viele Menschen beschäftigen sich damit, über Dinge zu reden, die man in digitaler Form präziser und schneller erledigen kann. Für die Vertreter, ihre Schulung, ihre Ausstattung mit Know-how, investieren die Verlage immense Mittel und damit in ein Modell, das keine Zukunft hat. Denn es geht ja weiter, Vertreter kommen in Buchhandlungen und die Buchhändler beschäftigen sich  mit ihnen, statt mit ihren Kunden.

Die Branche ohne Vertreter - das wäre ein riesiger Einschnitt. Wird es dazu kommen?

Ich würde mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich den Eindruck hätte, dass die Verlage die Vertreter demnächst abschaffen wollen. Es geht mir darum, eine Diskussion über ein effizienteres Miteinander von Buchhandlungen und Verlagen anzustoßen. Bei jedem Vorschlag zur Branchenrationalisierung kommt die Ja-Aber-Diskussion. Wir müssen jedoch auch mal Gewohntes in Frage stellen und neue Ansätze diskutieren.  

Zurück zu VLB-TIX: Wird das Beispiel Random House Ihrer Einschätzung nach Schule machen?

Wir sehen andere Verlagsgruppen, die am Thema dran sind, aber noch interne Voraussetzungen schaffen müssen. Ich wünsche mir, dass sich nicht nur viele Verlage anschließen, sondern auch die gleiche Deadline setzen. Nur dann werden auch diejenigen den Mut zur Veränderung haben, die der Veränderung durch Digitalisierung skeptisch gegenüberstehen.

Sie sprachen davon, das bei den Vorschauen eingesparte Geld für Endkundenwerbung einzusetzen, um Käufer und Leser zurückzugewinnen. Wie soll das funktionieren?

Zunächst einmal kann ich nicht über neue Ausgaben nachdenken, bevor ich die dafür notwendigen Einsparungen nicht gemacht habe. Insofern muss man erst die Verschwendung aus dem System nehmen. Thalia gibt enorm viel Geld für Werbung aus, investiert also in die Kundenrelevanz. Hierzu leisten die Vorschauen überhaupt keinen Beitrag. Eine Option kann sein, dass die Verlage sich noch stärker an der Kommunikation mit den wichtigen Endverbraucherzielgruppen beteiligen, anstatt  teure Hefte für Buchhändler zu drucken. Wir müssen uns gemeinsam fragen, wie wir möglichst viele Kunden erreichen, um eine breite Wirkung für Bücher entfalten zu können, damit das Lesen für die Menschen wieder mehr Relevanz bekommt. 

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27 Kommentar/e

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  • JTS

    JTS

    Jawohl, Herr Busch, alles abschaffen, Vorschauen, Vertreter ... Verlage? Bücher? Buchhändler? Dann haben wir die perfekte Wertschöpfungskette mit schlanken Ressourcen. Dann wird alles gut und die digitalisierten Käufer werden sich in die Thalia-Filialen beamen .
    Was für ein absurdes Interview!

  • Ein Buchhändler

    Ein Buchhändler

    Wie Recht er doch hat. Ich arbeite auch nur noch ungern mit gedruckten Vorschauen... der Aufwand ist einfach zu hoch. Vertreter empfange ich nur noch in Ausnahmefällen. Schlicht kein Potential mehr dafür. An schwachen Tagen kann ich Vorschauen "nebenher" prüfen, egal ob online oder gedruckt. Bei einem Vertretergespräch steigen meine Personalkosten automatisch an, meistens kennen wir als kleines aber ausgewähltes Sortiment unsere Kunden selber besser und können daher präziser bestellen.
    Bei der Vorschaudiskussion sollte der Umweltaspekt auch nicht ganz vernachlässigt werden. Bei uns fliegen 2 mal jährlich Hochglanzmagazine reihenweise dirket ins Altpaier. Auf Deutschland gerechnet dürften das Tonnen an überflüssigem Papier sein...ganz zu schweigen von den Transportkosten.

  • Rainer Brandl

    Rainer Brandl

    Die meisten Befürworter von VLB-TIX argumentieren ähnlich wie Herr Busch und tun so als würde die Digitalisierung keine Kosten verursachen. Allein eine Anfrage bei der Suchmaschine Google kostet vier Watt Strom pro Stunde oder zwei Gramm CO2 Ausstoß, wie Forscher aus den USA errechnet haben. Von daher sollte man erst einmal den genauen Energieverbrauch beider Vorschauarten berrechen und gegenüber stellen, bevor man irgendwelche Behauptungen aufstellt; zumal Vorschauen in physischer Form, auch Hochglanzpapier, zu recyclen sind. Ähnlich unüberlegt emfpinde ich auch die Aussage über das Vertreterwesen. Es mag sein, dass Herrn Busch bei Thalia so viel buchhändlerische und literarische Kompetenz um sich versammelt hat, dass er das Verlagsvertreterwesen nicht weiter benötigt. Ich hingegen möchte und könnte beim Novitäteneinkauf nicht auf die Kompetenz der Vertreter verzichten. Erfreulicherweise waren die meisten Prognosen und Statements in der Vergangenheit von Herrn Busch, gerade zu Digitalisierung respektive zum Strukturwandel in der Buchbranche, falsch, so dass man hoffen kann, dass sich diese unklugen Entwicklungen im Buchhandel nicht durchsetzen werden.

  • Klaus Kowalke

    Klaus Kowalke

    Nachdem André Schiffrin (Verleger Pantheon Verlag, The New Press) um die Jahrtausendwende in seinem Buch VERLAGE OHNE VERLEGER (Wagenbach Verlag, ISBN 978-3-8031-2387-9) vor den Renditevorstellungen von Verlagen mit Managerführung gewarnt hat und dabei die Seele des Buchhandels beschreibt kommt nun mit VLB-TIX ein weiteres Argument, nicht überraschend zwar, in den Fokus: VERLAGE OHNE VERLAGSVERTRETER. Natürlich, funktionieren wird das, vielleicht sogar gut für den ein oder anderen Buchhändler, - aber wollen wir das? Wo bleibt das Prinzip der gemeinsamen Aufgabe Leser zu begeistern? Benötigen Verlage, auf lange Sicht gesprochen, den Buchhandel überhaupt oder wollen sie nicht gleich das Direktgeschäft perfektionieren? (Der Anteil Direktgeschäft der Verlage ist bekanntlich größer als der Onlineanteil aller Buchhandlungen inklusive Amazon am gemeinsamen Kuchen). Bücher sind nicht nur beratungsintensiv beim Verkauf an den Endkunden sondern durchaus auch beratungsintensiv beim Einkauf durch den Buchhändler. Die Diskussion um TIX zeigt zwar Pro und Contra, auch ich will mich nicht festlegen: Zum einen suche ich nach Einsparungsmöglichkeiten, damit meine ich vordergründig Zeitersparnisse. Doch leider hat sich herausgestellt, dass die Arbeit mit TIX einfach länger dauert (scrollen, auf und zu machen der Vergrößerungen , - blättern in Druckvorschauen geht schneller, das Erfassen der Informationen ebenso) - (von der Unbequemlichkeit am Bildschirm zu arbeiten rede ich jetzt gar nicht erst). Nein, das ist alles noch nicht ausgereift. Ferner bewegt mich ein weiteres Argument, es wird viel von Ressourcenschonung gesprochen, wenn man auf den Druck und Versand der Vorschauen verzichtet. Ist das aber so? Für den einzelnen Verlag mag das stimmen, was ist aber mit der Gesamt-ökö-bilanz? Wir erinnern uns, der Stromverbrauch eines einfachen "gefällt mir" unter diesem Text, ja, der Text selbst, verbraucht Unmengen an Strom. [Diese Text ist zuerst bei Facebook in einer Branchengruppe mit 2.230 Branchenmitgliedern publiziert worden]. Durch die Verschlüsselungstechnologie geht dieses "gefällt mir - Häkchen" einmal um den Erdball, schmeißt unzählige Server in Datacentern an und verbraucht dabei gigantische Mengen an Strom, und das alles nur für ein einziges "gefällt mir". Jetzt können Sie die Hochrechnung betreiben: Hunderte Vorschauen digital zu durchblättern, Anmerkungen machen, Bestellvorgänge realisieren, Lieferschein parken, etc. führt zu einem extremen Stromverbrauch (natürlich nicht im Laden oder beim Verlag, sondern irgendwo auf der Welt (geht mich ja nichts an)). - WIR BRAUCHEN IN DER BUCHBRANCHE eine NACHHALTIGKEITSDEBATTE. Ist die Ökopapierqualität ausgereift, ökologische Druckfarben, Transporte über den Bücherwagensammelverkehr, Druck regional, etc. und noch viel mehr. Ich wünsche mir das! Nichts nervt mich mehr als die Behauptung man spare Ressourcen wenn man auf den Druck von Vorschauen verzichtet. Nachhaltigkeit geht anders...

  • verlagsvertretung

    verlagsvertretung


    Ich frage mich ob solche Leute tatsächlich schon einmal ein Buch eingekauft , oder verkauft haben, und ob sie tatsächlich meinen , daß man eine Schraube ,ein Autoersatzteil oder ein Stück Käse wirklich mit so einer so emotional beladenen
    Ware wie es ein Buch nun einmal ist, vergleichen kann. Sollte es nach diesen Buchmanagern gehen muss man z.B. Thomas Mann,Hermann Hesse,Fallada und Goethe nicht mehr verbannen oder verbrennen, denn nach Abverkäufen beurteilt, werden sie jetzt schon freiwillig aus den Sortimenten entfernt.
    Viel Spaß auch weiterhin beim kaputt digitalisieren des Buchmarkts.

    Busch, Diplom-Volkswirt, arbeitete nach dem Studium bei der Knight Wendling Consulting GmbH im Bereich Unternehmenssanierung sowie Fusionen und Übernahmen, bevor er 1993 als Beteiligungs-Controller in die Douglas Holding AG eintrat. 1995 wechselte er als Mitglied der Geschäftsleitung in den Buchbereich der Gruppe; 1998 wurde er zum Geschäftsführer bestellt. Seit Januar 2003 ist er Bereichsvorstand Bücher.

  • Jutta Leimbert

    Jutta Leimbert

    Für Thalia mag das alles zutreffen. Für uns "Kleine", die nicht nur mainstream-Titel führen, sondern ein ganz besonderes, individuelles Sortiment haben, sind die Vertreter durchaus wichtig. Verlage, die keine Vertreter schicken, sind bei uns deutlich weniger präsent.

  • Gutenberg

    Gutenberg

    Nach Lektüre des Interviews , kommen mir folgende Gedanken in den Sinn.
    Wie schön, dass das Börsenblatt "endlich" jemanden gefunden hat der von Vlb-tix begeistert ist, zufällig ist das der Chef einer der größten Filalisten. Honi soit qui mal y pense.
    Prozessoptimierung, Ressourcenmanagement, Kosteneinsparung - Schlagworte, die auch von jedem anderen Chef jeglicher Branche kommen könnten.
    Letztendlich geht es doch darum das lästige und teure "Human Capital", wie Vertreter und Buchhändler abzuschaffen.
    Die Verlage schicken ihre Vlb-tix Digitalvorschauen mit Zahlen an den Verantwortlichen des Filalisten, der dann mit einem Klick seine Order abgibt. Alles dreht sich dann um wenige Bestseller, die mit Direktwerbung an den Endverbraucher gehypt werden. Dieser kommt dann vielleicht in eine Buchhandlung, in der Hilfskräfte Bücher einsortiert haben.
    Einsparung personell und ideell garantiert.

  • Ein Verteter

    Ein Verteter

    Es nimmt nicht Wunder, dass ein Unternehmen, das seit vielen Jahren die Zusammenarbeit mit Vertretern mehr oder minder unterbindet, sich im Rahmen einer völlig anderen Diskussion zum neuerlichen Abgesang auf diesen kleinen Teil der Gesamtbranche hinreißen lässt. Ein Unternehmen mithin, in dem mir die MitarbeiterInnen oft genug erzählen, dass sie nicht oder nur in Ihrer Freitzeit dazu kommen, sich in den Vorschauen zu informieren. Ein Unternehmen also, dass vermutlich tatsächlich keine Vorschauen mehr benötigt, weil die MitarbeiterInnen gar nicht dazu kommen, sich mit diesen zu beschäftigen.
    Oder der liebe Buchhändler aus dem Kommentar, der die Vorschauen reihenweise wegschmeißt und keine Vertreter mehr empfängt, weil er sowieso am besten weiß, was er braucht....als würden gute Vertreter einem Buchhändler das jemals in Abrede stellen!
    Aber Herr Busch hat auf ganz andere fatale Art und Weise Recht: Die jüngsten Vertreter sind derzeit in den 50gern, Nachwuchs gibt es keinen, nur Verlage, die händeringend eine gute Vertretung wünschen und suchen und immer öfter keine finden werden.

  • Thomas Überhoff

    Thomas Überhoff

    Endlich effektives Streamlining im Buchmarkt, darauf haben wir alle gewartet. Human Resources runter, Scrollen rauf. 700 Zeichen inklusive Leerzeichen hat der Content-Provider (vulgo: Lektor) künftig noch, um über VlB-TIX seine Inhalte anzubieten, das ist so viel wie auf einer Taschenbuch-Umschlagrückseite. Aber der geschätzte Thalia-Verkäufer wird unsere phantastischen Bücher nach Scrollen durch 20.000 Neuerscheinungen natürlich zielsicher finden. Wie er das so ökonomisch macht, dass er in der frei werdenden Zeit seine Kunden über Bücher informieren kann, von denen er keine Ahnung mehr hat, das erklärt ihm sicher Herr Busch.
    Inhalte? Hat da tatsächlich jemand Inhalte gesagt? Oder: Verlagsprofile? Glatt könnte einem die Ironie im Halse stecken bleiben.

  • Klaus Dohmen

    Klaus Dohmen

    Na, da haben wir doch alle mal wieder gelacht... !

    Nicht wahr, Herr Busch.
    Nicht wahr, Christina Schulte.

    Diese Elenddebatte, wieder einmal angefacht vom Börsenverein, ist doch genau das, was Herrn Busch gut schmeckt.

    Die eingesparte Ressuource kann dann ja direkt bei den Verlagen abgegriffen werden.

    Warum muss es nur noch ein System geben? Zweigleisigkeit wäre hier Trumpf.

    In diesem Sinne.

  • René kohl

    René kohl

    Ich kann die Position von Michael Busch aus Thalia-Sicht nachvollziehen:

    Die Kommunikation zwischen VerlagsvertreterInnen und BuchhänderInnen schafft, wenn sie gelingt, genau den Transfer von Branchenwissen, Hintergrundstory, Literaturspirit und Buchkultur, der essentiell für den hochwertigen Buchhandel ist, um den wir überall auf der Welt beneidet werden - und der das gute buchhändlerische Gegenkonzept zu einem Buchhandelskonzern ist, der sich mit dem Claim positioniert: "Bücher immer versandkostenfei".

    Die (vor allem mündliche) Kommunikation über Bücher und Autoren baut also die Brücke vom Autor über den Verlag, den Vertreter, Buchhändler hin zum Kunden.

    Ein gut gemachtes VLB-Tix gibt uns allen genau die Zeit, die wir für das gelassene, kundige, sachdienliche und unterhaltsame Gespräch, zum Beispiel zwischen Buchhändler und Verlagsverteter, über das Buch gewinnen sollten - weil genau das für "die direkte Kundenansprache" wesentlich ist.

  • Christian Reichenbach

    Christian Reichenbach

    Wenn Thalia diese Visionen umsetzt und z. B. aus Profitstreben ganze Regale nur noch von Randomhouse-Rackjobbern füllen lässt, so wie wir das aus dem Lebensmittelhandel kennen, dann spielt das einzig Amazon mit seinem riesigen Sortiment in die Hände.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    WUN-DER-BAR und großer Chapeau! Entlarvender kann ein Interview gar nicht sein...

    <IRONIE AN> Und die Münchener freuen sich bestimmt riesig ob dieses Meilensteins an kontraproduktiver PR-Arbeit in Sachen VLB-TIX vom Buchprofi Michael Busch<IRONIE AUS>

    Jens Bartsch - Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

  • Esther Giese

    Esther Giese

    @Klaus Kowalke
    "Der Anteil Direktgeschäft der Verlage ist bekanntlich größer als der Onlineanteil aller Buchhandlungen inklusive Amazon am gemeinsamen Kuchen"
    Nur am Rande: Das ist leider ein Eindruck, den ich leider auch bemerkt habe.
    Früher musste ein Verlag bei einer Direktbestellung eine Buchhandlung als Übergabeort angeben. Hier sägen leider die Verlage unseren Umsatz weg.

  • Bodo Föhr

    Bodo Föhr

    wie absurd ist dieses Interview; da würde ich doch dem Herrn Busch sehr gern einmal zeigen wieviele Leseexemplar- und Vorschauwünsche ich regelmäßig aus den verschiedensten kleinen, mittleren und ganz großen Filailen seines Unternehmens in mein Büro gemailt bekomme; das ist für meine Begriffe doch der Beweis dafür, daß ein Arbeiten ohne diese wichtigen dreidimensionalen Instrumente wie Lexe, Vorschau, Vertretergespräch etc. keine Chance hat - auch nicht bei Thalia! Vielleicht mag der Herr Busch mit den Chefs von RandomHouse und der DBH auch noch die Preisbindung abschaffen - dann gehört alles ihnen. Oder es bleibt am Ende nur noch RandomHouse und VLB-Tix und sonst nix... .
    und schade, daß man erst alles kaputt machen muss, um dann für teures Geld die Tradition simulieren zu müssen... . Es lebe der Beruf des Verlagvertreters! Es leben die unabhängigen Verlage, es leben die freien Buchhändler... .
    Sorry - aber da kann man nur staunen... . (Bodo Föhr / unabhängiger Verlagsvertreter aus Hamburg)

  • eine ehemalige Buchhändlerin

    eine ehemalige Buchhändlerin

    Da bei Thalia über 90% der Ware über die Zentrale eingekauft wird und somit die Buchhändler/-innen vor Ort die Auswahl in den seltensten Fällen selbst treffen dürfen, ist klar, dass Herr Busch Vorschauen in gedruckter Form ablehnt. Ich selbst bevorzuge tatsächlich immer noch die Vorschauen in gedruckter Form und lehne auch den Einkauf über einen zentralen Wareneinkauf in dieser Höhe ab. Die Buchhändler vor Ort wissen immer noch selbst am besten, was eingekauft werden sollte (und besonders in welcher Menge...).

  • Susanne Birrer

    Susanne Birrer

    Ist Herrn Busch bewusst, dass das Premiumpaket von VLB-Tix (enthält ein paar Funktionen mehr als der klassische VLB-Eintrag) den Verlag mindestens 20 Euro pro Titel (bei mindestens 500 Novitäten pro Jahr, ansonsten noch teurer) kostet? So teuer ist keine gedruckte Vorschau! Was bezahlt eigentlich der Buchhandel für die Nutzung von VLB-Tix?

  • Eckart Löhr

    Eckart Löhr

    Man darf ja sehr gespannt sein, wer aus der Branche demnächst argumentiert, dass nicht nur gedruckte Vorschauen, sondern auch gedruckte Bücher im Allgemeinen "eine erhebliche Verschwendung" darstellen. Vielleicht ist das so, aber diese Art der Verschwendung hat einen Namen: Kultur!

  • Annika F.

    Annika F.

    Guten Tag,

    ich habe mich bereits vor etwa 5 Jahren dem Verlagswesen abgewandt und bin nun für eine Werbeagentur tätig, d.h. die "Verlagsbrille" ist nun schon seit langer Zeit abgesetzt. Ich kann deshalb sagen: Der Schritt von Random House ist ein notwendiger Schritt, selbst wenn das für viele nicht nachvollziehbar ist. Auch ich kenne noch das großartige Gefühl, die neuen Vorschauen in der Hand zu halten. Aber: Die Branche hinkt meiner Meinung nach schon lange den Bedürfnissen der modernen Welt hinterher. Wenn nicht langsam ein Umdenken stattfindet, wird der Buchhandel und auch das Verlagswesen auf kurz oder lang leider nicht mehr existieren. Es heißt: Aufwachen, raus aus der Komfort-Zone und umdenken!

  • Noch ein Buchhändler

    Noch ein Buchhändler

    All die genannten Argumente in der Diskussion sind richtig. Nur kommen sie mir vor wie das Orchester auf der Titanic... in einigen Jahren - ob wir es wahrhaben wollen oder nicht - werden ca 30% der inhabergeführten Buchhandlungen nicht mehr existieren. Vor allem die Zuschuss und Hobby Betriebe können sich noch so manchen Plausch mit dem Vertreter noch leisten.
    Die Herausforderung besteht eben darin, auch als inhabergeführter Händler Prozesse zu optimieren, und trotzdem Buchhändler zu bleiben. Das der Obermanager von Thalia eine andere Perspektive hat ist selbstverständlich.
    Dennoch muss man überlegen, ob er mit seine Position völlig unrecht hat. In einer sich wandelnden Welt bleibt eben nichts wie es war. Noch nicht einmal die gute alte Vorschau und das ausufernde nette Gespräch mit dem Vertreter.
    Liebe Buchhändler und Vertreter: fragt euch bitte, wie ihr mit den Methoden von gestern in der Zukunft bestehen wollt.

  • if

    if

    Herr Löhr, bislang glaubte ich, die Kultur befinde sich zwischen den Buchdeckeln?! Sollte tatsächlich das Medium das Entscheidende sein? Dann hatten die alten Griechen wohl keine Kultur. Sieh an sieh an.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Als das Projekt VLB+ im Frühjahr 2014 gestartet wurde, war ausdrücklich nicht die Abschaffung der gedruckten Vorschau das Ziel. Es ging darum, über eine multimedial angereicherte Titeldatenbank den Informationsfluss zu verbessern und Chancen zu nutzen, die die Digitalisierung hier bietet. Ein weiterer wichtiger Baustein war in meinen Augen die gemeinschaftlich aufgebaute Rezensionsdatenbank, aus der jeder seinen Webshop anreichern könnte. Leider ist die vor allem an Egoismen gescheitert.
    Es ist ja allen klar, dass unter den aktuellen Bedingungen sowohl im Sortiment als auch auf Verlagsseite und im Zwischenbuchhandel die Margen zu gering sind, angesichts der laufenden Veränderungen. Und da ist die Frage zwingend, ob man, wenn man heute den idealen Weg vom Verlag zum Leser definieren würde, genau wieder folgende Kette erfinden würde: Vertreterkonferenz, Vorschau, Buchmesse, Vertreterreise, Verlagsauslieferung, Barsortiment, Bücherwagen, Buchhandlung. Wir haben ja recht plastische Beweise, dass das Buch auch auf anderem Weg zum Leser kommen kann, und dieser eine ganz andere Kostenstruktur hat.
    In der Situation ist es doch eine Pflicht darüber nachzudenken, was man anders machen kann. Und es ist in meinen Augen selbstverständlich, dass am Ende nicht eine entweder/oder Entscheidung ansteht, sondern dass wir verschiedene Lösungen haben werden, die auf die indiviiduellen Bedürfnisse der Buchhandlugnen und Verlage und der jeweiligen Warengruppen eingehen. Und mit den Jahren wird sich zeigen, ob alle Varianten dauerhaft gebraucht werden, oder ob manche von anderen abgelöst werden und verschwinden.
    Auch als der Vertreter mit dem Laptop auf Reise ging hatten wir eine ganz ähnliche Diskussion. Und viele konnten sich nicht vorstellen, dass das Bestellformular mal verschwinden wird.
    Wenn ich als Verlag spüre, dass ich besser verkaufen kann mit gedruckter Vorschau als ohne, dass ich mit gedruckter Vorschau Marktanteile gewinne, dann würde ich diese auch wiedererfinden, selbst wenn ich sie mal abgeschafft hätte. Aber vermutlich würde ich sie anders neuerfinden, besser angepasst an die Ansprüche der Buchhandlungen, die damit arbeiten.
    Wenn also ein Verlag oder eine Buchhandlung sagt, dass sie künftig nur noch SO oder SO arbeiten, dann ist das aus deren Sicht vermutlich rational. Aber - wie wir doch täglich lernen - wir dürfen uns nicht durch die Andersartigkeit der Kollegen angegriffen fühlen. Es ist doch gut, wenn Thalia oder Random House anders arbeiten, das schafft ja auch Freiräume für die anderen und führt zu Vielfalt.

  • Gudrun Cremerius

    Gudrun Cremerius

    Ich erwarte sehnsüchtig den Tag,an dem Herr Busch sich selbst wegrationalisiert.
    Eine ehemalige Buchhändlerin.

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Wie so oft lässt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Vertreterbesuchen nicht generell beantworten. Vertreterbesuche kosten Zeit und damit Geld - keine Frage. Deshalb arbeiten wir nur mit VertreterInnen zusammen, die etwas zu den Büchern zu sagen haben, das über Vorschautexte hinausgeht. Und uns aus Ihrer Kenntnis des Buchladens heraus empfehlen und abraten können.

    Ein weiterer Punkt ist, ob sie uns bei der Kooperation mit ihren Verlagen unterstützen können. Das können Konditionen sein, Ideen zu Veranstaltungen oder Aktions-Angebote etc. (Darüber hinaus ist ein kleiner Plausch über die aktuellen Brachenthemen natürlich immer interessant.)
    Wenn das nicht gegeben ist, verzichten wir auf Besuche und bestellen lieber direkt aus der Warenwirtschaft, dann haben wir auch einen ELS, den wir nutzen können.

    Was das alles mit TIX zu tun hat, ist mir allerdings schleierhaft. Hier vermischen sich m.E. zwei Themen in einer noch dazu oft ideologisch geführten Diskussion. Für den Vertreterbesuch ist es doch völlig wurscht, ob wir unsere Bestellmengen auf Papier oder in TIX stehen haben. Bei uns stehen sie übrigens generell in TIX, sofern die Verlage ihre Vorschauen eingestellt haben. Das ist für uns eindeutig das sinnvollere System - auch, wenn's manchmal schade ist um Duft und Haptik . . .

  •  Buchhandlung Shakespeare und So...

    Buchhandlung Shakespeare und So...

    Was eine "Glanzleistung" an Interview! Da wird jemand befragt, der höchstwahrscheinlich noch nie an einem Vertretergespräch teilgenommen hat ( außer um die Konditionen zu verhandeln ) und der den Mehrwert eines guten Vertreters augenscheinlich nicht kennt.
    Da kann ich nur Shakespeare zitieren: "Eines Narren Bolzen sind bald verschossen".
    Wir als beratungsintensive Buchhandlung, von denen es zum Glück noch welche gibt, brauchen gute Vertreter mehr den je. Die Vorschauentexte sind häufig so nichtssagend, dass die Vertretermeinung bzw. Einschätzung für uns immens hilfreich ist. Auch die Damen und Herren von HGV, Distribook, arvato usw. die regelmäßig bei uns anrufen, sind super informiert und geben uns immer wieder Tipps, die wir nicht missen wollen. Vielen Dank an Herrn Brandl für seinen Kommentar und herzlichen Dank an Frau Cremerius. Einfach großartig!

  • Extern

    Extern

    Hier geht es nur um zwei Dinge:
    1. es ist die Ankündigung, daß Thalia die Verlage ein weiteres Mal und noch mehr zur Kasse bittet, sobald auf Digitale Vorschau umgestellt haben.

    2. Wettbewerber-Bashing:
    die unabhängigen Sortimenter sind weiterhin der stärkste Konkurrent von Thalia vor Ort. Die Sortimenter schaffen mit Ihrer Arbeitsweise etwas, das Thalia aufgrund seiner Firmenstruktur nicht zu leisten vermag: Diversifizität und Expertise. Und die schaffen sie durch den Experten-Austausch mit den Verlagsvertretern.
    Das Hr. Busch das lieber heute als morgen weg hätte, liegt in der Natur der Sache.

  • überflüssiger Vertreter

    überflüssiger Vertreter

    Hach ja, Thalia übernimmt jetzt nicht nur das Konditionengeschacher, sondern gleich dazu noch die Finanzierungsmöglichkeiten für die betroffenen Verlage. Herr Busch hat ganz offensichtlich keinen Schimmer vom Berufsbild "Vertreter", sonst wüßte er u.U., dass diese nicht nur die Vorschauen im Sortiment vortanzen und die armen Thalia-Verkäufer/innen vom Arbeiten abhalten - wo man ja eh nicht vortanzt. Vielleicht sollte er sich da mal mit jemandem austauschen, der Ahnung hat. Ansonsten leider wieder die übliche Arroganz. Gut, dass er nur einen kleinen Teil unserer Branche repräsentiert...

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