Jahres-Ausblick, Teil 9

Kooperationen: Über die Lücken im System

Eine der größten Stärken der Buchwelt liegt im unbedingten Willen zur Zusammenarbeit ihrer Bewohner – doch das System hat Lücken. Ihnen widmen wir den letzten Teil unseres Nachworts zum K-Jahr. Das Stichwort heute: Kooperationen. VON TW

© cc vision

(9) KOOPERATIONEN

Über Kooperationen wird im Buchhandel seit Jahren viel geredet – und gestritten. Auch 2009 war das nicht anders. Der Funkenflug der ersten Monate mag keine großen Spuren hinterlassen haben, sichtbar sind sie trotzdem ...

In kaum einer anderen Branche haben Kooperationen so wenig Zulauf wie im Buchhandel. Das mag an der schon oft beschworenen Einzelkämpfer-Mentalität vieler Inhaber liegen, hat aber sicher noch andere Gründe. Wer bereit sei, sich in der einen oder anderen Form einer Gruppe Gleichgesinnter anzuschließen, habe das bereits getan, so die einhellige Meinung in der Branche. Einmal abgesehen von den Existenzgründern, dürfte es demnach für die bestehenden Verbünde nur wenig Potenzial geben, was neue Mitglieder angeht – Einkaufsvorteile hin, Marketingunterstützung her.

An ihren Profilen arbeiten die Verbünde jedoch nach wie vor unter Hochdruck, die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Buchhandlungen (AUB) genauso wie eBuch, die Leistungsgemeinschaft Buch (für die 2009 ein Jahr des Umbruchs war) oder die EK / Servicegroup (die aber gerade erst anfängt, ihre Fachgruppe "Lesen & Erleben" im stationären Sortiment bekannt zu machen). Die Branche kann sich sicher sein, dass diese vier mit neuen Ideen und Angeboten auch im kommenden Jahr für Schlagzeilen sorgen werden.

War’s das? Natürlich nicht. Ein Blick auf zwei Kooperationen der anderen Art zeigt, dass die Unabhängigen die Zeichen der Zeit durchaus erkannt haben, offen für gemeinschaftliches Handeln sind – und dabei immer neue Wege gehen:

  • 5plus ist eine von fünf literarischen Buchhandlungen im Sommer dieses Jahres gegründete Allianz, der es weder um bessere Konditionen noch um Rationalisierungseffekte geht (Mitglieder: Felix Jud, Hamburg; Klaus Bittner, Köln; Lehmkuhl, München; Buchhandlung zum Wetzstein, Freiburg; Fürst & Iven, Berlin). "Absicht ist, dass unsere Stimme verstärkt gehört werden soll", sagt Initiator Wilfried Weber dem Börsenblatt (Felix Jud). "Literatur braucht vielstimmige Vermittlung" – also ein vielseitiges, kreatives Marketing, nach dem Motto: Einer für alle, alle für einen. Es gab bereits mehrere Gemeinschaftsveranstaltungen, ein Kundenmagazin ist erschienen und ein Buch für bibliophile Leser, -
Louis Begleys in deutscher Sprache bisher unveröffentlichte Erzählung "Cowboys und Indianer".

 

  • Das AkS-Webprojekt entstand ab April 2008 innerhalb des Arbeitskreises unabhängiger Sortimente (AkS) mit dem Ziel: "Besser aussehen im Netz". Mithilfe des Carl Hanser Verlags wurde ein Baukastensystem für Internetseiten entwickelt, das aber lediglich Standards vorgibt. Bisher haben sich neun Unternehmen ihren Webauftritt für je ca. 500 bis 800 Euro aufpolieren lassen (zuletzt etwa Starick Buch in Berlin und die Buchhandlung Widmann in Metzingen; Details unter: www.aks-webprojekt.de).


Ernüchternd bleibt allein der Rückblick auf das mit Unterstützung des Börsenvereins zur Leipziger Buchmesse organisierte »Forum Kooperationen im Buchhandel« – verstanden als eine Plattform, auf der sich die Gruppen vorstellen und die Branche miteinander neu ins Gespräch kommen könnte.

Manche, etwa Börsenvereinsvorstand Stephan Jaenicke (Buchhandlung Jaenicke, Detmold), hofften sogar auf Impulse für einen Verbund der Verbünde. Was daraus geworden ist? Nichts. "Die Konzepte der einzelnen Verbünde sind sehr unterschiedlich, es sind wirtschaftliche Interessen im Spiel und bis zu einem gewissen Grad steht man auch im Wettbewerb miteinander", erklärt Jaenicke. "Es wird in absehbarer Zeit wohl keinen solchen Verbund der Verbünde geben, obwohl den Mitgliedern der einzelnen Verbünde und dem unabhängigen Buchhandel insgesamt damit sehr gedient wäre." 

Fazit: Die Lage für Einzelkämpfer wird immer schwieriger – höchste Zeit also, sich Gleichgesinnte zu suchen. Wem die Verbünde nicht zusagen, sollte besser selbst eine Gruppe gründen (anstatt allein zu bleiben).
 

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Hinweis in eigener Sache: Alle Texte der Serie "Von Krisen und anderen Problemzonen" finden Sie in unserer Rubrik Dossier, hier.

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