Jobprofil Rechte und Lizenzen: Nicole Koch, Kiepenheuer & Witsch

"Diplomatisches Geschick ist unverzichtbar"

"Keine Lizenz ist wie die andere, jeder Vertrag ist neu", sagt Nicole Koch. Seit 2011 ist sie bei Kiepenheuer & Witsch für Inlandslizenzen und Verlagsverträge zuständig. Im Interview erklärt sie, was ihren Job so spannend macht und was man dafür mitbringen muss.

Wer sind Sie und was machen Sie?
Mein Name ist Nicole Koch und ich arbeite bei Kiepenheuer & Witsch im Bereich Rechte und Lizenzen. Viele können erst mal nichts damit anfangen, denken, ich übersetze Bücher oder langweile mich über Verträgen. Aber so ist es nicht. Meine Arbeit teilt sich in zwei Bereiche: Hauptsächlich bin ich für die Verkäufe von Inlandslizenzen der KiWi- und Galiani-Titel zuständig. Konkret heißt das, ich suche Lizenzpartner, die unsere Titel z.B. als Taschenbuch, Kalender, Clubausgabe herausgeben oder auch als Film oder Bühnenstück adaptieren. Daneben betreue ich auch einen Teil der Verlagsverträge, ich verhandele und erstelle also Verträge für Autoren, Übersetzer, Herausgeber und Illustratoren.

Was ist für Sie im Job unverzichtbar?
„Literarischer Spürsinn und Diplomatie“ war der Titel meiner Magisterarbeit. Ich glaube, das trifft es ganz gut. Natürlich sind ganz viele Dinge wichtig für den Beruf (Spaß am Lesen, schnelles Eindenken in rechtliche Fragen, Verkaufstalent, Verhandlungsgeschick, ökonomisches Betrachten der Dinge), aber hauptsächlich muss man ein Gespür entwickeln, welcher Stoff zu welchem Lizenzpartner passt und die Wünsche aller Parteien möglichst gut in Einklang bringen. Das gilt natürlich auch für das Verhandeln von Verlagsverträgen. Die Branche ist nicht sehr groß und man möchte daher ein gutes Verhältnis zueinander pflegen. Diplomatisches Geschick ist wirklich unverzichtbar!

Wie sieht ein typischer Tag/eine typische Woche/ein typisches Jahr in Ihrem Arbeitsalltag aus?
Ich bin den ganzen Tag mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt: Autoren, Agenten, Kollegen in- und außerhalb des Verlags. Wir sprechen über Inhalte, über mögliche Lizenzen und Vertragskonditionen. Ich segne Cover von Lizenzausgaben ab, mache Verträge, verschicke Prüfexemplare, lese Protokolle von Sitzungen und unsere Pressestimmen, nehme an Meetings teil. Abends lese ich Manuskripte und überlege, wie und wem ich den Titel am besten anbieten kann. Eine schöne Verbindung aus Beruf und Freizeit. Im Frühjahr besuche ich Lizenzkollegen in ganz Deutschland, im Herbst bin ich in Frankfurt auf der Messe, um das neue Programm vorzustellen. Auch wenn heute vieles per E-Mail und Telefon geht, sind persönliche Treffen immer noch sehr wichtig. Alles in allem ein abwechslungsreicher Arbeitsalltag: Keine Lizenz ist wie die andere, jeder Vertrag ist neu. Und das ist gerade das Spannende daran. Man weiß nie, was einen erwartet.

Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag in den letzten Jahren verändert?
E-Books sind natürlich auch bei uns ein Thema und stellen uns immer wieder vor neue, vertragsrechtliche Fragen, die man lösen muss. Verträge werden aber grundsätzlich immer komplexer, Details können zu langwierigen Verhandlungen führen. Eine intensive Auseinandersetzung mit den aktuellen Entwicklungen und dem rechtlichen Hintergrund wird immer wichtiger. Man kann nicht mehr, wie noch vor 30 Jahren, einen vorgedruckten Vertragsentwurf nur durch Eintragen von Titel, Autor und Honorar komplementieren. Das hat natürlich seinen Reiz: Jeder Vertrag ist ein neues Abenteuer!

Seit wann machen Sie Ihren Job bei KiWi und wie sind Sie dazu gekommen?
Ich bin seit 2011 im Unternehmen und betreute seitdem die Inlandslizenzen und einen Teil der Verlagsverträge. Nach meinem Studium habe ich bei KiWi in der Lizenzabteilung volontiert. Danach habe ich bei Lübbe meinen ersten Lizenzjob angenommen, Auslandslizenzen, sprich ich habe ausländische Verlage gesucht, die Übersetzungen der deutschen Bücher in ihren jeweiligen Ländern herausbringen. Als bei KiWi eine Stelle frei wurde, habe ich dorthin zurückgewechselt und die Inlandslizenzen übernommen, um mein Portfolio nochmal zu erweitern.

Welche Ausbildung/welches Studium haben Sie gemacht?
Ich habe in Mainz Buchwissenschaft und Deutsche Philologie studiert. Wer Interesse an Büchern hat und sich neben den Inhalten auch mit dem Medium Buch beschäftigen will, ist dort bestens aufgehoben. Gerade die Buchwissenschaft ist ein noch recht kleiner Studiengang, der sehr praxisorientiert ist und den Studenten immer wieder die Möglichkeit gibt, mit Kollegen aus Buchhandel und Verlagen erste Kontakte zu knüpfen.

Welche Ihrer beruflichen Stationen waren wichtig, um den Job zu bekommen?
Mein Studium war schon ein gutes Sprungbrett. Und natürlich habe ich Praktika in unterschiedlichen Unternehmen gemacht: Ich war in einer kleinen Redaktion, im Buchhandel, im Verlag, habe dann einen Nebenjob in einem kleinen Bildbandverlag bekommen. Dort hatte ich die Gelegenheit, in viele verschiedene Bereiche hineinzuschauen. Wichtig war für mich, die unterschiedlichen Abteilungen kennenzulernen, um entscheiden zu können, was für mich später in Frage kommt. Und so bin ich im Lizenzbereich gelandet.

War Ihre Ausbildung nötig, um Ihren jetzigen Job zu machen?
Nicht zwangsläufig. Lizenzmenschen kommen aus vielen Bereichen, häufig aus den Geisteswissenschaften. Ich glaube, dass kaum jemand in meinem Beruf von Anfang an dachte: „Mensch, ich will mal was mit Lizenzen machen!“ Man liest eine Ausschreibung und denkt sich, das könnte doch auch was sein. Und plötzlich ist man mittendrin und es hat einen gepackt! Es vereint sich ein Interesse für Inhalte mit einem ökonomischen Gedanken und dem Spaß, die verlagseigenen Bücher in anderen Formen zu sehen (in Übersetzung, als Film, Taschenbuch, Hörbuch etc.). Und natürlich mit Kollegen in In- und Ausland in Kontakt zu sein.

Was treibt Sie an, jeden Morgen aufzustehen und zur Arbeit zu gehen?
Ein tolles Team, ein spannendes Programm und die Aussicht auf den Kölner Dom!

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