Jugendliche und ihre Mediennutzung

Stream it, just stream it …

Die im eng gesetzten Fernsehprogramm der SZ vom vergangenen Wochende hervorstechenden Farbbilder verweisen nicht auf empfehlenswerte Sendungen im Fernsehen, sondern auf Serien und Filme von Netflix, Amazon und Maxdome. Wenn schon ein »Erwachsenenmedium« wie die SZ derartig prominent auf die sich deutlich veränderte Fernsehnutzung ihrer Kernzielgruppe zugeht – wie sieht das entsprechende Mediennutzungsverhalten heute wohl bei Kindern und Jugendlichen aus? Und was bedeutet das für Verlage und Buchhandlungen?

Fernsehprogramm der Süddeutschen Zeitung vom 6.+7. Januar 2018

Fernsehprogramm der Süddeutschen Zeitung vom 6.+7. Januar 2018

Zur Beantwortung dieser Fragen sollen zunächst einige Statistiken herangezogen werden, die den »Grunddaten Jugend und Medien 2017« entnommen sind, einer Zusammenstellung von verschiedenen Erhebungen und Studien, herausgegeben vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen. Es wird niemanden ernsthaft überraschen, dass demnach im Jahr 2016 bereits 98% der Mädchen zwischen 12 und 19 Jahren (und 95% der Jungen) ein Handy oder Smartphone besaßen. Über einen Internetzugang verfügten 91% der Mädchen (93% der Jungen). Einen eigenen Computer nutzten 71% der Mädchen (77% der Jungen). Erstaunlich ist an dieser Stelle lediglich, dass knapp über die Hälfte der Jugendlichen dieses Alters überhaupt noch ein eigenes Fernsehgerät besaßen.

Bei der Frage »Welche Angebote im Internet nutzen Jugendliche am liebsten?« überrascht auch nicht, dass YouTube mit 58% bei den Mädchen (69% bei den Jungen) das Ranking anführt – gefolgt von WhatsApp, Instagram und Facebook. Bemerkenswert ist hier allenfalls, dass klassische Fernsehsendungen bei dieser Abfrage in statistischer Relevanz gar nicht mehr auftauchen.

Das Streaming von Filmen und Serien im Internet durch Jugendliche wächst rapide

Hochinteressant hingegen ist die Frage nach der Häufigkeit der Nutzung von Serien und Filmen im Internet bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren im Vergleich von 2015 zu 2016. Hier werden die Antworten von Jungen und Mädchen nicht getrennt ausgewiesen. Während 2015 noch 53% der Jugendlichen angaben, Serien und Filme überhaupt nicht im Internet zu sehen, waren es ein Jahr später nur noch 34%.

Hier muss man mal einen Moment innehalten, um diese Zahlen auf sich wirken zu lassen. Fast 20% der Jugendlichen in Deutschland zwischen 12 und 19 Jahren – wir reden hier von insgesamt etwa 1,14 Millionen junger Menschen – haben angegeben, sich aus dem Stand innerhalb von zwölf Monaten zum User von Filmen und Serien im Internet entwickelt zu haben.

Und wo findet das statt? Im Jahr 2015 sahen sich 39% der Befragten Filme und/oder Serien auf YouTube an, 2016 waren das schon 48%. Den größten Zuwachs konnte Netflix verbuchen. Von 8% im Jahr 2015 auf 19% im Folgejahr. Immerhin tauchen bei dieser Abfrage die Mediatheken (aller Senderfamilien) an dritter Stelle auf: 2015 mit 11% und 2016 mit 13%. Alle anderen Anbieter lagen weit abgeschlagen unter 5% (bis auf Amazon Fire TV, das seine Nutzerzahlen von 4% auf 8% verdoppeln konnte).

Eine Herausforderung für unsere Branche

Der oben beschriebene Wechsel zum User von Filmen und Serien im Netz ist ein Pardigmenwechsel, der es in sich hat und für Verlage Konsequenzen nach sich ziehen sollte. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich dieses geänderte Mediennutzungsverhalten nicht nur auf Filme und Serien, sondern auf die ganze Komplexität der Angebote im Netz bezieht. Also auch auf Nachrichten, Kommunikationskanäle, Tutorials, Musik, Bildung usw. usw. Es war uns ja nicht unbekannt. Aber bisher vielleicht noch nicht deutlich genug. Wer heute Kinder und Jugendliche (und viele jugendlich oder neugierig gebliebene Erwachsene) erreichen möchte, kann das ohne entsprechende Präsenzen im Netz nicht mehr realisieren.

Der ständig wachsende Einsatz von kurzen Videos zur werblichen Ansprache im Netz ist vor allem auf Kanälen wie Facebook, YouTube und Instagram nicht mehr zu übersehen. Und glücklicherweise ist es heute Dank der aktuellen Smartphones und Kameras sowie entsprechender kostenloser Schnittsoftware wahrlich kein Hexenwerk mehr, Videos für Bücher zu drehen, zu schneiden und mit (rechtefreier) Musik zu unterlegen. Wer die Zeit investiert, sich in diese Tools einzuarbeiten (und von anderen Anbietern zu lernen), der kann auf YouTube, Instagram & Co. kostenlos für seine Bücher (und AutorInnen) werben. Und mit ein wenig Geschick und Glück eine erstaunliche Verbreitung bei Jugendlichen (und selbstverständlich auch Erwachsenen) finden. Viele Verlage machen heute schon von dieser Form der Buchpromotion Gebrauch – viel mehr, als man so denkt.

future!publish 2018: Verleihung des 1. Deutschen Buchtrailer Award

Angesichts der vorgenannten Entwicklungen hat sich die futur!publish im vergangenen Jahr entschieden, auf Anregung von Jürgen Volk (Verlag duotincta) und in Kooperation mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg im Rahmen ihres Kongresses am 25. Januar 2018 zum ersten Mal den Deutschen Buchtrailer Award zu verleihen. Mit fast 160 Einsendungen wurden die kühnsten Erwartungen des Veranstalters weit übertroffen, zumal eine Vielzahl der eingesendeten Buch-Videos eine außergewöhnliche Qualität aufweisen. Man darf nun gespannt sein, wer als Sieger aus diesem Wettbewerb hervorgeht – und ob dieser Wettbewerb es vermag, weitere Impulse in die Branche zu geben.

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