Kleinverlegertag in Leipzig

Drei Independents, viele schöne Bücher

Um hochwertig gestaltete Bücher drehte sich alles beim 24. Kleinverlegertag am 8. November in Leipzig. Der Verleger von Jacoby & Stuart, die Verlegerin der Friedenauer Presse und die Lektorin und Setzerin des Verlags Drachenmond gaben Einblicke in ihr Programm und stellten sich den Fragen der Gäste. CORNELIA BIRR

Was es bedeutet, sich als Kleinverlag schönen Büchern verschrieben zu haben, davon erzählten Edmund Jacoby (Jacoby & Stuart, Berlin), Marlena Anders (Drachenmond, Leverkusen) und Friederike Jacob (Friedenauer Presse, Berlin) vor etwa 90 Studenten und Gästen. Tatsächlich steckten gerade kleine Häuser besonders viel Zeit und Aufwand in die Gestaltung ihrer Bücher, lobte Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, in ihrer Eingangsrede.

Beispiele ihrer Lieblinge hatten Jacoby, Anders und Jacob im Gepäck, darunter eine Neuauflage von „Alice im Wunderland“ mit Bildern von Starillustrator Benjamin Lacombe und Seiten, die sich in alle Richtungen ausklappen lassen (Jacoby & Stuart), aufwändig gestaltete Fantasy-Romane (Drachenmond) und eine feinfühlig aufbereitete Sammlung von Vorträgen über Proust aus einem sowjetischen Lager (Friedenauer Presse).

Die Zuhörer bekamen Einblicke in den Alltag eines kleinen Verlages (Edmund Jacoby checkt jeden Morgen als erstes die Verkaufszahlen, mittwochs wird gemeinsam gekocht) und erfuhren von  unerwarteten Hürden: Bei einem Transport verschwand kürzlich die Hälfte aller lieferbaren Bücher der Friedenauer Presse spurlos. Wer die Kiste finde, so Friederike Jacob, die den Verlag erst Mitte des Jahres von Vorgängerin Katharina Wagenbach-Wolff übernommen hat, möge sich bitte bei ihr melden.

Ob sich hochwertig gestaltete Bücher denn eigentlich rechnen, möchte eine Studentin wissen. „Die Leute sind durchaus bereit, für besondere Dinge Geld auszugeben“ sagt Jacoby. Voraussetzung: Ein Buch muss das Publikum verzaubern, Gefühle auslösen – ob das funktioniert, könne man vorher allerdings nicht wissen. „Für Bücher, die sich verkaufen, gibt es kein Patentrezept“, pflichtet ihm Jacob bei.

Die allseits gefürchtete Digitalisierung sehen die Verlage entspannt: Bei Drachenmond begreife man E-Books als eine Erweiterung der Möglichkeiten, sagt Marlena Anders. „Man kann sich E-Books nicht verweigern“, meint auch Friederike Jacob. Immerhin gäbe es viele Inhalte, die so wichtig seien, dass sie in jedem Format zugänglich sein sollten. Und Jacoby wird grundlegend: „Ohne Digitalisierung ist die Buchproduktion gar nicht mehr zu denken.“

Die meisten Fragen des Tages kamen im Übrigen nicht aus den Reihen der Studenten, sondern von einem Gast: Solveig Prusko, selbst Kleinverlegerin (Cox Verlag, Altenkirchen), war extra für die Veranstaltung aus dem Westerwald angereist und fragte den Verlegern Löcher in den Bauch. Für sie hat sich der Tag ganz klar gelohnt: „Ich bin um so viele Ideen reicher.“

Der Kleinverlegertag fand bereits zum 24. Mal an der HTWK Leipzig statt. Er wird jährlich von den Studierenden des Studiengangs Buchhandel/Verlagswirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis kleinerer unabhängiger Verlage des Börsenvereins veranstaltet.

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