Kreativität als Führungsqualität

Ideen wie aus dem Springbrunnen

Ideen kommen nicht aus dem Nichts – Kreativität kann und will gelernt sein. Wie es geht, wie der Berufsalltag spannend wird und Unternehmen sich zukunftsfähig entwickeln, erklärt Bernhard Wolff. SABINE SCHMIDT

Bernhard Wolff

Bernhard Wolff © Bernhard Wolff

Warum sich anstrengen, wenn es auch bequem geht? Das Gehirn ist erst mal faul und spult gern Routinen ab. So muss man kein Risiko in Kauf nehmen: Niemand wundert sich, wenn man den Kunden so anspricht, wie man das schon immer gemacht hat, es gibt keine Kritik und keinen Rechtfertigungsdruck. Aber Routinen sind auch langweilig und irgendwann überholt, findet Bernhard Wolff.
Schon als Grundschulknirps schmeckte ihm Langeweile nicht und er brachte Farbe in sein Leben, indem er rückwärts sprach. Aus dem Spaß wurde sein späterer Beruf: mit Worten, mit Sprache spielen, quer und schräg denken, Quatsch und Spaß machen, sich und andere zu schrägen, überraschenden Ideen anregen. Inzwischen schreibt Wolff über Kreativität, hält Vorträge und tritt als Rückwärtssprecher in Fernsehshows auf.

Das alles hat viel mit Spaß zu tun, mit Loslassen und Freisein. Entsprechend frisch ist er für seine Mission unterwegs. Allerdings: "Kreativität ist Arbeit", das weiß er ebenfalls. Für gute Ideen muss man etwas tun. Als Erstes: sich überhaupt vornehmen, Ideen haben zu wollen. Als Zweites: sich bewusst machen, dass Gewohnheiten und der berüchtigte innere Schweinehund Feinde neuer Ideen sind – und dagegen vor­gehen.
Bequemlichkeit und Konsumhaltung nimmt Wolff schon mit dem Titel seines neuen Buchs ins Visier. "Titel bitte selbst ausdenken" heißt es, und das ist durchaus ernst gemeint (Gabal, 200 S., 19,90 Euro). Der Autor fordert seine Leser auf, sich einen Titel auszudenken – und sich so schon mal in kreatives Denken einzuüben. Wer merkt, dass das schnell in Arbeit ausartet, ist auf dem richtigen Weg – der Autor selbst hat auch etwas länger gebraucht: "Titel bitte selbst ausdenken" war nicht sein erster Gedanke, sondern "Idee Nummer 53". In seinem Buch beschreibt Wolff kleine, wirksame Tricks, Kreativität in Schwung zu bringen. Zum Beispiel:

  • sich regelmäßig Zeit für Geistesblitze nehmen,
  • Routinen unterbrechen,
  • länger duschen, wenn man unter Wasser die besten Einfälle hat,
  • sich regelmäßig-spielerisch in Kreativität üben mit der "Wie noch …"-Frage: Wie noch kann ich den Tisch decken oder ein neues Produkt nennen?


Mit diesen Tipps wird der (Berufs-)Alltag bunter, aber das ist nicht alles. Wolff ist davon überzeugt, dass Veränderungs­bereitschaft einer der Erfolgsfaktoren für kleine und große Unternehmen ist. "Kreativität gilt als wichtigste Führungsqualität der Zukunft", sagt er und beruft sich auf eine weltweit durchgeführte IBM-Studie. Aus seiner Arbeit mit Unternehmen weiß er allerdings, dass Ideen von Mitarbeitern oft keine Wertschätzung erfahren. Und noch etwas hält er für bedenkenswert: "In Umfragen gibt es nur ganz wenige Menschen, die ­ihren Arbeitsplatz als den Ort nennen, an dem sie auf Ideen kommen." Es gibt also viel Luft nach oben – und Bedarf an ­guten Ideen, um das Arbeitsumfeld zu verbessern.

Mehr zum Autor und Videos zum Rückwärtssprechen:
www.bernhard-wolff.de

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