Lars Claßen über Hannah Arendt

"Wenn das Buch gedruckt ist, hält man erst mal den Atem an"

Lars Claßen, Programmleiter Literatur bei dtv, entdeckte einen bisher nicht übersetzten Essay der Philosophin Hannah Arendt. "Die Freiheit, frei zu sein" erschien am 12. Januar und steht seit Wochen  in Charts – aktuell auf Platz 3 der Sachbuch-Bestsellerliste Taschenbuch. Hier erzählt Claßen, was den Text so zeitlos macht.  INTERVIEW: MALU SCHRADER

Lars Claßen

Lars Claßen © Alexander Malecki

"Die Freiheit, frei zu sein" von Hannah Arendt hält sich seit ­Wochen auf der Sachbuch-Bestsellerliste, mehr als 50.000 Exemplare sind bereits verkauft worden – und Sie haben das alles ausgelöst. Wie geht es Ihnen damit? 

Claßen: Ich freue mich wahnsinnig! Und stimmt es Sie nicht auch optimistisch, wenn ein solches Buch, das ja kein leichtes ist, heute, jetzt ein Bestseller werden kann? Für mich jedenfalls ist die gedruckte Welt in diesem Moment sehr in Ordnung.

Nähert man sich einem Text anders, wenn man ihn selbst entdeckt hat?

Natürlich ist die Euphorie groß, wenn man glaubt, etwas Einzigartiges entdeckt zu haben, noch dazu jenseits der üblichen Pfade. Der nächste Schritt ist dann die kritische Prüfung. Die macht vielleicht weniger Spaß, ist aber nicht weniger wichtig – und kann einen auch ganz schnell auf den Boden zurückholen. In diesem Fall hat sie uns in der Euphorie ­bestärkt. Und trotzdem: Wenn das Buch gedruckt ist und in die Welt geht, hält man erst mal den Atem an, bis es erste Reaktionen gibt.

Wie erklären Sie sich das aktuelle Interesse? Und was macht den Text so zeitlos?

Ein in Buchform weltweit unveröffentlichter Text von Hannah Arendt zieht Aufmerksamkeit auf sich, davon kann man ausgehen. Aber damit er nicht nur besprochen, sondern auch gelesen wird, braucht es das richtige Format: nicht elitär, sondern mit großem Appeal für viele. Hinzu kommen ein starker Titel und ein virulentes Thema und dass wir als Gesellschaft zurzeit wieder vielerorts darüber streiten, was wir unter Freiheit verstehen und was wir unternehmen können und müssen, um sie zu schützen – für uns und für andere. Das ist eine unserer vorrangigen Aufgaben, heute und auch morgen noch.

Hannah Arendt: Die Freiheit, frei zu sein. dtv (ET 12. Februar 2018) 

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