Mainz feierte die unabhängigen Verlage

Wortkunst als neues Konzept

Am Freitag und Samstag wurde zum zweiten Mal die Mainzer Messe der unabhängigen Verlage in der Altmünsterkirche ausgerichtet. Neu in diesem Jahr waren der Name und das Konzept der Veranstaltung. Wortkunst soll die Messe fortan heißen. Außerdem legt sie den Fokus künftig auf die gesprochene Sprache. LAURA FRANZ

Schönes Ambiente: Die Wortkunst-Messe ist in der Altmünsterkirche zu Gast

Schönes Ambiente: Die Wortkunst-Messe ist in der Altmünsterkirche zu Gast © Laura Franz

Treffen der Indies: Am ersten Septemberwochenende versammelten sich bei der zweiten Auflage der Buchmesse für unabhängige Verlage 23 Aussteller – darunter 21 Verlage und zwei Buchhandlungen. Veranstaltungsort war wie im Vorjahr die Altmünsterkirche in Mainz. Mit der Minipressen-Messe und der Mainzer Büchermesse im Rathaus ist die Indie-Messe, die im Juli 2016 Premiere feierte, die dritte Buchmesse in Mainz. Sie will jedoch nicht in Konkurrenz zu anderen Veranstaltern treten, sondern eine Lücke füllen: „Wir präsentieren Bücher, die nicht in den Buchhandlungen oder Bestsellerlisten zu finden sind“, sagt Veranstalterin Petra Seitzmayer.

Die Organisatoren:  Stefan Weidle (Weidle Verlag), Petra Seitzmayer (Lektorat Seitmayer),Britta Jürgs (Kurt Wolff Stiftung, von links)

Die Organisatoren: Stefan Weidle (Weidle Verlag), Petra Seitzmayer (Lektorat Seitmayer),Britta Jürgs (Kurt Wolff Stiftung, von links) © Laura Franz

Organisiert wurde die Messe vom Lektorat Seitzmayer aus Mainz und dem Weidle Verlag aus Bonn in Kooperation mit der Kurt-Wolff-Stiftung. Unterstützt wurde das Treffen der regionalen und überregionalen Kleinverlage unter anderem vom Börsenverein-Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland

Eröffnet wurde die Buchmesse am Freitag von Michael Au (stellvertretender Abteilungsleiter Kultur, Mainz) und Britta Jürgs (Vorsitzende Kurt-Wolff-Stiftung, Leipzig). Anschließend las Autor Dieter David Seuthe aus seinem aktuellen Roman vor. Musikalisch wurde er begleitet von Annette Kuhn und Jo Flinner. Laut Veranstalter war die Eröffnung mäßig besucht. „Der Freitag ist immer ein schwieriger Tag, weil viele potentielle Besucher arbeiten müssen“, erklärt Seitzmayer. Im nächsten Jahr solle die zweitägige Buchmesse deshalb auf Samstag und Sonntag gelegt werden.

Messe wächst in die Mainzer Stadt

Die Nachfrage nach einem derartigen Angebot sei aber merklich gestiegen. „Das Interesse der Medien war in diesem Jahr größer als im Vorjahr“, erzählt Seitzmayer. Auch die Mainzer Geschäfte beteiligten sich: Diverse Läden stellten im Vorfeld der Veranstaltung Bücher der an der Messe teilnehmenden Verlage in ihren Schaufenstern aus. Auch Anfragen von Verlagen habe es in diesem Jahr unzählige gegeben. Zwei Verleger seien extra aus der Schweiz angereist. „Da wir nur rund 20 Plätze zu vergeben hatten, musste ich einige Kollegen auf das nächste Jahr vertrösten“, erzählt Seitzmayer. 100 Euro kostet Standgebühr in der Altmünsterkirche. Anmeldungen für 2018 erfolgen über die Kontaktdaten auf der Homepage:www.mainzer-buchmesse.de

Gesprochenes Wort von Poetry Slam bis zum Gottesdienst

Thematisch stand die Messe im Zeichen der gesprochenen Sprache. Ausgewählte Texte wurden mündlich präsentiert und inszeniert. Neben der Lesung am Freitagabend trug Theaterschauspielerin Katja Straub am Samstag Ausschnitte aus Büchern der ausstellenden Verlage vor. Später traten Poetry-Slammer Jey Jey Glünderling sowie Musiker Arthur Gepting mit eigenen Texten auf. Natürlich konnten während dem Wortkunst-Rahmenprogramm auch Bücher am Verlagsstand erworben werden. Im nächsten Jahr wollen die Veranstalter sogar den Gottesdienst am Sonntag in die Wortkunst-Messe integrieren.

Buchhändlerin Silke Müller (vorne) und Besucherin Kathrin Buche im Gespräch

Buchhändlerin Silke Müller (vorne) und Besucherin Kathrin Buche im Gespräch © Laura Franz

Buchhandel vertreten

Buchhändlerin Silke Müller (Erlesenes & Büchergilde, Mainz) profitierte schon im Vorjahr von den Kontakten, die sie auf der Messe schloss. Sie habe seither einige neue Verlage in ihr Programm aufgenommen. Diese richteten daraufhin Veranstaltungen in ihrem Geschäft aus. „Es ist mir wichtig, meinen Kunden eine gute Mischung aus bekannten und weniger bekannten Titeln anbieten zu können“, erzählt die Buchhändlerin. Neben „Erlesenes & Büchergilde“ war in diesem Jahr erstmals eine weitere Buchhandlung mit einem Stand vertreten – die Mainzer Kinder- und Jugendbuchhandlung Nimmerland.

Katharina Eleonore Meyer (Merlin)

Katharina Eleonore Meyer (Merlin) © Laura Franz

Viele Wiederholungstäter

Es war auch eine Messe des Wiedersehens: Zehn von den 24 Verlagen aus dem Vorjahr haben erneut ausgestellt. So etwa der Merlin Verlag mit Sitz bei Lüneburg, der in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feierte. „Wir sind wieder dabei, weil wir die Idee, den unabhängigen Verlagen eine Bühne zu bieten, wichtig finden“, sagt Verlegerin Katharina Eleonore Meyer. Sie hätte sich zwar mehr Publikum gewünscht, komme aber im nächsten Jahr trotzdem wieder. „Die Etablierung einer jungen Messe braucht seine Zeit“, sagt sie. Vor allen Dingen wisse sie den direkten Austausch mit den Kollegen zu schätzen. „Die Gespräche finden in einem weitaus intimeren Rahmen statt, als es etwa auf den Großmessen möglich ist“, hebt sie positiv hervor. Auch die Kunden seien andere. „Hier kommen Leute hin, die Bücher sehen wollen, die sie nicht in den Buchläden finden. Sie sind entsprechend interessiert – und sie kaufen.“

So zog es auch Besucher aus dem letzten Jahr zurück in die Altmünsterkirche. Eine von ihnen: Kathrin Buche. „Mich sprach schon im letzten Jahr das breit aufgestellte Programm der hier vertretenen Verlage an. Ich finde, man sollte auch die kleineren Projekte unterstützen“, sagt sie. Silke Müller beobachtete bei ihren Kundengesprächen: „Die Besucher finden es interessant, die Büchermacher persönlich kennenzulernen. Das wäre auf den Publikumsmessen undenkbar.“

Gemischte Gefühle bei den Ausstellern

Für Miriam Spies (Gonzo Verlag, Mainz) hingegen hat sich der zweite Aufenthalt in der Altmünsterkirche nicht rentiert: „Ich konnte keine Kontakte knüpfen und hätte mir definitiv mehr Publikum gewünscht.“ Verleger Stefan Weidle sieht dem nächsten Jahr positiv entgegen: „Wir setzen uns in der nächsten Woche zur Manöverkritik zusammen und dann beginnen wir direkt mit der Planung für die dritte Auflage der Wortkunst.“

Das waren die ausstellenden Verlage und Buchhandlungen:

Acabus Verlag, Aviva Verlag, Axel Dielmann Verlag, Erlesenes & Büchergilde, Guggolz Verlag, Gonzo Verlag, Peter Hammer Verlag, Homunculus Verlag, Ulrike Helmer Verlag, Kinzelbach Verlag, Klöpfer & Meyer, Kunstanstifter Verlag, Merlin Verlag, Mirabilis Verlag, Nimmerland, Nomen Verlag, Salis Verlag, Satyr Verlag, Secession Verlag, Topalian & Milani Verlag, Ventil Verlag, Weidle Verlag, Weissbooks

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