Nachwuchsautorenpreis der Jungen Verlagsmenschen

"Und wovon willst du leben?"

Dritte Runde: Die Jungen Verlagsmenschen haben ihren Nachwuchsautorenpreis vergeben. Im Anschluss stand eine Podiumsdiskussion zwischen Lektoren und Jungautoren. VON KAI MüHLECK

Ursula Kirchenmayer hat gestern Abend im Frankfurter Kunstverein den Nachwuchsautorenpreis "You want to read in Frankfurt?" entgegengenommen. Schade nur, dass der Raum beinahe leer blieb: Erst gegen Ende der anschließenden Podiumsdiskussion würden ganze Besuchertrauben den Veranstaltungssaal füllen. Die hereinströmenden Literaturfreunde hörten zwar interessiert zu, waren allerdings für die Lesung Martin Suters bewusst überpünktlich eingetroffen: Bei Suters kostenfreier Lesung zur Prime Time (eine von 100 Veranstaltungen im Open Books-Programm) platzte der Raum aus allen Nähten, ein Einlassstop musste eine Viertelstunde vor Veranstaltungsbeginn verhängt werden.

Schade war das geringe öffentliche Interesse nicht nur für die 28-jährige Literaturinstitutsstudentin, die sich neben der Würdigung aber auch über eine Lesung auf der Frankfurter Buchmesse am Stand des Medienpartners "Frankfurter Rundschau" am heutigen Messesamstag und zwei weitere Aufritte auf der kommenden Buch Wien (22. bis 25. November) sichtlich freute. Außerdem nahm Kirchenmayer ein Buchpaket des Indepentverlag-Onlinehändlers Tubuk entgegen. Zum Preis gehört auch die Entwicklung von Leseproben als App und Hörbuchapp des Start-Ups Snippy.

Kirchenmayer las einen Auszug aus ihrem Romanfragment, das in Bolivien spielt. Erzählt wirdvom Aufeinandertreffen einer weltenbummelnden Ich-Erzählerin und einer junge Bolivianerin, die auf der Flucht ist - woraus sich ein beklemmendes Roadmovie entwickelt.

Podiumsdiskussion: Wie schwer hat es der Autorennachwuchs?
Die anschließende Podiumsdiskussion stand unter dem Motto: "Ist der Literaturbetrieb offen?" Auf der Bühne saßen Julia von dem Knesebeck (Marketingagentur bilandia) und die Lektoren Mischa Gayring (Rotbuch Verlag) und Britta Claus (DVA). Es moderierte Inke Kurse, Leiterin der neuesten Ortsgruppe der Jungen Verlagsmenschen in Hamburg.

Das Resümee: Die Tür steht für den Autorennachwuchs offen, aber nur einen Spalt breit. "Handwerk und Talent sind meistens da, vor allem durch die Arbeit der Institute für Kreatives Schreiben hat sich in den letzten Jahren massiv viel bewegt, aber oft fehlen die Themen", so Lektor Gayring.

  • Fast aussichtslos sei der Versuch, auf seinen Text als unverlangt eingesandtes Manuskript aufmerksam machen zu wollen. Hier empfehle es sich, so das Lektorenduo, Kontakte zu vorhandenen Hausautoren zu knüpfen und um Vermittlung zu bitten
  • Bei der Auswahl des passenden Verlages zum Manuskript könne mitunter auch eine Literaturagentur behilflich sein
  • Am aussichtsreichsten sei es für den Nachwuchs, an Wettbewerben teilzunehmen und in Literaturzeitschriften wie "Bellatriste", "edit" oder "freitext" zu publizieren und entdeckt zu werden


"Die Teilnahme an Wettbewerben und Veröffentlichungen sind für uns wichtig. Mit einem Autor, der über Vorerfahrung über die Verlagsbranche und in Sachen Marketing und Selbstmarketing verfügt, können wir ganz anders arbeiten", gab DVA-Lektorin Claus zu bedenken.

  • Letzter Tipp: Autoren können durch die Sozial Media-Vernetzung nicht nur voneinander lernen wie  Verlage und der Markt ticken, sondern sich auch über ihre Manuskripte austauschen
So gesehen, hat die diesjährige Siegerin alles richtig gemacht. Ursula Kirchenmayer hofft nun vor allem auf weitere Stipendien, "damit ich meinen Roman zu Ende schreiben kann."

Gleich im ersten Jahr der "You want to read?"-Veranstaltung hatten die Verlagsmenschen mit Christina Maria Landerls "Verlass die Stadt" einen Volltreffer gelandet: Der Roman wurde beim Schöffling Verlag publiziert. Vielleicht gelingt Kirchenmayer ja ebenfalls der große Wurf.

Vorjahressieger Marc Bensch, der der Veranstaltung ebenfalls beiwohnte, wollte den Aussagen der Lektoren "Die Publikumsverlage sind immer auf der Suche nach jungen Autoren, die sie aufbauen können", wenig glauben schenken und diesen Optimismus dämpfen. Bensch, der als Journalist arbeitet und vier unveröffentlichte Romane in der Schreibtischschublade hat, wollte wissen: "Du willst schreiben, und wovon willst du leben?"

Nicht nur für den Autorennachwuchs heißt es also: Professionalisiert Euch! Das gleiche möchte man den Jungen Verlagsmenschen mit auf den Weg geben, die das Potential für ihren Nachwuchspreis bislang noch nicht voll ausschöpfen konnten, gerade in der Außenwahrnehmung. Vielleicht wäre ein neuer Name für den Event ein Anfang? Oder hätten Sie gewusst, was sie erwartet, wenn sie "You want to read in Frankfurt" hören? Nebenbei, auch dramaturgisch gibt es sicher noch etwas Luft nach oben.


Lesungen der Siegerin Ursuala Kirchenmayer

Samstag, 13. Oktober, um 12.00 Uhr am Stand der Frankfurter Rundschau (Halle 3.0 E170) auf der Frankfurter Buchmesse

Weitere Lesungen auf der BuchWien:
23. November, 17.00 Uhr, FM4-Bühne, Messehalle D
23. November, 20.00 Uhr, rhiz Club, Wien

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