Neuausgaben von Preußler-Klassikern

Das "Negerlein" verschwindet

Mit sprachlichen Modernisierungen will Thienemann seine Klassiker den aktuellen Lesern leichter zugänglich machen. In Otfried Preußlers Neuausgaben etwa wichsen Kinder weder Schuhe noch verkleiden sie sich als Neger oder Türken – was allerdings auch Aufregung unter Erwachsenen hervorgerufen hat.

"Es geht uns generell darum, ob  die Kinder die Texte in unseren Büchern noch durchgängig verstehen", begründet Thienemann-Verleger Klaus Willberg die sprachlichen Eingriffe. "Den Begriff 'Schuhe wichsen' kennen die Kinder heute nicht mehr, sie sagen Schuhe putzen – und der Satz von Otfried Preußlers kleiner Hexe 'Ich wichse euch mit dem Besen durch, wenn ihr nicht aufhört' ist für sie dann auch unverständlich." Auch umstrittene Wörter wie Neger oder Negerlein würden getilgt. "In Preußlers 'Kleiner Hexe' etwa verkleiden sich Kinder als Neger, Chinesenmädchen und Türke", berichtet Willberg. "Der Begriff Neger fällt künftig weg, die Kinder werden sich als etwas anderes verkleiden als Türken oder Chinesen." Derzeit arbeite eine Lektorin des Verlags in Abstimmung mit der Familie Preußler an der Modernisierung von zwei Kapiteln der "Kleinen Hexe". Sie erscheint im Juli erstmals farbig koloriert. Lange Zeit hatte sich die Familie Preußler gegen jegliche Veränderungen im Text gewandt, erst gegen Ende des vergangenen Jahres stimmte Susanne Preußler-Bitsch als Verwalterin der Werke ihres Vaters Otfried Preußler (89) zu. "An der Authentizität der Geschichte ändert sich aber nichts", so Willberg. "Auch Jim Knopf bleibt weiterhin dunkelhäutig und hat seine Pfeife im Mund, was auch schon wieder mancher bedenklich findet."

Ob des Vorhabens der Textmodernisierung nämlich erhebt sich bei Erwachsenen Protest: Nach einem kleinen Bericht in der "taz" nehmen die Entrüstungen der Online-Gemeinde kein Ende; zahllose Kommentare fordern die Beibehaltung des Originaltexts von Otfried Preußlers "Kleiner Hexe" und finden, politische Correctness und Genderisierung führe zum Ende von Literatur. "Wir haben heute in dieser Causa bereits einen 'shitstorm' erlebt, aber leider", so der Verleger, "enthielten 99 Prozent dieser Mails nur Beschimpfungen und haben sich inhaltlich nicht mit der Sache auseinandergesetzt."

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26 Kommentar/e

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  • saguenay

    saguenay

    Wie heisst das Buch? Die KLEINE HEXE??????

    Das ist ja sexistischer Rassismus und Kulturimperialismus in Reinkultur. Noch diskriminierender gehts ja nicht. Die Umschreibung des Buchtitels ist dringend erforderlich, bevor die Kinder, die das Buch lesen Amok laufen und Scheiterhaufen aufbauen.

    Die schlimmsten Gewaltexzesse vermeiden lassen sich sicher mit: "The vertically challenged Wiccan" (oder so ähnlich).

    Und als nächstes kann man sich dann um perversen Schweinkram wie die sieben Zwerge u.ä. kümmern. Kein Wunder, das in Europa ständig Weltkriege ausbrechen, bei einem derart kranken Menschenbild. Am Besten wir machen gleich Nägel mit Köpfen und bauen rhethorische Umerziehungslager. Mit freier Gehirnwäsche damit wir alle schönn saubere blütenweisse Gedanken haben.

    Apropos blütenweisse Gedanken. Den Ku Klux Klan darf man heute ja auch nicht mehr als eine Ansammlung rassistischer Arschlöcher bezeichnen. Die heissen heute "White Supermacy Activists". Schöne neue Welt.....

  • Glanz & Elend

    Glanz & Elend

    Armes Deutschland, hat so kleine Geister...

  • Joachim Herbert

    Joachim Herbert

    Ich habe vor mehr als 50 Jahren mit Mark Twains Huckleberry Finn Lesen gelernt. Der dort durchgängig verwendete "Nigger" hat mich genauso wenig zum Rassisten werden lassen wie das der neue Film von Quentin Tarantino machen wird. Dieses Übermalen von Klassikern ist so überflüssig wie gespenstisch.

    Und es wird durch Euphemismen wie "sprachliche Modernisierung" nicht besser.

  • G. Orwell

    G. Orwell

    Das Wahrheitsministerium gratuliert Thienemann zu dieser doppelplusguten Überarbeitung der diskriminierenden, faschistischen und menschenverachtenden Begriffe in sogenannten "Kinderbuchklassikern".

    Der zuständige Ministeriumsmitarbeiter begibt sich nun zum Abendessen, es gibt ein "Sinti-und-Roma-Schnitzel" und als Nachtisch "mit Schokolade überzogene Schaumzuckerware mit Migrationshintergrund". Wohl bekomms!

  • Diana Hillebrand

    Diana Hillebrand

    Lieber Verleger der "kleinen Hexe",

    doch es gibt eine inhaltliche Diskussion zu diesem Thema. Die bekannte Autorengruppe der 42er Autoren hat sich sehr sachlich mit dem Thema auseinander gesetzt. Nachzulesen auf: http://forum.42erautoren.de/wbb3/index.php?page=Th read&threadID=21327

    Beste Grüße
    Diana Hillebrand

  • Alexina

    Alexina

    Die taz-Kommentare kann man nachlesen, die sind nicht nur unsachlich. Man merkt aber schon, daß die Leute aufgebracht sind.

    Ich möchte den Kindern die alten Bücher in ihrer ursprünglichen Fassung auch nicht vorenthalten. Wie sonst kann man so einfach etwas über das Leben und Denken früherer Zeiten lernen? Kein Vorlesen mit "Papa, was ist eigentlich ...?" - "So nannte man früher ..."-Dialogen mehr? Wäre doch traurig.

    Und überhaupt Sprache ...

    "Ich vermute, daß der Grad der Pigmentierung sich umgekehrt proportional zu den intellektuellen Möglichkeiten der betroffenen Entität verhalten könnte."

    Kein böses Wort drinne. Alles fein?

  • Tintenherz, Erfurt

    Tintenherz, Erfurt

    Wann werden wieder Bücher verbrannt?
    Als Erfurter Kinderbuchhändler sind wir entsetzt über die Aussage von Herrn Willberg, Verleger des Thienemann Verlags, „es sei nötig, Bücher dem sprachlichen und politischen Wandel anzupassen“. Wer entscheidet, was politisch korrekt ist? Herr Mesghena von der Heinrich-Böll-Stiftung, die wir ansonsten sehr schätzen? Der Verleger Willberg, der auch schon mal Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V. (avj) war und so über einigen Einfluss auf die anderen Verlage verfügt? Die Familienministerin? Übrigens stammt der Terminus der „politischen Korrektheit“ aus der Zeit des Nationalsozialismus… Nach dem Oetinger Verlag, der das Wort Neger aus Pippi Langstrumpf gestrichen hat, nun also Thienemann. Wie wurde die Zustimmung der Familie Preußler gekauft?? Hat man Otfried Preußler am Ende gar gedroht, ihm die Tantiemen zu kürzen? Als nächstes wird bestimmt der mit dem Thienemann Verlag kooperierende Carlsen Verlag freiwillig „Tim und Struppi im Kongo“ gleich komplett auf den Index setzen. Wie wohl die Operette „Der Zigeunerbaron“ umbenannt wird? Wenn man unbedingt möchte, kann man in einem Vorwort zur Originalfassung darauf hinweisen, dass einige Begriffe von anderen Personen als den Autoren früher auch diskriminierend gebraucht wurden. Statt der Umbenennung halten wir es für wichtiger, alle möglicherweise diskriminierenden Begriffe wieder positiv zu besetzen. Die Schwulen und Lesben machen es vor! Die jetzt angekündigte Überarbeitung aller Kinderbuchklassiker ist für uns die Vorstufe zur Bücherverbrennung.
    Wie soll es mit unseren Kinderbuchklassikern weitergehen? Wir hoffen auf eine konstruktive Diskussion und würden uns über eine Stellungnahme Ihrerseits sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Cornelia Krummrich, Katharina Bucklitsch und Bernhard Schmidtmann

  • Joerg H.

    Joerg H.

    Ich halte die politische Argumentation des Verlages, hier auf Diskriminierungen verzichten zu wollen, für vorgeschoben und das Argument der Anpassung an den Erfahrungshorizont für viel wahrhaftiger.
    Überlegen wir doch mal: Viele Kinderbuchklassiker, die über 30 Jahre alt sind, sind von der Erfahrungswelt der heutigen Kinder und der ihnen vertrauten Sprache so weit entfernt, dass sie schon museale Patina ansetzen. Für den Verlag der weiter mit den Büchern Umsatz machen will besteht also die Gefahr, dass die Eltern die Übersetzung eben nicht leisten wollen und zu anderen Büchern, wenn überhaupt, greifen. Die Aktualisierung ist also kaufmännisch folgerichtig. Keine Zensur und kein politischer Zeitgeist schwingen hier das Zepter, sondern der gespitzte Bleistift des Kaufmanns oder die Excel-Tabelle des Controllings weisen den Weg.
    Für die Literatur ist das mindestens genauso traurig, für den Buchhandel als 'Branche' jedoch nur folgerichtig.

  • Evelin Monschein

    Evelin Monschein

    Ich denke, wenn wir einander hier auf dieser Erde alle mit Respekt und Achtung begegnen würden, wäre es müssig, sich über Begriffe und Bezeichnungen den Kopf zu zerbrechen. Man diskriminiert jemanden nicht über ein Wort oder eine Bezeichnung, sondern über Werturteile.

  • Azubi

    Azubi

    Mag ja sein, dass diese Aktualisierung für die kaufmännische Seite gut und richtig erscheint. Es ist jedoch traurig, dass so deutscher Wortschatz verloren geht. Bestes Beispiel ist das Schuhe wichsen. Da ist ja nichts böses dran.
    Und doch fangen Grundschüler an zu lachen. Weil sie von Eltern, Geschwistern oder anderen Personen eine ganz andere Bedeutung lernen.
    Warum also die Bücher anpassen? Um die Kinder zu schützen und nicht zu überfordern, oder um den Eltern die Erziehung zu erleichtern?

    Es wäre besser die Kinder würden solche Begriffe richtig lernen indem sich die Eltern mit sowas auseinander setzen. Und dieses Urige ist doch auch das besondere an Preußlers Büchern.

  • Andreas Foth

    Andreas Foth

    eigentlich gepostet beim Kommentar, aber angesichts der doch ehr dumpfen Kommentare auch hier:

    Ich bin auch kein Freund von politcal correctness um jeden Preis, aber Neger ist nunmal ein diskriminierender Begriff und im Unterschied zu Huckleberry Finn spielt ja Rasse bzw. Slang in der kleinen Hexe keine Rolle - so dass hier ohne einbuße an Historizität nachgebessert werden kann.

    Und ein in meinen Augen ganz wesentlicher Aspekt wird überhaupt nicht diskutiert - Mark Twain und Cervantes haben ein fertiges Werk hinterlassen, sind tot und können nicht gefragt werden, wie wichtig ihnene diese Worte sind. Ottfried Preußler dagegen lebt, es handelt sich also nicht nur um eine "pädagogisch korrekte" Fassung, sondern eher um eine "letzter Hand". Vielleicht will er ja gerade nicht ein Werk mit solchen Wörtern hinterlassen? (Wobei mir im anderen Artiekl aufgefallen ist, dass der Verleger nur von Rücksprache mit Familie Preußler sprach und nicht vom Autor selber, aber das müsste man klären)

    P.S. Irgendwie erinnern mich (leider auch auf taz.de) viele Kommentare an das fatale " Man wird doch noch sagen dürfen", bzw "Neger sind und bleiben halt doch Neger ..." Aber dann über Sarrazinkäufer lästern ;-)

  • Marlene Winter

    Marlene Winter

    Lieber Thienemann-Verlag,

    Mit dieser Initiative sind Sie absolut auf dem Holzweg!

    Wissen Sie denn nicht, dass der Buchtitel "Pucki als junge Ehefrau" zu einer gewissen Zeit in "Pucki als junge Hausfrau" umbenannt wurde?

    Hierzu möchte ich Ihnen einen dementsprechenden interessanten link nicht vorenthalten:

    http://www.neusprech.org

    Orwell lässt grüßen!

    Wenn das so weiter geht, werden wir in Zukunft singen:

    "Zehn - bzw. nein, nein, eine nicht auf die Anzahl festgelegte, sondern irgendeine Anzahl - wie sagt man, *lach* naja,
    also irgendwelche kleinen - NEINNEIN! STOPP!!

    Also : Normalgroße, jedenfalls nicht von der Norm abweichende - Mitbürger(innen) mit Migrationshintergrund" usw... ,
    die tanzten einmal Twist - ach, was sag ich, nein, natürlich nicht, was ist denn Twist, sie tanzten auch gar nicht, was ist denn Tanz, also sie standen sich gegenüber..., dann fiel der eine um, ach nein, irgendwie krieg ich die political correctness noch nicht ganz hin *seufz*

    Oder: "Komm, Sinti und Roma, Mann oder Frau, spiel mir was vor"...

    Oder: SintiundRomajungeodermädchen, wo bist Du, wo sind Eure Wagen... usw...

    Geht es noch verkrampfter?

    Wenn wir als Eltern nicht in der Lage sind, unseren Kindern die frühere Bedeutung der jeweiligen Vokabeln zu vermitteln, schadet es eher, als dass es nützt, wenn man sie in Neuauflagen vermeidet!

    Frohes Neues!

  • light my fire

    light my fire

    Der Name Neger kommt von negro : Schwarz auf spanisch.Negroe auf englisch. Darf man das dann auch nicht mehr sagen? Was sagt der Engländer ab sofort zur Farbe schwarz?
    Die "Farbigen" sind auch nicht BUNT, sondern eben eher Schwarz und sie nennen sich selbst z.B.als Gruppe " Black Power".Wo liegt das eigentliche Problem? Wovor haben wir Deutschen solche Angst? Die "Türken"waren früher tatsächlich noch extrem anders gekleidet als heute. Die Inder und die Osmanen nämlich trugen dickeTurbane, Pumphosen, Schärpen, Krummsäbel (Sarotti -Mohr), (Mohr kommt von Maure) Orientalen eben. Die Mauren trugen eher mehr praktische Wüstenkleidung mit Schech (Tuch oder Turban), langem Kaftan, Hosen die oben weit und und unten eng waren, aus praktischen Gründen, die Sonne ist heiß! Wenn sich Eltern die Zeit nehmen, ihren Kindern die Begriffe zu erklären, gibt es gar kein Problem mehr.Für wie dumm halten uns die Lektoren? Als die Texte geschrieben wurden, gab´s noch kein Gedankengut und keine Aufklärung über rassistisches Denken und Handel, Sklaverei und Kolonialismus waren noch ganz "normal."Da müßte man ja die komplette Weltliteratur ab 1945 abwärts durchforsten.Damals war das eben noch so. Das kann, muß ,will der Leser u.U. erklärt bekommen. Aber bitte macht den Kindern nicht die Phantasie kaputt.
    Wenn Kinder nicht fragen was Schuhwichse ist, auch ein ganz normaler Begriff früher, der erst später verunglimpft wurde, kann man es doch z.B. im Anhang erklären.Das macht man doch mit Fremdwörtern u. fremd gewordenen Begriffen auch, wie aus dem Mittelalter, dem Handwerk, u.ä. Das wäre eine Lösung, die evtl. 2 Seiten mehr für die Erklärung kosten.Problem gelöst.Text gerettet.Die Menscheheit, trinkt, raucht, schlägt sich, verurteilt, kämpft, wehrt sich , ist ängstlich ,wütend , eifersüchtig und traurig, liebt, hasst, ist mißgünstig und gierig. Das ist der Stoff aus dem Literatur besteht. Will man das alles wegrationalisieren und umschreiben oder ganz weglassen ? Dann lautet der nächste Roman so: "Es war einmal und wenn sie nicht, dann leben sie noch heute!" Oder ist "noch" auch schon zu kritisch? Diese deutsche political correctness ist solange verlogen, wie wir im realo -Leben keine Gleichheit schaffen. Artikel 1 des Grundgesetzes:"Vor dem Gesetz sind alle gleich". Nur immer noch nicht Frauen, Kinder, Tiere und Menschen, die nicht hier geboren wurden.Sind wir wirklich schon soviel weiter, als die Menschen damals?

  • Joerg H.

    Joerg H.

    Lieber Azubi,

    ich finde es auch traurig, dass hier in die Integrität des Werkes eingegriffen wird. Ich wollte vor allem darauf hinweisen, dass der Verlag sein "Produkt" hier auf den Markt ausrichtet. Ich bin ein Freund diskriminierungsarmer Sprache, aber nur aus politscher Überzeugung würde Thienemann dies sicherlich nicht machen.
    Abgesehen davon ist Preußler nicht unproblematisch und den 'Kleinen Wassermann' z.B. würde ich meinen Kindern sicherlich heute nicht vorlesen. Um das Frauenbild in dem Buch in den Griff zu kriegen, müsste man ganze Passagen komplett neu schreiben. Da reicht es nicht, einfach nur an der sprachlichen Oberfläche zu polieren. Das ist ganz anders als bei Lindgren, die in ihrem Menschenbild m.E. deutlich moderner war. Insofern hat der Verlag sogar recht - wenn da nichts modernisiert wird, wird Preußler bald aus den Regalen verschwunden sein.

  • Andrej Pfeiffer-Perkuhn

    Andrej Pfeiffer-Perkuhn

    Das ein Kinderbuchklassiker verändert werden müsse, damit iKinder ihn noch verstehen ist ein Trugschluß. Denn genau mit solchen Büchern formen Kinder ja ihren Wortschatz. Meine vierjährige Tochter ist momentan genau in dem Alter und übernimmt, zu meiner größten Freude, sehr geschliffene Formulierungen aus den Büchern von Preußler und Lindgren. Einzelne altmodische Begriffe fallen überhaupt nicht ins Gewicht, da sie auch gängigen Begriffen oft zum ersten mal begegnet und nachfragen muss.
    Bügelt man dagegen die Sprache glatt, wird auch nicht mehr als glattgebügelte Sprache beim Kind ankommen. Ich selbst habe als Kind z.B. Kästner sehr gerne gelesen obgleich dessen Sprache mir schon damals fremd war. Ich habe das aber durchasu bewußt wahrgenommen.

  • Rüdiger Richter

    Rüdiger Richter

    Es ist schon hanebüchen, was da von Herrn Willberg & Co. bei Thienemann konstruiert wird. Ist es politischer Druck im GRÜNEN Baden-Württemberg, dort kein veraltetes (und daher ja ach so unverständliches!) Gedanken- und Sprachgut weiter bestehen zu lassen? Ist es Besser-Menschentum in einem Kinder- und Jugendbuchverlag auf dem Weg, seinen bescheidenen Beitrag zu einer schönen neuen Welt leisten zu müssen?? Unternimmt man den verzweifelten Versuch, mit einer Aufpeppung der Klassiker im Haus 'frischen Schwung' in ein ansonsten eher leeres Programm bringen zu wollen??? Wann meldet sich Ditzingen, ja auch im Ländle gelegen, mit einer Neuübersetzung des "Kaufmanns von Venedig" oder anderer nicht mehr dem kurzlebigen Zeitgeist angepaßter Texte von William Shakespeare???? In jedem Fall bemüht sich Thienemann um die Errichtung einer Tragödie in mehreren Akten, die seit Jahrzehnten unverzichtbaren Werken wie "Die kleine Hexe" ihre sprachliche Authentizität, den Stil ihrer Zeit nimmt.

  • v855

    v855

    Sind die Leute vom Thienemann Verlag Kultur- Terminatoren?
    Sind die Leute vom Thienemann Verlag Sprach-Fundamentalisten ?
    Wer sind deren Hintermänner?
    Was soll damit bezweckt werden ?
    Wer will hier Kultur-Zensur betreiben ?
    Läßt Metternich grüßen ?
    Ist das eine Art von Vergangenheits- Bewältigungs- Verdrängung?
    Könnte man mal vorher das Alte, und das Neue Testament, die Thora , den Koran , die Bibeln aller anderen religiösen Sekten der Welt, die MAO - Bibel ... ... ... BEREINIGEN ?
    Soll hier Geschichtsfälschung an der Literaturgeschichte betrieben werden ?
    Wie sind die Namen derer, die sich an literarischen Werken nach der Drucklegung als Zensoren vergreifen wollen ?
    Soll dem erwachsenen Volke nachträglich das Gehirn gewaschen und den nachwachsenden Generationen nur noch Rumpfsprache vermittelt werden , indem man Teile der Sprache AUSMERZT?
    Wollen wir 'die Worte' durch Fremdworte ersetzen oder Gründen wir nach dem Vorbild der Isländer eine Sprachkommission, die neue deutsche Worte erfinden muß ? ( Dorten gibt es dazu allerdings einen ganz anderen Beweggrund als die fremdaufgepropfte ""politcal correctness"" !)

    Wollen wir alle Autoren auffordern, ihrer Bücher bei dem Verlag abzuziehen, um sie vor Sprachvergewaltigung zu schützen?

  • Leo

    Leo

    Kaum zu glauben, dass hier "gebildete" Buchhandelnde kommentieren. Ich finde es gut, dass Thienemann die Bücher von rassistischem Mief entstaubt. Wenn der Autor dem zustimmt ist es perfekt.

  • Arnim Beine

    Arnim Beine

    Wenn es sich nicht um Zensur handelt, dann könnte der Verlag doch einfach parallel zwei Fassungen, die originale und die bereinigte, herausbringen. Das wäre m. E. auch eine hervorragende Marketing Idee. Es wäre durchaus interessant zu sehen, welche Fassung sich besser verkauft. Und das Reden darüber würde den Titel in den News halten. Gar nicht auszudenken, wieviel PC-Eltern beide Fassungen kaufen würden ;-)

    Übrigens finde ich, man sollte endlich diese rassistischen Kleingruppen verbieten, die an bestimmten Tagen über ganz Deutschland ausschwärmen. Sternsinger nennt man die glaub' ich. Ich würde wetten, es gibt schon Eltern, die ihren Kindern verbieten sich als Mohr zu verkleiden. Natürlich immer mit der geballten Macht der Moral auf ihrer Seite.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Ich kann gut nachvollziehen, warum man bei Thienemann über eine Modernisierung nachdenkt. Auch für mich waren der kleine Wassermann und das kleine Gespenst wichtige Bücher in der Kindheit. Umso trauriger fand ich, dass meine Tochter damit nichts anfangen konnte. Das hat drei Gründe: zum einen sind schwarz-weiß Abbildungen einfach nicht mehr State of the Art, das macht keinen Spaß. Dann ist der Wortschatz sehr altertümlich und war das schon bei Erscheinen, Preussler hat auch da schon eine versunkene Welt beschrieben, die aber noch greifbarer war. Und drittens sind die Geschichten einfach nicht sehr gut. Die Figuren sind stark, die Charakterisierung sehr gut, aber die Story trägt nicht mehr.

    Bei jedem erfolgreichen Buch macht man überarbeitete Neuauflagen, Produktpflege, um es im Markt zu halten. Einzige Ausnahme ist Belletristik. Jetzt hat man sich schon daran gewöhnt, dass ein großer Teil der Erwachsenen heute Kinderbücher liest, was hier nicht thematisiert werden soll. Aber ob Kinderbücher deshalb der Belletristik zugeschlagen werden MÜSSEN oder ob man sie auch einfach als Kinderbücher behandeln kann, das halte ich für zumindest offen.

    Um Preussler im Markt zu halten ist die Farbigkeit, eventuell auch eine neue Illustration sinnvoll. Die Überarbeitung des Vokabulars kann man machen, halte ich aber für nicht so entscheidend. Entscheidender ist, dass die Stories oft nicht mehr tragen. Das lässt sich nicht überarbeiten. Beim Hotzenplotz ist die Story brilliant, mit der Farbigkeit ist jetzt für die Zukunft alles bereitet. Bei dem kleinen Gespenst und dem Wassermann sollte man es mit Farbe versuchen, aber ich fürchte, das wird nicht reichen.
    Die gesamte Diskussion um political correctness oder Zensur halte ich dagegen für Blödsinn. Das ist auch sicher nicht die Intention des Verlages.
    Und wer aus Nostalgie seinen Preussler genau so lesen will wie in der Kindheit, der hat ja noch sein altes Buch. Deshalb muss man aber nicht dem Rest der Welt ein museales Kulturerleben aufzwingen.

  • Tommi Brem

    Tommi Brem

    Schade finde ich, dass man sowohl Eltern als auch Kinder scheinbar für zu faul und dumm hält, die jeweiligen Passagen selbst zu erklären/zu verstehen bzw. die Entscheidung zu treffen, ein betreffendes Buch nicht oder erst später (vorzu-)lesen oder zu schenken.

    Für spannend halte ich den Hinweis auf die kaufmännische Komponente. Da ist sicherlich etwas dran. Wobei sich mir auch da der Sinn der angedeuteten Modernisierung nicht erschließt. Denn gekauft werden gerade diese Bücher von Erwachsenen, die genau diese Bücher aus ihrer Kindheit kennen. Und wie groß kann der Anteil derjenigen sein die nun sagen: "Jetzt kommen keine Negerlein mehr drin vor und sie verkleiden sich nicht mehr als Türken, da kann ich ja endlich dieses Buch kaufen."

    Hm. Das klingt beim Nachlesen sehr, sehr seltsam. Wie gruselig.

  • Elisabeth Yu

    Elisabeth Yu

    Ich finde es erschreckend, wie polemisch hier argumentiert wird. Natürlich sollte der Verlag sich Gedanken um eine Modernisierung machen. Das ist sehr begrüßenswert und es ist überhaupt nicht einsehbar, warum in diesem Zusammenhang so hysterisch und abfällig reagiert wird.

  • Stefan Wendel

    Stefan Wendel

    Aus alter Verbundenheit mit der Familie Preußler und dem Thienemann Verlag verfolge ich diese Diskussion von Anfang an mit und reibe mir die Augen angesichts dieses Sturmes im Wasserglas und der Geschütze, die hier (zum Teil auch noch anonym!) aufgefahren werden. Ich kann dem 89-jährigen Herrn Preußler nur wünschen, dass er möglichst wenig davon mitbekommt. Vergleiche mit Dickens oder Twain tragen hier nämlich nicht: Der Urheber der "Kleinen Hexe" lebt und erfreut sich hoffentlich bester Gesundheit. Nicht der Verlag entscheidet hier eigenmächtig, wo etwas geändert wird, sondern der Urheber selbst - auch wenn er aus Altersgründen verständlicherweise nicht mehr in der Öffentlichkeit auftritt oder sich selbst zu Wort meldet, sondern sich bei allen wichtigen Entscheidungen in Sachen Werkpflege von seinen Töchtern gewissenhaft und mit viel Liebe für die Werke beraten und vertreten lässt. Wer sich mit Preußler beschäftigt hat, der weiß zudem, dass er sich selbst der Tradition des mündlichen Erzählens zurechnet (siehe seine äußerst lesenswerte literarische Autobiografie "Ich bin ein Geschichtenerzähler"). Preußlers Geschichten dienten der Unterhaltung seiner Schüler, als er noch im Schuldienst war - keine Klasse hat folglich seine Geschichten in der exakt gleichen Fassung gehört. Sie haben sich schon im Entstehungsprozess immer wieder verändert, da der Erzähler auf die Reaktionen seines Publikums eingegangen ist. Preußler hat seine Texte nicht in Stein gemeißelt und als Urheber hat er alles Recht der Welt, sich nach Belieben und Dafürhalten den Sprachgewohnheiten seines heutigen Publikums anzupassen. Alle, die jetzt schon urteilen, sollten besser abwarten, bis das Ergebnis vorliegt.

  • fabrice Etienne Simo

    fabrice Etienne Simo

    Das Wort nigger ist für Deutsch normal, aber was ist mit Kinder die in der Schule ständig damit gemaubt werden?
    für mich reicht das überhaupt nicht. Niggerküss, was soll das denn bedeuten? es ist wirklich traurig für die Zukunft und für unseren Kindern. Es ist was anderers wenn man das sagt, aber was ist mit die die ständig damit zu tun haben? ich meine die nigger. die jede Tag damit gemaubt werden?

  • Susanne Helene Becker

    Susanne Helene Becker

    Liebe Aufgeregte,
    inhatlich lässt sich viel dazu sagen, ob literarische Texte sakrosankt sind oder nicht. Wenn ich daran denke, wie häufig schon Neuübersetzungen von Werken der sog. Weltliteratur enthusiastisch als die endlich wahre, schöne, gute Übersetzung gefeiert wurden und wenn ich dann diese Kommentare lese, ist mir dann doch mal nach einer kleinen "Belehrung": Niemand der sich hier bekennenden Leser hat DEN "Huck Finn" gelesen und DIE "Pippi Langstrumpf". Sie glauben es nur.

    Fakt ist, dass Kinderliteratur (fast) schon immer bearbeitet wird. Und das nicht nur im 19., sondern auch im 20. und 21. Jahrhundert: Heidi, Trotzkpf, Robinson Crusoe, Nesthäckchen, Blauvogel, Der Wind in den Weiden - überhaupt: Klassiker ...

    Es wird nur nicht immer darauf hingewiesen, was natürlich mehr als eine philologische Nachlässigkeit ist.
    Der Thienemann Verlag spricht nun aus, was mit dem Text geschieht - und löst mit diesem Einblick seine Editionspraxis eine große Errregung aus. "Stuss, wenn ihr mich fragt." (Hagrid)
    Die über die Jahre immer wieder vorgenommenen Eingriffe in beispielsweise die deutschen Übersetzungen von Astrid Lindgrens Werk haben nur wenige Menschen bemerkt und noch nicht mal viele Literaturwissenschaftlerinnen. Und von Mark Twains Tom- und Huck-Romanen gbit es zig verschiedene Übersetzungen und Bearbeitungen.
    Warten wir doch mal ab, wie sich der neue Text lesen wird und wie der Verlag mit den Änderungen umgeht. Die "alte"- und ganz vielleicht sogar originale Version - ist ja noch zu haben.
    Freuen wir uns doch erstmal über die philologische Sorgfalt, die uns (mal wieder) auf die interessante Frage aufmerksam gemacht hat, ob Kinder in ihrer Zeit jeweils historische Kinderlteratur auch als solche rezipieren. Und ob wir das wollen können.

  • Regina Stoll

    Regina Stoll

    Soeben habe ich von dem Vorhaben des Verlages erfahren, bei Otfried Preußlers Büchern und anderen gewisse Bezeichnungen wie Negerlein und ähnliches zu streichen bzw. andere Worte dafür zu finden.Dagegen möchte ich heftig protestieren.
    Das "Negerlein" ist gewiß nicht diskriminierend gemeint, sondern das Kind verbindet damit ein bestimmtes Bild von kleinen schwarzen Menschen. Was ist hier dabei? Warum sollte man das Lied von den zehn kleinen Negerlein nicht mehr singen? Ich glaube kaum, daß die Schwarzen in Afrika deshalb beleidigt wären. Also, Finger weg von der wunderbaren Literatur für Kinder.

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