Neue Kinder-Hörbücher

Dino-Hamster und Robotermädchen

Hörbücher fördern die Konzentrationsfähigkeit – aber am wichtigsten ist doch der Spaßfaktor. Zehn unwiderstehliche Titel, die Kinder immer wieder hören werden. VERENA HOENIG

© przemekklos / photocase.de

Für ein lehrreiches akustisches Abenteuer sorgen zehn kleine Burggespenster: Gespenst Marti sucht nach einem schwarzen Kollegen, der Blumen umknickt und Torte wegfuttert. Je mehr Artgenossen Marti befragt, des­to bedrohlicher wirkt der Unbekannte. Jede weitere Übeltat wird nun automatisch ihm unterstellt. Als Rufus, so heißt er, leibhaftig vor der Geisterschar steht, erweist er sich aber als völlig harmlos. "Wer hat Angst vorm schwarzen Gespenst?" (Argon, 1 CD, 87 Min., 12,95 Euro, ab 5) zeigt, wie schnell die Gerüchteküche brodelt und jemand zum Sündenbock werden kann. Volker Niederfahrenhorst macht aus jedem Gespensterkind akustisch ein Individuum: Luzi lispelt, Balduin näselt und Bibbi bibbert. Ein Riesenvergnügen!

Mit "Jeremy James. Elefanten sitzen nicht auf ­Autos" (Igel Records, 1 CD, 62 Min., 12,99 Euro, ab 5) gibt es seit 40 Jahren was zu lachen. Wie Jeremy das Verhalten der Erwachsenen treuherzig hinterfragt und die Regeln ihrer Welt zu verstehen versucht, ist absolut zeitlos. Zum 80. Geburtstag des Autors David H. Wilson wurde der Kinderklassiker als Buch und als Hörbuch neu aufgelegt. Wie schön, die Stimme Hermann Lauses wiederzuhören, der leider 2005 starb.

Ebenfalls eine Jubiläumsausgabe ist "Das große Hörbuch von Paul Maar" (Oetinger audio, 3 CDs, 180 Min., 14,99 Euro, ab 6). Geschichten und Gedichte bezeugen den Wortwitz Maars, der am 13. Dezember 80 Jahre alt wird. Sage und schreibe 13 Sprecher laufen hier zum Geburtstag als kleines Känguru, Sams oder Lippel zur Höchstform auf.

Albert Einstein, Erich Kästner und Thomas Mann bewunderten ihre schnodderig-zärtlichen Großstadtverse: Nachdem Mascha Kaléko 1938 mit Mann und zweijährigem Sohn in die USA emigriert war, schrieb sie vor allem Reklametexte, um die Familie über Wasser zu halten – und nebenher Kindergedichte. Jetzt geben zehn Interpreten 95 ihrer witzigen und verspielten Reime für Kleine zum Bes­ten – dabei berlinert es nicht wenig ("Träume, die auf Reisen führen", Jumbo, 1 CD, 60 Min., 15 Euro, ab 6). Kaléko zählt zu den meistgelesenen deutschen Lyrikerinnen.

Haben Sie schon einmal etwas von einem "Hamstersaurus Rex" (Silberfisch, 2 CDs, 176 Min., 12,99 Euro, ab 8) gehört? Nicht? Nun, es gibt auch nur ein einziges Exemplar, und das ist streng ­geheim: Der Klassenhamster mutiert nach dem Genuss von Proteinpulver zum Chaos stiftenden und knurrenden Dino-Hamster, auch wenn er so groß wie ein Muffin bleibt. Heimlich nimmt Tom O'Donnells zwölfjähriger Ich-Erzähler Sam ihn mit nach Hause, denn das Minimonster ist in Gefahr. Vielleicht kann es Sam ja im Kampf gegen den größten Mobber der Schule beistehen? Fellknäuelstark liest Julian Horeyseck den Serienauftakt, der vor allem Jungs gefallen wird.

Vom Fell zum Metall: Das Robotermädchen Roz findet sich auf einer einsamen Insel wieder. Wie ist sie hierhergekommen? Indem sie geduldig ein Gänseküken aufzieht und durch ihr freundliches Wesen gewinnt Roz das Zutrauen der Inseltiere, die dem "Blechmonster" zunächst feindselig gegen­überstehen. Acht Jahre arbeitete Peter Brown an "Das Wunder der wilden Insel" (DAV, 4 CDs, 316 Min., 16,99 Euro,  ab 10). Stimmzauberer Stefan Kaminski hat die "wunderschöne Geschichte von Zusammenhalt, Trennung und Liebe" nach eigenem Bekunden sehr gefallen – und so interpretiert er sie voller Hin­gabe. Klasse, wie er Roz lachen lässt!

Auch Rainer Bielfeldts Klavierbegleitung lohnt den Kauf eines Hörbuchs allemal. Aber auch ohne Musik wäre Jakob Wegelius' "Esperanza" (Sauerländer audio, 2 CDs, 164 Min., 14,95 Euro, ab 10) etwas Besonderes. Wie der kleinwüchsige Halidon sich voller Sehnsucht auf die Suche nach seinem verschwundenen Freund begibt, lässt keinen kalt. Gesprochen wird die gefühlvolle Parabel von Jens Wawrczeck.

Ei­ne maskierte Person bedroht in "Was wir dachten, was wir taten" (Hörcompany, 3 CDs, 259 Min., 14,95 Euro, ab 13) die Schüler einer Klasse samt Lehrer und zwingt sie, ihre tiefsten Geheimnisse preiszugeben: Die Befehle des Unbekannten werden dabei immer brutaler. Ans Licht kommen Arroganz, Diebstähle, Mitläufertum, Lügen und Magersucht. Erzählt wird aus drei Perspektiven. Das psychologische Kammerspiel der erst 19-jährigen Lea-Lina Oppermann, die für dieses Debüt mit dem Hans-im-Glück-Preis ausgezeichnet wurde, lesen Birte Schnöink, Julian Greis und Sebastian Rudolph grandios.

Ein Horrorszenario anderer Art erlebt die Studentin Nika nach einem rätselhaften Blackout. Der aktuelle Jugendthriller "Aquila" (Der Hörverlag, 1 MP3-CD, 713 Min., 16,99 Euro, ab 14) der Bestsellerautorin Ursula Poznanski treibt die Protagonistin, und mit ihr den Hörer, durch das italienische Siena – auf der Suche nach der Wahrheit. Nika steht nämlich unter Verdacht, ihre Mitbewohnerin ermordet zu haben. Laura Maire, zweimalige Trägerin des Deutschen Hörbuchpreises, erzeugt Hochspannung, indem sie die Stimmung immer wieder gekonnt und wie beiläufig kippen lässt.

Das Wissenschaftsjahr, ausgerufen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Initia­tive Wissenschaft im Dialog, steht 2016 / 2017 unter dem Motto "Meere und Ozeane". Stephanie Jaeckels ebenso aufwendig wie kurzweilig inszeniertes Wissenshörspiel "Unser Meer. Kimmo und Saki entdecken die Unterwasserwelt" (Headroom, 1 CD, 76 Min., 12,90 Euro, ab 8) macht es jedem leicht, sich dem Thema zu nähern. Sind Korallen Tiere oder Pflanzen? Was ist ein Schwarzer Raucher?

Neben vielen anderen wirkt auch Frank Schätzing mit – Sie wissen schon, der Autor von "Der Schwarm". Zur Erheiterung tragen die plattdeutsch schnackenden Fische bei. Enthalten ist auch ein ausführliches Booklet.

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