Neue Romane und Hörbücher mit göttlichen Helden

Allzu menschlich

Göttersagen beflügeln die Fantasie junger Leser – auch oder gerade in einer durchrationalisierten Welt. Neue Bücher und CDs über Zeus und Co. MAREN BONACKER

© migfoto - stock.adobe.com

Schaut man sich genauer an, welche Göttergeschichten am Markt vertreten sind, dann gewinnen klar die alten Griechen! Zeus & Co. behaupten ihren Spitzenplatz sowohl beim Kinder- und Jugendbuch als auch beim Hörbuch. "Das Thema ist wie für uns gemacht", freut sich Melanie Asche von Igel Records. Das Label hat seit mehr als 20 Jahren Hörbücher mit Sagen im Programm, angefangen bei den "Griechischen Sagen für Kinder" von Dimiter Inkiow (CD, 46 Min., 5 Euro). "Die Titel sind zugleich Schwerpunkt und Best­seller", so Asche. "Götter sind bei uns schon lange ein sehr erfolgreiches Thema!"

Aktuell lohnt es sich, einzelne Götter in Frank Schwiegers mythologischem Potpourri "Die Welt der Fabelwesen" (Igel Records, 2 CDs, 152 Min., 15,99 Eu­ro) kennenzulernen, die von Peter Kaempfe so mitreißend gelesen werden, dass die Geschichten nicht nur Kinder mühelos in ihren Bann ziehen.

Wem die kleinen Einblicke hier nicht reichen, der kann sich mit "Ich, Zeus und die Bande vom Olymp" (dtv junior, 256 S., 12,95 Eu­ro) an Göttern und Helden von A bis Z ­sattlesen – oder satthören, denn auch dieses Buch von Frank Schwieger gibt es bei Igel Records in einer grandiosen Hörbuch­fassung auf fünf CDs, gelesen von den Größen der deutschen Kinderhörbuchszene; 320 Min., 29,99 Euro).

Der dtv-­Titel liegt voll im Trend: Im Stil eines Freundebuchs beginnt jedes Kapitel mit einer übersichtlichen Doppelseite, die Vorlieben, Schwächen und Herkunft der jeweiligen Gottheit (oder des Helden) skizziert. Danach kommt die Figur selbst zu Wort und erzählt bekannte mythologische Schlüsselszenen mit Insiderwissen. Durch den lockeren Tonfall lassen sich diese von Ramona Wultscher pfiffig illustrierten Geschichten unterhaltsam lesen.

Im Hörbuch sorgen die vielen verschiedenen, bekannten Stimmen ("Hey, das ist doch Geronimo Stilton, der da liest!") für Abwechslung. Ein wunderbarer Einstieg in die Welt der antiken Mythologie, der sich in der Hörfassung schon für Kinder ab 7 Jahren eignet, ohne Weiteres aber auch ältere Kinder begeistert.

Witzig und gut gemacht ist auch Maz Evans' Konfrontation mit den griechischen Göttern, die im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel in El­liots ohnehin schon recht kompliziertes Leben purzeln. Im Bestreben, alles gut und richtig zu machen, "helfen" Zeus und seine Familie in "Die Götter sind los" (Chicken House, 336 S., 14,99 Euro) dem zwölfjährigen Protagonisten – ­allerdings, ohne sich mit menschlichen Befindlichkeiten wirklich gut auszukennen. Als Elliot im Gegenzug versehentlich den Todesdämon Thanatos befreit, steht nichts Geringeres als der Welt­untergang ins Haus – es sei denn, Menschen und Götter tun sich endlich zusammen.

In dem Kinderbuch ab 11 treten die Götter inkognito auf – und auch in ­Marah Woolfs "Götterfunke"-Saga, die sich eher an jugendliche Leserinnen richtet, wollen die Götter nicht erkannt werden (Dressler, Bd. 1, 464 S., 18,99 Eu­ro). Sie kommen auf die Erde, um einem ­uralten Spiel beizuwohnen, bei dem Prometheus es schaffen muss, ein Mädchen mal nicht um den Finger zu wickeln. Erst wenn er auf Ablehnung trifft, wird er von seiner ewigen Qual befreit, die Zeus ihm einst als Strafe auferlegt hat. Romantischer Teenie-Stoff in bester Stephenie-Meyer-Tradition.

Auch von Percy-Jackson-Erfinder Rick Riordan, der zweifelsfrei das Seine zum Griechen-Boom beigetragen hat, ist eine neue Serie auf den Markt gekommen, die begeisterte Leser wieder mit ins Camp Half-Blood nimmt: "Die Abenteuer des Apollo" (Carlsen, 400 S., 17,99 Euro). Im Mittelpunkt steht der sehr von sich überzeugte 16-jährige Lester Papadopoulos alias Apollo, der aber zugleich pickelig, unbeholfen und mit Speckröllchen daherkommt – Zeus' ganz eigene Art, seinen Sohn abzustrafen. Mit dem arroganten Göttersohn und der pfiffigen, 12-jährigen Meg, die ihm zur Seite gestellt wird, hat Riordan einmal mehr grandiose Helden erschaffen, die nicht nur die Herzen erklärter Fans im Sturm erobern werden.

Bei diesem Erfolg der griechischen Göttern ist es klar, dass ihre nordischen Kollegen ein wenig an den Rand gedrängt werden. Dabei stehen Odin, Thor & Co. den Griechen in Witz und Spannung in nichts nach. Kennenlernen kann man sie etwa in ­Roger Lancelyn Greens Buch "Sagen und Mythen der nordischen Götter" (Arena Kinderbuch-Klassiker, 279 S., 8,99 Euro).

Oder man steigt mit Neil Gaimans phantastischem Buch "Der ­lächelnde Odd und die Reise nach Asgard" (Arena, 124 S., 15 Euro) ins Thema ein – und lässt sich von den einzig­artigen Schwarz-Weiß-Illustrationen von Chris Riddell begeistern. Erzählt wird hier ein frostiges Märchen voller Bauernschläue, das den verkrüppelten Jungen Odd in die Welt der Götter bringt, wo er Odin, Thor und Loki aus einer überaus misslichen Lage befreien muss. Ein Kunstwerk und absolutes Muss für die Fangemeinde von Gaiman, Riddell und nordischen Göttern!

Das Schlusslicht bilden die germanischen Götter, doch dank Frauke Scheunemann und ihrem Titel "Henry Smart. Im Auftrag des Götterchefs" (Oetinger, 288 S., 16,99 Euro) sind sie in diesem Bücherherbst wenigstens überhaup vertreten! Held der Geschichte ist Henry Smart. Der Junge fürchtet, dass er sich während der Ferien in Bayreuth an der Seite seines theaterbegeisterten Vaters zu Tode langweilt. Doch es kommt anders: An Henrys Seite können Leser ab 10 miterleben, wie viele germanische Götter bei den Festspielen und in der Pizza-Gastronomie mitmischen. Plötzlich steckt die Hauptfigur mittendrin in einem turbulenten Mix aus Götterdämmerung und Agententhriller. Die rebellische Hilda begleitet ihn dabei.

Das Buch schlägt die Brücke von Percy Jackson zu den Bayreuther Festspielen – und lässt die germanische Mythologie dabei um einiges interessanter erscheinen als die Festspiele ...
Götter sind also einige unterwegs, in Büchern wie in Hörbüchern – und der Trend weitet sich durchaus auch auf All-Age-Fantasy und Erwachsenentitel aus. Drum Augen auf beim Buchverkauf –  denn wer weiß schon, welche Götter gerade die Wünsche der Leser lenken?!

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