Personalsuche - aber richtig

Erfolgsfaktor Mitarbeiter

Die alten Methoden der Personalauswahl funktionieren nicht mehr – und doch schauen noch immer zu viele Unternehmen bei Bewerbern vor allem auf Lebenslauf und Zeugnisse. Dabei wird es mehr und mehr darauf ankommen, nicht den objektiv besten, sondern den "richtigen" Mitarbeiter zu finden und zu halten. MARCUS SCHUSTER

Dass sich Unternehmen in bestimmten Branchen in Zukunft bei potenziellen Mitarbeitern bewerben müssen – und nicht mehr umgekehrt –, ist in der Wirtschaft bereits seit Längerem bekannt. Digitale Transformation, Fachkräftemangel und der demografische Wandel führen teilweise schon heute zu einem Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte.

Nicht umsonst haben Barbara und Edgar Geffroy ihr jüngstes Buch "Die neue Macht der Mitarbeiter" genannt, Unter­titel: "Wie man Mitarbeiter gewinnt, begeistert und hält" (­Gabal, 232. S., 24,90 Euro). Mit ihrer "Employer Clienting"-Methode überträgt das in Coaching- und Beraterkreisen bekannte Autorenpaar sein Anfang der 90er Jahre entwickeltes Konzept zu partnerschaftlichen Kundenbeziehungen nun auf die Mitarbeiter.

Dabei geht es nicht um irgendwelche Mitarbeiter, sondern um die "richtigen" an den "richtigen" Stellen im Unternehmen. Sie werden in Zukunft zum Erfolgsfaktor Nummer 1, sind sich die Geffroys ­sicher – sie zu finden, zu motivieren und zu halten, wird zur Königsaufgabe. Denn die Produktivität und letztlich der Fortbestand eines Unternehmens werden vor allem davon abhängen, welches Personal es hat (und ob es überhaupt welches hat). Anders gesagt: "Die Beziehungsqualität zu den Mitarbeitern ist der wichtigste Aktivposten zukünftiger Firmen­bilanzen." Dass ihnen die "richtigen" Mitarbeiter fehlen, ist für Unternehmen schon aktuell die größte Wachstumsbremse.

Umso paradoxer scheint die Tatsache zu sein, dass sich "die Rituale der Personalauswahl in den vergangenen 50 Jahren so gut wie gar nicht verändert haben – während sich in derselben Zeit der Markt für Arbeitskräfte massiv gewandelt hat". ­Lebenslauf, Zeugnisse, Berufserfahrung und letztlich der persönliche Eindruck im Vorstellungsgespräch – diese Methoden reichen aus Sicht der Düsseldorfer Autoren nicht mehr aus, um Stellen adäquat zu besetzen. "In Zukunft wird es immer mehr um die Frage gehen, über welche emotionale Intelligenz der Bewerber verfügt."

Mit ihrem Buch plädieren sie dafür, ein "Mitarbeiterrekrutierungssystem" einzusetzen, das auf den Potenzialen des Einzelnen basiert und den Auswahlprozess perfektioniert. Dazu gehört, eine valide Eignungsvorhersage des Bewerbers zu erstellen (mittels der Employer-Clienting-Potenzialanalyse) – und früh zu projizieren, wie er oder sie ein bestehendes Team ergänzen kann.

Generell empfehlen die Geffroys, beim Recruiting durchaus auch mal ausgetretene Pfade zu verlassen. So können zum Beispiel zu viele Mitarbeiter mit gleichen oder ähnlichen Fähigkeiten – also Menschen, die sich vielleicht deswegen besonders sympathisch sind – Teams lähmen, weil die entsprechenden Gegenpole fehlen. Ebenso raten sie von großflächigen Entlassungen oder Outsourcing in wirtschaftlich schweren Phasen ab: "Die Folgekosten von Personalabbau werden allgemein stark unterschätzt." Denn mit jedem geschassten Mitarbeiter gehen dem Unternehmen Wissen und Netzwerke verloren, ganz abgesehen von der Wirkung auf die verbleibende Belegschaft. Da kann auch keine Motivation mehr wettmachen, "was schon bei der Personalauswahl oder durch Entlassungen versäumt wurde".

Trotz Automatisierung von bestimmten Jobs werden "hoch qualifizierte Mitarbeiter mit Lösungskompetenz weiterhin die begehrteste Gruppe auf dem Arbeitsmarkt stellen", schreiben Barbara und Edgar Geffroy. Mit ihrem Buch wollen sie vor allem mittelständischen Unternehmen bei ihren Rekrutierungsprozessen helfen – und spielen dabei einen solchen komplett durch, von der Erstellung eines Tätigkeitsprofils über die Bewerberselektion bis zur Einstellung. Weitere Kapitel befassen sich unter anderem mit Führung und Motivation – also mit dem täglichen Bemühen, einmal gewonnenes Personal zu halten –, mit den Umwälzungen durch die Digitalisierung, mit der titelgebenden neuen Macht der Mitarbeiter. Und: mit Mobbing.

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