Plagiatsaffäre

C.H. Beck liefert "Große Seeschlachten" nicht weiter aus

Der Verlag C. H. Beck hat die gegen das Buch "Große Seeschlachten. Wendepunkte der Weltgeschichte von Salamis bis Skagerrak" von Arne Karsten und Olaf B. Rader erhobenen Plagiatsvorwürfe gründlich geprüft und beschlossen, "das Buch nicht weiter auszuliefern".

Den Vorwurf Arne Jannings, das Buch sei vollständig aus Wikipedia-Artikeln zusammenkopiert, hält der Verlag für "abwegig". In den sechs von Arne Karsten verfassten Kapiteln finde sich kein einziges nicht nachgewiesenes Zitat (mit Ausnahme von zwei von Olaf Rader verfassten Bildtexten).

In den von Olaf Rader verfassten Kapiteln (einschließlich Epilog) hingegen habe man eine Reihe von nicht nachgewiesenen Zitaten festgestellt. Als "besonders problematisch" habe sich das Kapitel 9 ("Trafalgar") erwiesen, weil sich hier die Schilderung des Schlachtablaufs eng an den 2003 von Thomas Siebe im Internet publizierten Artikel "Mythos Trafalgar" anlehne.

Der Verlag entschuldigt sich in seiner Stellungnahme für die nicht kenntlich gemachten Übernahmen; Mitautor Olaf Rader "bedauert die nicht nachgewiesene Nutzung fremder Texte zutiefst".

Der ebenfalls von Arne Janning erhobene Vorwurf, die Autoren hätten zweckwidrig DFG-Mittel eingesetzt, ist laut Verlag falsch. Das Buchprojekt sei nachweislich nicht von der DFG gefördert worden.

Neben vergleichender Lektüre kamen bei der Prüfung zwei Plagiatsprogramme (darunter "iThenticate") zum Einsatz.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie als PDF-Dokument unterhalb der Meldung.

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4 Kommentar/e

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  • Buchleser

    Buchleser

    Endlich hat den Betrügern wer das Handwerk gelegt!

  • André Thiele

    André Thiele

    Die Reaktion von C. H. Beck ist erfreulich und souverän. Sollte sie die Realität abbilden, muß man den Casus wohl wie folgt zusammenfassen:

    Hätten Arne Karsten und Olaf Rader so schlampig gearbeitet wie Arne Janning, wäre die Sache ein Skandal.

    So ist der Vorgang wohl nur ein ernstes Ärgernis.

    Die vom Verlag aufgeworfene Frage nach der Rolle von Wikipedia in der wissenschaftlichen und sonstigen Literatur ist absolut berechtigt, auch wenn sich wohl keine einheitlich durchsetzbare Lösung finden lassen wird.

  • Joerg Hopfgarten

    Joerg Hopfgarten

    Ärgernis trifft es richtig, die Spitze gegen Arne Janning kann ich jedoch nicht teilen - er ist aus meiner Sicht nicht mehr als ein verärgerter Kunde, der seinem Ärger Luft gemacht hat. Es steht uns als Branche nicht gut, darauf mit Gegenangriffen zu reagieren.

    Was Wikipedia angeht: Ein Zitat ist ein Zitat. Wenn ich sie dafür benutze, zitiere ich sie - auch, weil ich urheberrechtlich dazu verpflichtet bin und ich ohne Quellenangabe laut CC-Lizenz das kein Recht zur kostenlosen Übernahme habe. Wenn die Wissenschaft nicht will, dass ich Wikipedia zitiere, dann kann ich sie nur als Recherche-Tool benutzen - d.h. ich muss alles anhand der in der Wikipedia angegebenen Primärtexte verifizieren und kann dann diese zitieren. Alles andere ist nicht unbedingt ein Plagiat, aber eindeutig eine Täuschung.

  • René Kohl

    René Kohl

    Weil der Beck Verlag eine Diskussion "um den Umgang mit digitalen Publikationen...begrüßt", hier mein Feedback:

    "Jeder benutzt sie, keiner zitiert sie - das scheint bisher die Devise zu sein. " ist ein überraschend saloppes Statement des Verlags, finde ich.

    Ich finde es total akzeptabel, Wikipedia als Inspirations- und auch Materialquelle zu verwenden - aber natürlich sollte sie auch benannt (und geprüft) werden - das ist ja auch ohne weiteres möglich.

    Wenn man Wikipedia benutzen, aber nicht zitieren will, sollte man aber auf nahezu wörtliche Textübernahmen (wie bei einer Bildunterschrift aus Kapitel 6 des Buches) definitiv verzichten:

    Buch: Ali Pascha verliert seinen Kopf: Als Landsoldat war der osmanische Flottenkommandant Ali Pascha weniger ein versierter Taktiker als vielmehr ein draufgängerischer Kämpfer, und so suchte er bei Beginn der Schlacht sofort das direkte Duell. Sein Flagschiff Sultana kämpfte Bordwand an Bordwand mit der Real Don Juans. Ali Pascha wurde durch Musketenfeuer zunächst schwer verwundet und dann trotz des Befehls, ihn lebend gefangen zu nehmen, von einem spanischen Soldaten enthauptet. Seinen Kopf stellte man auf einem Spieß zur Schau.

    Wikipedia: Noch sehr jung, wie auch sein Gegenspieler Don Juan, und zudem eigentlich kein See- sondern ein Landsoldat, war Ali Pascha weniger ein versierter Taktiker als ein draufgängerischer Kämpfer. Bei Beginn der Schlacht suchte er sofort das direkte Duell mit seinem Gegenpart. Sein Flaggschiff, die Sultana, kämpfte Deck-an-Deck mit Don Juan's Real. Dabei wurde Ali durch Musketenfeuer schwer verwundet, fiel nieder, und wurde, trotz des Befehls, ihn lebend gefangen zu nehmen, von einem übereifrigen spanischen Soldaten geköpft. Sein Kopf wurde auf einem Spieß zur Schau gestellt.


    Unser Kunden gehen davon aus, erwarten mittlerweile vielleicht sogar, dass auch Wikipedia zur Recherche herangezogen wird. Wir müssen das nicht verbergen, und wir entwerten Bücher nicht, in denen das geschieht.

    Nur: Wenn mir als Buchhändler ein Kunde sagt: »Das kann ich auch umsonst im Internet lesen...«, wird es ungemütlich.

    Das Buch, für das man Geld bezahlt, muß sich gegenüber dem kostenlosen Wikipedia-Eintrag durch einen Mehrwert auszeichnen. Der Verweis auf den Kontext, in den die Autoren ihr Material incl. der Wikipedia-Texte stellen, ist sicherlich richtig, den Käufer darf am Ende dennoch eine elegantere Bearbeitung des Textes oder einen offensivere Angabe der Quelle erwarten. Beides zu lassen ist jedenfalls die schlechteste Lösung.

    Den Einsatz von Plagiatssioftware in Verlagen finde ich in diesem Zusammenhang sinnvoll - man muss dies ja nicht gleich als Mißtrauensbeweis gegenüber den AutorInnen werten, sondern kann es auch als Serviceleistung beschreiben.

    Ich finde, bei aller berechtigter Kritik daran dass Janning in seinen Vorwürfen überzogen hat, auf jeden Fall gut und richtig, dass er das Fass aufgemacht hat.

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