Bildergalerie: Rumänien

Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse von Nils Kahlefendt

Rumänien, zwischen Ost und West gelegen, würde in Europa gern eine Brückenfunktion übernehmen. Seit der politischen Wende verließen vier Millionen Rumänen ihre Heimat, zu viel für ein Land mit einer Bevölkerung von 20 Millionen. Auch in der Hauptstadt Bukarest sind die Gegensätze, die Rumänien heute kennzeichnet, mit Händen zu greifen.

Rumänien, zwischen Ost und West gelegen, würde in Europa gern eine Brückenfunktion übernehmen. Seit der politischen Wende verließen vier Millionen Rumänen ihre Heimat, zu viel für ein Land mit einer Bevölkerung von 20 Millionen. Auch in der Hauptstadt Bukarest sind die Gegensätze, die Rumänien heute kennzeichnet, mit Händen zu greifen.

© Nils Kahlefendt

Andrei Pleșu, in den 1990er Jahren rumänischer Kultur- und Außenminister, hat mit seinem von Wolf Lepenies und dem Berliner Wissenschaftskolleg inspirierten New Europe College eine Miniatur-Schweiz mitten in Bukarest geschaffen: „Wir brauchten einen Ort, wo für die gebeutelte Wissenschaft ein bisschen Normalität, ein bisschen Europa möglich ist. Rumänien ist 2007 in die EU eingetreten – mit diesem Institut sind wir schon seit 1994 Teil der europäischen Forschungs-Union.“

Andrei Pleșu, in den 1990er Jahren rumänischer Kultur- und Außenminister, hat mit seinem von Wolf Lepenies und dem Berliner Wissenschaftskolleg inspirierten New Europe College eine Miniatur-Schweiz mitten in Bukarest geschaffen: „Wir brauchten einen Ort, wo für die gebeutelte Wissenschaft ein bisschen Normalität, ein bisschen Europa möglich ist. Rumänien ist 2007 in die EU eingetreten – mit diesem Institut sind wir schon seit 1994 Teil der europäischen Forschungs-Union.“

© Nils Kahlefendt

In Rumänien werden rund 20 Millionen Bücher pro Jahr verkauft, theoretisch eines pro Einwohner. Doch die Zahl der aktiven Leser ist weitaus geringer. Bei einem Durchschnittslohn von 500 Euro bleibt wenig Geld für Lektüre übrig – davon profitiert auch dieser Straßenkiosk in Bukarest mit billigen Gebrauchtbüchern.

In Rumänien werden rund 20 Millionen Bücher pro Jahr verkauft, theoretisch eines pro Einwohner. Doch die Zahl der aktiven Leser ist weitaus geringer. Bei einem Durchschnittslohn von 500 Euro bleibt wenig Geld für Lektüre übrig – davon profitiert auch dieser Straßenkiosk in Bukarest mit billigen Gebrauchtbüchern.

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Von den offiziell gelisteten mehr als 6000 Verlagen sind praktisch weniger als 100 mit eigenem Portfolio und konsistenter Strategie unterwegs, schätzt Mihai Mitrica, Chef des rumänischen Verlegerverbands. Der Markt werde von schlecht zusammengeworfenen Kompilationen dominiert, die Mitrica „Geister-Bücher“ nennt: „legale Buch-Piraterie, mit Billigung des Staates“.

Von den offiziell gelisteten mehr als 6000 Verlagen sind praktisch weniger als 100 mit eigenem Portfolio und konsistenter Strategie unterwegs, schätzt Mihai Mitrica, Chef des rumänischen Verlegerverbands. Der Markt werde von schlecht zusammengeworfenen Kompilationen dominiert, die Mitrica „Geister-Bücher“ nennt: „legale Buch-Piraterie, mit Billigung des Staates“.

© Nils Kahlefendt

Während es in Rumänien nur sehr wenige kleine unabhängige Buchhandlungen gibt, lockt die Kette Cărtureşti mit Buchkaufhäusern in tollem Ambiente, besonders in Bukarest: Cărtureşti Carusel in der Leipziger Straße etwa, ein Stadtpalais aus dem 19. Jahrhundert, hat sich 2015 in einen Bücher- und Medientempel auf sechs Etagen verwandelt.

Während es in Rumänien nur sehr wenige kleine unabhängige Buchhandlungen gibt, lockt die Kette Cărtureşti mit Buchkaufhäusern in tollem Ambiente, besonders in Bukarest: Cărtureşti Carusel in der Leipziger Straße etwa, ein Stadtpalais aus dem 19. Jahrhundert, hat sich 2015 in einen Bücher- und Medientempel auf sechs Etagen verwandelt.

© Nils Kahlefendt

Cărtureşti Verona ist mit seinen Jugendstil-Stuckdecken und alten Öfen der Traum einer Buchhandlung.

Cărtureşti Verona ist mit seinen Jugendstil-Stuckdecken und alten Öfen der Traum einer Buchhandlung.

© Nils Kahlefendt

Coelho, Grisham & Co. - Das Bestseller-Regal bei Cărtureşti Verona könnte so wohl in jeder europäischen Metropole zu sehen sein.

Coelho, Grisham & Co. - Das Bestseller-Regal bei Cărtureşti Verona könnte so wohl in jeder europäischen Metropole zu sehen sein.

© Nils Kahlefendt

Der Autor, Politiker und Schatzmeister des Schriftstellerverbands Varujan Vosganian, dessen Armenien-Saga „Buch des Flüsterns“ 2014 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, gehört zu den Etablierten im rumänischen Literaturbetrieb. An diesem Tag wird er noch eine Rede im Parlament halten. In Leipzig stellt er seinen soeben ins Deutsche übersetzten Erzählband „Als die Welt ganz war“ vor.

Der Autor, Politiker und Schatzmeister des Schriftstellerverbands Varujan Vosganian, dessen Armenien-Saga „Buch des Flüsterns“ 2014 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, gehört zu den Etablierten im rumänischen Literaturbetrieb. An diesem Tag wird er noch eine Rede im Parlament halten. In Leipzig stellt er seinen soeben ins Deutsche übersetzten Erzählband „Als die Welt ganz war“ vor.

© Nils Kahlefendt

Mircea Cărtărescu ist der unumstrittene Star des rumänischen Buchmarkts, der sich auch in die Tagespolitik einmischt – in Kolumnen und auf seiner Facebookpräsenz sympathisiert er mit der Protestbewegung Resist. Sein neuer, großer Roman „Solenoid“, vor zwei Jahren in Rumänien erschienen, wird im Herbst 2019 in Deutschland erscheinen.

Mircea Cărtărescu ist der unumstrittene Star des rumänischen Buchmarkts, der sich auch in die Tagespolitik einmischt – in Kolumnen und auf seiner Facebookpräsenz sympathisiert er mit der Protestbewegung Resist. Sein neuer, großer Roman „Solenoid“, vor zwei Jahren in Rumänien erschienen, wird im Herbst 2019 in Deutschland erscheinen.

© Nils Kahlefendt

In einer Filiale der Buchhandlung Humanitas traf sich Cărtărescu zum Gespräch mit seinem deutschen Übersetzer Ernest Wichner.

In einer Filiale der Buchhandlung Humanitas traf sich Cărtărescu zum Gespräch mit seinem deutschen Übersetzer Ernest Wichner.

© Nils Kahlefendt

Das Rumänische Literaturmuseum wurde 2017 anlässlich seines 60jährigen Bestehens komplett neugestaltet und zeigt mit einigem medienpädagogischen Anspruch auf drei Etagen die Entwicklungen in Poesie und Prosa, Literaturkritik, aber auch die Literaturrezeption in Theater und Film. Die Skulptur der drei Großen Mircea Eliade, Emil Cioran und Eugène Ionesco dokumentiert eine ihrer ganz wenigen Begegnungen.

Das Rumänische Literaturmuseum wurde 2017 anlässlich seines 60jährigen Bestehens komplett neugestaltet und zeigt mit einigem medienpädagogischen Anspruch auf drei Etagen die Entwicklungen in Poesie und Prosa, Literaturkritik, aber auch die Literaturrezeption in Theater und Film. Die Skulptur der drei Großen Mircea Eliade, Emil Cioran und Eugène Ionesco dokumentiert eine ihrer ganz wenigen Begegnungen.

© Nils Kahlefendt

Mircea Dinescu, der am 22. Dezember 1989 vom Balkon des Präsidentenpalasts den Sturz der Ceaușescu-Diktatur verkündete, ist ebenfalls ein Säulenheiliger der modernen rumänischen Literatur. Heute besitzt er unter anderem ein Restaurant in Bukarest, das – nach einem Roman Ciorans – „Tränen und Heilige“ heißt.

Mircea Dinescu, der am 22. Dezember 1989 vom Balkon des Präsidentenpalasts den Sturz der Ceaușescu-Diktatur verkündete, ist ebenfalls ein Säulenheiliger der modernen rumänischen Literatur. Heute besitzt er unter anderem ein Restaurant in Bukarest, das – nach einem Roman Ciorans – „Tränen und Heilige“ heißt.

© Nils Kahlefendt

Silvia Colfescu gründete mit Vremea 1990 einen der ersten Privatverlage Rumäniens; heute publiziert sie mit zehn Mitarbeiterinnen rund 50 Bücher pro Jahr. Für die agile Dame, die in einer vom Zahn der Zeit angeknabberten Art-déco-Wohnung in der Bukarester Altstadt die Stellung hält, sind die beiden Buchmessen Bookfest und Gaudeamus überlebenswichtig, dort kaufen Leser mit üppigem Discount.

Silvia Colfescu gründete mit Vremea 1990 einen der ersten Privatverlage Rumäniens; heute publiziert sie mit zehn Mitarbeiterinnen rund 50 Bücher pro Jahr. Für die agile Dame, die in einer vom Zahn der Zeit angeknabberten Art-déco-Wohnung in der Bukarester Altstadt die Stellung hält, sind die beiden Buchmessen Bookfest und Gaudeamus überlebenswichtig, dort kaufen Leser mit üppigem Discount.

© Nils Kahlefendt

Der Dichter Claudiu Komartin, Jahrgang 1983, gründete 2010 mit Gleichgesinnten den auf Lyrik spezialisierten Verlag Casa de Editura Max Blecher. Pro Jahr erscheinen bis zu 15 Bücher und, gedruckt wie digital, die Zeitschrift „Poesie International“. Max Blecher (1909-1938), der Namenspatron, war ein jüdisch-rumänischer Autor, der seiner unheilbaren Knochentuberkulose ein schmales, aber gewichtiges Werk abtrotzte. Für Komartin ein eindrucksvolles Beispiel dafür, „was es heißt, sein Leben der Literatur zu widmen“.

Der Dichter Claudiu Komartin, Jahrgang 1983, gründete 2010 mit Gleichgesinnten den auf Lyrik spezialisierten Verlag Casa de Editura Max Blecher. Pro Jahr erscheinen bis zu 15 Bücher und, gedruckt wie digital, die Zeitschrift „Poesie International“. Max Blecher (1909-1938), der Namenspatron, war ein jüdisch-rumänischer Autor, der seiner unheilbaren Knochentuberkulose ein schmales, aber gewichtiges Werk abtrotzte. Für Komartin ein eindrucksvolles Beispiel dafür, „was es heißt, sein Leben der Literatur zu widmen“.

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